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Archive für 14.11.2008
Bad Urach: Unfähige Dolmetscherin behindert Verhandlung
14.11.2008 von Richard Schneider.
Der Metzinger Modekonzern Hugo Boss wirft einem italienischen Geschäftsmann (55) vor, über das Internet gefälschte Boss-Hemden vertrieben zu haben. Vor dem Amtsgericht Bad Urach fand deshalb gestern eine Verhandlung statt. Diese wurde jedoch durch eine unfähige Italienisch-Dolmetscherin so stark behindert, dass die Zeugenbefragung vertagt werden musste. Die Reutlinger Nachrichten schreiben:
Die Verhandlung vor dem Bad Uracher Amtsgericht sollte Klarheit schaffen, doch das blieb zunächst ein fruchtloses Unterfangen. Nach der Anklageverlesung durch Staatsanwalt Benjamin Stolle sah sich die Dolmetscherin, die ja auch für gerichtliche Übersetzung vereidigt ist, weitaus überfordert, ihrer Aufgabe nachzukommen. Sie war mit ihren Italienisch-Kenntnissen überfordert. Hilfe hätte Anwalt Danilo Santin geben können, doch er durfte ja als Verteidiger nicht derart tätig werden. Richterin Dr. Stefanie Rebmann mühte sich redlich aber vergebens, der Übersetzerin einige Übertragungen zu entlocken und wenigstens einige Aufschlüsse zu erhalten. So fanden sich die Parteien immer wieder vor dem Tisch der Richterin zusammen, um an vorliegendem Material Licht in die Vorgänge zu bringen. […] Ohne befähigte Übersetzerin war die Anhörung der Zeugen hinfällig.
Immerhin konnte bei diesem ersten Termin auch ohne Hilfe der Dolmetscherin der Fall so weit geklärt werden, dass der beschuldigte Geschäftsmann, der einen mittelständischen Betrieb in Italien leitet, aller Wahrscheinlichkeit nach unschuldig ist. Offenbar bediente sich ein Betrüger seiner Identität (ähnliche E-Mail-Adresse und Website, gefälschter Briefkopf).
Fazit: Ein teurer Termin für alle Beteiligten, besonders für den offenbar zu Unrecht Beschuldigten, der den langen Weg aus Italien auf die Schwäbische Alb auf sich nahm. Möglicherweise muss er noch ein zweites Mal nach Deutschland kommen, wenn die Verhandlung mit einer des Italienischen mächtigen Dolmetscherin fortgesetzt wird.
Unser Kommentar: Es lohnt sich nicht, am Dolmetscher zu sparen. Hoffentlich wird auch das Gericht aus diesem Schaden klug.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Reutlinger Zeitung, 2008-11-14. Bild: Richard Schneider.]
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