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Archive für 4.9.2009
MemoQ 3.6: Aufsteigender Stern aus dem Osten
4.9.2009 von Richard Schneider.
Seit März 2009 gibt es die neue Version von MemoQ. MemoQ ist ein innovatives Übersetzungsprogramm der ungarischen Firma Kilgray Translation Technologies. Kilgray Translation Technologies wurde im Jahr 2004 gegründet und bot bereits ein Jahr später die erste Version von MemoQ an.
MemoQ ist sowohl als Einzelplatz- als auch als Serverversion verfügbar. Wie die bekanntesten Wettbewerbsprodukte bietet MemoQ vollumfänglich die Standardfunktionen von Translation Memory Technologien. Die Bedienung ist intuitiv. Im Hauptfenster wird die Übersetzung in einer Tabelle editiert. Für mehrere Formate besteht ergänzend zur Tabellenansicht eine Layoutansicht. Der Übersetzer kann für sein Projekt eine beliebige Zahl von Translation Memories und Terminologiedatenbanken heranziehen.
MemoQ importiert Dateien aus den gängigen Formaten von MS-Office bis zu InDesign und XML und kann sie zu Projekten zusammenfassen. Der Übersetzer kann die Inhalte mehrerer Dateien in einer einzigen gemeinsamen Tabelle bearbeiten. Filter für Interleaf bzw. QuarkXPress fehlen. MemoQ unterstützt wichtige Standards oder Quasistandards für Übersetzungsprojekte und Translation Memories wie XLIFF, TTX oder TMX.
Zusätzlich zu der vollen Kompatibilität zu Dateien des Marktführers SDL-Trados kann MemoQ Übersetzungsprojekte von Star-Transit (auch der neuen NXT-Version) bearbeiten. Somit verbleibt unter den führenden Anbietern von Übersetzungssystemen nur noch Across, der sich gegen den freien Austausch von Projekten über TTX- oder den XLIFF-Standard sperrt. In den nächsten Jahren wird sich der Trend verstärken, Übersetzungsprojekte mit beliebigen Tools zu bearbeiten, wie es heute für das Editieren von XML-Dateien der Fall ist.
Hervorzuheben sind eine Reihe nützlicher Funktionen für die tägliche Praxis, die MemoQ auszeichnen. Ähnlich wie SDLStudio mit seiner AutoSuggest-Funktion und TransitNXT mit der Dual-Fuzzy-Funktion hat MemoQ die Erkennung wiederverwendbarer Übersetzungen unterhalb der Segmentebene implementiert. Diese Funktion heißt LSC, ein wohl etwas originelles Akronym für “Längster Teilstring-Konkordanzvorschlag” (Longest Substring Concordance), also für die längsten wiederverwendbaren Untersegmente. Wie SDL-Studio kennt MemoQ das 101% Wiedererkennungsprinzip, also ein Gütesiegel für “bessere” Wiederholungen mit Kontextbezug. Sehr hilfreich sind auch die Konfigurationsmöglichkeiten der “Gehe zu”- Funktion. Hier kann der Übersetzer über viele Optionen festlegen, zu welchem Segment der Cursor springt, wenn die Übersetzung des aktiven Segments bestätigt wird. So kann er bestimmen, dass der Cursor zum nächsten automatisch zusammengeführten Segment springt und dabei gesperrte Segmente überspringt.
Die Möglichkeiten, Segmente zu sortieren, zu filtern und zu sperren sind sehr umfangreich und vielseitig. Der Übersetzer oder Projektmanager kann zur weiteren Überarbeitung alle Segmente entweder in ein bilinguales oder in ein MemoQ-Dokument exportieren. Dabei kann man die Segmente filtern und festlegen, ob der Bearbeiter des Dokuments nur Kommentare oder auch Änderungen machen darf. Für den Review-Prozess bietet diese Funktion einmalige Vorteile. Ein in der Übersetzungsbranche schlecht gelöstes Problem ist die Überarbeitung und Korrektur von Übersetzungen durch externe Lektoren beispielsweise in Auslandsniederlassungen. Bisher hat man sich oft mit Notizen in PDFDokumenten oder Excel-Tabellen beholfen. Mit einer kostenlosen Spezialversion von MemoQ kann der Lektor direkt im exportierten MemoQ-Dokument arbeiten. In der Serverversion können sogar gleichzeitig mehrere Lektoren das Dokument bearbeiten. Beim Re-Import in das Projekt werden Änderungen der Lektoren automatisch übernommen.
Die Serverversion verfügt über eine sehr nützliche und einmalige Funktion für die Arbeit im Team. Es kommt immer wieder vor, dass mehrere Übersetzer gemeinsam an einem Übersetzungsprojekt arbeiten. Sie können sich auf dem Server einloggen und online übersetzen. Unser Test zeigte keine wahrnehmbare Verlangsamung gegenüber der lokalen Arbeitsweise. Im Verbindungsfenster sehen alle eingeloggten Übersetzer zwei Paneele. Im Forumfenster können sie gemeinsam alle Informationen lesen, die der Projektmanager zur Verfügung stellt. Im Chatfenster können die Übersetzer in Echtzeit mit dem Projektmanager oder unter sich kommunizieren.
Kleiner Wermutstropfen: Die Terminologieverwaltung ist ausbaufähig. So fehlt noch die Unterstützung von Austauschstandards wie TBX, OLIF oder MARTIF. Die Terminologiedatenbank ist immerhin begriffsorientiert und kann Grafiken anzeigen, hat aber eine begrenzte vordefinierte Zahl von Feldern. Für den normalen Bedarf reicht sie allerdings voll aus.
Preislich sind die Konditionen sehr attraktiv. Für Dienstleister und Firmen ist MemoQ also eine interessante Alternative oder Ergänzung zu bekannten Produkten.

Mehr als 120 Teilnehmer aus 22 Ländern versammelten sich am 23./24.04.2009 in Budapest
zur ersten Anwenderkonferenz, dem so genannten “MemoQ Fest“.
Ausführliche Informationen unter http://de.kilgray.com
[Text: D.O.G. GmbH. Quelle: D.O.G. news 3/2009, Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion. Bild: Kilgray.]
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