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Greifswalder Konferenz zur Sprachpolitik in der Übersetzungspraxis
Dieser Eintrag stammt von Richard Schneider Am 2.11.2009 @ 06:15 In Wissenschaft, Veranstaltungen | Kommentarfunktion deaktiviert
Heute und morgen (02.-03.11.2009) findet an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald eine Konferenz zum Thema „Sprachpolitik in der Übersetzungspraxis“ statt. Untertitel: „Beiträge zu Fragen der sprachpolitischen Praxis in kleineren Sprachgemeinschaften.“ Veranstalter sind die Lehrstühle für Baltistik und Fennistik am Institut für fremdsprachliche Philologien.
Die Vorträge halten erfahrene Übersetzer, Dolmetscher und Wissenschaftler, die seit Jahren einen EU-weiten Prozess begleiten, in dem Sprachen mit wenigen Sprechern zu Empfängern von sprachlichen Strukturen geworden sind, die von anderen vorgegeben werden. Gleichzeitig versucht die nationale Politik, dieser Empfängerrolle zu entkommen – durch eine alle Lebensbereiche erfassende Sprachpflege.
In der Programmankündigung heißt es:
An der Übersetzungspraxis von Finnisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch, Isländisch und Udmurtisch soll nachgezeichnet werden, welche Auswirkungen eine normative Sprachpolitik auf die Praxis des Übersetzens haben kann und welche Probleme insbesondere die graduellen Unterschiede in der „Normierungsstrenge“, die zwischen den sprachpflegerischen Maßnahmen der verschiedenen europäischen Staaten bestehen, zeitigen können.
Ins Auge gefasst werden sollen nicht nur literarische Übersetzungen, sondern das breite Spektrum übersetzter Schriftlichkeit. Unser erklärtes Ziel ist es nicht, gegenüber einer normativen Sprachpflege ablehnend zu sein, sondern es geht uns darum zu hinterfragen, inwieweit die oft „vom Schreibtisch“ aus – sei er der eines Politikers oder der eines Linguisten – entwickelten sprachlichen Regeln in der Praxis Anwendung finden können und welche Wirkungen und Auswirkungen dabei entstehen. Wir haben als Referenten gerade Übersetzer und Dolmetscher, die aus ihrer langjährigen Praxis berichten können, und Akademiker, die die sprachpflegerischen Aktivitäten und Mechanismen seit Jahren nachzeichnen und deren praktische Auswirkungen kennen, geladen.
Ein „ewiger“ Anlass zur Kritik von Seiten der sprachpflegerisch Aktiven sind diejenigen Texte, die durch die EU auf die Sprachgemeinschaften kommen. Sie gelten im Hinblick auf die selbstgesetzten Normen als „schwer übersetzbar“. Weil das Prozedere, durch das in der EU Übersetztungstexte entstehen, und die Rolle, die in diesem Prozedere nationale sprachpflegerische Vorstellungen spielen, oft einer breiteren Öffentlichkeit nicht genau bekannt sind, freuen wir uns, die Leiterin der deutschen Sprachabteilung in der Generaldirektion Übersetzen bei der Europäische Kommission für eine gesonderte Abendveranstaltung gewinnen zu können, die das EU-Prozedere zum Thema haben wird. Die Abendveranstaltung richtet sich damit an ein breiteres Publikum und insbesondere auch an alle jene Studierenden, die vielleicht davon träumen, einmal bei der EU als Übersetzer zu arbeiten.
Auf dem Programm stehen folgende Vorträge:
[1] www.baltistik.uni-greifswald.de/aktuelle-veranstaltungen.html
[Text: Richard Schneider. Quelle: Informationsdienst Wissenschaft; Institut für Baltistik, Uni Greifswald.]
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