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Archive für Oktober 2010

Infoblatt ADÜ Nord: Der freie Beruf auf europäischer Ebene

ADÜ NordSoeben ist das Oktober-Infoblatt des ADÜ Nord (Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland) erschienen. Auf 24 Seiten geht es dieses Mal unter anderem um folgende Themen:

  • Vorschau auf die 4. ADÜ-Nord-Tage 2011 in Hamburg
  • Definitionen des freien Berufs; der freie Beruf auf europäischer Ebene
  • Das österreichische Deutsch des öffentlichen Bereichs
  • Neueste Entwicklungen bei Translation-Memory-Systemen
  • Buchrezensionen: Wörterbuch Lebensmittelchemie (de/en), Dolmetschorientierte Terminologiearbeit
  • Bericht über das FIT-Treffen in Lissabon

Darüber hinaus weist der ADÜ Nord auf folgende im November anstehenden Seminare hin:

  • 19./20. November: CAT-Tools für Einsteiger (nicht nur für Berufseinsteiger, sondern für alle, die sich einen ersten
    Eindruck von CAT-Tools verschaffen möchten)
  • 13. November: Marketing für Einzelkämpfer
  • 22. November: Der Sprachmittler als Marke (Abendseminar)
  • 27. November: Google Adwords: Einfach und effektiv werben

Infos zu den Veranstaltungen und Anmeldung unter www.adue-nord.de. Das Infoblatt können Sie als PDF-Datei kostenlos herunterladen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Rundschreiben ADÜ Nord, 2010-10-22. Bild: ADÜ Nord.]

Die Jugend von heute disst, chillt, dancet und checkt ab

Das Phänomen der Jugendsprache ist nicht neu. Mit der Jugendsprache, die Jugendliche nur unter Gleichaltrigen benutzen, grenzen sie sich von den Erwachsenen ab, schaffen so ein Zusammengehörigkeitsgefühl und bilden ihre Identität. Dies spiegelt sich insbesondere in der gesprochenen Sprache wider. Der Diplompsychologe und Sprachenforscher Claus Peter Müller-Thurau sagt, dass Jugendsprache ein Wetterschutz nach außen und Nestwärme nach innen und eine Art “Geheimsprache” durch eigen kreierte Wörter sei.

Sagte Goethe “Ich hör’ es gerne, wenn die Jugend plappert: Das Neue klingt. Das Alte klappert.”, sind die Erwachsenen heutzutage nicht gerade über die Jugendsprache erfreut.

Viele deutsche Wörter werden seit vielen Jahren bzw. seit ein paar Jahrzehnten durch englische Begriffe ersetzt. Anglizismen wie “City”, “cool” und “Lover” waren vor einigen Jahren noch “in” und wurden hauptsächlich von Jugendlichen benutzt. Doch heute stehen diese Worte sogar im Duden und gehören zum Wortschatz vieler Deutschen. Auch aus der Computersprache entlehnte Wörter wie “surfen” oder “downloaden” sind nichts Ungewöhnliches mehr. Nun disst, chillt, dancet und checkt die Jugend von heute ab. Sie findet alles porno und fett, geht ab, kriegt Augenkrebs, spackt ab, fliegt mit einer Airline weg, schießt sich ab und wenn nichts los ist, dann ist alles lame. Vor allem zusammengesetzte englische Wörter wie Damager sind heutzutage im Jugendjargon gebräuchlich. Es handelt sich dabei um Manager, die die Wirtschaft zerstören (Manager und damage).

