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Archive für April 2010

Videokonferenztechnik bei Gericht: Richterbund fürchtet Nachteile für Dolmetscher

Der Deutsche Richterbund (DRB) sieht in dem vom Bundesrat vorgelegten Gesetzesentwurf durchaus Potenzial, das zu einer Beschleunigung von Verfahren führen kann. Allerdings ließen nicht alle Vorschläge diesen Effekt erwarten. In einer Pressemitteilung heißt es:

Hinsichtlich der Dolmetscher liegt die Schwierigkeit regelmäßig darin, einen geeigneten Dolmetscher zu finden. Ihn für die betroffenen Verfahrensteile herbeizuholen, hat demgegenüber – soweit ersichtlich – noch nicht zu Problemen geführt.

Darüber hinaus wird die Tätigkeit des Dolmetschers bei einer Videoübertragung erheblich erschwert und ist dem Verfahren häufig nicht dienlich. So übt der Dolmetscher neben seiner Übersetzungstätigkeit für das Gericht und die jeweiligen Verfahrensbeteiligten häufig auch eine Übersetzungstätigkeit zwischen einer Prozesspartei und deren Prozessbevollmächtigtem aus. Diese Gespräche sind regelmäßig nicht dazu bestimmt, von anderen Verfahrensbeteiligten mitgehört zu werden. Probleme sind zudem bei der Übersetzung von Schriftstücken zu erwarten. Häufig werden zu verlesende Schriftstücke dem Dolmetscher in Ablichtung vorgelegt, damit dieser den Text zugleich ablesen und danach übersetzen kann. […]

Übergreifend für alle Verfahrensordnungen gilt, dass der bislang sparsame Einsatz der Videotechnik insbesondere an der insoweit häufig mangelnden Ausstattung bei den Justizbehörden scheitert. Dass sich diese Situation alleine aufgrund der vorgeschlagenen Änderungen verbessern würde, darf bezweifelt werden.

Ebenfalls für alle Verfahrensordnungen gilt, dass der Einsatz der Videotechnik im freien Ermessen des Gerichts stehen sollte. Das Gericht darf im Einzelfall nicht dazu gezwungen werden können, auf eine Verhandlung herkömmlicher Art zu Gunsten der Videokonferenz zu verzichten.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Gesetzgeber will Einsatz von Videokonferenztechnik bei Gericht fördern

[Quelle: Pressemitteilung Deutscher Richterbund, Nr. 10/10, April 2010.]

Richter: “Es hat keinen Zweck, der Dolmetscher taugt nichts.”

Am Hagener Landgericht sollten in einem Mordprozesses zwei englischsprachige Zeuginnen vernommen werden. Doch dies war nicht möglich, weil der Dolmetscher seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Auf DerWesten.de, dem Internetportal der WAZ-Mediengruppe, heißt es:

Für den dritten Verhandlungstag im Prozess gegen den Lüdenscheider Abbas F., der eine junge Prostituierte in einem Hagener Bordell ermordet haben soll, hatte das Schwurgericht vorgesehen, auch zwei Schwestern der Toten zu vernehmen. Als sich am Donnerstag herausstellte, dass eine Aussage der beiden Schwestern ohne einen Übersetzer unmöglich sein würde, reagierte die Kammer sofort, bestellte einen Dolmetscher – und erlebte dann die nächste böse Überraschung.

Der vermeintliche Fachmann für die englische Sprache vermochte es noch nicht einmal, die Zeugenbelehrung entsprechend zu übersetzen oder gar auf die Wahrheitspflicht hinzuweisen. Vielmehr informierte er die beiden Zeuginnen, was sein Job sei. Der Vorsitzende Richter Dr. Frank Schreiber hatte schließlich genug gehört: „Es hat keinen Zweck, der Dolmetscher taugt nichts.“ Konsequenz: So schnell der Übersetzer gekommen war, so schnell ging er auch wieder. Die Vernehmung beider Zeuginnen wurde auf Mittwoch verschoben.

[Quelle: DerWesten.de, 2010-04-29.]

Gesetzgeber will Einsatz von Videokonferenztechnik bei Gericht fördern

BundesadlerDer Deutsche Bundesrat hat ein “Gesetz zur Intensivierung des Einsatzes von Videokonferenztechnik in gerichtlichen und staatsanwaltschaftlichen Verfahren” entworfen und dem Deutschen Bundestag zur Beschlussfassung zugeleitet. Davon ist auch die Arbeit der Gerichtsdolmetscher betroffen. In der Begründung heißt es:

In der gerichtlichen Praxis hat sich der Einsatz von Videokonferenztechnik noch nicht entscheidend durchgesetzt. Dies beruht zum einen auf der meist noch fehlenden technischen Ausstattung der Gerichte, Justizbehörden und Anwaltskanzleien, zum anderen aber auch auf der Anknüpfung der Verfahrensordnungen an das Einverständnis der Beteiligten zum Einsatz von Videokonferenztechnik.

Die Vorteile der verstärkten Nutzung des Einsatzes von Videokonferenztechnik in gerichtlichen und staatsanwaltschaftlichen Verfahren liegen jedoch auf der Hand. […] Der geringere zeitliche Aufwand für alle Beteiligten und das Gericht erleichtert die Terminierung von mündlichen Verhandlungen und Erörterungsterminen und trägt damit zu einer Verfahrensbeschleunigung und einer Erhöhung der Wirtschaftlichkeit […] bei. […]

In § 185 des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) ist für Dolmetscher vorgesehen, dass diese bei Verhandlungen, Anhörungen oder Vernehmungen mittels Videokonferenztechnik zugeschaltet werden können. Gleiches gilt für das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren. Die Strafprozessordnung (StPO) bestimmt in § 58b, dass die Vernehmung eines Zeugen unter Verzicht auf seine persönliche Anwesenheit erfolgen kann. […]

Die Verstärkung des Einsatzes von Videokonferenztechnik stellt ein Serviceangebot im Sinne einer kundenorientierten Justiz dar. […]

Die Kosten der Intensivierung des Einsatzes von Videokonferenztechnik werden im Bereich der Beschaffung derzeit je nach technischer Leistungsfähigkeit und Spezifikation auf 5 000 bis 12 000 Euro pro Videokonferenzanlage geschätzt. Hinzu kommen Kosten für die Bereitstellung von Leitungen/Anschlüssen. […]

Das Gesetz erweitert die Möglichkeiten der Einvernahme von Zeugen, Sachverständigen, sachverständigen Zeugen und auch von Dolmetschern im Wege der Bild- und Tonübertragung. Anderweitige Möglichkeiten der Gewinnung von Informationen bei Auskunftspersonen oder der über Dolmetscher erfolgenden Vermittlung fremder Sprachen bleiben unberührt (z. B. über Telefon).

