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Archive für September 2008

10 Jahre mt-g: 75 Mio. übersetzte Wörter für die Medizin

mt-gDer europäische Marktführer für medizinische Fachübersetzungen mt-g feiert am 10.10.2008 seinen 10. Geburtstag. In der vergangenen Dekade hat das Unternehmen mit Sitz in Ulm rund 75 Millionen Wörter für die Medizin in über 150 Sprachen übersetzt. Aktuell beschäftigt mt-g 36 fest angestellte Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende, und über 600 freie Übersetzer.

Gegründet wurde mt-g 1998 von Gerlinde und Andreas Bendig, die heute als geschäftsführende Gesellschafter das Unternehmen leiten. Das Dienstleistungsspektrum umfasst ausschließlich Übersetzungen und Informationsmanagement für die Medizin. Zu den Schwerpunkten gehören Übersetzungen von Bedienungsanleitungen für medizintechnische und diagnostische Produkte, Zulassungsunterlagen und Packungsbeilagen für die Pharmazie sowie Produktinformationen für den Dentalbereich. Darüber hinaus unterstützt mt-g global agierende Unternehmen bei der Optimierung von Übersetzungsprozessen und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Kostenreduzierung.

mt-g betreut weltweit über 1.000 Kunden der Medizin- und Pharmaindustrie. Insbesondere der hohe Spezialisierungsgrad auf die Medizin und ihre Fachgebiete zählt zu den Erfolgsfaktoren von mt-g. “Medizinische Fachübersetzungen auf Top-Niveau sind nur mit speziellem Know-how und hochqualifizierten Experten zu realisieren, da bleibt keine Zeit für andere Branchen”, erläutert Andreas Bendig die Unternehmensphilosophie.

Übersetzungen von mt-g werden ausschließlich von Muttersprachlern erstellt, die den hohen Qualitätsstandards des Unternehmens entsprechen.

Zum 10. Geburtstag hat mt-g eine Sonderausgabe der Kundenzeitschrift Beipackzettel (Auflage 6.700) veröffentlicht. Neben der Unternehmenshistorie und einer ausführlichen Vorstellung des gesamten Teams enthält die Ausgabe Nr. 16 Glückwünsche von Ernst Pfister, Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Ivo Gönner, Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Dr. Peter Kulitz, Präsident der IHK Ulm sowie Dr. Philipp Daniel Merckle, Initiator der Aktion “World in Balance”, und der Stiftung “Menschen für Menschen” von Karlheinz Böhm.

[Text: Rüdiger Tillmann. Quelle: Pressemitteilung mt-g, 2008-09-30. Bild: mt-g.]

30. September: Heute ist Weltübersetzertag

Heute ist Weltübersetzertag - im von der UNO ausgerufenen “Jahr der Sprachen” 2008. Offiziell handelt es sich um einen “internationalen Tag der Übersetzung” (FIT: “International Translation Day”, “Journée mondiale de la traduction”). Der Tageszeitung Die Welt war dies unter der Überschrift “Internationaler Tag des Übersetzens” immerhin ein paar Zeilen wert.

Warum der 30. September? Dieser Tag gilt als Todestag des großen Gelehrten Hieronymus, dem Schutzpatron der Übersetzer. Dieser übersetzte zahlreiche Werke (u. a. die Bibel) aus dem Griechischen ins Lateinische. Lange Jahre lebte er als Einsiedler in der Wüste – eine Arbeitssituation, die auch heutigen Übersetzern vertraut ist. Weitere Parallelen sind sein nichtlinearer Lebenslauf und das Hin- und Hergerissensein zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen.

Seine Sprachkenntnisse im Hebräischen, Griechischen und Lateinischen sowie sein Überblick über die Wissenschaften waren für seine Zeit außergewöhnlich. Im Urteil der Nachwelt war er ein vorzüglicher Übersetzer. Insgesamt soll er sieben Sprachen beherrscht haben.

Geboren wurde Hieronymus 342 oder 347 in Stridon, an der Grenze der römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien (heute Sdrin, Kroatien). Gestorben ist er 419 oder 420 in Bethlehem. Wer ihm dort Blumen aufs Grab legen möchte, wird ihn nicht mehr antreffen, denn im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Rom überführt.