Nachfolgend eine kleine Liste der Wörter aus der Jugendsprache, die momentan Konjunktur haben, gefolgt von einer “Übersetzung ins Deutsche”:

Ohren bügeln = Schlafen
Bildungsresistenter / Geistig Unbewaffneter = Dummer Mensch
Socken scharf machen = ausgehen
Unterhopft sein: Lust auf Bier haben
Datenzäpfchen = USB-Stick
Hartzen = Sinnlos rumhängen
Campusmaut = Studiengebühren
Malo = Begrüßungsform zwischen Morgen und Hallo
Wikifizieren = Im Online-Lexikon Wikipedia recherchieren
Abschimmeln = Sich ausruhen
Abwrackprämie = Rente
Weizenspoiler = Dicker Bierbauch
Klappkaribik = Sonnenbank
Blechbrötchen = Bierdose
Emotional flexibel = Launisch

Natürlich stehen wegen des Alters der Jugendlichen sexuelle Begriffe hoch im Kurs:
Schnecken-TÜV = Frauenarzt-Besuch
Pornflakes = Viagra
Pippi Langstrumpf = Kondom
Paradiesdress tragen = nackt sein

Außerdem werden Substantive oft zu Adjektiven umgestaltet wie im folgenden Beispiel:
Du bist Opfer! = Du bist extrem schlecht!

Wer oft nur Bahnhof versteht, der hat nun hoffentlich einen kleinen Einblick in die aktuelle Jugendsprache erhalten.

Wenn das alles für Sie nicht “obama”, also neu und innovativ war, dann machen Sie doch einen Test und schauen Sie, ob Sie die Jugendsprache wirklich verstehen.

An dieser Stelle folgen nun Literaturempfehlungen, die einen Einblick in die Jugendsprache von heute verschaffen und somit auch vielleicht für einen Durchblick sorgen:

  • PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2011, ca. 141 Seiten, broschiert, Format: 14,4 x 11 cm, ISBN: 978-3-12-010005-8, 3,99 Euro.
  • Langenscheidt Hä?? Jugendsprache unplugged 2011: Deutsch • Englisch • Spanisch • Französisch, 168 Seiten, kartoniert, 15,1 x 9,7 x 1,1 cm, ISBN: 978-3-468-29857-8, 3,95 Euro.
    Einen Blick ins Buch erhalten sie hier.
  • Föhn mich nicht zu: Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer, Stephan Serin, rororo Taschenbücher, September 2010, 256 Seiten, Format: 18,8 x 12,4 x 1,6 cm, ISBN: 978-3499626708, 9,95 Euro.
    Eine Leseprobe gibt es hier. Weitere Informationen zu dem Buch sowie ein Video finden Sie hier.

Nun einige interessante Links zum Thema:

  • Seit April 2009 suchen die Dudenredaktion und das Trendbüro für das Neue Wörterbuch der Szenesprachen nach neuen Wörtern. Dazu haben die Partner das Portal “Duden-Szenesprachen” eingerichtet. Unter szenesprachenwiki.de können alle interessierten User den neuen “Szenesprachen-Duden” mitgestalten, indem sie neue Wörter vorschlagen und Wortvorschläge von anderen bewerten und kommentieren. Aktuell sind dort 2298 Wörter in verschiedenen Kategorien aufgelistet.
  • Ohrensausen – das Audio-Magazin von wissen.de; Folge 65: Schnecken-TÜV und Pornflakes – so spricht die Jugend heute
  • Lexikon der Jugendsprache” der Gesamtschule Duisburg-Süd
  • Das Megakrasse Lexikon” zusammengestellt von Helmut Hehl aus dem Jahr 2006

Doch da Sprache sich ständig weiterentwickelt, gibt es in nur ein paar Jahren wieder neue Modewörter in der Jugendsprache. Und natürlich auch neue Bücher zu diesem Thema. Seien wir darauf gespannt, wie die Jugend von morgen kreativ ist und wie sich dies in der Sprache manifestiert.

Natürlich sehen viele Sprachwissenschaftler aufgrund des Denglish, Engleutsch oder auch Germish einen Sprachverfall und sorgen sich um die deutsche Sprache.

Das Lexikon der bedrohten Wörter versammelt rund 600 vom Aussterben bedrohte Begriffe und erklärt ihre Geschichte. Dort entsteht die Rote Liste der bedrohten Wörter.

