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Archive für 10.10.2009
Literatur-Nobelpreis für ehemalige Übersetzerin Herta Müller
10.10.2009 von Richard Schneider.
Herta Müller (56) erhält den Nobelpreis für Literatur 2009. Müller habe „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ gezeichnet, so die Nobel-Stiftung.
Müllers Verleger, Michael Krüger vom Carl Hanser Verlag, freut sich über die Preisvergabe und sagt: „Mit Herta Müller, in der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien aufgewachsen, wird eine Autorin ausgezeichnet, die auch zwanzig Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts darauf beharrt, die unmenschlichen Seiten des Staatskommunismus in Erinnerung zu behalten. Ihre hochliterarische Trauerarbeit ist ein eindrückliches Beispiel einer engagierten europäischen Literatur, die mit analytischer Schärfe und poetischer Genauigkeit unsere Geschichte zur Gegenwart macht.“
Herta Müller, deren Familie zur deutschen Minderheit in Rumänien gehörte, wurde als Banater Schwäbin geboren. Deutsch ist ihre Muttersprache, Rumänisch lernte sie erst im Alter von 15 Jahren.
Ihr Großvater war ein wohlhabender Bauer und Kaufmann, der unter dem kommunistischen Regime enteignet wurde. Ihre Mutter, eine Bäuerin, wurde zu jahrelanger Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Ihr Vater war ein alkoholkranker Lkw-Fahrer, der einige Jahre in der Waffen-SS diente.
Nach dem Abitur studierte Müller an der Universität des Westens in Temeschwar (Timişoara) Germanistik und rumänische Literatur. Ab 1976 arbeitete sie als Übersetzerin in einem Maschinenbaubetrieb. Eine Arbeit, die ihr wenig zusagte. „Ich konnte diese desolate, verrostete, eiserne Welt nicht mehr sehen“, erinnert sie sich später. 1979 wurde sie entlassen, weil sie sich weigerte, mit der Securitate (rumänische Stasi) zusammenzuarbeiten. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt mit zeitweiliger Lehrtätigkeit in Schulen und Kindergärten sowie mit privatem Deutschunterricht.
Ihr erstes Buch konnte 1982 in Rumänien nur in zensierter Fassung erscheinen. 1987 reiste Herta Müller mit ihrem damaligen Ehemann nach West-Berlin aus, wo sie heute noch lebt. In den folgenden Jahren erhielt sie eine Reihe von Lehraufträgen an Universitäten in Deutschland, England, den USA und der Schweiz.
Viele Rumänisch-Übersetzer in Deutschland dürften ähnliche Lebensläufe haben, die im Banat oder Siebenbürgen ihren Anfang nahmen.
Mehr zur 300-jährigen Geschichte der rund 750.000 Banater Schwaben, die inzwischen fast vollständig nach Deutschland zurückgekehrt sind, bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Banater_Schwaben
[Text: Wikipedia, Hanser Verlag, Richard Schneider. Bild: Hanser Verlag.]
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