Wie jedes Jahr wird dieser Gedenktag weitgehend ignoriert - selbst branchenintern. Er ist somit eher ein Tag der verpassten Chancen. Wie gut könnte man ihn nutzen, um die Öffentlichkeit auf unsere Berufsgruppe aufmerksam zu machen!

Rühmliche Ausnahmen: Der Übersetzerverband ATICOM veranstaltete aus diesem Anlass ein Kollegentreffen mit Besichtigung der Zeche Zollverein in Essen und gab zum 30. September eine Pressemitteilung heraus. Die FIT, der Weltdachverband der Übersetzerverbände, trat ebenfalls wie jedes Jahr mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit, diesmal zur Bedeutung der Terminologie und Terminologen. Und auch der österreichische Übersetzerverband Universitas zeigt, wie man den Gedenktag nutzen kann. Er brachte folgende Presseaussendung auf den Weg:

Sprachdienstleistungen als Lebensretter: Mangelhafte Ausbildung besonders in Krisengebieten gefährlich

Am 30. September feiern ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen weltweit ihren Schutzpatron, den Heiligen Hieronymus.

In Kriegsgebieten sind gerade DolmetscherInnen oft auf einen Schutzengel angewiesen: Die tägliche Arbeit, etwa im Irak oder in Afghanistan, kann lebensgefährlich sein. “Das ist insofern besonders tragisch, als SprachdienstleisterInnen normalerweise Brücken zwischen Menschen und Kulturen bauen”, bedauert die Präsidentin des Österreichischen Übersetzer- und Dolmetscherverbandes UNIVERSITAS, Mag. Eva Holzmair-Ronge. Dazu kommt, wie kürzlich im ORF-”Weltspiegel” am Beispiel Afghanistan gezeigt, die Gefahr von Missverständnissen zwischen kriegsführenden Parteien, die durch mangelhafte Dolmetschungen gefördert werden. “Hier werden oft völlige Laien zum Dolmetschen herangezogen. Das ist so, als ob ein Fleischhauer zum Operieren ins Krankenhaus beordert würde.” In den Augen des Österreichischen Übersetzer- und Dolmetscherverbandes UNIVERSITAS wäre es daher angebracht, bei militärischen Operationen, Friedenssicherungs- und Wiederaufbaueinsätzen genügend Ressourcen zur Ausbildung der benötigten professionellen DolmetscherInnen bereitzustellen.

In Österreich absolvieren professionelle ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen eine universitäre Ausbildung, die auch Berufsethik beinhaltet, damit sie in ihrer so wichtigen Vermittlerrolle nicht nur den fachlichen, sondern auch den ethischen Anforderungen gerecht werden können. Die Jobaussichten sind gut: Weltweit wird der Markt für Übersetzungsdienstleistungen auf 11 Milliarden Dollar geschätzt. In einer zunehmend globalisierten Welt wächst der Bedarf nach Sprachdienstleistungen stetig, sowohl in der Privatwirtschaft als auch bei Behörden und, wie man sieht, auch in den Krisengebieten weltweit.

Alle Mitglieder des Österreichischen Übersetzer- und Dolmetscherverbandes UNIVERSITAS sind ausgewiesene Profis, für deren Qualifikation und Verlässlichkeit der Verband bürgt. Im Online-Verzeichnis auf www.universitas.org kann je nach gewünschter Sprache - von Albanisch bis Ungarisch - nach Mitgliedern gesucht werden. Das Verzeichnis kann auch kostenlos bei UNIVERSITAS angefordert werden.

Offener Brief: BDÜ fordert Justiz auf, nur Berufsdolmetscher zu beauftragen

In einem offenen Brief an den Europaausschuss des Deutschen Bundestages fordert der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), dass alle Bürger bei Bedarf einen professionellen Dolmetscher oder Übersetzer gestellt bekommen, wenn sie mit Behörden, Polizei oder Gerichten zu tun haben. Gleichzeitig weist er auf die Missstände in diesem Bereich hin.

22.09.2008
Offener Brief - Professionelle Übersetzungen für jeden Bürger

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Krichbaum,
Sehr geehrter Herr Abgeordneter Bodewig,

mit Interesse haben wir vor der Sommerpause in der Presse vom Antrag des Europaauschusses an die Brüsseler Kommissionsbehörde gelesen. Danach fordern Sie, dass den Abgeordneten alle wichtigen Dokumente zur Entscheidung auf Deutsch vorliegen müssen. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) unterstützt diese Forderung, denn wichtige Entscheidungen können nur getroffen werden, wenn alle Beteiligten die Texte zu 100 Prozent verstehen.