Im Wortmuseum wird Wörtern das Leben gerettet und es werden altmodische Sprachschätze ausgegraben. Die Autorin der Financial Times Deutschland sagte über die Ausstellung des Braunschweiger Wortsammlers, dass man “den somnambulen Backfisch beim klandestinen Karessieren mit dem Gesinde in der Remise ertappt …”.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Pons. Langenscheidt. Rowohlt Verlag. Duden. audio.wissen.de. sueddeutsche.de. spiegel.de. sz-weekend.de. bedrohte-woerter.de. wortmuseum.com. Oktober 2010. Bilder: Pons. Langenscheidt. Rowohlt Verlag.]

Justizministerium veröffentlicht Marktanalyse zur Vergütung von Sprachmittlern

JVEG-MarktanalyseDie Analyse der außergerichtlichen Vergütung von Sachverständigen, Dolmetschern und Übersetzern zeigt, dass die Marktpreise in diesen Berufsgruppen in weiten Teilen über den Honoraren nach JVEG liegen.

Die Recherche bei den Justizbehörden ergibt, dass trotz dieser Diskrepanz zwischen außergerichtlicher Vergütung und Vergütung nach JVEG bei einigen Leistungsanbietern die Bereitschaft besteht, gerichtliche Leistungen zu Honoraren zu erbringen, die unterhalb der JVEG-geregelten Vergütungen liegen.

Das ist eines der Ergebnisse einer soeben veröffentlichten Studie, die das deutsche Bundesministerium der Justiz vom Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Hommerich Forschung hat durchführen lassen. Zur Zielsetzung schreiben die Autoren:

Ziel der „Marktanalyse zum Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz – Die Vergütung von Sachverständigen, Dolmetschern und Übersetzern“ ist es, die gegenwärtige Abrechnungspraxis von Sachverständigen, Dolmetschern und Übersetzern bei der Erbringung außergerichtlicher Leistungen zu ermitteln.

Im Einzelnen zu erfassen sind Abrechnungseinheit und Höhe der Leistungshonorare sowie der Umgang mit Nebenkosten. Im Rahmen der Analyse richtet sich der Fokus auf die Identifikation der „marktüblichen“ Abrechnung je Berufsgruppe.

Darüber hinaus sollen die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse zur „marktüblichen“ Vergütung in Beziehung zu der im JVEG geregelten Vergütung dieser Berufsgruppen gesetzt werden. Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, dem Auftraggeber und den Entscheidungsträgern im Bund und in den Ländern eine fundierte Entscheidung darüber zu ermöglichen, ob und wenn ja, in welchen Bereichen eine Anpassung des JVEG an die außergerichtliche Vergütungspraxis sachgerecht ist.

Derartige Untersuchungen müssen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden, nachdem im Jahr 2004 eine Abkehr vom Entschädigungsprinzip nach dem „Zeugen- und Sachverständigen-Entschädigungsgesetz“ (ZSEG) erfolgte und mit dem JVEG das Vergütungsprinzip eingeführt wurde.

Der Volltext der Studie wurde in Buchform unter dem Titel Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz: Evaluation und Marktanalyse veröffentlicht (ISBN: 978-3-89817-893-8, 59,00 Euro). Eine 20-seitige Zusammenfassung stellt das Bundesministerium für Justiz als PDF-Datei zum Herunterladen zur Verfügung.

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
2004-07-01: 1. Juli 2004: JVEG ersetzt altes ZSEG

[Text: Richard Schneider. Quelle: Bundesministerium der Justiz, nach einem Hinweis von André Lindemann.]

Studenten in den USA lernen “Business German”

Während sich die Studenten in Deutschland “Business English” aneignen, belegen US-Studenten Kurse in “Business German”. Der Grund? Um seinen Chef zu beeindrucken, muss man im immer härteren Wettrennen um Arbeitsplätze das gewisse Extra haben.

Mark Twain machte kein Geheimnis daraus, dass er der Ansicht war, Deutsch sei eine schwierige Sprache und sagte: “Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.” Doch dieses Zitat schreckt die Studenten aus den Vereinigten Staaten nicht davor ab, Wirtschaftsdeutsch zu büffeln. Sie sind der Meinung, dass der Sprachkurs sehr hilfreich für die Zukunft sei. Schließlich gibt es zahlreiche deutsche Unternehmen mit Standorten in den USA. Und wenn ein Bewerber Deutschkenntnisse oder gar Kenntnisse in Wirtschaftsdeutsch vorweisen kann und an einer deutschen Firma in Amerika angestellt werden möchte, ist dies sicherlich von Vorteil, auch wenn die offizielle Firmensprache aufgrund des Standortes Englisch ist. Doch das komplette Unternehmensnetzwerk funktioniert auf Deutsch. Mit Deutschkenntnissen würde ein Arbeitnehmer zudem zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre beitragen.

