Österreich: Arbeitssprachen der Gerichtsdolmetscher nicht bedarfsgerecht verteilt

Die österreichische Tageszeitung Der Standard weist darauf hin, dass die Arbeitssprachen der Gerichtsdolmetscher nicht bedarfsgerecht verteilt sind, obwohl die Liste des „Österreichischen Verbandes der gerichtlich zertifizierten Dolmetscher“ (ÖVGD) mehr als 500 Sprachmittler für 50 Sprachen enthält.

Wenig zu tun haben die fünf dort aufgeführten Schwedisch-Dolmetscher, denn im Jahr 2006 gab es nur 76 schwedische Tatverdächtige. Offenbar gar nicht benötigt werden die fünf Japanisch-Dolmetscher, denn im selben Zeitraum wurde kein einziger Japaner angeklagt.

Das andere Extrem: Es gibt in Österreich nur eine einzige zertifizierte Dolmetscherin für Georgisch, aber pro Jahr über 2.000 Tatverdächtige aus der Kaukasusrepublik. Noch schlechter sieht die Versorgung für die 1.600 mutmaßlichen Täter aus Nigeria aus: Für keine der drei Hauptsprachen des Landes (Yoruba, Hausa, Igbo) gibt es in der Verbandsliste einen Dolmetscher.

Daher bleibt im Justizalltag oft gar nichts anderes übrig als zu Notlösungen zu greifen. Das heißt es werden Verwandte oder Bekannte der Prozessbeteiligten oder andere nicht hinreichend qualifizierte Sprachkundige zum Dolmetschen herangezogen. Oder man weicht auf Drittsprachen wie Englisch aus.

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