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Archive für April 2010

Diesel Model Management sucht Dolmetscher

Viele Übersetzer und Dolmetscher haben in den letzten Wochen über die Mail-Funktion von Übersetzerverzeichnissen wie translationzone.com eine E-Mail von “Diesel Model Management” erhalten. Darin wird in gebrochenem Englisch für eintägige Fotoaufnahmen nach einem Sprachmittler gesucht, der zwischen den Models und dem Veranstalter dolmetschen soll:

Von: martin_stuart06@yahoo.co.uk
Datum: 14.04.10 14:00:24

Hello,

Best of the day to you. How are you and every members of your family? In good health I guess. My Names are Martin Stuart and I work as an Agent for Diesel Model Management in the UK. While I was searching for a professional Translators and Interpreters, I came across your profile on the internet which signifies that you are a Certified Translator/Interpreter. We have a photo shoot for Grattan Fashion Catalog, UK which sells apparels and some German Models to pose for the Photo Shoot and they speak German. So we would want you to join our Team as our Translator/Interpreter. The Photo Shoot will be in Zurich, Switzerland and it will last only for one day. So I want to know if you will be Interested in this Project. If yes, you can reply me so that i can give you more information about this job offer.

Anticipating your positive response. Do have a great week ahead and my humble regards to you and your loved ones.

Best Regards,
Agent Martin Stuart
martin_stuart06@yahoo.co.uk
+447766278009

Empfänger der Schreiben, die erwägen, sich um den angebotenen Dolmetscheinsatz zu bewerben, sollten zuvor eine Internet-Recherche starten. Es liegen bereits zahlreiche Erfahrungsberichte und Hinweise von Betroffenen, Verbraucherschutzorganisationen und Pressestellen der Polizei zu diesem und ähnlich gelagerten Fällen vor. Diese lassen den Schluss zu, dass hier ein groß angelegter Betrug mit gefälschten Reiseschecks versucht wird.

Bei der angegebenen Telefonnummer handelt es sich um ein in Großbritannien angemeldetes Handy, bei dem dauerhaft eine anonyme Mailbox eingeschaltet ist. Neben dem Ansprechpartner “Martin Stuart” werden eine Vielzahl weiterer, ständig wechselnder und vermutlich frei erfundener oder gestohlener Identitäten (Nicolas Mickelson, Fredrick Pawlak, Oliver McGrady) sowie weitere Handy-Nummern verwendet.

Überzahlung mit ausländischen Reiseschecks

Die Täter gehen wie folgt vor: Den stets im Ausland sitzenden Opfern werden von Großbritannien aus Schecks zugeschickt, deren Betrag deutlich über dem vereinbarten Honorar liegt. Sie werden dann gebeten, den aus Versehen oder aus vorgeschobenen Gründen zu viel gezahlten Betrag an einen Dritten zu überweisen, der ebenfalls an dem Projekt beteiligt sei und noch ein Honorar zu erhalten habe.

Die Überweisung soll typischerweise als Bargeldüberweisung per Western Union durchgeführt werden. Bei diesem Service brauchen weder der Sender noch der Empfänger ein Bankkonto zu besitzen. Der Empfänger holt das Geld in bar unter Vorlage eines gefälschten oder gestohlenen Ausweises ab und ist dann nicht mehr zu ermitteln.

Die Sachbearbeiter der Banken stufen die Schecks meist zunächst als echt ein und schreiben den Betrag in voller Höhe dem Konto des Opfers gut. Dies geschieht jedoch, wie bei allen Scheckeinlösungen, nur unter Vorbehalt. Denn die inländische Bank muss erst mit der ausländischen Bank, die den Scheck ausgegeben hat, in Verbindung treten. Dies kann mehrere Wochen dauern.

Hat die Bank schließlich ermittelt, dass der Scheck nicht gedeckt oder gestohlen oder gefälscht ist, wird die Gutschrift widerrufen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben viele Scheckempfänger aber bereits den vermeintlich zu viel gezahlten Betrag an jemand anders überwiesen. Dieses Geld ist dann verloren und kann auch nicht zurückgerufen werden.