Katja Fullard vom Goethe-Institut in Chicago ist für die Berufskommunikation in Deutsch zuständig und gibt die begehrten Deutschkurse. Sie sagt Folgendes: “Die USA können nicht in Deutschland investieren und wirtschaftliche Beziehungen pflegen, ohne sich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen.” Die USA sind nämlich wichtigster Handelspartner Deutschlands außerhalb der EU und Deutschland ist bedeutendster Handelspartner der Vereinigten Staaten in Europa.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Tagblatt, 26.10.2010.]

Geldsegen für Fachrichtung “Übersetzen und Dolmetschen” der Universität des Saarlandes

Vier Forschungsprojekte der innovativen und forschungsstarken Fachrichtung 4.6 “Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen” der Universität des Saarlandes werden von der renommierten Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung gefördert. Entsprechende Bewilligungsbescheide erhielten folgende Projekte:

  1. “Kohäsion im Deutschen und Englischen”
    Dabei handelt es sich um ein Projekt zur vergleichenden Textgestaltung im Englischen und Deutschen. Die Wissenschaftler vergleichen, wie Texte in den beiden Sprachen gestaltet sind, damit sie verständlich werden. Insbesondere beschäftigen sie sich dabei mit Pronomina, Ellipsen, logischen Beziehungen und Wortfeldern. Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse sowohl für die menschliche interkulturelle und mehrsprachige Kommunikation, als auch für Bereiche der digitalen Verarbeitung zu gewinnen.
  2. “Genese spezialisierter wissenschaftlicher Diskurse”
    Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Diskursen und dem Sprachgebrauch über die Grenzen der Fächer hinaus mit dem Schwerpunkt auf Englisch. Es werden Fragen beantwortet wie: Was passiert auf sprachlicher Ebene, wenn sich wissenschaftliche Fachgebiete annähern und sich dadurch neue Fachgebiete und Fächer bilden? Dies ist beispielsweise bei der Computerlinguistik oder der Bioinformatik der Fall. Wie hat sich der Sprachgebrauch in der geschriebenen Sprache der Disziplinen verändert? In dem Projekt vergleichen die Wissenschaftler die Wissenschaftssprache der 60er Jahre mit der aktuellen Wirtschaftssprache.
  3. “Übersetzungsbibliographie Latein-Deutsch”
    Heutzutage wird die lateinische Sprache oftmals als “tot” angesehen. Vor einigen Jahrhunderten war das allerdings nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Deutschland mehr lateinische Bücher als deutsche. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter sammeln lateinische Sachtexte sowie die entsprechenden Übersetzungen, erfassen diese und erstellen eine Datenbank.
  4. “E-Learning-Module für die Sprach- und Übersetzungsausbildung in Polen und Deutschland”
    Die Wissenschaftler des Lehrstuhls Maschinelle Übersetzung entwickeln in dem Projekt mit den Universitäten Warschau und Posen sowie mit dem Institut der Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Informationsforschung in Saarbrücken eine Software, mit der Lerner auf Übersetzungsprobleme zwischen der deutschen und der polnischen Sprache hingewiesen werden. Die Software soll einen eingegeben Satz automatisch bewerten.

Insgesamt beläuft sich die Förderungssumme auf rund 800.000 Euro. Mit den Geldern finanzieren die beteiligten Wissenschaftler zusätzliche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Pressemitteilung Universität des Saarlandes. 26.10.2010. Bild: Universität des Saarlandes.]