Die Forderung sollte sich jedoch nicht auf Politiker beschränken, sondern allen in Deutschland lebenden Personen zugutekommen, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind. Wir möchten anregen, dass alle Bürger bei Bedarf einen professionellen Dolmetscher oder Übersetzer gestellt bekommen, wenn sie mit Behörden, Polizei oder Gerichten zu tun haben. Leider ist dies nicht immer der Fall. Häufig kommen nicht ausreichend qualifizierte Kräfte zum Einsatz. Als größter deutscher Berufsverband für Dolmetscher und Übersetzer beobachten wir dies mit großer Sorge.

Aus Kostengründen greifen zahlreiche Gerichte und Polizeibehörden in Deutschland auf Laien-Dolmetscher und Laien-Übersetzer zurück, die nicht über die für eine solche Aufgabe erforderlichen Sach- und Sprachkenntnisse in vollem Umfang verfügen. Ein qualifizierter Gerichtsdolmetscher muss beispielsweise nicht nur die geforderten Sprachen beherrschen, sondern auch die Rechtssysteme der betreffenden Länder kennen. Missverständnisse und Fehlinterpretationen sind sonst vorprogrammiert – mit möglicherweise verheerenden Folgen.

Wir möchten Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass auch der normale Bürger im Kontakt mit Behörden, Polizei oder Gerichten Anspruch auf einen professionellen Dolmetscher oder Übersetzer hat.

Mit freundlichen Grüßen

Johann J. Amkreutz, Präsident
Antje Kopp, Vizepräsidentin

Der Verband erklärt seine Beweggründe wie folgt:

Die Abgeordneten des Europaausschusses des Bundestags fordern zu Recht, dass ihnen alle Dokumente aus Brüssel auf Deutsch vorliegen sollten. Insbesondere juristische Texte, aber auch die „Behördensprache“ stellen höchste Anforderungen an den Leser – sogar in der Muttersprache. Deshalb sollte auch jeder Bürger in Deutschland, der der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig ist, ein Anrecht auf einen ausgebildeten Dolmetscher oder Übersetzer haben, wenn er mit Behörden, Polizei oder Gerichten zu tun hat.

Laien-Dolmetscher in der Justiz

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer registriert mit Besorgnis, dass aus Kostengründen zunehmend Laien-Dolmetscher in der Justiz zum Einsatz kommen. Darin liegt eine Gefahr für alle Beteiligten. Die Rechte der Betroffenen werden nicht angemessen wahrgenommen.

Die Berufsbezeichnungen „Dolmetscher“ und „Übersetzer“ sind nicht geschützt. Sobald es um rechtliche Belange geht, sollte nur auf ausgebildete Dolmetscher und Übersetzer zurückgegriffen werden. Diese müssen über ausgezeichnete Kenntnisse in beiden Sprachen verfügen, „neutral“ und mit beiden Rechtssystemen vertraut sein. Das Vorhandensein derartiger Kenntnisse darf beim Einsatz von Laien in der Regel bezweifelt werden. Sie müssen zum Beispiel den Unterschied zwischen Angeklagten, Beschuldigten und Antragsgegnern kennen. Und wissen, dass eine Festnahme und eine Inhaftierung zwei verschiedene Dinge sind.

Beispiel: Dolmetscher bei Polizei und Gericht

Von Gerichten sollen nur beeidigte oder ermächtigte Dolmetscher und Übersetzer eingesetzt werden, das ist Vorschrift. Doch die Bezeichnung täuscht - nicht immer verbirgt sich dahinter ein qualifizierter Sprachmittler. Einige Bundesländer beeidigen oder ermächtigen nur ausgebildete Dolmetscher, aber noch nicht alle. In manchen Bundesländern (zum Beispiel Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz,) sind fachliche Voraussetzungen für die Arbeit als Gerichtsdolmetscher nicht ausdrücklich vorgesehen. Hier gelten vor allem die „persönliche Zuverlässigkeit“ oder „die Eignung und Sachkunde“, die vom jeweiligen Landesgericht beurteilt werden. Nach Ansicht des BDÜ sollte es eine einheitliche Regelung der Beeidigung und Ermächtigung für ganz Deutschland geben. Nur ausgebildete Sprachmittler sollten an Gerichten arbeiten dürfen.

