VdÜ: MV lehnt Vergütungsvorschlag ab. Neuer Vorstand gewählt

Die Mitglieder des Verbands deutschsprachiger Literaturübersetzer / Bundessparte Übersetzer in ver.di (VdÜ) haben am 20.09.2008 auf ihrer Mitgliederversammlung in Köln den zwischen der VdÜ-Verhandlungskommission und Random House ausgehandelten Entwurf einer gemeinsamen Vergütungsregel abgelehnt.

Zwei Drittel der Stimmberechtigten sah in dem Vorschlag das neue Urhebervertragsrecht von 2002, das eine angemessene Vergütung der Übersetzer vorsieht, nicht ausreichend umgesetzt. Für viele Übersetzer hätte der Vorschlag keine Verbesserung ihrer Honorare gebracht. Die Seitenhonorare drohten sogar hinter den Status Quo zurückzufallen.

Daraufhin trat der amtierende Vorstand, der die Annahme befürwortet hatte, zurück. Es wurde ein Interimsvorstand mit Hinrich Schmidt-Henkel (49) als erstem und Luis Ruby als zweitem Vorsitzenden gewählt, der bis zur nächsten regulären Mitgliederversammlung im Frühjahr 2009 im Amt bleibt.

Nach Angaben von Schmidt-Henkel herrschte auf der Versammlung „eine engagierte, aber sachliche Atmosphäre“. Gegenüber dem Fachmagazin buchreport erklärt er: „Wer in Köln dabei war, hat die optimistische und erleichterte Stimmung großer Teile der Versammlung gespürt. Der vorgelegte Vorschlag hätte einen status quo ante festgeschrieben und als angemessen etikettiert.“

In einem Interview mit Cicero-Online hatten sich die Verbandsaktivisten Christa Schuenke und Thomas Wollermann noch vor Kurzem für eine Annahme des Vergütungskompromisses ausgesprochen. Schuenke: „Ich hielte das für äußerst prekär, wenn man diese Chance verspielen würde. Ich fürchte, das kommt nicht noch einmal. Es hat ja schon Jahre gedauert, bis die großen Verlage überhaupt bereit waren, mit uns zu reden.“ Der Verband sei durch die ganze Debatte zerrüttet worden, die sich immer mehr zu einem ideologischen Grabenkampf entwickelt habe. Es bestehe gar die Gefahr einer Spaltung.

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