Literarische Xenophobie in den USA

In den Vereinigten Staaten werden kaum noch ausländische Bücher übersetzt. Sprachwissenschaftler und Autoren hegen die Befürchtung einer kulturellen Isolation. Bei nur drei Prozent der in den USA veröffentlichten Bücher handelt es sich um Übersetzungen. Der Schriftsteller Aleksandar Hemon sagt: “Der kulturelle Isolationismus der USA ist katastrophal.” Die Washington Post spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer literarischen Xenophobie. Es gibt allerdings auch Stimmen, die die Übersetzungsknappheit euphemisieren, wie der britische Autor Tim Parks. Er sieht darin nämlich eine neue Art des Internationalismus. Doch wie der Nobelpreisträgers José Saramago einmal sagte: “Der Autor schafft mit seiner Sprache nationale Literatur, die Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht.”

Esther Allen vom Center for Literary Translation der Columbia University in New York ist der Ansicht, dass der Übersetzungsmangel eins der ersten Anzeichen dafür ist, dass “Englisch […] eine invasive Spezies geworden [ist]”. Die englische Sprache sei keine Lingua franca, wie oftmals fälschlicherweise angenommen werde. Allen sagt, dass das Englische andere Literatur und andere Sprachen überschreibt. Ganze 87 Prozent der insgesamt 4.155 im letzten Jahr übersetzten Belletristiktitel gehen allein auf englischsprachige Originale zurück.

Die Kritikerin Edith Grossman sieht den Schuldigen in den kommerziell ausgerichteten Verlagen. Aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Lage könne davon ausgegangen werden, dass die Mehrheit der Lektoren wahrscheinlich kaum dazu bereit sei, den Ruf oder gar den Job aufs Spiel zu setzen und einen neuen, unbekannten Autor anzuwerben.

Ferner hat fremdsprachige Literatur in den USA den Nachteil, dass die Lektoren und die Marketingabteilung sie generell nicht im Original lesen können. Gute Romane bleiben so auf der Strecke, wie Riky Stock, Leiterin der German Book Office in New York, berichtet.

Aus diesem Grund überrascht es nicht, dass 80 Prozent der übersetzten Literatur in kleinen, unabhängigen Verlagen erscheinen, die den literarischen Austausch zum Ziel haben.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Zeit Online, 2010-09-30.]

Video: Mark Lancaster zur SDL-Firmengeschichte und Branchentrends

Mark LancasterMark Lancaster (Bild) ist Gründer und CEO von SDL, einem der größten Unternehmen der Sprachenbranche, das zahlreiche Werkzeuge zur Dokumentenverwaltung und computergestützten Übersetzung (darunter Trados) anbietet.

Auf der zweitägigen Konferenz „SDL Innovate 2010“ im kalifornischen Santa Clara hat er im Februar 2010 einen Vortrag zur Geschichte seines Unternehmens, der Entwicklung der Übersetzungsbranche und den Trends der Zukunft gehalten.

Der Vortrag vermittelt interessante Einblicke in Gedankenwelt des SDL-Chefs, dessen Hobby das Aufkaufen von Firmen zu sein scheint. Der Mitschnitt zeigt, dass auch hinter Übersetzungskonzernen wie SDL letztendlich Menschen mit ihren Visionen, Ambitionen und Irrtümern stehen. Lancaster scheint auf jeden Fall das im Übermaß zu besitzen, was den meisten Einzelübersetzern fehlt: Unternehmergeist.

Die in englischer Sprache vorliegende Aufzeichnung ist in sieben Teilen auf YouTube abrufbar:

1: Innovation and the history of SDL (4:39)
http://www.youtube.com/watch?v=XoyV8wCLY2U

2: Innovation and the history of SDL (6:52)
http://www.youtube.com/v/VXUIQZzzaqQ

3: Innovation and the history of SDL (8:27)
http://www.youtube.com/watch?v=muqXfcYEU9s

4: The internet, the customer experience and language (5:23)
http://www.youtube.com/watch?v=HQ2-CvPdtbQ

5: ROI for multilingual content management (6:02)
http://www.youtube.com/watch?v=g5lkvH8bOwE

6: Organizational structures and managing content and language (7:19)
http://www.youtube.com/watch?v=Rw9E4UZixkU

7: Trends in managing content and language
http://www.youtube.com/watch?v=eaHDG1b3R8s

[Text: Richard Schneider. Bild: SDL.]

