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Archive für 22.2.2009

Englisch als Amtssprache? Sturm der Entrüstung in der Schweiz

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) empfahl vor wenigen Tagen, Englisch zur Teil-Amtssprache aufzuwerten. Dies war ein Ergebnis des Forschungsprogramms “Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz”. Die Reaktionen reichen von entrüsteter Ablehnung in den französischsprachigen Kantonen bis hin zu vereinzelter Zustimmung unter den Deutschschweizern.

Kulturminister Pascal Couchepin äußerte sich bislang noch nicht. Der Tages-Anzeiger schreibt: “Aus seinem Umfeld war jedoch zu erfahren, was der Romand von einer Aufwertung des Englischen hält: Gar nichts.” Der Freiburger CVP-Nationalrat Dominique de Buman ist Präsident der Organisation “Helvetia Latina”, die sich der Förderung der romanischen Sprachen verschrieben hat. Er meint zu dem Vorschlag: “Das ist lächerlich und kommt überhaupt nicht in Frage.” Der Neuenburger SP-Nationalrat Didier Berberat, Funktionär der internationalen frankofonen Parlamentariervereinigung, pflichtet dem bei: “Ich wehre mich gegen diesen Kultur-Imperialismus des Englischen. Englisch zu fördern ist zwar sehr in Mode. Wir sollten uns aber auf die Landessprachen konzentrieren.” Falls eine weitere Sprache Teil-Amtssprache werden sollte, schlägt Berberat Portugiesisch oder Albanisch vor. Auch der St. Galler SVP-Nationalrat Theophil Pfister weist darauf hin, dass es in der Schweiz weiter verbreitete Sprachen als das Englische gibt: “Ich sehe nicht ein, warum Englisch Teil-Amtssprache werden soll, nicht aber Albanisch.”

In der Tat nannten im Jahr 2000 bei der Schweizer Volkszählung 1,3 Prozent der Bevölkerung Albanisch als Muttersprache, 1,2 Prozent Portugiesisch und nur 1 Prozent Englisch.

Ungeachtet der Proteste setzt sich der Vormarsch des Englischen weiter fort. Seit Anfang 2009 veröffentlicht der Bund Rechtstexte “von besonderer Tragweite oder internationalem Interesse” auch auf Englisch. Im Tages-Anzeiger heißt es:

«Wir kommen mit der Arbeit kaum noch nach», sagt Stephen Frost, Leiter des englischen Sprachdienstes der Bundeskanzlei. Neben Rechtstexten übersetzen er und seine vier Mitarbeiter vor allem Webauftritte, Reden und Briefe der Bundesräte. Auch die meisten Departemente beschäftigen eigene Englisch-Übersetzer oder beauftragen externe Büros. Wie der Bundesrat 2007 aufgrund einer Anfrage Berberats ausführte, gibt der Bund pro Jahr schätzungsweise 2,1 Millionen Franken für Übersetzungen ins Englische aus.
Noch weiter als die Forscher des Nationalfonds möchte der Zürcher FDP-Ständerat Felix Gutzwiller gehen. 2007 forderte er den Bundesrat auf, Englisch als vollwertige Amtssprache einzuführen. Doch die Regierung lehnte den Vorstoss ab. «Ich bin froh, dass das Thema wieder auf den Tisch kommt», sagt Gutzwiller. Ihm gehe es nicht darum, die Landessprachen zu konkurrenzieren. Eine Aufwertung des Englischen wäre seiner Ansicht nach jedoch ein wichtiger Standortvorteil im Wettbewerb um die besten Talente. «Die Immigration aus englischsprachigen Ländern wird weiter zunehmen. Wir sollten uns darauf vorbereiten», erklärt Gutzwiller.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Schweiz: SNF empfiehlt Englisch als Teil-Amtssprache

[Text: Richard Schneider. Quelle: Tages-Anzeiger, 2009-02-17. Bild: Archiv.]

Turbulente Biathlon-WM: Dolmetscherin Kseniya Lomakina schweißgebadet

Biathlon-Weltmeisterschaften sind normalerweise eine an Langeweile kaum zu überbietende Veranstaltung, doch in Südkorea ging es dieses Jahr hoch her. Die Süddeutsche Zeitung interviewt aus diesem Anlass Kseniya Lomakina, eine „gestresste Dolmetscherin in Pyeong Chang“. Auch sie bestätigt, dass sie eine solche Verwirrung und eine so angespannte Stimmung bei Pressekonferenzen noch nicht erlebt habe.

  • Sie schwedische Mannschaft erhielt wegen ihres engagierten Auftretens gegen Doping Morddrohungen per E-Mail aus Russland.
  • Beim Verfolgungsrennen war lange unklar, wer gewonnen hatte. Die Kampfrichter mussten ihre Entscheidung nach Protesten revidieren.
  • Eine deutsche Athletin verwechselte bei Trockenübungen im Aufwärmraum das Magazin ihrer Flinte und gab aus Versehen einen scharfen Schuss ab. Die Offiziellen fanden den glatten Durchschuss in der Holzwand im Gegensatz zu den Mädels der deutschen Mannschaft gar nicht lustig und sperrten die Olympiasiegerin für ein Rennen.
  • Hinzu kamen technische Pannen und ungünstiges Wetter.

Die Zeitung schreibt:

SZ: In der Sitzung ging es ja auch um Doping und Morddrohungen. Es hieß, die Übersetzerin sei hinterher schweißgebadet gewesen.
Lomakina: Ich war erschöpft, stimmt. Man bleibt schon deshalb nicht unberührt, weil man in den Ärger manchmal hineingezogen wird.
SZ: Wie das?
Lomakina: Teile der russischen Medien behaupteten, ich hätte die Russin Saizewa mit den Worten übersetzt: “Doping find ich gut”. Das ist Unfug.

Lomakina spricht außer Russisch noch Ukrainisch, Deutsch, Englisch und ein bisschen Spanisch: „Meine Eltern sind Russen. Ich wurde zu Sowjetzeiten in der Ukraine geboren. Seit sechs Jahren lebe ich in Deutschland. Ich habe Sprachen in der Ukraine studiert und Medienwissenschaften in Tübingen.“

Das vollständige Interview können Sie in der Süddeutschen Zeitung lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2009-02-21.]

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