Sparmaßnahmen bei der Polizei

Bei der Polizei ist der Einsatz von beeidigten oder ermächtigten Dolmetschern vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben. Deshalb greift insbesondere die Polizei zunehmend auf Laien-Dolmetscher zurück. Der Grund für diesen zunehmenden Missstand sind die Kosten, denn die Einkaufsabteilungen bei der Polizei sind angehalten, sich am günstigsten Preis zu orientieren. Das gilt auch für die benötigten Dolmetscher. Zum Vergleich: Ein Laien-Dolmetscher erhält durchschnittlich 10 bis 15 Euro pro Stunde für seine Arbeit. Professionelle Dolmetscher, die von ihrem Beruf leben und eine zweckentsprechende Ausstattung mit Fachbibliothek oder Geräten unterhalten müssen, können nicht umhin, deutlich mehr, nämlich im Bereich über 50 Euro, zu verlangen.

Seitens der Polizei heißt es, die Laien-Dolmetscher würden nur in den weniger wichtigen Fällen wie beispielsweise im Bereich Straßenverkehr hinzugezogen. Das ist ein Verstoß gegen Artikel 3 des Grundgesetzes, wonach alle Menschen gleich sind. Denn es bedeutet im Umkehrschluss, dass bei der Polizei nur schwere Delikte einen professionellen Dolmetscher verdienen. Außerdem kann aus einem vermeintlichen kleinen Fall auch ein großer Fall werden. Vor Gericht haben vom Laien-Dolmetscher übertragene Aussagen zudem keinen Bestand; sie sind nicht „rechtskräftig“. Wenn auch nur geringste Zweifel bestehen, müssen alle Vernehmungen noch einmal mit einem beeidigten Dolmetscher wiederholt werden. Die Kosten für die doppelte Arbeit trägt der Steuerzahler.

Zum Honorar von Dolmetschern bei Gericht und Polizei

Im Justizbereich regelt eigentlich das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) die Vergütung von Dolmetschern und Übersetzern für die Justiz und schreibt ein Stundenhonorar von 55 Euro vor. Gerichte müssen nach JVEG honorieren. Nicht so die Polizei. Doch das wird bei einigen Behörden gezielt umgangen. Es werden teilweise Rahmenverträge mit Sätzen verordnet, die den halben Satz vorsehen, gelegentlich auch darunter. Und die Polizei handelt individuell Verträge mit den Sprachmittlern aus. Im Behördendeutsch heißt das: „Die Heranziehung eines Dolmetschers unterliegt der Vertragsfreiheit.“ Ob ein Dolmetscher gut ist oder nicht, das kann ein Polizist nicht beurteilen. Im Alltag zählt dort nur, wer verfügbar und vor allem am günstigsten ist. Der BDÜ fordert, dass die Polizei nur mit ausgebildeten und geprüften Dolmetschern arbeiten sollte und diese nach JVEG zu honorieren sind.

Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ)
Der BDÜ vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 5.500 Mitgliedern vereint der BDÜ 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher auf sich und ist damit der größte Verband der Branche in Deutschland. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn die Anforderungen an die fachliche Qualifikation der Mitglieder sind hoch und werden vor der Aufnahme in den Verband überprüft. Weitere Informationen unter www.bdue.de.

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilungen BDÜ, 2008-09-22.]

Gerichtsdolmetscherin wegen Unfähigkeit entlassen, Verhandlung vertagt

In der Schweiz hat das Kreisgericht Bern-Laupen eine Gerichtsdolmetscherin wegen Unfähigkeit entlassen. Die Berner Zeitung schreibt: „[Die Aussagen des Opfers] wurden von einer Dolmetscherin übersetzt, und da gabs Probleme mit der Verständlichkeit. Gerichtspräsident Jean-Pierre Vicari ordnete schliesslich an, eine andere Übersetzerin zu suchen und die Befragung von X. zu vertagen.“

Angeklagt ist ein 33-jähriger Mann, dem vorgeworfen wird, eine aus Thailand stammende Frau mit einem Messer bedroht, genötigt und vergewaltigt zu haben.