Erfolgreicher Start: ATICOM führt erstes Existenzgründerseminar durch

Katharina S. BergsmaAm 16.10.2010 fand das erste ATICOM-Existenzgründerseminar in Köln statt. In bewusst kleinem Kreis wurde über den Aufbau einer freiberuflichen Karriere informiert. Teilnehmerin Katharina S. Bergsma (Bild) berichtet:

Wer in seinem Leben je Leistungssport betrieben hat, kennt das Phänomen: Jeder ist freundlich, man fühlt sich willkommen, wie in einer großen Familie. Konkurrenz gibt es nur während des Wettkampfs, davor und danach trifft man sich als Freunde. Der Wandel kommt, wenn man die entscheidenden Fragen stellt: Wie viel trainierst du? Wie trainierst du? Was ist dein Geheimtipp? Hier stößt man auf Schweigen oder leere Phrasen.

Ähnlich ist es auch in der Dolmetscher- und Übersetzerwelt. Man wird in eine Gemeinschaft aufgenommen und fühlt sich gleich unter Verbündeten. Als Berufsanfänger scheint man akzeptiert, das einzige Problem sind jedoch all die Fragen, die im Kopf kreisen und auf die man keine Antworten in den Lehrbüchern findet, die während des Studiums so sorgsam auswendig gelernt wurden.

Und nun steht man vor dem gleichen Phänomen wie im Sport: Stellt man seinen Kollegen und Freunden die grundlegenden Fragen zum Freiberuflerdasein, bekommt man nur vage Antworten. Man wird in seiner Unwissenheit allein gelassen. Oft wird man davor gewarnt, als Anfänger den Markt nicht durch Dumpingpreise zu verzerren, doch niemand informiert die jungen Kollegen darüber, was denn nun die Normpreise sind. Recht frustrierend, wenn man hoch motiviert aus der Uni kommt und dann vor einer Mauer des Schweigens steht.

Diese Mauer sollte in Köln abgerissen werden. Das erste Existenzgründerseminar von ATICOM versprach, alle Fragen zu beantworten und den jungen Berufseinsteigern den richtigen Weg zu zeigen. In bewusst kleinem Kreis mit vier Teilnehmerinnen gab es genügend Zeit, um auf individuelle Fragen, Sorgen und Bedenken einzugehen.

Wie sehen die steuerlichen Verpflichtungen eines Dolmetschers aus? Welche Versicherungen sollte man abschließen? Welcher Anbieter ist zu empfehlen? Brauche ich ein Geschäftskonto? Muss ich ein Gewerbe anmelden? Ein Steuerberater, so wurde schnell deutlich, ist viel Wert. Grundlegende Themen wurden ebenso beantwortet wie Detailfragen: Wie sollte mein Arbeitsplatz aussehen? Drucker, Fax, Kopierer, separater Telefonanschluss, abschließbare Schränke für vertrauliche Akten, all das sollte in der ehemaligen Studentenwohnung dringend Platz finden.

Das Basiswissen war abgedeckt, doch damit war das Seminar noch lange nicht vorbei. Die Teilnehmerinnen bekamen Marketing- und Gründertipps vom Experten: Holger Becker erklärte die Feinheiten eines Businessplans. Holger Becker weiß, worauf man bei der Existenzgründung achten muss und teilte sein Wissen genauestens mit den Teilnehmerinnen.

Doch auch dolmetsch- und übersetzerspezifische Fragen blieben nicht offen: Bettina Behrendt und Martin Bindhardt erzählten aus dem Berufsalltag, gaben wertvolle Tipps aus ihrer Zeit als Anfänger und beantworteten auch die kompliziertesten Fragen geduldig und kompetent. So erfuhren die Teilnehmerinnen mehr zu AGB, Verträgen, Preisgestaltung und Kundenakquise.