Diese Masche mit der so genannten “Überzahlung” durch ungedeckte, gestohlene oder gefälschte Auslandsschecks ist der Polizei seit Jahren bekannt. Sie wird im Englischen als “Check Overpayment Scam” bezeichnet.

Was tun?

  • Gesundes Misstrauen an den Tag legen. Schon die übertrieben freundliche Sprache und das schlechte Englisch sollten in diesem Fall zur Vorsicht mahnen. Prüfen Sie die Identität von Absender und Firma durch Internet-Recherchen.
  • Schecks auf Echtheit prüfen. Der “Verband der Auslandsbanken in Deutschland e. V.” empfiehlt vier einfache Prüfungen, anhand derer Sie die Echtheit von American Express Travelers Cheques prüfen können (siehe PDF-Datei).
  • Anzeige erstatten. Eine Anzeige bei der Polizei wegen versuchten oder vollendeten Scheckbetrugs ist sinnvoll, weil sie den Behörden das Ausmaß dieser Machenschaften verdeutlicht. Sie führt aber nicht zu einer Ermittlung der Täter oder deren Verurteilung. Auch das verlorene Geld lässt sich durch eine Anzeige nicht wiederbeschaffen. Selbst ein gewonnenes Gerichtsverfahren würde in dieser Hinsicht nichts nützen.
  • Informieren und aufklären. Am wirkungsvollsten ist und bleibt die vorbeugende Information und Aufklärung von Kollegen durch in den Suchmaschinen gut platzierte Seiten wie diese. Betroffene sind so in der Lage, schnell und unkompliziert an Hintergrundinformationen zu gelangen.

Dolmetscher und Übersetzer als neue Zielgruppe

Im Jahr 2009 hat Diesel Model Management massenhaft Fotografen angeschrieben. 2010 scheinen die Betreiber die Dolmetscher und Übersetzer als neue Zielgruppe entdeckt zu haben.

In einer deutschsprachigen Mailingliste berichteten zwei Übersetzer im April 2010, dass sie, nachdem sie ihr grundsätzliches Interesse an dem angebotenen Auftrag bekundet hatten, von Diesel Model Management jeweils Reiseschecks im Gesamtwert von 3.500 Euro erhalten haben (sieben American Express Travelers Cheques à 500 Euro). Von einer Einlösung haben beide jedoch abgesehen.

Nach Auskunft des Übersetzers, der den unten abgebildeten und sechs weitere Schecks erhalten hat, handelt es sich bei den ihm zugegangenen Schecks eindeutig um Fälschungen, wenn man die in der PDF-Datei des Bankenverbands genannten Kriterien zu Grunde legt.

Ein spanischer Übersetzerkollege berichtet, ebenfalls im April 2010 eine Dolmetschanfrage für die Betreuung von Fotomodellen bei Aufnahmen in Barcelona erhalten zu haben. Der Text der E-Mail ist fast wortgleich, die Telefonnummer identisch. Der Ansprechpartner nennt sich Solomon Petrov und gibt vor, für die Firma Quest Model Management in Singapur zu handeln.

Scheck von Diesel Model Management
Einer der gefälschten Schecks, die ein Dolmetscher in Deutschland erhalten hat. Unter dem von uns eingefügten schwarzen Balken ist handschriftlich mit blauem Kugelschreiber der Name des Empfängers eingetragen. (Hier eine Vergrößerung.)

Scheck von Diesel Model Management
Die Rückseite des Schecks

ADÜ Nord: Milena Münch neu im Vorstand, Arbeitsgruppe für ANT 2011 eingesetzt

Milena MünchAuf der ordentlichen Mitgliederjahresversammlung des Berufsverbands ADÜ Nord (Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e. V.) am 17. April 2010 wurde die zweite Vorsitzende in ihrem Amt bestätigt und eine neue Schriftführerin gewählt. In der anschließenden Ideenwerkstatt wurden die ersten Vorschläge für die 4. ADÜ-Nord-Tage 2011 gesammelt.

