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Archive für 13.9.2010
Vorlesung in der Sprache, die man sieht
13.9.2010 von Jessica Antosik.
Gehörlose wagen selten ein Studium, da die Hürden im Alltag zu groß sind. Doch dem wird vielleicht schon bald ein Ende gesetzt, denn am 26. Juni 2010 wurde in Bad Kreuznach die Vereinsgründung der Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach e. V. erfolgreich durchgeführt. Der Verein will eine Europäische Gebärdensprach-Universität aufbauen, um gebärdensprachkompetente Lehrer und Dozenten auszubilden und tauben Menschen somit ein Studium zu erleichtern. Es wäre nach der Gallaudet University in Washington die weltweit zweite Hochschule dieser Art, an der ausschließlich Kurse in Gebärdensprache angeboten werden. Finanziert werden soll das Projekt über Sponsoren, Spenden, Stiftungen, EU-Gelder und Studiengebühren.
Der 47-jährige Patrick Hennings, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft, selbst fast taub, sagt, dass man in fast allen Fachbereichen einen Dolmetscher für jeden Studenten benötigt. Für Gehörlose gibt es zwei Arten von Dolmetschern: Schriftdolmetscher, die alles Gesagte protokollieren, sodass Inhalte im Anschluss an die Veranstaltung nachgelesen werden können, oder Gebärdendolmetscher, die während der Veranstaltung das Gesagte in die Deutsche Gebärdensprache übersetzen. Doch das Problem liegt hier natürlich in der Finanzierung. Denn wer soll das bezahlen?! Abgesehen davon beginnen die Schwierigkeiten schon früh. Taube haben fast gar keine Möglichkeit ein Vollabitur zu machen. Aus diesem Grund möchte die Gesellschaft neben der Universität eine Oberschule anbieten. Außerdem möchte sie Vorurteile abbauen, wie beispielsweise, dass die Gebärdensprache nicht dazu geeignet ist, auf mindestens gleichem Niveau kommunizieren zu können wie mit Lautsprache.
Der Bedarf in Deutschland ist enorm. In Deutschland liegt der Anteil der Tauben an der Bevölkerung bei circa einem Prozent. Eine Uni bedeutet für Hörgeschädigte natürlich auch mehr Berufschancen. Ein Drittel der Betroffenen in Deutschland sind arbeitslos.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: sueddeutsche.de, 13.09.2010. kreuznach-blog.de. Bild: Wikipedia.]
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