Olympia: Beijing stellt offizielle Englisch-Übersetzung von 2.000 Speisen und Getränken vor

„Nach mehrmaliger Optimierung sind die Regeln für die englische Übersetzung chinesischer Speisekarten vor kurzem veröffentlicht worden. In den Übersetzungsregeln, die vom Büro für auswärtige Angelegenheiten der Beijinger Regierung und dem Beijinger Tourismusamt gemeinsam veröffentlicht wurden, wird die englische Übersetzung von mehr als 2000 Speisen, Kuchen und alkoholischen Getränken vorgestellt.“ Das vermeldeten am 19.06.2008 die staatlichen Medien unter china.org.cn.

Der Spiegel klärt uns am selben Tag auf, was dahintersteckt: Die Sorge um den Appetit der Olympia-Touristen. Diese könnten von den teils „äußerst bizarren Angeboten“ auf chinesischen Speisekarten abgeschreckt werden. Etwa vom „Lungenflügel eines Ehepaares“, der nun schlicht als „Rinder- und Ochsenkutteln in Chilisoße“ ins Englische übersetzt werden soll. Das „Hühnchen ohne Sexualleben“ dürfte bei den Touristen als „gedünstete Pute“ tatsächlich besser ankommen. Und das scharfe Reisgericht „Bohnenquark gemacht von einer pockennarbigen Frau“, das sicherlich nur selten bestellt worden wäre, kommt nun als leckerer „Mapo Tofu“ auf den Tisch.

Laut Spiegel bezeichnet in China der Name eines Gerichts oft etwas phantasievoll dessen Gesamteindruck. Westliche Kunden seien hingegen Namen gewöhnt, die die Inhaltstoffe oder die Zubereitungsweise beschrieben.

Der 170 Seiten starke Übersetzungsführer wird an Hotels und Restaurants in Peking verteilt. Die meisten Gastronomen begrüßen die Empfehlungen. Vereinzelt ist aber auch Kritik zu hören. So beklagt ein Zeitungskolumnist, dass mit den Einheitsübersetzungen die „Doppeldeutigkeit und der unfreiwillige Humor“ verloren gingen.

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