[Textzusammenstellung: Richard Schneider. Quelle: Drucksache 17/1224 des Deutschen Bundestages vom 24.03.2010.]

ATICOM-Verbandszeitschrift FORUM 1/2010 erschienen

ATICOMDer Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher, ATICOM, hat kürzlich das neue FORUM veröffentlicht. Neben mehreren Seminarberichten sind für ermächtigte Übersetzer und für die an den Gerichten tätigen Dolmetscher mehrere Artikel dabei. Aus dem Inhalt:

Veranstaltungsankündigungen
- Anglophoner Tag
- Existenzgründungsseminar

IT-Ausstattung
Wie viel Computer braucht der Mensch?

Rezension
- Fachwörterbuch Kraftfahrzeugtechnik Französisch

Veranstaltungskalender

Veranstaltungsberichte
- ATICOM-Fachseminare Rechtsspanisch für Übersetzer
- ATICOM-Workshop für Portugiesisch-Übersetzer „Strafrecht in Brasilien und Portugal“
- ATICOM-Workshop „Der Portugiesisch-Dolmetscher im Strafverfahren“
- Honorare erfolgreich verhandeln

Preise und Markt
- Nach Outsourcing jetzt Crowdsourcing
- Die Eier legende Wollmilchsau

Praxistipps
- Online-Honorarrechner

Steuern & Versicherungen
- Operation mit der Krankenkasse abstimmen

Urkundenübersetzungen
- Teilnehmerbewertungen der Prüfung der deutschen Rechtssprache
- Bestätigung der Richtigkeit fremder Übersetzungen

Gerichtsdolmetscher
- Englisch als Gerichtssprache bei Wirtschaftsstreitigkeiten

ATICOM-Förderpreis 2009
- Und der ATICOM-Förderpreis 2009 geht an …

Deutsch aktuell
- Deudsch

Sowohl diese als auch die älteren Ausgaben des FORUMs können Sie als PDF auf der ATICOM-Webseite unter www.aticom.de/a-verbzeit.htm herunterladen.

[Text: Bettina Behrendt. Quelle: Pressemitteilung ATICOM, 2010-04-26. Bild: ATICOM.]

tolingo wächst und wächst und wächst

tolingoDem Hamburger Start-up tolingo ist es gelungen, das Handelsblatt zu einem längeren Bericht über die eigenen Aktivitäten zu bewegen. Die Wirtschaftszeitung schreibt, dass das Internet-Übersetzungsbüro „den stark fragmentierten Markt in Bewegung“ gebracht habe:

Verantwortlich dafür sind das Internet und ein kleines Unternehmen, das von einem “alten Hasen” und einem “jungen Hüpfer” geführt wird. Es bringt Übersetzer und Auftraggeber in Echtzeit weltweit zusammen. Roman Reimer und Hanno von der Decken wirken wie Brüder – und so arbeiten sie auch zusammen: Reimer ist 48 Jahre alt und war früher als Marketing- und Vertriebsexperte bei Gruner + Jahr und anderen Großunternehmen, von der Decken, 24 Jahre jung, ist Techniker und “Vater” der Geschäftsidee.

Das im Herbst 2007 gestartete Unternehmen ist wie alle Internet-Start-ups auf Pump finanziert. 2008 seien die Gründer des Telefondienstleisters blau.de mit rund einer halben Million Euro eingestiegen. Und erst vor wenigen Monaten habe der Risikokapitalgeber Neuhaus Partners mit einer Finanzspritze geholfen.

In den letzten zwei Jahren sei die Mitarbeiterzahl von 3 auf 23 und die Zahl der Kunden von 10 auf 3.000 gestiegen. Die Bürofläche habe man von 12 auf 202 Quadratmeter vergrößern müssen. Die monatlichen Umsätze lägen inzwischen im sechsstelligen Bereich. Die Zahl der freien Übersetzer, mit denen man derzeit zusammenarbeite, belaufe sich auf 2.500.

tolingo bemüht sich, die Arbeitsabläufe so weit wie möglich zu automatisieren und über das Internet abzuwickeln. Die Auftragsvergabe erledigt der Computer: „Jedes Dokument, das übersetzt werden soll wird den drei am besten geeigneten Übersetzern angeboten. Wer zuerst zuschlägt, hat den Job.“ Gut die Hälfte des Endkundenhonorars werde an Übersetzer und Korrektoren gezahlt.

Das Geschäftsmodell von tolingo ist nicht neu. Vor zehn Jahren, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, hat es in Deutschland mindestens zwei vergleichbare Versuche gegeben, von denen sich das im Jahr 2000 in Hamburg gegründete 24translate.de von Marc-Christian Rossig und Lone Wolf am Markt behaupten konnte.

Spektakulär gescheitert ist hingegen – ebenfalls in Hamburg – die 1999 von drei branchenfremden Twens gegründete wwts AG (world-wide translation service), die „mittelfristig die weltweite Marktführerschaft“ anstrebte. (Die Gründer, von denen heute noch einer in der Übersetzungsbranche tätig ist, haben uepo.de zu verstehen gegeben, dass sie ihre Namen auf dieser Website nicht zu lesen wünschen.)

Auf internationaler Ebene verfolgen Live Translation und myGengo ein mit tolingo vergleichbares Konzept.

Den genannten Artikel über Tolingo können Sie in voller Länge im Handelsblatt lesen.

