Richter vergisst, Dolmetscher zu laden: Prozess vertagt

Bei einem Prozess wegen Raubes und Körperverletzung in Rheine ist ein 50-jähriger Kosovo-Albaner der Hauptbelastungszeuge. Auf seinen bereits im Sommer 2007 gemachten Aussagen basiert die Anklage. Bei der jetzt erst aufgenommenen Verhandlung stellte das Gericht überrascht fest, dass der Mann kaum Deutschkenntnisse besitzt. Die Münsterländische Volkszeitung schreibt:

Angesichts der verworrenen Schilderung mit starkem Akzent kapitulierte die Staatsanwältin in diesem Moment: „Die wesentlichen Punkte verstehe ich nicht, ohne Dolmetscher ist die Vernehmung nicht möglich.“ Die Anhörung wurde ausgesetzt. Schöffenrichter Büssemaker bemühte sich um einen Dolmetscher in Rheine.

Währenddessen wurde die Verhandlung mit der Befragung weiterer Zeugen und der Angeklagten fortgesetzt. Letztendlich kam das Gericht mit der Wahrheitsfindung aber nicht voran. Die Lokalzeitung schildert das Ende der Verhandlung:

„Da kurzfristig kein Dolmetscher aufzutreiben war, wurde der Prozess vertagt, möglicher Weise auf 2010. Ob das Erinnerungsvermögen der vielen Zeugen, die draußen warteten, so lange hält, ist fraglich. Ebenso drängte sich die Frage auf, ob nicht absehbar war, dass der Geschädigte nur schwer verständliches Deutsch spricht.“

[Text: Richard Schneider. Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 2009-09-25.]

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