[Quelle: Berner Zeitung, 2008-09-17.]

Dörte Andres: Dolmetscher als literarische Figuren

In den letzten Jahrzehnten spielt die Figur des Dolmetschers in literarischen Werken vermehrt eine Hauptrolle. An ihr werden aktuelle Themen wie die Suche nach Identität, Fremd- und Anderssein, Migration und kulturelle Hybridität anschaulich dargestellt.

Ausgewählte Werke von zwölf Schriftstellern, unter denen sich so bekannte Autoren wie Ivo Andrić, Ingeborg Bachmann oder Javier Marías finden, werden von der Autorin einer eingehenden Analyse unterzogen. Den literarischen Darstellungen werden kultur-, sprach- und translationswissenschaftliche Erkenntnisse gegenübergestellt.

Auf diese Weise wird nicht nur die Kluft zwischen Fiktion und Realität deutlich, sondern auch die Notwendigkeit einer berufsethischen Diskussion zum Rollenbild und Selbstverständnis von Dolmetschern.

Die Autorin, Dörte Andres, war nach Abschluss ihres Studiums als Dolmetscherin im Arbeitsministerium tätig. Seit 1986 lehrt sie am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (FASK) in Germersheim, der zur Universität Mainz gehört. Mit ihrer Habilitation 2007 hat sie die erste Lehrbefugnis für Dolmetschwissenschaft in Deutschland erworben.

Dörte Andres: Dolmetscher als literarische Figuren. Von Identitätsverlust, Dilettantismus und Verrat. Martin Meidenbauer, 2008. (536 Seiten, 68,00 Euro, ISBN 9783899751178.)

[Text: Verlag Martin Meidenbauer.]

26. September: Europäischer Tag der Sprachen

Kostenlose Hindi-Schnupperkurse in Wien, Französisch in Aachen und ein Fest der Sprachen in Prag – Wettbewerbe, Tanzdarbietungen, Sondersendungen im Radio und Fernsehen sowie Konferenzen über Spracherwerb und interkulturelle Verständigung: Quer durch Europa bieten sich am 26. September, dem Europäischen Tag der Sprachen 2008, vielfältige Möglichkeiten, mehr über Fremdsprachen zu erfahren und die Lust am Lernen und Sprechen zu entdecken.

„Die sprachliche Vielfalt Europas“ sei ein „wesentliches Element unseres geistigen Erbes und gehört zu unserem kulturellen Reichtum“, so EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering aus Anlass des Europäischen Tags der Sprachen. „Im Zuge der europäischen Einigung ist die Sprachenvielfalt immer mehr von einer Barriere zu einer Chance geworden“, ist Pöttering überzeugt.

Sprachen im Europäischen Parlament

Im Europäischen Parlament hat jeder Abgeordnete das Recht, in einer der 23 Amtssprachen zu sprechen. Auch die EU-Gesetzgebung sowie alle wesentlichen Dokumente im Gesetzgebungsverfahren werden in alle Amtssprachen übersetzt, um Transparenz und Bürgernähe zu gewährleisten.

Bürger können sich in der Amtssprache ihrer Wahl an das Parlament wenden – etwa um eine Petition einzureichen.

Das Europäische Parlament ist aus diesen Gründen nach der EU-Kommission der größte Arbeitgeber für Übersetzer und Dolmetscher weltweit.

Auch die Informationen über die europäische Volksvertretung auf der Website und dem neuen Parlamentsfernsehen EuroparlTV stehen zu einem großen Teil in mehr als 20 Sprachen zur Verfügung.

Spracherwerb fördern

Sprachen zu lernen und Fremdsprachen zu beherrschen erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und trägt zur Verständigung unter Völkern und Kulturen bei. Das Europäische Parlament unterstützt daher das Ziel, das alle EU-Bürger zwei Fremdsprachen erlernen und beherrschen.

Am 6. Oktober wird der für die Sprachenpolitik zuständige EU-Kommissar eine Mitteilung zur Mehrsprachigkeit im Kulturausschuss des Europaparlaments vorstellen.

[Text: Europäisches Parlament. Quelle: Pressemitteilung 2008-09-22. Bild: Europäisches Parlament.]