Ein Video-Interview mit Hanno von der Decken (8:35 Min.) können Sie sich auf der Website Deutsche-Startups.de anschauen. Von der Decken erläutert darin die Entstehungsgeschichte und das Geschäftskonzept von tolingo.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Marc-Christian Rossig von 24translate: „Gute Übersetzer sind zickig.“
world wide translation service AG meldet Insolvenz an

[Text: Richard Schneider. Quelle: Handelsblatt, 2010-04-16. Bild: tolingo.]

Drei Neuübersetzungen zur Auswahl: Welcher Koran soll’s denn sein?

„Waren nach dem 11. September 2001 alle Koranübersetzungen vergriffen, so herrscht heute ein Überangebot. Die alten Übertragungen, darunter lange und zu Recht vergessene, sind wiederaufgelegt worden. Drei neue sind nun erschienen. Wer im Buchladen nach dem Koran fragt, steht vor dem Dutzend lieferbarer Ausgaben wie der sprichwörtliche Ochs vor dem Berg.“ So Stefan Weidner in einem Artikel für die Frankfurter Rundschau, in dem er die Neuübersetzungen miteinander vergleicht.

Weidner kennt sich aus, er ist vom Fach. Islamwissenschaften, Germanistik und Philosophie hat er unter anderem in Damaskus studiert. Er arbeitet als Autor, Übersetzer, Literaturkritiker und seit 2001 als Chefredakteur einer vom Goethe-Institut herausgegebenen Zeitschrift, die sich dem Dialog mit der islamischen Welt verschrieben hat. Darüber hinaus hat Weidner zahlreiche Lyriker aus dem Arabischen übersetzt.

Das grundsätzliche Problem lautet: „Unter den religiösen Gründungstexten von Weltgeltung ist der Koran einer der jüngsten und schwierigsten, kaum übersetzbar.“ Weidner verdeutlicht die Schwierigkeiten am Beispiel der ersten regulären Sure, der zweiten nach der gebetsformelhaften Eröffnungssure:

  • Bobzin: „Dies ist das Buch, in dem kein Zweifel ist – es ist Geleit für Gottesfürchtige.“
  • Asad: „Diese göttliche Schrift – keinen Zweifel soll es darüber geben – ist eine Rechtleitung für alle Gottesbewussten.“
  • Karimi/Uhde: „Dies die Schrift, darin kein Zweifel, Rechtleitung für die Gottesfürchtigen.“

Nach einigen Überlegungen zu dem, was hier gemeint ist und wie man es verständlich ausdrücken könnte, kommt Weidner zu dem Schluss:

Dann aber hieße der Satz sinngemäß nichts anderes als: „Diese über jeden Zweifel erhabene Schrift ist ein Wegweiser für Gottesfürchtige.“ Genau so wird die Bedeutung klar, und doch wird in allen Übersetzungen ein Krampf daraus. […]

Erfahrene Übersetzer würden diesen irreführenden Interpretationsmöglichkeiten nicht auf den Leim gehen. Genau das ist Teil des Problems: Alle Koranübersetzer, die neuen wie die alten, der gute alte Rückert ausgenommen, sind keine Übersetzer, geschweige denn erfahrene. Sie sind nur und allein Koranübersetzer und ansonsten Akademiker (Bobzin), Schwärmer (Karimi/Uhde) oder Gläubige mit einer spezifisch exegetischen Agenda (Asad). Das heißt zum einen: Der Koran ist gar nicht so unübersetzbar, wie es scheint. Zum anderen: Bis heute verwirren alle Übersetzungen diesen ohnehin verwirrenden Text noch mehr. […]

Allen drei neuen Übersetzungen merkt man wie auch den meisten früheren an, wie der von Gläubigen vehement vertretene Mythos von der Unübersetzbarkeit des Korans auch die nichtgläubigen Übersetzer affiziert und ihnen eine oft unsinnige, der Vermittlung schadende Texttreue auferlegt. Das, was aber am Koran unübersetzbar ist, ist in Wahrheit nichts anderes als das, was auch die Muslime und selbst die gebildetsten arabischen Muttersprachler nicht verstehen und über dessen Deutung sie streiten.

Und wie lautet letztendlich die Empfehlung des Experten? Welche Koran-Übersetzung sollte sich der deutsche Bildungsbürger ins Regal stellen?

Wenn von den deutschen Koranen daher einer vor den anderen empfohlen werden soll, dann falle die Wahl auf Bobzins Fassung. Nicht weil sie den endgültigen, nicht einmal weil sie endlich einen lesbaren deutschen Koran liefert, sondern als der traditionsbewussteste und bildungsbeflissenste Spross des knorpeligen deutschen Astes, der aus dem hypertextuellen Stamm des einzigen und ewigen arabischen Korans gewachsen ist.

Weidners umfassenden Artikel können Sie in voller Länge auf der Website der Frankfurter Rundschau lesen. Dessen alberne Überschrift („Der Mensch ist nicht aus Tesafilm gemacht“) hat ganz gewiss nicht der Autor, sondern ein leitender Redakteur verbrochen.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Hartmut Bobzins Koran: die neue Standardübersetzung
Herder und Beck legen neue Koran-Übersetzungen vor

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Rundschau, 2010-04-24.]

Österreich kürt “Sprachmaniacs 2010″

WIFI Sprachmania 2010

Die brillantesten Sprachentalente der österreichischen allgemeinbildenden höheren Schulen stehen fest. An der WIFI Sprachmania 2010, dem größten Fremdsprachenwettbewerb der Alpenrepublik, beteiligten sich über 3.000 Schüler aus allen Bundesländern. Aus 39 Finalisten wurden nun die sprachgewandtesten Schüler gekürt. Diese stellten im Finale ihr Können vor einer Lehrer-Jury in den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch unter Beweis.