Die Mitgliederjahresversammlung (MJV) im eleganten Empire Riverside Hotel direkt an der Elbe in Hamburg-St. Pauli war mit 33 von 351 Mitgliedern recht gut besucht. Weitere 25 abwesende Mitglieder hatten ihre Stimme per Vollmacht übertragen, sodass sich eine Stimmenpräsenz von 58 (knapp 17 Prozent der Mitglieder) ergab.

Wahlen: Heino bestätigt, Münch neu im Vorstand

Turnusgemäß wurden die 2. Vorsitzende und die Schriftführerin neu gewählt. Zur Wahl stand die amtierende 2. Vorsitzende Helke Heino, die ohne Gegenkandidaten mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde. Die Schriftführerin Silke Voigt trat nach zwei Amtszeiten nicht nochmals an, und der Vorstand bedankte sich für die gute Zusammenarbeit in den letzten vier Jahren.

Als Schriftführerin kandidierte Milena Münch (Bild oben), Diplom-Übersetzerin (Universität Leipzig, EN, FR, vereidigt für beide Sprachen am LG Leipzig) aus Hamburg, die seit 2009 selbstständig tätig ist. Wir freuen uns besonders, dass sich mit Milena Münch eines der jüngeren Mitglieder für ein Vorstandsamt zur Verfügung gestellt hat und mit großer Mehrheit gewählt wurde. Zwar konnte Milena Münch an dieser MJV nicht persönlich teilnehmen, ließ aber durch ihre Vorgängerin mitteilen, dass sie die Wahl annimmt.

Der neue Vorstand setzt sich somit wie folgt zusammen: 1. Vorsitzende Natascha Dalügge-Momme, 2. Vorsitzende Helke Heino, Schatzmeister Michael Friebel, Schriftführerin Milena Münch und Referentin Anne-Marie Molitor.

Ideenwerkstatt für 4. ADÜ-Nord-Tage

Nach einem exzellenten Mittagsbüffet kamen fast 30 Teilnehmer zur Ideenwerkstatt für die 4. ADÜ-Nord-Tage (ANT) zusammen, die im Mai 2011 stattfinden. Mit viel Engagement und Begeisterung entwickelten sie unter der Leitung von Georgia Mais (Beauftragte für Weiterbildung) erste Vorschläge für Inhalte, Konzept, Struktur und Gestaltung der geplanten Sprachmittlerkonferenz in Norddeutschland. Basierend auf diesem Ideenfundus wird sich die Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der 4. ADÜ-Nord-Tage (kurz ANT-AG) mit Unterstützung von Dr. Thea Döhler auf die Suche nach einem schönen Veranstaltungsort machen, die Themenpalette ausarbeiten und geeignete Referenten ansprechen.

Vorstand ADÜ Nord
Der bisherige Vorstand (2009-2010) kann auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Von links nach rechts: Schriftführerin Silke Voigt, Referentin Anne-Marie Molitor, 1. Vorsitzende Natascha Dalügge-Momme, 2. Vorsitzende Helke Heino und Schatzmeister Michael Friebel

www.adue-nord.de

[Text: Helke Heino. Quelle: Mitteilung ADÜ Nord, 2010-04-19. Bild: Münch, ADÜ Nord.]

Transline: Regina Krüger leitet neue Abteilung Customer Relationship Management

Transline, ReutlingenDie Transline Deutschland Dr.-Ing. Sturz GmbH wird die dauerhafte Kundenbetreuung künftig in einer neu geschaffenen Abteilung für Customer Relationship Management organisieren. Mit dieser Umstrukturierung trägt der Reutlinger Übersetzungsdienstleister den neuen, immer anspruchsvolleren Aufgaben innerhalb der Übersetzungsbranche Rechnung. In diesem dynamischen Markt, der sich mit zunehmendem Tempo entwickelt, bedarf es permanent innovativer und praktikabler Ansätze, um die Herausforderungen sinnvoll bewältigen zu können. Mit dieser Umstrukturierung soll die bisherige Kundenbetreuung intensiviert und noch effizienter gemacht werden.

