„Das ist ja unübersetzbar!“ Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf im Interview

Asterix

Morgen jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem in Frankreich die erste Asterix-Geschichte im Comic-Magazin Pilote erschienen ist. Die Welt Online hat deshalb ein ausführliches Gespräch mit der über jahrzehnte stilprägenden Übersetzerin Gudrun Penndorf geführt, die Band 1 bis 29 der bisher 34 Asterix-Alben ins Deutsche übersetzt hat. Die Zeitung schreibt: „Diese Übertragung gilt als ein Meisterstück, vergleichbar mit der legendären Donald-Duck-Übersetzung von Erika Fuchs

Gudrun Penndorf sagt über die Anfänge ihrer Arbeit in den 1960er Jahren:

Als ich das erste Mal einen französischen Band in die Hände bekam, dachte ich, das ist ja unübersetzbar! 1967, ein Jahr bevor ich angefangen habe, Asterix zu übersetzen, hat mir eine französische Freundin zum ersten Mal einen Band in der Originalsprache gezeigt. Sie hat immer schallend gelacht, als wir das zusammen durchlasen. Und ich habe gefragt: „Erklär mir das mal!“ Natürlich habe ich es größtenteils verstanden. Ich war ja ausgebildete Übersetzerin und habe in Frankreich gelebt. Aber diese Wortspiele wiederzugeben, deutsche Formulierungen zu finden, die auch den deutschen Leser zum Lachen bringen – das ist nochmal was anderes!

Das Interview ist ungewöhnlich lang und gerade dadurch interessant. Wir erfahren unter anderem, wie Gudrun Penndorf zu dem Job ihres Lebens kam und welche besonderen Probleme bei der Adaptierung zu lösen waren. Den vollständigen Text finden Sie samt Foto der Übersetzerin auf der Website der Welt.

Den Grund für ihr Ausscheiden als Übersetzerin bei Egmont Ehapa beschrieb sie 2004 in einem Gespräch mit comedix.de: „Das nahm ein Ende, als ich nach Band 29 eine an den Erfolgen des Verlags orientierte Bezahlung verlangte.“ Dabei ging es auch um eine Vergütung für die  zahlreichen Dialektvarianten (Asterix auf Hessisch usw.), die auf ihrer Übersetzung beruhten. Nach jahrelangem Streit schlossen Verlag und Übersetzerin schließlich einen Vergleich. Als Übersetzer fungierte fortan Ehapa-Herausgeber Adolf Kabatek (1997 verstorben) bis Klaus Jöken engagiert wurde.

Die Übersetzungsgeschichte der Asterix-Bände beginnt 1965 mit einem gerne verdrängten Kapitel, zu dem es bei Wikipedia heißt:

Rolf Kauka [Schöpfer von Fix und Foxi] erhielt als erster die Rechte, die in Frankreich und Belgien bereits bekannten Abenteuer von Asterix im deutschsprachigen Raum zu veröffentlichen. Kauka hatte das Recht auf freie Bearbeitung erhalten und machte aus den Galliern Germanen. Asterix und Obelix wurden bei Kauka zu Siggi und Babarras (letzterer wird häufig als Barbaras oder Barrabas falsch zitiert), der Druide wurde zu Konradin (nach Konrad Adenauer), der Häuptling Abraracourcix zu Mark Hein. Das gallische Dorf trug den Namen „Bonhalla“ (Bonn/Walhalla) und lag irgendwo in Germanien. Der Menhir von Obelix blieb ein solcher (Menhir: Stein, Steinchen – die Bezeichnung Hinkelstein gibt es erst seit den Ehapa-Bearbeitungen ab 1967), das Tragen des Steins wurde jedoch als Schuldkomplex gedeutet. Die Geschichten spielten wie im Original zur Zeit von Julius Caesar, in den Übersetzungen waren dennoch viele politische Anspielungen auf die BRD der Sechziger Jahre enthalten, ebenso auf die DDR. Die mit amerikanischem Einschlag sprechenden römischen Besatzer entsprachen dabei den alliierten Besatzern der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Der Autor Thomas Bleicher spricht im Hinblick auf Kaukas Eindeutschung von „einem eher dunklen Kapitel deutscher Comic-Historie“, Andreas C. Knigge von einem „braunen Süppchen“, das Kauka aus Asterix kochte. Fakt ist, dass die Urheber René Goscinny und Albert Uderzo die Verfremdung nicht goutierten, Kauka nach Veröffentlichung von insgesamt vier Abenteuern im Magazin Lupo (später Lupo Modern) die Lizenz entzogen und spätere Übersetzungen streng kontrollierten.

Nachdem Kauka die Rechte verloren hatte, brachte er eine eigene Adaption der Asterixgeschichten unter dem Titel Fritze Blitz und Dunnerkiel heraus.

Mehr zum Thema
Wikipedia-Eintrag „Gudrun Penndorf“
Der Kauka-Effekt – Wie aus den Galliern Asterix und Obelix im März 1965 national gesinnte Germanen wurden
„Erst einmal zwei Wochen lang die Haare gerauft“ – Der neue Asterix-Übersetzer Klaus Jöken im Interview
Asterix-Übersetzer Klaus Jöken: “Meine Lieblingsfigur ist Troubadix”

[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt Online, 2009-10-28; comedix.de, 2004-04; www.asterix.de; wikipedia.de. Bild: Les Éditions Albert René/Goscinny-Uderzo, mit freundlicher Genehmigung der Verlagspressestelle.]

WordPress theme: Kippis 1.15