EU-Kommission legt Strategiepapier zur Förderung der Mehrsprachigkeit vor

In Europa gibt es viele Sprachen: Manche davon sind Amtssprachen, manche werden in bestimmten Regionen oder von Minderheiten gesprochen. Alle sind Bestandteil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes und machen uns zu dem, was wir sind. Diese große Palette wird durch die Sprachen und Kulturen, die die Zuwanderer zu uns bringen, noch bereichert. Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben heute größere Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

  1. Wir können uns in Europa frei bewegen. Es ist heute gang und gäbe, in ein anderes europäisches Land zu reisen, in dem eine andere Sprache gesprochen wird, um dort Urlaub zu machen, zu studieren oder zu arbeiten.
  2. Dank der täglichen Kontakte mit Menschen, die aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen zu uns gekommen sind, um bei uns in Europa zu leben, bieten heute viele unserer Städte ein ganzes Mosaik aus Sprachen und Kulturen.
  3. Als Folge der Globalisierung machen wir Geschäfte mit Kunden und Lieferanten in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten.

Sprache ist der Schlüssel zur Kommunikation. Sie ist auch der Schlüssel zu anderen Kulturen. Wenn wir keine Sprachen lernen, um uns gegenseitig zu verstehen, haben die Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Muttersprache nur zu häufig Missverständnisse und Abgrenzung zur Folge und führen damit auch dazu, dass Chancen verpasst werden.

Warum sind Sprachen so wichtig?

Sprachen sind für die Bürger im Alltag wichtig. Ein paar Beispiele: Sie reisen ins Ausland und müssen in einem Krankenhaus oder auf einer Polizeistation jemanden suchen, der Ihre Sprache spricht. Ihre afrikanischen Nachbarn würden sich gerne an den Aktivitäten der örtlichen Gemeinschaft beteiligen, wissen aber nicht, wie sie damit beginnen sollen, Ihre Sprache zu lernen. Sie finden eine interessante Information im Internet, aber in einer Sprache, die sie nicht verstehen. Sie sind Klempner, Krankenpfleger oder Arzt und möchten im Ausland arbeiten, aber weder Sie noch Ihre Familie sprechen die Sprache, die Sie dazu brauchen. Sie hoffen, einen wichtigen Vertrag mit einem chinesischen Geschäftspartner unterzeichnen zu können – wenn unter Ihren Mitarbeitern jemand wäre, der Chinesisch kann, hätten Sie einen Vorteil gegenüber Ihren Konkurrenten.

Warum soll auf EU-Ebene etwas geschehen?

Um die Lage zu verbessern, hat die Europäischen Kommission vorgeschlagen, ihr Handeln mit dem der Regierungen der Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments, der Regionen und der Sozialpartner zu bündeln, um den Menschen bewusst zu machen, wie vorteilhaft es sowohl für den geschäftlichen Erfolg als auch für den Dialog mit anderen Kulturen ist, mehrere Sprachen zu sprechen;
allen Bürgern die Möglichkeit zu bieten, zusätzlich zu ihrer Muttersprache zwei weitere Sprachen zu erlernen.

Diese Ziele bilden das Grundgerüst der so genannten “Mehrsprachigkeitspolitik”. Sie werden in einer Mitteilung der Kommission dargelegt. Dabei handelt es sich nicht um einen Rechtsakt, sondern um eine Art Strategiepapier. Die Kommission hat keinerlei Befugnisse, wenn es um die Organisation der Schulen geht. Dies ist ausschließlich Sache der Mitgliedstaaten. Genauso wenig verabschiedet die Kommission Gesetze, mit denen Sprachen gefördert werden sollen. Ihre Rolle beschränkt sich darauf, die politische Richtung aufzuzeigen, um den Mitgliedstaaten dabei zu helfen, die gemeinsamen Probleme zu lösen, vor denen ihre Bürger stehen.

Um ihre mittel- und langfristigen Ziele zu erreichen, fördert die Kommission die Mehrsprachigkeit durch eine ganze Reihe von Strategien und Programmen, mit denen die Mitgliedstaaten, örtlichen Behörden und Sozialpartner angeregt werden, selbst zu handeln. Im Jahr 2012 wird die Kommission prüfen, welche Fortschritte gemacht wurden.

