Weltempfang statt Übersetzer-Zentrum: Tobias Voss im Interview

Tobias Voss„Weltempfang“ heißt das neue Zentrum in Halle 5.0 auf der Frankfurter Buchmesse, in dem das bisherige „Internationale Zentrum“ und das „Übersetzer-Zentrum“ verschmelzen werden. Was das Zentrum alles zu bieten hat, verrät der Projektverantwortliche Tobias Voss (Bild) im Interview.

Der neue Name ist auch Programm: Hier wird der Welt ein glänzender Empfang bereitet. Lesungen und Diskussionsforen mit internationalen Autoren und Übersetzern aus aller Welt finden im neuen Zentrum ihren Platz. Gleichzeitig ist es Treffpunkt für Vertreter von Mittlerorganisationen – wie beispielsweise dem Goethe-Institut oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD – und für internationale Verleger aus sich entwickelnden Buchnationen, die im Rahmen des Einladungsprogramms auf der Frankfurter Buchmesse ausstellen.

Auf der Buchmesse 2010 verschmelzen das Internationale Zentrum und das Übersetzer-Zentrum zur neuen Plattform „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Hintergrund dieser Entscheidung ist letztlich die derzeitige ökonomische Situation, die ein Überdenken unseres finanziellen Engagements in diesem Bereich notwendig machte. Auch die Zuwendungen von Seiten unseres Kooperationspartners haben sich für dieses Jahr verringert.

Als sich in der vorbereitenden Diskussion abzeichnete, dass es um substantielle Einsparungen gehen wird, war für uns schnell klar, dass wir einen neuen Lösungsansatz brauchen. Denn inhaltlich wollten wir keinesfalls auf eines der beiden alten Zentren verzichten, da beide für uns sehr wichtig sind. Da sie in ihrer Ausrichtung jedoch in gewisser Weise ähnlich sind, lag die Idee nahe, die beiden Zentren zusammenzuführen und so die Aktivitäten zu bündeln.

Was steckt hinter dem Namen „Weltempfang“?

Der Name Weltempfang verweist zum einen auf die internationale Ausrichtung des Programms. Wie in den beiden Zentren vorher geht es auch im neuen Zentrum weiterhin um den internationalen Austausch – einmal auf der Ebene der Sprache und dann auf der Ebene des Denkens und des Diskurses.

„Empfang“ spielt natürlich auf Sender und Empfänger an, auf den damit verbundenen Austausch von Ideen und Perspektiven und die Tatsache, dass es hier um Vermittlung gehen wird.

Außerdem kommt noch ein weiterer Aspekt bei der Namensgebung hinzu, der uns nach wie vor ein wichtiges Anliegen ist. Ganz real empfängt die Frankfurter Buchmesse im Areal des Zentrums Weltempfang zusammen mit dem Auswärtigen Amt ihre Einladungsgäste aus allen Teilen der Welt und gibt ihnen damit die Möglichkeit, sich auf dem internationalen Parkett vorzustellen.

Wie wird dieses neue Zentrum aussehen?

Dem Standort in Halle 5.0 bleiben wir in jedem Fall treu. Nun sind wir dabei, dem Areal durch eine neue Architektur ein frisches Gesicht zu geben. Die Vorstellungen gehen derzeit dahin, dass wir eine zentrale Veranstaltungsfläche haben werden, um die die Stände der Einladungsgäste und der Mittlerorganisationen gruppiert werden. Zudem ist eine zweite, etwas kleinere Veranstaltungsfläche geplant, die Möglichkeiten für neue Formate eröffnen soll. Der Treffpunkt für Übersetzer mit Infotheke und eigenem Stand soll ebenfalls erhalten blieben und auch ein Café wird es wieder geben. Endgültig entschieden ist allerdings noch nichts, wir stecken mitten im Planungsprozess.

Steht schon fest, welche Höhepunkte das Programm im Zentrum bieten wird?

Nein, das Programm steht noch nicht fest, dafür ist es noch zu früh. Die Planung ist natürlich schon in vollem Gange. In einem ersten Treffen mit den im neuen Zentrum ansässigen Mittlerorganisationen wurden Vorschläge eingebracht, die nun ausgearbeitet werden müssen.

Welche Vorteile bietet das neue Zentrum?

Wie gesagt, das Internationale Zentrum und das Übersetzer-Zentrum haben Themen mit großer Schnittmenge behandelt, die nun im neuen Zentrum fokussiert in einem neuen Zusammenhang betrachtet werden können. So geht es zum Beispiel bei der Übersetzung eines literarischen Textes nicht nur um eine rein wörtliche Übersetzung, sondern immer auch um die Übersetzung des kulturellen Kontextes. Die Übersetzung vermittelt die Besonderheiten einer fremden Kultur inklusive politischer Aspekte – insofern sind Übersetzer auch immer Kulturmittler.

Diese Darstellung verschiedener kultureller und politischer Aspekte und Perspektiven war immer schon ein zentrales Anliegen des Internationalen Zentrums. Die gleichberechtigte Aufnahme der Übersetzer in die Reihe der kulturvermittelnden Organisationen und Institutionen ergibt sich so gesehen von selbst.

Ich denke also, wir können mit dem neuen Areal „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ sowohl Übersetzern als auch internationalen Autoren, Verlagen sowie den Mittlerorganisationen eine sehr attraktive Plattform bieten.

[Text: Frankfurter Buchmesse. Quelle: Frankfurter Buchmesse, 2010-04. Bild: Frankfurter Buchmesse.]

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