Am Abend war klar: Das Seminar hatte mehr als gehalten, was es versprochen hatte. Alle vorangekündigten Themen wurden detailliert besprochen, Fragen individuell beantwortet. Die Entscheidung, das Seminar in kleinem Kreise zu halten, hatte sich bezahlt gemacht. Das erste ATICOM-Existenzgründerseminar war ein voller Erfolg. Zwar ist der Weg hin zu einer freiberuflichen Karriere steinig, doch dank der Hilfe, die vermittelt wurde, sicher zu meistern.

Die Website des Fachverbands der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher finden Sie unter www.aticom.de.

[Text: Dipl.-Dolm. Katharina S. Bergsma, Mainz, www.bergsma-dolmetschen.com. Bild: Bergsma.]

ATICOM-FORUM 2/2010 zur Sprachenindustrie in der EU

ATICOM FORUMDie ATICOM, der Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher, hat seine neue Ausgabe der Verbandszeitschrift FORUM veröffentlicht. Neben zwei Artikeln zum internationalen Dachverband der Übersetzerverbände, FIT, befasst sich dieses Heft eingehend mit der Entwicklung der Sprachenindustrie in der Europäischen Union sowie den Informationspflichten für Anbieter.

Aus dem Inhalt:

Veranstaltungsankündigungen
Réseau franco-allemand

FIT
Presseerklärung zum Weltübersetzertag 2010
Ein Blick auf www.fit-europe.org

Verband
Mitgliedschaften und Kooperationen

Veranstaltungskalender

Veranstaltungsberichte
Anglophoner Tag 2010

Preise und Markt
Die Sprachenindustrie in der EU
Plädoyer für mehr Selbstbewusstsein oder “Wie sag ich es meinem Kunden?”
Preisdumping
JVEG § 11 (1) - Honorar für Übersetzungen
Dolmetscher als Kassenleistung

Übersetzer/Dolmetscher als Unternehmer

Steuern und Versicherung
Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind
Arbeitszimmer wieder absetzbar
Sprachkurs steuerlich absetzbar

ATICOM-Onlineschulung
ATICOM-Onlineschulung zu Wordfast Classic (Niveau 1)

§ Dolmetscher
Schöffen müssen deutsche Sprache ausreichend beherrschen
Gerichte müssen Übersetzer und Dolmetscher aus der OLG-Liste laden

Kurioses
Provinzposse in NRW

Kurz berichtet
Sprachpanscher des Jahres

Sowohl diese als auch die älteren Ausgaben des FORUMs können Sie als PDF auf der ATICOM-Webseite unter www.aticom.de/a-verbzeit.htm herunterladen.

[Text: Bettina Behrendt. Quelle: Pressemitteilung ATICOM, 2010-10-20. Bild: ATICOM.]

Rezension zu Langenscheidts Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen Spanisch

Langenscheidt Wirtschaft SpanischAllgemeines

Das Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen Spanisch basiert auf der jeweils zweiten Auflage des renommierten Gabler Wirtschaftswörterbuch Spanisch-Deutsch und Deutsch-Spanisch. Der Langenscheidt Fachverlag hat die Wirtschaftswörterbücher des Gabler Verlags komplett aktualisiert, erweitert und im Jahr 2007 ist eine einbändige Ausgabe erschienen. Vor dem Hintergrund aktueller wirtschaftlicher Themen, Entwicklungen und der Globalisierung enthält das Buch rund 96.000 Fachbegriffe und Wendungen, zahlreiche Abkürzungen und mehr als 192.000 Übersetzungen aus 26 Fachgebieten.

Fachgebiete

Die Fachgebiete umfassen unter anderem folgende Bereiche: Arbeitsmarkt, Bankwesen, Bauwesen, Buchhaltung, Europäische Union, Europäische Zentralbank, Fernsehen, Handel, Informatik, Informationstechnik, Politik, Recht, Soziologie, Statistik, Telekommunikation, Tourismus, Transport und Verkehr, Versicherungswesen, Verwaltungswesen, Werbung. Darüber hinaus finden die Hartz-Gesetze im Rahmen der Arbeitsmarktreform in Deutschland (Hartz I und II: Ich-AG, Personal-Service-Agenturen etc. und Hartz III und IV: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosengeld II etc.) Berücksichtigung.