Die projektübergreifende, strategische und prozessorientierte Kundenbetreuung wurde aus dem Projektmanagementbereich in eine eigene Abteilung ausgegliedert und zudem personell verstärkt. Während sich die Projektmanager nun noch gezielter auf die eigentliche Projektarbeit und das Tagesgeschäft konzentrieren können, liegt der Tätigkeitsschwerpunkt des CRM-Teams darin, die kundenindividuellen Anforderungen und Prozessoptimierungspotentiale mit den technischen und organisatorischen Möglichkeiten zu verknüpfen. Insbesondere für Kunden, die Transline regelmäßig mit Übersetzungsprojekten beauftragen, kann so ein optimiertes, auf das eigene Profil zugeschnittenes Projektmanagement definiert werden.

Neue Leiterin Regina Krüger

Regina KrügerRegina Krüger (Bild) ist die Leiterin der neu eingerichteten Abteilung für Customer Relationship Management der Transline Deutschland GmbH. Mit langjähriger erfolgreicher Vertriebserfahrung, davon über vier Jahren Arbeit als Leitung des Projektmanagements bei Transline, organisiert sie nun den eigens aus dem Projektmanagement ausgegliederten Bereich. Die dazu nötige Erfahrung konnte Regina Krüger in 20 Jahren in verschiedenen Branchen und unterschiedlichen Bereichen der Kundenbetreuung sammeln. Neben dem nationalen Key Account Management ist sie auch mit der Betreuung der internationalen Stammkunden bestens vertraut. Die kundenindividuellen Anforderungen stehen für die neue Abteilung unter Leitung von Regina Krüger im Mittelpunkt und dienen somit der Etablierung einer engen partnerschaftlichen und zukunftsorientierten Zusammenarbeit im Rahmen des operativen Tagesgeschäfts. Zielsetzung der Arbeit ist darüber hinaus die Abstimmung und Beratung über strategische, konzeptionelle und prozessorientierte Kunden- und Marktentwicklungen.

Transline
Transline mit Hauptsitz in Reutlingen ist ein global operierender Übersetzungsservice für technische Übersetzungen, Softwarelokalisierung und andere Sprachdienstleistungen für die Industrie. Mit eigenen Abteilungen für technische Dokumentation und DTP wird die vollständige Prozesskette für technische Dokumentationen abgedeckt. Transline entstand 1997 als Zusammenschluss von Dr. Sturz Übersetzungen in Deutschland und weiteren im Eigentum von Dr. Sturz befindlichen Übersetzungsbüros im Ausland. In der Zwischenzeit haben weitere erfahrene Übersetzungsbüros das Unternehmen verstärkt. Die meisten besitzen über 15 Jahre Erfahrung in der Übersetzungsbranche. Transline gehört heute zu den zehn größten Sprachdienstleistern in Deutschland.

[Text: Holger Simon. Quelle: Pressemitteilung Transline, 2010-04-15. Bild: Transline.]

Infoblatt ADÜ Nord: Bionik für Übersetzer

InfoblattDas 24-seitige April-Infoblatt des ADÜ Nord (Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland www.adue-nord.de) ist soeben erschienen. Aus dem Inhalt:

  • Bionik für Übersetzer (Teil 2)
  • Profession of the translator/interpreter/terminologist
  • Buchrezensionen (JVEG-Kommentar und WB Recht EN/DE/EN)
  • Seminarberichte (Dolmetschen für Übersetzer in Germersheim, Honorare erfolgreich verhandeln, SDL Trados Studio 2009, Italienische Rechtssprache)
  • Veranstaltungen und weitere Termine

Sie können die PDF-Datei kostenlos direkt auf der ADÜ-Nord-Website herunterladen.

[Text: Helke Heino. Quelle: Mitteilung ADÜ Nord, 2010-04-20. Bild: ADÜ Nord.]

