Nach Anschlag auf Sikh-Führer fehlen Urdu-Dolmetscher

Nach dem Attentat auf Sektenführer im Sikh-Gebetshaus in der Wiener Pelzgasse gestalten sich die Ermittlungen der Polizei als schwierig. Behindert werden sie vor allem durch die Sprache.

In der Tageszeitung Die Presse heißt es: „So fehlt es an Dolmetschern für die Einvernahme der Attentäter und die Befragungen von Zeugen, die nur Urdu sprechen, noch dazu einen Dialekt. Noch schwieriger wird es bei der Übersetzung von Schriftstücken, die in den Wohnungen der Attentäter beschlagnahmt wurden.“ Und Der Standard schreibt: „Das Hauptproblem bei den Einvernahmen und Befragungen von Zeugen sei derzeit, dass die Verdächtigen Urdu sprechen, und für diese Sprache nur sechs Dolmetscher zur Verfügung stehen. Übersetzt werden muss zudem ein Dialekt. Die Dolmetscher verstehen ihn in gesprochener Form, nicht aber schriftliche Aufzeichnungen.“

Hinzu kommt, dass die Polizei keinerlei Erfahrungen mit der als friedfertig geltenden indischen Religionsgruppe der Sikhs besitzt, die auf ihrer österreichischen Website schreibt: „Da eine der Säulen des Sikhismus neben der Nächstenliebe die Gewaltlosigkeit ist, distanziert sich die Gemeinschaft der Sikh in Österreich von diesem Attentat und verurteilt jede Art des Fanatismus.“

Am vergangenen Sonntag waren sechs mit Pistolen und Messern bewaffnete Inder in das Gebetshaus eingedrungen und hatten einen kurz zuvor für einen Vortrag aus Indien eingetroffenen Führer der „Dera Sachkhand“-Sekte ermordet. Ein zweiter Prediger und einer der Attentäter wurden schwer verletzt und liegen im Krankenhaus. 16 weitere Personen zogen sich leichtere Verletzungen zu.

In Indien vermuten die Medien, dass hinter der Auseinandersetzung eine alte Rivalität zwischen der sich an niedrigere Kasten wendenden, aufstrebenden Sekte und den traditionell höherkastigen orthodoxen Sikhs steckt. Die Hindustan Times titelte „Alte Fehde, neue Bühne“.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Presse, 2009-05-27, 2009-05-28; Der Standard, 2009-05-26. Bild: photocase.de.]

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