Kupsch-Losereit: Wie entsteht eine gute Übersetzung?

Kupsch-LosereitWie entsteht und was ist eine gute Übersetzung? Wie bildet man gute Übersetzer aus? Dr. Sigrid Kupsch-Losereit versucht in ihrem Buch, eine Antwort auf diese Fragen zu geben. Die ausgewählten Aufsätze beschreiben unter historischen und prozeduralen Gesichtspunkten den Weg, den ein Ausgangstext bis zum Zieltext in einem anderen Lebens- und Kulturzusammenhang zurücklegt. Sie geben einen Überblick sowohl über die theoretischen Grundlagen als auch über den konkreten Übersetzungsprozess, die übersetzerischen Strategien und ihre Didaktisierbarkeit. Prozesse, die im Übersetzergehirn vonstatten gehen, werden theoretisch aufgedröselt, durch Anschauungsmaterial nachvollziehbar und tragen dadurch zur Optimierung translatorischen Lehre bei.

Sie zeigen – im Idealfall – den Übersetzer als autonomes Subjekt, das dem Original nicht sklavisch dient, sondern Original und Übersetzung in Beziehung setzt, auswählt, zwischen ihnen verhandelt, zwischen dem, was verloren geht, und dem, was zur Überbrückung von Kulturdifferenz gewonnen wird. Von unterschiedlichen theoretisch-methodologischen Positionen aus ergibt sich schließlich ein Richtmaß für translatorisches Handeln, das ein zielkulturell kohärentes Textverständnis ermöglicht. Zum Schluss werden Kriterien zur Qualitätsbeurteilung von Übersetzungen an praktischen Textbeispielen verständlich dargelegt.

Die von Sigrid Kupsch-Losereit zusammengestellte Wegbeschreibung translatorischen Handelns ist aus ihrer Dozententätigkeit am Germersheimer Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz entstanden. Ihre zwischen 1976 und 2007 entstandenen Aufsätze geben Einblick in die Inhalte translatorischer Lehre und in die Entwicklung translatologischer Forschung. Die chronologische Wiedergabe zeigt, welchen Weg die Verfasserin im Rahmen der sich entfaltenden Übersetzungswissenschaft gegangen ist. Neben der Suche nach theoretischen Grundlagen zur Beschreibung der Translation (u. a. Textlinguistik, Hermeneutik, Handlungstheorie, Funktionale Translationstheorie, Kognitionswissenschaft) stehen Fragen der Übersetzungsdidaktik im Vordergrund.

Sowohl Studierende und wissenschaftlicher Nachwuchs an Instituten für Übersetzen und Dolmetschen, wissenschaftlich oder beruflich arbeitende Fachleute als auch interessierte Laien erhalten neue und spannende Einblicke in die Welt der Translation.

Sigrid Kupsch-Losereit wurde 1942 in Dortmund geboren. Von 1961 bis 1966 studierte sie in Heidelberg, Bonn, Tours und Caen Germanistik, Romanistik und Philosophie. Sie promovierte 1969 an der Universität Heidelberg über die Lyrik der französischen Symbolisten. Von 1970 bis 1972 arbeitete sie als DAAD-Lektorin an der Universität Reims, danach als akademische Mitarbeiterin am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim. Von 1973 bis 2005 nahm sie an Tagungen und internationalen Konferenzen teil und lehrte im Rahmen von internationalen EU-Programmen (Erasmus, Socrates etc.) an Universitäten in Bordeaux, Paris, Prag und Antwerpen. Seit 2005 ist Sigrid Kupsch-Losereit pensioniert.

Sigrid Kupsch-Losereit (2009): Vom Ausgangstext zum Zieltext. Eine Wegbeschreibung translatorischen Handelns. Berlin: Saxa. 234 Seiten, 32,90 Euro, ISBN 978-3-939060-13-0.

[Text: Saxa Verlag. Bild: Saxa Verlag.]

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