Österreich: Bundesrat lehnt EU-Rahmenbeschluss zum Gerichtsdolmetschen als überflüssig und zu teuer ab

Parlament Wien

Nach dem österreichischen Nationalrat (im September 2009) hat nun auch der österreichische Bundesrat den Vorschlag der EU-Kommission für eine Richtlinie über das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in Strafverfahren abgelehnt. Das Votum der 14 Mitglieder des EU-Ausschusses (7 ÖVP, 6 SPÖ, 1 FPÖ) fiel einstimmig aus, obwohl dort drei verschiedene Parteien vertreten sind. Die Volksvertreter sehen keine zwingende Notwendigkeit, die unterschiedlichen Strafverfahrenssysteme in den Mitgliedstaaten anzugleichen und befürchten vor allem starke Kostensteigerungen. In einer Presseaussendung schreibt der Bundesrat:

Übersetzungen im Strafverfahren - Bundesrat lehnt Vorschlag ab

Ein weiteres Thema der heutigen [06.04.2010] EU-Ausschusssitzung des Bundesrats betraf den Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie über das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen im Strafverfahren. Dieser zielt darauf ab, gemeinsame Mindestnormen für das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in Strafverfahren innerhalb der EU festzulegen.

Das Thema stand bereits am 3. September 2009 auf der Tagesordnung des EU-Ausschusses. Der damals vorgelegte Vorschlag für einen Rahmenbeschluss des Rats konnte nicht mehr weiter verfolgt werden, da der Vertrag von Lissabon in Kraft trat und der Beschluss sodann nicht mehr vertragskonform war. Daraufhin haben die Mitgliedstaaten die Initiative ergriffen und einen Text vorgelegt, der sich an der Einigung der Justiz- und InnenministerInnen vom 23.Oktober 2009 orientiert. Wie der Experte des Justizministeriums, Christian Pilnacek, erläuterte, hat daraufhin die Kommission einen eigenen Vorschlag ausgearbeitet, der über die Vorstellungen der Mitgliedstaaten hinausgeht.

Vor allem sieht die Kommission weitreichende Übersetzungen und Verdolmetschungen von Gesprächen und Schriftstücken zwischen Angeklagten und VerteidigerInnen vor. Auch sollen nach Ansicht der Kommission weite Bereiche des Verfahrens und Verfahrensakte übersetzt werden. Die Kommission hält eine zwingende Übersetzung in die Muttersprache für erforderlich, während die Mitgliedstaaten eine Übersetzung in eine Sprache für ausreichend empfinden, die der oder die Angeklagte beherrscht. Pilnacek sprach in diesem Zusammenhang vor allem die Schwierigkeit an, DolmetscherInnen für afrikanische Dialekte zu finden. Auch den BundesrätInnen ging die Vorlage der Kommission zu weit. In der angenommenen Ausschussfeststellung bekräftigen sie, der Vorschlag der Kommission sei mit dem Subsidiaritätsprinzip nicht vereinbar. Sie unterstützen daher den Vorschlag der Mitgliedstaaten.

Die BundesrätInnen verweisen in ihrem Antrag auf die negative Stellungnahme vom 3. September 2009 und stellen fest, dass der Kommissionsvorschlag ohne zwingende Notwendigkeit die unterschiedlichen Strafverfahrenssysteme in den Mitgliedstaaten anzugleichen versucht und dadurch den Mitgliedstaaten auch unterschiedliche Mehrbelastungen aufbürdet.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
BDÜ fordert EU-weite Mindestqualifikation für Gerichtsdolmetscher
Österreich lehnt EU-Rahmenbeschluss zum Gerichtsdolmetschen ab
EU entwirft Rahmenbeschluss für Anspruch auf Dolmetscher in Strafverfahren

[Quelle: Presseaussendung Österreichischer Bundesrat, 2010-04-06. Bild: Parlamentarischer Pressedienst, Peter Korrak.]

Hochschule Magdeburg-Stendal schafft 50 Trados-Lizenzen an

SDLSDL, der weltweit führende Anbieter von Global Information Management Lösungen, zählt seit Kurzem die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) zu seinen Kunden. Das akademische Institut erwarb rund 50 Lizenzen für SDL Trados Studio 2009 sowie die SDL-Servertechnologien, SDL MultiTerm Server und SDL TM Server.