Die “Sprachmaniacs 2010″ sind:

  • Englisch und Switch-Wettbewerb (Englisch + Französisch): Elena Gamon, BG Bludenz (Foto: vierte von links). Die Schülerin lernt seit 8 Jahren Englisch und auch seit 6 Jahren Französisch. Sie absolvierte bereits Auslandsaufenthalte in Großbritannien, Frankreich, der Schweiz sowie Malta und liebt es, fremde Länder auch privat zu erkunden.
  • Französisch: Sophie Zahalka, Kollegium Kalksburg, Wien (Foto: zweite von rechts). Sprachen waren schon immer die Leidenschaft der Schülerin, die bereits in Irland oder Le Mans auf Auslandsreise war. Neben den Sprachen gilt ihr Interesse dem Theaterspiel.
  • Italienisch: Lisa Magdalena Wurm, BG/BRG/BORG Oberschützen (Foto: zweite von links). Nach Auslandsaufenthalten in Frankreich und Italien würde die Schülerin gerne Italienisch, Französisch oder auch Genetik studieren. Neben der Schule spielt sie gerne Violine und Klavier oder tanzt lateinamerikanische Tänze.
  • Spanisch: Thomas Hofbauer, Sir Karl-Popper-Schule Wien (Foto: ganz links). Eine Interrail-Reise führte den Schüler bereits bis nach Santiago de Compostela. Privat spielt er mehrere Musikinstrumente. Sein Berufswunsch ist Arzt.
  • Russisch: Tobias Himmelbauer, BG/BRG Werndlpark Steyr (Foto: ganz rechts). Der Schüler gewann bereits die österreichische Russisch-Olympiade 2008 und interessiert sich privat für Musik, Politik und Geschichte. Am liebsten würde er Simultandolmetscher werden.

WIFI Sprachmania 2010

Kür der Sprachmaniacs

Beim Finale am 9. April 2010 waren die Schüler in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Wien gefordert, im Dialog mit bekannten Persönlichkeiten in ihrer jeweiligen Fremdsprache spontan zu agieren. Die Prominenten waren Radiolegende Paul Hollingdale (Englisch), Regisseur Eric Ginestet (Französisch), Bariton Marco Di Sapia (Italienisch), ORF-Journalistin Julieta Rudich (Spanisch) und Russkaja-Sänger Georgij Makazaria (Russisch). Eine Fachjury kürte dann die besten Sprachentalente. Der größte heimische Fremdsprachenwettbewerb, der von zahlreichen Sponsoren (u. a. Cambridge University, British Council, Langenscheidt, BMUKK, ÖBV, Alcatel Lucent, Französisches, Russisches und Italienisches Kulturinstitut, Società Dante Alighieri, Universität Cadiz, Spanische Botschaft, etc.) unterstützt wird, fand bereits zum 16. Mal in Folge statt. Zum zweiten Mal wurde auch ein zusätzlicher Switch-Wettbewerb, in dem die besten Schüler in einer Gesprächssituation flexibel zwischen zwei Fremdsprachen wechseln müssen, durchgeführt.

Die drei Erstplatzierten in jeder Sprache und die Gewinnerin im Switch-Wettbewerb bekamen von WKÖ-Vizepräsidentin KommR Renate Römer und WIFI Institutsleiter Dr. Michael Landertshammer jeweils ein Sparbuch überreicht. Alle 39 Finalisten erhielten Sachpreise bzw. Sprachaufenthalte von den Sponsoren des Wettbewerbs.

WIFI Sprachmania 2010Berufsleben fordert höhere Fremdsprachenkenntnisse

Fremdsprachenkenntnisse sind in der österreichischen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Nur 37 % der 500 im Zuge einer WIFI-Studie befragten Arbeitnehmer gebrauchen Fremdsprachen selten bis nie. 30 % nutzen Fremdsprachen zumindest hin und wieder und immerhin 32 % häufig bis sehr häufig. Noch deutlicher fallen die Ergebnisse bei der Frage nach einer persönlichen Einschätzung aus. So empfinden 50 % der Arbeitnehmer Fremdsprachenkenntnisse in ihrem Beruf als wichtig bzw. sehr wichtig. Männer schätzen die Relevanz mit 55 % sogar noch höher ein als Frauen mit 46 %.

“Sprachen lernen ist zwar ein kontinuierlicher Prozess, doch der Grundstein hierfür wird schon in der Jugend gelegt. Aus diesem Grund veranstalten wir jährlich die ‘WIFI-Sprachmania’, den größten Fremdsprachenwettbewerb an österreichischen AHS”, erläutert Dr. Michael Landertshammer, Institutsleiter des WIFI Österreich, die Motivation hinter dem Wettbewerb.

Die WIFIs
Die Wirtschaftsförderungsinstitute der Wirtschaftskammern (WIFIs) sind mit einem Marktanteil von 20 Prozent der größte Anbieter für berufliche Aus- und Weiterbildung in Österreich. Pro Jahr besuchen 340.000 Kunden 30.000 Kurse, Seminare und Lehrgänge. Aktuell sind für die WIFIs 12.000 Trainer im Einsatz. Seit mehr als 60 Jahren ist das WIFI kompetenter Partner der österreichischen Wirtschaft mit neun Landesinstituten und 80 Außenstellen. Praktisches Know-how “made in Austria” bietet das WIFI auch in immer mehr Ländern Ost- und Südosteuropas an und begleitet international expandierende Unternehmen mit WIFI Niederlassungen in Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn.
Mit 3.600 Sprachkursen im Jahr 2009, 20 Sprachen - von Arabisch bis Ungarisch - und 33.600 Kursteilnehmer zählt das WIFI zu den größten Sprachlehrinstituten Österreichs. WIFI Sprachzertifikate sind durch Kooperationen mit ausländischen Instituten und Universitäten international anerkannt - das meist nachgefragte Produkt ist das Cambridge Certificate.

www.wifi.at/Sprachmania

[Text: Britta Kleinfercher. Quelle: Presseaussendung WIFI Österreich, 2010-04-12. Bild: Wirtschaftskammer Österreich, Willi Denk.]

