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Archive für 10.2.2009

Jefferson Farfáns Oma liegt im Sterben - ein Übersetzungsfehler?

Bei Streitfällen auf internationaler Ebene schieben Diplomaten seit Jahrtausenden gerne dem Dolmetscher die Schuld in die Schuhe. Auf diese Weise wird den Kontrahenten die Möglichkeit geboten, sich unter Wahrung des Gesichts wieder zu versöhnen. Die Dolmetscher werden in solchen Situationen gebeten, im Interesse der Sache den ungerechtfertigten Rüffel hinzunehmen. Der internationale Fußball lieferte dazu jetzt ein weiteres Beispiel. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Am Montag meldete Schalke, dass der peruanische Stürmer [Jefferson Farfán] mit Erlaubnis von Trainer Fred Rutten in die Heimat gereist sei, weil seine Oma, “mit der ihn immer ein besonderes Verhältnis verbunden hat”, im Sterben liege. Farfán bitte aber darum, “dass dieses traurige Thema in den Zeitungen nicht groß thematisiert” werde.

Die Bild-Zeitung hielt sich nicht daran und erfuhr über ein peruanisches Boulevardblatt, dass sich beide Großmütter des Fußballers bester Gesundheit erfreuen. Farfán hatte die Krankheit der Oma offenbar nur erfunden, um sich von dem als gutmütig bekannten Trainer einen Sonderurlaub genehmigen zu lassen. Der wahre Anlass der Reise war laut peruanischen Medien eine Beziehungskrise. Freundin Melissa fühlt sich in Südamerika vernachlässigt.

Nach Bekanntwerden dieser Fakten erklärte Schalke 04 als Arbeitgeber des mit 10 Mio. Euro teuersten Einkaufs der Vereinsgeschichte, dass es bei den Erklärungen zur Gesundheit der Oma wohl “einen Übersetzungsfehler” gegeben habe. Die Frau liege nicht im Sterben, aber dass es ihr nicht gutgehe, sei eine Tatsache.

Der Vereinssprecher drückte sein Bedauern über das Missverständnis aus, der Torjäger flog schon am nächsten Tag zurück ins Ruhrgebiet und die Angelegenheit war zumindest gegenüber der Öffentlichkeit erledigt. Welche Konsequenzen hinter den Kulissen gezogen wurden, ist nicht bekannt.

Siehe dazu auch unser Dossier Der Schuldige ist immer der Dolmetscher.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2009-02-05.]

Medizinisch-soziales Dolmetschen: Potsdamer Babel-Gruppe ausgezeichnet

Die ehrenamtliche Potsdamer Dolmetschergruppe Babel ist im Wettbewerb „Teilhabe und Integration von Migrantinnen und Migranten durch bürgerschaftliches Engagement“ von der Stiftung „Bürger für Bürger“ zum Landessieger Brandenburg gekürt worden.

Lucia Muriel, Diplom-Psychologin aus Ecuador, hat die Vereinigung gegründet, die in medizinischen und sozialen Situationen unentgeltlich für Einwanderer dolmetscht. Die inzwischen 40 Mitglieder sind für rund 30 Sprachen gerüstet.

Oft sind nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Hürden zu überwinden. Die im Iran geborene Dipl.-Inf. Shahla Payam sagt: „Wenn in meiner Heimat jemand schon im Sterben liegt, sagt man oft noch, es gehe ihm nicht gut. In Deutschland dagegen denkt man bei Kopfschmerzen sofort an einen Hirntumor.“

Das Büro des ehrenamtlichen Dolmetscherdienstes ist dem „Fachberatungsdienst für Zuwanderung, Integration und Toleranz“ des Landes Brandenburg angegliedert.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Märkische Allgemeine, 2009-02-02.]

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