Die 1991 gegründete Hochschule ist seit Langem bekannt für eine fundierte akademische Ausbildung und für eine engagierte Studentenschaft. An fünf Fachbereichen in Magdeburg sowie zwei Fachbereichen am Standort Stendal können Interessenten aus rund 50 Studiengängen wählen. Mit rund 4.800 Studenten in Magdeburg, 1.800 in Stendal und mehr als 130 Professoren gewährleistet die Hochschule eine sehr gute Betreuungsquote. Seit dem Wintersemester 2005/2006 werden ausschließlich Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten.

Anne Lequy„Praxisorientierte Studiengänge, die Studenten auf den Alltag im Lokalisierungsbereich adäquat vorbereiten, sind für unseren Erfolg als Fachhochschule immens wichtig“, sagt Anne Lequy (Bild), Studiendekanin im Fachbereich Kommunikation und Medien. „Dank der SDL-Technologien können Studenten in unseren Bachelor-Studiengängen praxisnahes Übersetzungsmanagement erlernen, sodass unsere Studienabgänger nahtlos ins Berufsleben einsteigen können.“

Die marktführende Translation-Memory-Lösung, SDL Trados Studio 2009, speichert ausgangs- und zielsprachliche Übersetzungen in einer Sprachdatenbank, sodass ein bestehender Satz kein zweites Mal übersetzt werden muss. Innovative Funktionen wie AutoSuggest, QuickPlace u. v. m. beschleunigen zudem den Übersetzungsprozess drastisch, sodass die Projektkosten signifikant reduziert werden können.

Die Serverkomponente der Translation-Memory-Lösung erlaubt allen Beteiligten, unabhängig von ihrem Standort, jederzeit in Echtzeit auf übersetzte Inhalte zuzugreifen. Durch diese Zentralisierung wird sichergestellt, dass einmal übersetzte Inhalte konsistent genutzt werden.

Diese Konsistenz wird durch den Einsatz des Terminologiemanagement-Tools, SDL MultiTerm Server, weiter gesteigert. Dank zentraler Verwaltung und gemeinsamer Nutzung freigegebener Terminologie wird sichergestellt, dass nur sogenannte „erlaubte“ Ausdrücke benutzt werden; ein ideales Werkzeug für alle Organisationen und Unternehmen, um sich von Mitstreitern zu differenzieren und eine globale, konsistente Marke aufzubauen und zu pflegen.

„Wir freuen uns sehr, dass sich auch die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) für die SDL-Technologien entschieden hat“, so Thomas Koenen, General Manager, SDL Language Technologies. „Bisher haben weltweit mehr als 200 Universitäten und Hochschulen unsere Technologien in ihr Curriculum aufgenommen, und die Zahlen steigen weiter. Dies zeigt deutlich, wie wichtig es für akademische Institute ist, den Nachwuchs praxisnah und mit den marktführenden Lösungen auszubilden, ohne dass die intellektuelle Freiheit eingeschränkt oder Institute kommerzialisiert werden. Unser SDL-Hochschulprogramm bietet hier ein breitgefächertes unabhängiges Angebot, von dem Dozenten wie auch Studenten profitieren können.“

Weitere Informationen über das SDL-Hochschulprogramm finden Sie im „Portal für akademische Einrichtungen“ auf translationzone.com. Ein aufgezeichnetes Webinar, welches das SDL-Hochschulprogramm vorstellt, steht als Download zur Verfügung.

[Text: Ilona Arnold. Quelle: Pressemitteilung SDL, 2010-04-14. Bild: SDL, Hochschule Magdeburg-Stendal.]

Dialekte im Film: Ein Problem für die Synchronisation

Willkommen bei den Sch'tisAm Beispiel des französischen Spielfilms Willkommen bei den Sch’tis demonstriert die arte-Sendereihe Metropolis die Probleme und Hürden bei der Übersetzung von Dialekten.

