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Archive für 20.1.2009
“Notleidende Banken” ist Unwort des Jahres 2008
20.1.2009 von Richard Schneider.
Zum Unwort des Jahres 2008 ist die Formulierung „notleidende Banken“ gewählt worden. Sie stellt nach Ansicht der Jury das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise rundweg auf den Kopf. Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis gerieten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssten, würden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert.
Die Jury kritisiert außerdem folgende Formulierungen:
„Rentnerdemokratie“
Als die Renten um ganze 1,1 Prozent erhöht werden sollten, malte der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, selbst Bezieher satter Altersbezüge, das Schreckbild eines Staates, einer „Rentnerdemokratie“, in der „die Alten die Jungen ausplündern“.
„Karlsruhe-Touristen“
Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt diffamierte Bürger, konkret die Politiker Gerhart Baum und Burkhard Hirsch, die wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen schon einmal vor das Bundesverfassungsgericht gegangen waren und dies beim neuen BKA-Gesetz noch einmal tun könnten, als „Karlsruhe-Touristen“ – ein bedenkliches Verständnis der Grundrechte.
Die Wahl eines „Unworts des Jahres“ erfolgte zum 18. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion 1991. Diesmal hatten sich 2.117 Einsender aus dem In- und Ausland, auch aus Übersee, mit 1.129 verschiedenen Vorschlägen beteiligt.
Der Jury für das Unwort des Jahres 2008 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a. M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Vertreter der Sprachpraxis war diesmal der Chefredakteur der „Thüringer Allgemeinen“, Sergej Lochthofen (Erfurt).
Zeitgleich wurde in Düsseldorf das Börsen-Unwort 2008 verkündet. Es lautet: „Leerverkauf“. Dieser Begriff sei irreführend, weil er befürchten lasse, dass Leerverkäufe ohne jeden „Inhalt“ vonstatten gehen könnten. Jeder Verkäufer aber müsse das Wertpapier, ggf. ein ausgeliehenes, im Depot haben, weil er am Kassamarkt binnen zweier Tage seiner Lieferverpflichtung gegenüber dem Käufer nachkommen müsse.
[Text: Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser. Quelle: Pressemitteilung Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres, 2009-01-20.]
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1.300 Besucher pro Tag - uepo.de immer beliebter
20.1.2009 von Richard Schneider.

Herr Schneider, wie sehen die Zugriffszahlen für das Jahr 2008 aus?
Von März bis Juni 2008 lag das Übersetzerportal brach. Seit Juli 2008 erscheinen wieder neue Artikel. Seitdem sind die Besucherzahlen angestiegen - im Durchschnitt der letzten drei Monate des Jahres auf 40.000 Besucher pro Monat. Das sind 1.300 pro Tag. Erstaunlich ist, dass die Besucherzahl auch in den Monaten, in denen das Portal nicht aktualisiert wurde, nicht unter 800 Besucher pro Tag abgesackt ist. Das liegt wohl daran, dass das riesige Textarchiv unter www.uebersetzerportal.de vollständig von den Suchmaschinen erfasst ist. Wer bei Google nach Informationen zur Übersetzungsbranche sucht, kommt am Übersetzerportal kaum vorbei. Die meisten Besucher landen nach einer Suche bei Google im Portal.
Rund 1.300 Besucher pro Tag - ist das viel oder wenig? Allein in Deutschland gibt es rund 30.000 Übersetzer …
Meiner Ansicht nach ist das ein guter Wert. Viel mehr dürften es auch in den kommenden Jahren nicht werden. Offenbar legt nur eine Minderheit unserer Kollegen Wert darauf, gut informiert zu sein. Die Informationsdrehscheibe uepo.de erreicht also nicht alle, aber durchaus die entscheidenden Leute der Branche.
Aus welchen Ländern kommen die Leser?
Mit großem Abstand natürlich aus Deutschland, gefolgt von Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen - in dieser Reihenfolge.
Im Juli 2008 sind Sie auf ein Blog-System umgestiegen. Warum?
Weil das die Arbeit enorm erleichtert. Die alte Website www.uebersetzerportal.de besteht aus statischen HTML-Seiten, die sozusagen von Hand fest miteinander verdrahtet sind. Das neue Blog-System unter www.uepo.de organisiert die Seiten selbsttätig. Ich kann mich darauf konzentrieren, die Artikel zu verfassen - den Rest erledigt das System. Das geht jetzt alles doppelt so schnell wie vorher.
Seit dem Neustart gibt es keine Werbebanner und keine Übersetzerdatenbank mehr. Warum?
Ich konzentriere mich lieber auf das, was mir Spaß macht - die Tagesschau der Branche zu erstellen. Die Banner und die Datenbank zu verschrotten, war eine echte Befreiung. So braucht man auch keine Rücksicht mehr auf Werbekunden zu nehmen.
Einige Berufsverbände bieten inzwischen ebenfalls aktuelle Nachrichten auf ihren Websites an. Wozu dann noch uepo.de?
Klar, gelegentlich wird eine Meldung von ADÜ Nord, BDÜ, ATICOM und uepo.de gleichzeitig verbreitet, aber das ist bei Zeitungen nicht anders. Jeder Herausgeber setzt in seinem Angebot aber andere Schwerpunkte und beleuchtet Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel.
Die Besonderheit von uepo.de besteht darin, dass es immer noch das einzige täglich aktualisierte Informationsangebot der Branche ist. Ein kleiner grüner Verband aus dem hohen Norden hat allerdings aufgeholt und bringt seit Kurzem werktäglich eine neue Meldung auf seiner Website.
Der Hauptunterschied zu anderen Angeboten aber bleibt die verbandspolitische und finanzielle Unabhängigkeit von uepo.de. So kann man offen über Missstände berichten. Im MDÜ steht hingegen grundsätzlich nichts, was dem Ansehen des Berufsstands in der Öffentlichkeit schaden könnte. Über bestechliche Dolmetscher und schurkige Übersetzungsbüros werden Sie daher auch künftig nur bei uepo.de etwas lesen können.
Ist uepo.de eigentlich ein Blog?
Ich nutze für den Betrieb eine Blog-Software, WordPress. Blog-typisch ist auch die tägliche Aktualisierung und die Tatsache, dass es sich um ein Ein-Mann-Projekt handelt.
Im Gegensatz zu Bloggern bemühe ich mich aber, meine persönliche Meinung nicht in die Artikel einfließen zu lassen. Das ist sehr schwierig und gelingt nicht immer. Anders als viele bloggende Übersetzerkollegen langweile ich die Leser nicht mit privaten Belanglosigkeiten. Ebenfalls Blog-untypisch ist die Beständigkeit von uepo.de. Blogs kommen und gehen, sind oft nur Projekte für eine Saison, aber uepo.de gibt es bereits seit 2001.
Das so entstandene Nachrichtenarchiv und Langzeitgedächtnis der Branche wirft bereits Probleme ganz eigener Art auf. Schon zweimal haben mich Kollegen gebeten, Berichte über ihre früheren Schandtaten zu anonymisieren. Das habe ich dann auch getan, weil sie glaubhaft versichern konnten, dass die uepo-Berichterstattung ihr berufliches Fortkommen behindert hat.

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