Es ist klar, Sprachen sind wichtig. Aber welche soll man lernen? Die Kommission schlägt vor, dass jede Bürgerin und jeder Bürger neben der Muttersprache eine internationale Verkehrssprache und, entsprechend dem persönlichem Bedarf, den eigenen Interessen und dem familiärem Hintergrund, eine „persönliche Adoptivsprache“ auswählen und erlernen sollte.

Das 16-seitige Strategiepier “Mehrsprachigkeit: Trumpfkarte Europas, aber auch gemeinsame Verpflichtung” der Europäischen Kommission können Sie als PDF-Datei abrufen.

[Text: EU-Kommission. Quelle: Pressemitteilung, 2008-07-17. Bild: EU.]

Uni Graz bietet viersemestrigen Lehrgang Kommunaldolmetschen an

Arztbesuche oder Amtswege sind für die meisten Menschen eher unangenehme Erledigungen. Zu einer besonderen Hürde werden sie für Einwanderer, die weder mit der deutschen Sprache noch mit der hiesigen Kultur vertraut sind. Ein österreichweit einzigartiger Universitätslehrgang an der Karl-Franzens-Universität Graz bildet so genannte “Kommunaldolmetscher” für den sozialen und medizinischen Bereich aus, die mit professionellem Know-how in öffentlichen Institutionen eine reibungslose Kommunikation über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg ermöglichen sollen. Der Lehrgang, der bereits zum zweiten Mal angeboten wird, soll im Oktober 2008 starten.

“Die Achtung der Menschenrechte, der Würde sowie der persönlichen und kulturellen Integrität von MigrantInnen scheint im Verkehr mit öffentlichen Institutionen durch den Einsatz von Laien - manchmal auch Kindern und Verwandten - gefährdet. Denn diese sind meistens nicht imstande, eine einwandfreie Kommunikation zwischen KlientInnen und Institutionen zu sichern”, erklärt O. Univ.-Prof. Dr. Erich Prunc vom Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft der Uni Graz. Prunc hat den Lehrgang Kommunaldolmetschen 2004 ins Leben gerufen. “Die Professionalisierung dieses Bereiches ist auch angesichts der europäischen Integration dringend erforderlich, da aufgrund der Freiheit der Niederlassung die Zahl der EU-BürgerInnen, die solche Dolmetschdienste in Anspruch nehmen, stetig steigen wird”, so Prunc.

Voraussetzung für die Teilnahme am Universitätslehrgang Kommunaldolmetschen, der vom Land Steiermark gefördert wird, ist der Abschluss einer höheren Schule sowie hohe Sprachkompetenz in der deutschen und einer der folgenden Sprachen: Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Russisch oder Türkisch. Welche von diesen Sprachen angeboten werden können, hängt von der Zahl der Anmeldungen ab.

Die Ausbildung dauert vier Semester - 26 Semesterwochenstunden - und wird berufsbegleitend angeboten. Die Kosten belaufen sich auf 800 Euro pro Semester. Bei der Beantragung eines Stipendiums wird wenn nötig Hilfestellung geleistet.

Absolventen des Universitätslehrgangs sind berechtigt, die Bezeichnung “Akademisch geprüfte/r Fachfrau/Fachmann für Dolmetschen im kommunalen, sozialen und medizinischen Bereich” zu führen.

Kurzbeschreibung des Lehrgangs

Der Universitätslehrgang Kommunaldolmetschen befähigt die Teilnehmer, in verschiedenen kommunalen, sozialen, medizinischen und therapeutischen Einrichtungen als Sprach- und Kulturmittler (”Kommunaldolmetscher”) tätig zu sein. Die Teilnehmer erwerben die notwendigen translatorischen und kommunikativen Kompetenzen, um in verschiedenen Bereichen des sozialen und kommunalen Lebens verantwortungsvoll und professionell als Dolmetscher eingesetzt werden zu können.

Die Teilnehmer erwerben u.a. folgende Kompetenzen und Kenntnisse:

  • Kenntnisse über die Grundlagen der Kommunikation, die Anforderungen der interkulturellen Kommunikation und kulturell geprägtes Verhalten.
  • Kenntnisse über die Grundlagen der Translationswissenschaft (Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft).
  • Kenntnisse über unterschiedliche Rollenanforderungen, Rollenkonflikte und berufsethische Anforderungen in verschiedenen Fachgebieten und Einsatzfeldern und Strategien zum Umgang mit Rollenkonflikten.
  • Kenntnisse über verschiedene Fachgebiete und deren relevante Terminologie sowie eine adäquate Aufbereitung und Verwaltung dieser Fachterminologien.
  • Kenntnisse über und situationsadäquate Anwendung der für unterschiedliche Gesprächssituationen adäquaten Dolmetschtechniken.
  • Grundkenntnisse der Notizentechnik für Dolmetscher.