Linhart: Wörterbuch Recht Englisch/Deutsch

Wörterbuch RechtDas bei C. H. Beck erschienene Wörterbuch Recht von Dr. Karin Linhart bietet rund 15.000 Begriffe und Wendungen in den Sprachrichtungen Englisch – Deutsch und Deutsch – Englisch. Die Angabe der Rechtsgebiete, aus denen die Termini stammen, hilft typische Übersetzungsfehler zu vermeiden. Zahlreiche Beispielsätze erleichtern die Anwendung und zeigen den gesuchten Begriff in seinem Kontext. Der Schwerpunkt des Wörterbuches liegt auf den Gebieten Wirtschaftsrecht, Privatrecht, Strafrecht, Verfassungsrecht und Prozessrecht. Darüber hinaus sind die zentralen Begriffe des Europarechts sowie internationaler Übereinkommen enthalten.

Zentrale Rechtsinstitute werden in separaten Infokästchen näher erläutert. Der Anhang enthält Beispiel-Übersetzungen für den grenzüberschreitenden Verkehr, englische Muster-Lebensläufe, Umgangsregeln für deutsche Juristen im Ausland, Beispiele für amerikanische Gerichtsentscheidungen uvm.

Rezensionen

Das vorliegende Werk gehört sowohl für Vorbereitungen von Klausuren, für Sprachzertifikate, wie das ILEC oder für Auslandspraktika oder den LL.M in einem englisch-sprachigen Land zum „sine qua non“. Das Buch hilft dem Anwender zu einem besseren Verständnis englischer juristischer Textquel-len und des anglo-amerikanischen Rechts überhaupt. Entscheidend ist, dass auch auf die unterschiedliche Schreibweise der amerikanischen und britischen Wörter (AE, BE) Rücksicht genommen wurde. Die Zuordnung der Fachbegriffe zu den verschiedenen Rechtskreisen (US, Br) wurde ebenfalls nicht unterlassen. […] Insgesamt muss gesagt werden, dass diesem Werk nicht nur von Studierenden, sondern auch von Dolmetschern und Übersetzern, sowie von Anwälten im Europa von heute ein fester Platz im Arbeits-koffer eingeräumt werden sollte.
(Prof. Dr. Rudolf Donninger)

In praktischem Format ist dieses juristische Wörterbuch der ideale Begleiter bei Studium und Arbeit, für alle, die sich mit der englischen Rechtssprache befassen. Es beinhaltet neben dem Grundwortschatz und vertiefter Terminologie in den wichtigsten Rechtsgebieten wie dem Verfassungsrecht, Wirtschaftsrecht, Strafrecht oder Prozessrecht auch weiterführende Informationen wie Fundstellen von wichtigen Entscheidungen oder Erklärungen zu juristischen Eigenheiten des Common Law.
(IHK Lübeck 03/ 2010, zur 1. Auflage 2009)

[…] Linharts Rechtswörterbuch eignet sich daher insbesondere für Studenten und Referendare, die einen schnellen Einstieg und raschen Überblick zur englischen und anglo-amerikanischen Fachterminologie benötigen oder gerade erst mit dem Studium des common law beginnen.
(www.studjur-online.de, 01.03.2010)

Als Begleiter für Studierende, Referendare und Anwälte hat Karin Linhart, die selbst mehrere Auslandsaufenthalte nebst einem LL.M.-Studium in den USA absolviert hat, ein “Wörterbuch Recht” verfasst. Auf jeweils ca. 150 Seiten hat sie im typischen Wörterbuch-Aufbau zahlreiche Rechtsbegriffe zunächst in der Übersetzung Englisch-Deutsch, anschließend in der Übersetzung Deutsch-Englisch zusammengetragen. […] Im Anhang erhält der Nutzer hilfreiche Hinweise zum Verhalten im englischsprachigen Ausland, auf dass keine kulturbedingten Fehltritte passieren mögen. Außerdem enthält der Anhang die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika sowie einen Auszug aus einer Entscheidung des U.S. Supreme Courts. Derjenige, der sich für ein Praktikum oder eine Wahlstation in den USA interessiert, wird sich über das Muster-Bewerbungsanschreiben sowie den Muster-Lebenslauf auf englisch freuen.
(www.jurawelt.com)

Die Autorin

Karin LinhartDr. Karin Linhart, LL.M (Duke), arbeitet am juristischen Dekanat der Universität Würzburg. Sie absolvierte während ihres Studiums ein Auslandspraktikum in Windhoek, Namibia. Stationen im Referendariat waren die Haager Konferenz für Internationales Privatrecht und die Haager Akademie für Internationales Recht in Den Haag, Niederlande, die EU-Kommission in Brüssel, das Referat für Internationales Privatrecht des Bundesjustizministeriums in Berlin und die Kanzlei Kirkpatrick & Lockhart in Pittsburgh, USA. An die Promotion zum Internationalen Einheitsrecht schloss sich ein LL.M.-Studium an der Duke University, School of Law in North Carolina, USA, an. Heute unterrichtet Linhart im Rahmen der Fortbildungsseminare des Würzburger Rechtsanwalts- und Notarfachangestelltenvereins Office English und Legal English. Im LL.M.-Finance-Programm der Universität Frankfurt am Main unterrichtet sie europäisches Recht in englischer Sprache. Frau Linhart veröffentlicht in deutscher und englischer Sprache vorwiegend zum deutschen und US-amerikanischen Recht und erstellt Gerichtsgutachten zu Fragen des ausländischen Rechts. Zurzeit bereitet sie ihre Habilitation zum Thema „kollektiver Rechtsschutz“ vor.

Karin Linhart (2010): Wörterbuch Recht. Englisch – Deutsch, Deutsch – Englisch. München: C. H. Beck. 370 Seiten, 29,00 Euro, ISBN 978-3-406-57553-2.

[Textzusammenstellung: Richard Schneider. Quelle: C. H. Beck, jurawelt.com, Uni Würzburg. Bild: C. H. Beck.]

Betreuung von Praktikanten: Nervige Zusatzbelastung oder wertvolle Nachwuchsarbeit?