Sprachrichtung Deutsch-SpanischFormaler Aufbau

Das Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen Spanisch ist in zwei Hauptkapitel untergliedert, d.h. in eine spanisch-deutsche sowie deutsch-spanische Wortliste. Abgerundet wird das Werk durch einen ausführlichen zweisprachigen Anhang (siehe weiter unten). Es finden sich neben den Grammatikangaben (Adjektiv, Femininum, Maskulinum, Neutrum, Plural, kein Plural, Pluralform = Singularform), geographische Kürzel (z.B. Col. für Kolumbien, E für Spanien), Stilangaben (veraltet, umgangssprachlich, figurativ, historisch, pejorativ) auch Fachgebietskürzel (z.B.: Adm. für Verwaltung, Auto. für Kraftfahrzeugtechnik, Jur. für rechtlich).

Benutzerfreundlichkeit

Das Werk ist sehr benutzerfreundlich gestaltet. Das vereinfacht die Suche nach einem Wort oder Begriff erheblich. Zusammengesetzte Wortformen sind übersichtlich und klar verständlich alphabetisch untereinander aufgelistet und fett gedruckt. Der Leser kann die Übersetzung finden, ohne lange suchen zu müssen. Bei zahlreichen Begriffen, die verschiedene Bedeutungen haben, wurde eine Nummerierung durchgeführt.

Anhang

Im Anhang befinden sich bilinguale hilfreiche Geschäftsbriefe, ein Lebenslauf sowie eine Tabelle der Länder der Welt und Währungen mit Angaben

a)    zum Gebrauchsnamen eines Landes (z. B. Deutschland / Alemania)
b)    zum offiziellen Namen des Landes ((Bundesrepublik Deutschland / República Federa de Alemania)
c)    zur Hauptstadt (Berlin / Berlín)
d)    zu den Einwohnern (Deutsche / alemán)
e)    zur Währung (Euro / euro)
f)    Untereinheit (Cent / cent)

Bei b) fällt auf, dass die spanische Bezeichnung einen Fehler enthält. Es müsste nämlich folgendermaßen heißen: República Federal de Alemania, d.h. mit einem „l“ nach „Federa“.

Sprachrichtung Spanisch-DeutschAutoren-Porträt

Celestino Sánchez ist Dozent am Sprachen- und Dolmetscherinstitut für Wirtschaft und Recht in München. Zudem ist er als Sprachenberater führender deutscher Unternehmen und freiberuflicher Übersetzer sowie als Redakteur des Bayerischen Rundfunks tätig.

Persönliches Fazit

Dieses von Experten zusammengestellte und geprüfte Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen mit den Sprachrichtungen Spanisch-Deutsch bzw. Deutsch-Spanisch ist ein übersichtliches Nachschlagewerk. Der im Fachwörterbuch erfasste Wortschatz ist aktuell und umfassend. Es richtet sich an an Studenten einschlägiger Fachrichtungen sowie an Fachübersetzer und Profis aus den Bereichen Wirtschaft, Handel und Finanzen. Positiv ist, dass nicht nur die spezifische Terminologie Spanien beachtet wurde, sondern ebenfalls die Ausdrücke und Bedeutungen aus Lateinamerika, die sich von den in Spanien üblichen Begriffen unterscheiden, aufgeführt sind. Ein weiterer Pluspunkt ist der Anhang. Trotz des oben genannten Fehlers ist der Anhang hilfreich. Und außerdem muss ein Profi stets mitdenken und kann eine Übersetzung aus dem Wörterbuch nicht einfach übernehmen. Kurzum: Ein empfehlenswertes Standardwerk.

Celestino Sánchez, Langenscheidt Fachverlag GmbH, München, 2007, 1. Auflage, 827 Seiten, gebunden, Format: 247×182x48mm, ISBN: 978-3-86117-265-9, 99,00 Euro.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Langenscheidts Fachwörterbuch Wirtschaft, Handel und Finanzen Spanisch. Amazon. Oktober 2010. Bild: Langenscheidt.]