Ein Teil der Kursinhalte wird sprachübergreifend vermittelt, die Dolmetschübungen werden für die unterschiedlichen Sprachkombinationen sprachenpaarspezifisch angeboten.

[Text: Gudrun Pichler. Quelle: Pressemitteilung Kart-Franzens-Universität Graz, 2008-07-03.]

technische kommunikation 5/2008 und tcworld erschienen

Die technische kommunikation wartet in der neuesten Ausgabe 5/2008 unter anderem mit folgenden Themen auf:

  • Zusammenarbeit mit Zulieferern: Qualitätsverbesserung durch Kooperation
  • Praxistipps FrameMaker: Querverweise automatisieren
  • Leichter und besser schreiben: Das Verb macht’s
  • In sechs Monaten zum Terminologiemanagement: Mehr Spaß an Terminologie
  • Neue Herausforderungen durch Content-Management-Systeme
  • Kennzahlen für die technische Dokumentation

Die der technischen kommunikation beiliegende englischsprachige tcworld, das “magazine for international information management”, bringt unter anderem:

  • OASIS members promote DITA document standard
  • Outsourcing - buying a service or contracting a relationship?
  • More with less: The 80/20 rule of project management
  • Do different cultures have different navigation behavior?
  • Choosing media strategically for cross-border team communications
  • East meets West: Negotiating interculturally

Ausführliche Informationen zu den Publikationen finden Sie links im Menü unter “Zeitschriften”.

VdÜ: MV lehnt Vergütungsvorschlag ab. Neuer Vorstand gewählt

Die Mitglieder des Verbands deutschsprachiger Literaturübersetzer / Bundessparte Übersetzer in ver.di (VdÜ) haben am 20.09.2008 auf ihrer Mitgliederversammlung in Köln den zwischen der VdÜ-Verhandlungskommission und Random House ausgehandelten Entwurf einer gemeinsamen Vergütungsregel abgelehnt.

Zwei Drittel der Stimmberechtigten sah in dem Vorschlag das neue Urhebervertragsrecht von 2002, das eine angemessene Vergütung der Übersetzer vorsieht, nicht ausreichend umgesetzt. Für viele Übersetzer hätte der Vorschlag keine Verbesserung ihrer Honorare gebracht. Die Seitenhonorare drohten sogar hinter den Status Quo zurückzufallen.

Daraufhin trat der amtierende Vorstand, der die Annahme befürwortet hatte, zurück. Es wurde ein Interimsvorstand mit Hinrich Schmidt-Henkel (49) als erstem und Luis Ruby als zweitem Vorsitzenden gewählt, der bis zur nächsten regulären Mitgliederversammlung im Frühjahr 2009 im Amt bleibt.

Nach Angaben von Schmidt-Henkel herrschte auf der Versammlung “eine engagierte, aber sachliche Atmosphäre”. Gegenüber dem Fachmagazin buchreport erklärt er: “Wer in Köln dabei war, hat die optimistische und erleichterte Stimmung großer Teile der Versammlung gespürt. Der vorgelegte Vorschlag hätte einen status quo ante festgeschrieben und als angemessen etikettiert.”

In einem Interview mit Cicero-Online hatten sich die Verbandsaktivisten Christa Schuenke und Thomas Wollermann noch vor Kurzem für eine Annahme des Vergütungskompromisses ausgesprochen. Schuenke: “Ich hielte das für äußerst prekär, wenn man diese Chance verspielen würde. Ich fürchte, das kommt nicht noch einmal. Es hat ja schon Jahre gedauert, bis die großen Verlage überhaupt bereit waren, mit uns zu reden.” Der Verband sei durch die ganze Debatte zerrüttet worden, die sich immer mehr zu einem ideologischen Grabenkampf entwickelt habe. Es bestehe gar die Gefahr einer Spaltung.