Das Freiburger Übersetzungsbüro Peschel nimmt bereits seit zehn Jahren regelmäßig Praktikanten auf. Für deren Betreuung ist Ellen Göppl zuständig. Im nachfolgenden Beitrag schildert Sie die Erfahrungen, die man im Breisgau mit Praktikanten gemacht hat. Vielleicht fühlt sich der eine oder andere durch diesen Artikel motiviert, auch einmal für einige Monate Studierende aufzunehmen und in die tägliche Berufspraxis einzuarbeiten. Denn, so Göppl: „Im Normalfall ist dies für beide Seiten eine Bereicherung.“

Ellen Göppl (rechts) mit Praktikantin
Autorin Ellen Göppl (rechts) im Gespräch mit einer Praktikantin. Das mittlere Foto zeigt sie mit Praktikantin Irmela Obermann bei Vorbereitungen für einen Messeauftritt und das untere im Gespräch mit Kunden

Wir im Übersetzungsbüro Peschel haben nicht nur das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung des Nachwuchses zu leisten und eine angemessene Berufsphilosophie weiterzugeben, sondern bekommen auch tatkräftige Unterstützung bei Routineaufgaben, wodurch das angestammte Team teilweise entlastet wird. Außerdem macht es einfach Spaß, mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Da wir auch Dolmetscherteams zusammenstellen, erhalten Studenten manchmal sogar die Chance, bei einer Konferenz das Simultandolmetschen aus allernächster Nähe zu verfolgen.

Die Praktikanten erhalten Einblick in das „echte“ Berufsleben und lernen allein im administrativen Bereich vieles, was an den Hochschulen nicht vermittelt wird. Darüber hinaus arbeiten sie auch mit Textsorten (von der Geburtsurkunde bis zur knapp formulierten Powerpoint-Präsentation), die sie vorher noch nie übersetzt haben.

Die Nachfrage nach Praktikumsplätzen in der Übersetzerbranche ist groß und wir erhalten wesentlich mehr Bewerbungen als wir Plätze anbieten können. Im Allgemeinen beschäftigen wir parallel eine deutsch- und eine englischsprachige Praktikantin für etwa 4 bis 6 Monate.

Aber was bedeutet es überhaupt, einen Praktikanten zu betreuen und wie viel Aufwand erfordert es? In der Hauptsache stellen sich die folgenden drei Fragen:

  • Was erwarten wir von dem Praktikanten?
  • Was erwartet der Praktikant von uns?
  • Welche rechtlichen Aspekte sind zu beachten?

Was erwartet das Übersetzungsbüro vom Praktikanten?

Was man selbst von dem Praktikanten erwartet, sollte schon in der Ausschreibung festgelegt oder spätestens in einem ersten Gespräch geklärt werden.

Der Praktikant sollte in der Lage sein, zumindest einfachere Fachtexte so zu übersetzen, dass sich der Korrekturaufwand in einem vertretbaren Rahmen hält. Aus diesem Grund nehmen wir in unserem Büro inzwischen ausschließlich Studenten (im Hauptstudium) – oder ggf. Absolventen – des Studienganges Übersetzen/Dolmetschen auf, denn Anglisten, Romanisten usw. fehlt es unserer Erfahrung nach an dem spezifischen „Handwerkszeug“, um sich in ein mehr oder weniger neues Fachgebiet einzuarbeiten und sich in der Zielsprache genügend vom Ausgangstext zu lösen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel!

Wünschenswert ist, dass der Praktikant bereits etwas Erfahrung im Umgang mit Kunden hat – z.B. durch frühere Praktika oder Studentenjobs, damit er Telefonanrufe einigermaßen routiniert entgegennehmen oder Kunden im Büro begrüßen und nach und nach in einem gewissen Rahmen auch beraten kann. Bei der Aufgabenzuweisung sollte man ruhig kreativ vorgehen, je nach Talent kann man auch Studenten an der Verfassung von Werbebriefen oder der Ermittlung neuer Kundengruppen mitwirken lassen. Normalerweise wird der Nachwuchs neue Herausforderungen zu schätzen wissen!

Zu allgemeinen Regeln und Abläufen wie Pausenregelung, Kleidung, private Nutzung von Internet usw. schicken wir den Praktikanten schon vorab ein Infoblatt. Was genau auf einem solchen Blatt steht, hängt auch davon ab, ob die Praktikanten üblicherweise aus derselben Stadt rekrutiert werden können oder von außerhalb – vielleicht sogar aus dem Ausland – kommen.

Gespräche über Erwartungen und Anforderungen sollten mit den vorübergehenden Teammitgliedern nicht nur am Anfang und Ende des Praktikums, sondern auch zwischendurch stattfinden, um Fortschritte zu kontrollieren und sich gegenseitig Feedback zu geben.

Besonders wichtig ist es für die festen Mitarbeiter bzw. den Einzelübersetzer, genügend Zeit für die Betreuung und vor allem die Korrektur der Übersetzungen einzuplanen. Anfangs kann eine Korrektur von Fachtexten ähnlich lange dauern wie die eigene Übersetzung desselben Textes – im Laufe des Praktikums sollte es dann natürlich schneller gehen. Vom Praktikanten zu übersetzende Texte sind möglichst entsprechend der Vorkenntnisse auszuwählen. In jedem Fall ist es praktisch, eine Art „To-Do-List“ für die Praktikanten zu führen, z. B. auch darüber, welche Glossare oder Adresslisten in der nächsten Zeit zu überarbeiten sind.

Was erwartet der Praktikant vom Übersetzungsbüro?

Ellen Göppl mit Praktikantin auf MesseÜblicherweise wird er das im Motivationsschreiben erläutern – und üblicherweise lautet die Erwartung „… möchte ich nun Erfahrungen in der Übersetzerpraxis sammeln.“ Er möchte live erfahren, wie es ist, tatsächlich als Übersetzer zu arbeiten, d. h. er darf auch ruhig in steigendem Maße „echtem“ Termindruck ausgesetzt werden und lernen, dass selbst der „Traumberuf“ nicht jeden Tag Spaß, sondern oft enge Deadlines, ungeduldige Kunden (oder auch Kollegen) und jede Menge Verwaltungsarbeit bedeutet.

Für den einen oder anderen dürfte es auch etwas ernüchternd sein, dass leider nicht alle Ausgangstexte gut geschrieben sind – oder einfach langweilig. Fairerweise wird ein Praktikant nicht nur zur Adresseingabe, zum Eintüten von Mailings oder gar zum Kaffeekochen herangezogen, sondern bekommt ausreichend Gelegenheit, selbst Übersetzungen anzufertigen und sich Angebotserstellung und Abrechnung erklären zu lassen.