Die deutsche Synchronisation war sehr aufwändig, weil unter anderem ein Linguist damit beauftragt wurde, die Lautverschiebungen des Sch’ti-Dialekts im Deutschen nachzukonstruieren. Statt der üblichen 40.000 bis 60.000 Euro kostete die Eindeutschung daher mehr als 150.000 Euro. Für das britische Kino erhielt der Film Untertitel, in denen ebenfalls eine dialektale Aussprache nachgebildet wurde. Eine Synchronisationskultur und -branche gibt es in Großbritannien nicht.

Den Arte-Beitrag können Sie sich auf YouTube anschauen (5:34 Minuten): http://www.youtube.com/watch?v=LPIsZqvofSY.

[Text: Richard Schneider. Quelle: arte/YouTube. Bild: ProKino Filmverleih GmbH.]

BDÜ fordert EU-weite Mindestqualifikation für Gerichtsdolmetscher

BDÜIn einem Strafverfahren sollte jeder Betroffene das Recht auf einen fairen Prozess ohne Sprachbarrieren haben – eine Selbstverständlichkeit, die jedoch noch nicht in allen Rechtsordnungen verankert ist. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) unterstützt deshalb die Vorstöße der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates, die sich für das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in Strafverfahren in den EU-Ländern einsetzen und dazu Richtlinien entworfen haben. Dem Verband fehlt in den Entwürfen jedoch die Festschreibung von Mindestanforderungen an die sprachliche, translatorische und fachliche Qualifikation der eingesetzten Dolmetscher und Übersetzer. Aus diesem Grund hat der BDÜ eine Stellungnahme mit Maßnahmen zur Qualitätssicherung formuliert, die in den Richtlinien festgeschrieben sein sollten.

„Eine hohe Qualität der sprachlichen Übertragung ist entscheidend, um Nachteile für Betroffene in einem Strafverfahren zu vermeiden“, erklärt BDÜ-Präsident Johann J. Amkreutz. „Nur so ist ein faires Verfahren sichergestellt.“ Der BDÜ fordert in seiner Stellungnahme, dass die Eignung von Dolmetschern und Übersetzern – einschließlich der Gebärdensprachdolmetscher – durch einen Hochschulabschluss oder einen ähnlichen Eignungsnachweis belegt sein sollte. Außerdem müssten spezielle Kenntnisse der Rechtsterminologie und des Justizverfahrens nachgewiesen werden. Jeder Mitgliedsstaat solle zudem ein Verzeichnis mit entsprechend qualifizierten Dolmetschern und Übersetzern führen. Der Verband empfiehlt in seiner Stellungnahme des Weiteren, bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Qualitätssicherung auch Vertreter des Berufsstandes mit einzubeziehen.

Der BDÜ führt jetzt Gespräche mit Politikern in Brüssel und Straßburg, denn die Richtlinien werden noch im April im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE-Ausschuss) des Europäischen Parlaments behandelt. Eine Einigung soll im Juni 2010 erreicht werden. Die Mitgliedstaaten haben dann zwei Jahre Zeit, die Ziele der Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Der vollständige Text der Stellungnahme des Verbandes sowie die Links zu den Entwürfen der beiden Richtlinien stehen auf der Startseite des BDÜ im Internet sowie im Online-Pressebereich unter www.bdue.de.

BDÜ
Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) mit Sitz in Berlin vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern repräsentiert der BDÜ über 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer. Er ist damit der größte Berufsverband für Sprachmittler in Deutschland und sogar in Europa. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn alle Mitglieder müssen vor Aufnahme in den Verband ihre fachliche Qualifikation nachweisen.

www.bdue.de

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2010-04-13. Bild: BDÜ.]

