Isländisch – Das Latein des Nordens

Unter dem Motto „Sagenhaftes Island“ wird sich das kleine Land mit der großen Literatur vom 12. bis 16. Oktober 2011 präsentieren – Island ist Ehrengast auf der Buchmesse 2011. Bereits 100 Neuerscheinungen sind angekündigt. Im Mittelpunkt stehen die Neuübersetzung der Isländersagas („Íslendingasögur“), jedoch auch zahlreiche zeitgenössische und junge Autoren. Die Sagas wurden zuletzt im Jahre 1920 ins Deutsche übertragen und nun soll eine lesbare Neuübersetzung auf den Markt kommen.

„Die Sprache ist ihr Schatz. Die nationale Identität macht sich stark an der Sprache fest“, so zwei Übersetzer aus Oberursel. Aus diesem Grund vermeiden die Isländer die Einbettung von Fremdwörtern in ihre Sprache. Die Begriffe werden aus dem vorhandenen Wortschatz gebildet. „Computer“ beispielsweise ist im isländischen Wortschatz nicht enthalten. So nennen sie den Apparat „tölva“, was soviel bedeutet wie „Zahlenprophetin“. Das Wort „tölva“ entstand aus den Worten „tala“, „Zahl“, und „völva“, „Wahrsagerin, Seherin“. Der Begriff für „Aids“, alnæmi, besteht aus den Elementen „al-„, „all-„, und „næmi“, „Empfindlichkeit“. Diese Beispiele verdeutlichen, wie bildhaft die Sprache ist.

Isländisch verfügt über einen reichen Wortschatz. Die Übersetzung des Wortes „gefleckt“ lautet – je nachdem, auf welches Tier sich das Wort bezieht – „skjöldóttur“ („Kuh“), „flekkóttur“ („Schaf“) oder „skjóttur“ („Pferd“). Zudem wird die Sprache von einem großen Regelwerk bestimmt. Wer die Sprache germanischen Zweiges lernen möchte, muss sich sehr viele grammatische Grundlagen aneignen. „Man nennt Isländisch das Latein des Nordens.“, so die Übersetzer. Derzeit wird sie von rund 300.000 Menschen gesprochen. Seit 1964 besteht in Island ein eigenes Komitee, das für neumodische Begriffe rein isländische Ausdrücke findet.

Da die Sprache Isländisch an nur sehr wenigen Universitäten unterrichtet wird, herrscht ein Mangel an Experten. Daher sind die wenigen Übersetzer, deren Arbeitssprache Isländisch ist, angesichts der Buchmesse im Oktober sehr gefragt. Die Übersetzer haben ihre riesige Chance erkannt: „Einmal im Leben, wenn überhaupt, ist das Land Buchmessenland, aus dessen Sprache man übersetzt.“ Und dafür werde sie gerne schlaflose Nächte – mit einer Tasse Kaffee neben dem Laptop – in Kauf nehmen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: fnp.de, 26.12.2010; buchmesse.de; wikipedia.de.]

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