Von der tatsächlichen Aufgabenverteilung und natürlich auch der Qualifizierung des Praktikanten hängt nicht zuletzt auch seine Vergütung ab. Man sollte sich gut überlegen – und wird mit der Zeit auch herausfinden – wie viel Arbeit, für die man sonst andere Aushilfen oder freie Mitarbeiter hätte bezahlen müssen, Praktikanten tatsächlich erledigen, und wie viel Arbeitszeit man für Erklärungen, Korrekturen und Betreuung selbst hineinstecken muss. Je länger ein Praktikum dauert, desto eher wird ein Student – nach der Einarbeitungsphase – selbstständig arbeiten können und auch darauf angewiesen sein, von der Vergütung zumindest die Miete zahlen zu können.

Zur Betreuung gehört nicht unbedingt nur die professionelle Einarbeitung, denn vor allem bei auswärtigen Praktikanten ist man möglicherweise auch persönlicher Ansprechpartner für verschiedene Fragen des alltäglichen Lebens. Gerade ausländische Studenten sind oft noch sehr jung, weshalb neben bzw. nach der Arbeit idealerweise ein bisschen Zeit für persönliche Gespräche oder vielleicht sogar gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung stehen sollte.

Ich habe selbst vor einigen Monaten mit einer englischen Praktikantin gearbeitet, die in der ersten Zeit einen unmotivierten und verschlossenen Eindruck machte. In einem persönlichen Gespräch unter vier Augen stellte sich dann heraus, dass sie extrem schüchtern war und sich außerdem für ihr Deutsch schämte – obwohl es dafür gar keinen Anlass gab. Nachdem ich ihre Bedenken zerstreuen konnte, verbesserte sich unser Verhältnis sofort und sie wurde viel motivierter und gesprächiger. Dieses Erlebnis zeigt ganz gut, dass es nicht viel „kostet“, jemanden zu motivieren und sich diese Motivation für beide Seiten auszahlt.

Nichtsdestotrotz sollte für Praktikanten aber auch klar sein, dass das Stammteam während der Arbeitszeit so wenig wie möglich unterbrochen werden sollte und Fragen nicht ständig zwischendurch gestellt werden können.

Rechtliche Aspekte

Ellen Göppl im Gespräch mit einer KundinUm sich selbst und seine Kunden zu schützen, sollte man mit Praktikanten unbedingt eine Geheimhaltungsvereinbarung abschließen und ggf. eine Kundenschutzklausel in den Praktikantenvertrag aufnehmen. Schließlich erlangt der Praktikant nicht nur Einblicke in kundenspezifische Unterlagen, sondern bekommt auch mit, für wen Sie zu welchen Konditionen arbeiten.

Ein Praktikantenvertrag muss nicht unbedingt so ausführlich sein wie ein Arbeitsvertrag, sollte aber Angaben zur Dauer des Praktikums, Vergütung, Arbeitszeiten und Aufgabengebiet enthalten. Je länger das Praktikum dauert, desto wichtiger werden auch  Angaben zur Urlaubregelung und Verhalten im Krankheitsfall.

Sofern es sich nicht um ein unvergütetes Kurzpraktikum handelt, muss für den Praktikanten eine Gehaltsabrechnung erfolgen. Bei selbstständigen Einzelübersetzern kann dies normalerweise der Steuerberater übernehmen, es gibt aber auch entsprechende Dienstleister (z. B. www.lohndirekt.de), die teilweise sehr kostengünstig sind. Informationen zu geringfügigen (maximal 400 Euro pro Monat) und kurzfristigen (längstens 2 Monate) Beschäftigungen finden sich auch im Internet, zum Beispiel auf www.dgb-jugend.de/studium/jobben/jobarten. Von der Höhe der Vergütung hängt beispielsweise ab, ob der Praktikant sozialversicherungspflichtig ist. Die Versicherung gegen Unfälle am Arbeitsplatz (dazu zählt auch der Weg zur und von der Arbeit!) trägt grundsätzlich der Arbeitgeber; der Beitrag ist obligatorisch an die entsprechende Berufsgenossenschaft zu zahlen und richtet sich nach der Höhe des Gehalts.

Freiberufler sollten beachten, dass in Betrieben ab einem Mitarbeiter (auch wenn dieser wie im Falle eines Praktikanten nur vorübergehend angestellt ist) ein Verbandskasten nach DIN 13157 vorhanden sein muss. Viel mehr gibt es zur Sicherheit am Arbeitsplatz von Übersetzern wohl nicht unbedingt zu sagen.

Im Hinblick auf die IT-Sicherheit sollte ein Merkblatt mit Computerregeln vorbereitet werden: z. B. kein eigenmächtiges Herunterladen von Programmen, keine unabgesprochene Verwendung eigener Datenträger wie Disketten oder USB-Sticks, private Nutzung des Internets gar nicht oder nur außerhalb der Arbeitszeiten usw. Ebenso sollte die Rechtestruktur des Netzwerks dem Praktikanten nur Zugriff auf die Daten gestatten, die er für seine Arbeit tatsächlich braucht.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich bei der Betreuung von Praktikanten viele Dinge mit gesundem Menschenverstand und etwas Fingerspitzengefühl ganz einfach organisieren und regeln lassen. Es ist an uns als erfahrene Übersetzer, dem Nachwuchs der Branche zu vermitteln, wie man vernünftige Qualität zu einem angemessenen Preis bietet. Auf einem Markt, auf den immer mehr Billiganbieter zweifelhafter Qualifikation drängen, ist es an uns, ein Arbeitsumfeld mitzugestalten, in dem wir auch in Zukunft noch gerne tätig sein möchten. Deshalb profitieren nicht zuletzt auch wir selbst in hohem Maße davon, wenn wir angehenden Übersetzern einen umfassenden Einblick in unseren Arbeitsalltag gewähren.

Welche Unterlagen benötigt das Übersetzungsbüro vom Praktikanten?