Uni Hamburg untersucht Verständigungsprobleme im Krankenhaus

Uni HamburgDie Tageszeitung Die Welt berichtet über die Forschungsaktivitäten der Universität Hamburg zur Mehrsprachigkeit. Die Hochschule sei auf diesem Gebiet mit einem Sonderforschungsbereich führend tätig, der seit 1999 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert werde. Unter dem Titel „Lima“ (Linguistic Diversity Management in Urban Areas), betrieben die Hamburger internationale „Verbundforschung“ und planten, einen „Exzellenzcluster“ einzurichten. Zurzeit untersuche man die Verständigungsprobleme im Krankenhaus:

Und die haben ergeben, dass der Einsatz der freiwilligen Übersetzungshelfer durchaus seine Tücken mit schmerzhaften juristischen Aspekten hat. Beispiel ist die Aufklärung von Patienten über ihre Erkrankung und die Therapie. “Das ist immerhin eine Sache von rechtlicher Bedeutung”, sagt Bührig. Die Ärzte müssten davon ausgehen, dass ein Patient, der unterschreibt, ausreichend aufgeklärt worden sei und der Behandlung zustimmt, die Aufklärung auch verstanden hat. Ohne entsprechende Aufklärung und Unterschrift wäre ein Eingriff ein Fall von Körperverletzung.

Schon bei einer einfachen Diätberatung unterschieden sich die Erklärungen von Laienübersetzern oft beträchtlich von den Fakten. Familienangehörige würden nicht selten in die Übersetzungen auch ihre eigenen Überzeugungen als gut gemeinte Details einbauen. Prof. Dr. Kristin Bührig vom Institut für Germanistik I sagt: „Wir haben es auch erlebt, dass Angehörige oder Bekannte aus dem Wunsch heraus, das Krankheitsgeschehen plastisch zu erklären, die Dinge derart dramatisierten, dass die Patienten völlig verängstigt waren.“

Fazit der Forschungen sei die Erkenntnis, dass die Übersetzung im Krankenhaus in professionelle Hände gehöre. Das in den Kliniken vorhandene Sprachenpotenzial solle dabei aber ruhig genutzt werden. Laut Bührig entwickelt die Universität zu diesem Zweck ein Fortbildungsmodul für zweisprachige Krankenhausmitarbeiter.

Den genannten Artikel können Sie auf der Website der Welt lesen.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
Patientin verwechselt, weil „kein Dolmetscher greifbar“: Kaiserschnitt statt Herztonuntersuchung

[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Welt, 2010-04-12. Bild: Uni Hamburg.]

Polizei warnt vor Vorschussbetrug mit Dolmetscher

Die Polizei Duisburg warnt vor einer neuen Masche beim so genannten Vorschussbetrug, bei der die Opfer einem vermeintlichen Dolmetscher vorab ein vierstelliges Honorar überweisen sollen:

Ein Duisburger Hotel erhielt von einer E-Mail-Adresse (mit deutschem Namen) aus Hongkong eine Anfrage, ob eine größere Anzahl griechischer Staatsbürger zu einem bestimmten Termin dort unterkommen könne. Der Auftrag hatte für das Hotel ein Volumen von ca. 3.500 Euro.

Das Hotel wurde darüber hinaus zu einer Gefälligkeit gebeten. Es solle vorab bereits das Honorar für einen für die Dauer des Aufenthalts der Gäste benötigten Dolmetscher an diesen überweisen. Dessen Honorar belaufe sich auf 6.450 Euro. Der Organisator der Veranstaltung gab vor, den Gesamtbetrag von 9.950 Euro umgehend nach Bezahlung des Dolmetschers per Kreditkarte an das Hotel zu überwiesen.

Das Hotel schöpfte angesichts der ungewöhlichen Forderungen und Umstände Verdacht und wandte sich an die Polizei. Deren Ermittlungen ergaben, dass die E-Mail nicht aus Hongkong, sondern aus Nigeria stammt. Die Polizei erklärte, dass es sich bei dieser Vorgehensweise um eine neue Masche der so genannten “Nigeria-Connection” handle, einer weltweit agierenden und polizeibekannten kriminellen Organisation, deren Hintermänner in Afrika sitzen.

[Text: Polizei Duisburg, überarbeitet von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Polizei Duisburg, 2010-04-09.]