  • Motivationsschreiben und Lebenslauf
  • Vordiplom oder Zwischenzeugnis, ggf. Abschlusszeugnis
  • Zeugnisse über bisherige Praktika, Jobs
  • Lohnsteuerkarte
  • Sozialversicherungsausweis
  • Personalfragebogen (beim Steuerberater oder der Abrechnungsstelle erhältlich)

Welche Infos sollte der Praktikant vorab erhalten?

  • Allgemeine Regeln im Büro
  • Arbeitszeiten
  • Infos zu Stadt und Wohnungssuche (u. a. www.zwischenmiete.de)
  • Evtl. Verpflegung in der Mittagspause (Küche vorhanden?)
  • Ansprechpartner vor und während des Praktikums
  • Verkehrsmittel

Praktikumsbörsen im Internet

Die Autorin
Ellen GöpplEllen Göppl, Jahrgang 1973, ist Diplom-Übersetzerin (FH Köln) für Französisch und Englisch und arbeitet seit Januar 2000 im Übersetzungsbüro Peschel, wo sie seit 7 Jahren für die Auswahl und Betreuung der Praktikanten zuständig ist. Neben ihrer Arbeit als Übersetzerin sammelte sie Erfahrungen als Journalistin und Sprachdozentin. Im Frühjahr 2010 wird sie voraussichtlich ihr MBA-Studium am RheinAhrCampus (FH Koblenz) abschließen.

Übersetzungsbüro Peschel
Das in Freiburg beheimatete Übersetzungsbüro Peschel ist ein führender Sprachdienstleister im Bereich der erneuerbaren Energien. Zu den vielfältigen Dienstleistungen gehören das Übersetzen und Dolmetschen in und aus dem Deutschen, Englischen, Französischen, Spanischen und Italienischen. Seit seiner Gründung im Jahr 1997 betreut das Übersetzungsbüro Peschel einen stetig wachsenden internationalen Kundenstamm aus den Bereichen erneuerbare Energien, Medizin und Pharmazie, Jura, Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Politik und dem öffentlichen Sektor. Derzeit beschäftigt das Büro sieben feste Mitarbeiter, die von einem Pool an freien Mitarbeitern unterstützt werden.

www.peschel-communications.de

[Text: Ellen Göppl. Die Erstfassung dieses Artikels ist im MDÜ 1/2008 erschienen. Bild: Übersetzungsbüro Peschel.]

Webbasiertes Übersetzungsmanagement: Andrä stellt ontram+ auf Roadshow vor

Andrä AGDie neue Version von ontram, dem webbasierten Translation-Management-System der Andrä AG, wird im Mai auf einer deutschlandweiten Roadshow vorgestellt. ontram+, so der neue Name, vereint die neueste Java-Technologie und die langjährigen Erfahrungen von mehreren Tausend Anwendern mit den Funktionalitäten der Vorgängerversion. Dies sorgt für eine intuitive Benutzeroberfläche, ermöglicht eine sehr offene API und garantiert Kunden somit eine zukunftssichere Investition.

ontram sorgt bei Anwendern wie CLAAS, Metabowerke und Travian Games für konsistente multilinguale Texte und schafft einen einheitlichen Workflow, auf den Übersetzer, beteiligte Landesgesellschaften und Projektleiter in Echtzeit zugreifen können. Die Software ermöglicht die browserbasierte Übersetzung und Bearbeitung von Texten unabhängig vom Dateiformat der Quelldokumente. Translation Memory, Terminologiedatenbank, integrierte Änderungsverfolgung, eine in mehr als 30 Sprachen verfügbare Rechtschreibprüfung und weitere Funktionen unterstützen die Benutzer. Das in ontram integrierte Modul zur Terminsteuerung informiert über den Projektverlauf und sorgt für eine reibungslose Kooperation der Projektbeteiligten.

Neuer Kern basiert auf Java Enterprise Platform

Der Kern von ontram wurde als Java-Anwendung vollständig neu entwickelt. In einem kontinuierlichen Integrations- und Entwicklungsprozess wurde die bewährte Systematik von ontram auf die zukunftssichere und skalierbare Java Enterprise Platform übertragen. Die Hauptmodule des Frameworks, die leistungsfähige Translation Memory Engine sowie die Schnittstellen und Filter, sind auch weiterhin die wesentlichen Bestandteile der Software.

Roadshow in Berlin, Stuttgart, Hannover

Bei einer Roadshow mit Terminen in Berlin (06.05.2010), Stuttgart (20.05.2010) und Hannover (02.06.2010) werden die Neuerungen und Verbesserungen von ontram+ bereits jetzt schon präsentiert. Die Teilnahme an den Veranstaltungen inklusive Catering ist kostenfrei. Die Anmeldung ist auf folgender Webseite möglich: http://events.ontram.de.

Über die Andrä AG
Die Andrä AG mit Stammsitz im schwäbischen Straubenhardt und Niederlassungen in Berlin, Karlsruhe und Darmstadt wurde 1999 gegründet. Seitdem unterstützt sie als unabhängiger Dienstleister und Hersteller hochwertiger Softwareprodukte bei der systematischen Optimierung von Übersetzungs- und Abstimmungsprozessen. ontram, das Online Translation Management Framework der Andrä AG, ist derzeit bei mehr als 1.000 Anwendern im Einsatz, die mit der intuitiv bedienbaren Software jährlich über 10.000 Übersetzungsaufträge in sämtlichen Sprachen abwickeln. Durch den vollständig webbasierten Ansatz, offene Schnittstellen und die Integration aller Projektbeteiligten innerhalb eines gemeinsamen Workflows ermöglicht ontram ein effizientes Übersetzungsmanagement und Marktabstimmung in Echtzeit. Zu den aktuellen Referenzkunden zählen unter anderem Daimler AG, Robert Bosch GmbH, Metabowerke, Herbstreith & Fox, CLAAS sowie Raytheon Professional Services.

www.andrae-ag.de

ontram-Workflow

[Text: Andreas Wegner. Quelle: Pressemitteilung Andrä AG, 2010-04-21. Bild: Andrä AG.]