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Archive für Januar 2011

Welche Rolle spielt die Zertifizierung nach EN 15038 bei der Beauftragung von Sprachdienstleistern?

Sauberer, Scheibenpflug, Gasser, Kern
Die Referenten Sauberer, Scheibenpflug, Gasser und Kern auf dem Infoabend in Wien

Die Qualitätsnorm EN 15038 zielt darauf ab, transparente Standards für Sprachdienstleister zu definieren, die neben der Professionalisierung der Branche auch als Orientierungshilfe für Auftraggeber dienen können. Doch bildet die Zertifizierung einen realen Wettbewerbsvorteil? Und kann sie tatsächlich zur Qualitätssteigerung und Vertrauensbildung beitragen? Um diese Fragen zu diskutieren, lud die Berufsgruppe Sprachdienstleister zu einem Infoabend mit Vertretern namhafter österreichischer Unternehmen, der auch überraschende Einblicke in die internationale Aufnahme der Norm gab.

Ob Geschäftsbericht, Gebrauchsanweisung oder Imagebroschüre: Die Übersetzung in eine fremde Sprache bedeutet einen teilweisen Verlust der Kontrolle über die Kommunikation mit Geschäftspartnern und Kunden. Die Beauftragung eines Sprachdienstleisters setzt daher einen nicht unwesentlichen Vertrauensvorschuss voraus. Doch wie findet man in der Vielfalt der Anbieter, die ihre Dienste mit weitgehend ähnlichen Versprechen und Zusagen anpreisen, einen kompetenten, seriösen und verlässlichen Kooperationspartner?

„Nachts sind alle Katzen grau – und damit sind sie ebenso verwechselbar wie die Versprechen der unterschiedlichen Anbieter am Markt. Im Dickicht der Dunkelheit helfen leuchtende Leitschienen. Die Zertifizierung durchleuchtet und beleuchtet Übersetzungsdienstleister und gibt Auftraggebern die Sicherheit, dass ihr Kooperationspartner die wesentlichsten Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Arbeit mitbringt“, erläutert Mag. Sabine Kern, Vorsitzende des Berufsgruppenausschusses Sprachdienstleister der Wirtschaftskammer Wien, das wirtschaftliche Potential der EN 15038. Doch bestätigt die praktische Erfahrung die Erwartungen an den ökonomischen Nutzen der Zertifizierung? Ist sie wirklich ein relevantes Kriterium bei der Auftragsvergabe?

Die EN 15038 im Rampenlicht

Unter dem Motto „Legen Unternehmen Wert auf Zertifizierung?“ widmete sich der Infoabend der Berufsgruppe Sprachdienstleister der Wirtschaftskammer Wien am 26. Jänner 2011 der Frage, welche Bedeutung der Norm sowohl auf Auftraggeberseite als auch branchenintern beigemessen wird. Die Diskussion zeigte deutlich, dass die Zertifizierung nach einer prozessorientierten Norm wie der EN 15038 grundsätzlich weder Voraussetzung noch Garant für herausragende Übersetzungen sein kann. Sie zeigte aber auch, dass die Norm sehr wohl für Auftraggeber eine wertvolle Orientierungshilfe bei der Auswahl von Kooperationspartnern darstellen kann – vorausgesetzt, diese kennen die Norm und ihre Bedeutung für die Arbeit von Sprachdienstleistern. Dies wurde auch von Mag. Yvonne Gasser, bei der Zumtobel-Tochter Tridonic für die Beauftragung und Koordination von externen Sprachdienstleistern verantwortlich, bestätigt: „Aufgrund der positiven Erfahrungen mit einem zertifizierten Sprachdienstleister wäre die Zertifizierung nach EN 15038 für mich heute zwar nicht das einzige, aber doch ein relevantes Kriterium bei der Auswahl neuer Kooperationspartner. Hätte ich allerdings diese Erfahrungen nicht, würde die Zertifizierung für mich wohl kaum eine Rolle spielen.“

Verstärkter Kommunikationsbedarf vor kulturellen Hindernissen

Berufsgruppenausschuss-Vorsitzende Mag. Sabine Kern leitet aus diesem Ergebnis verstärkten Kommunikationsbedarf, vor allem über die Grenzen der Branche hinaus, ab. Dr. Gabriele Sauberer, weltweit tätige LICS-Auditorin für EN 15038, fordert allerdings auch branchenintern eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema ein. Denn der internationale Vergleich zeigt deutlich, dass die Akzeptanz der Norm im deutschsprachigen Raum ebenso wie in Japan eher gering ist, während in aufstrebenden Wirtschaftsregionen der Nachweis von Qualitätsstandards viel unmittelbarer als Wettbewerbsvorteil erlebt wird. Dies ist auf den ersten Blick erstaunlich, als gerade diese Wirtschaftsräume für ihren ausgeprägten Sinn für Qualität bekannt sind. Doch dabei handelt es sich nur um einen scheinbaren Widerspruch, wie die Expertin aufzeigt: „Bei uns gilt Perfektion traditionell als Maßstab für die eigene Leistung. Die Institutionalisierung von Kontrollmechanismen, wie sie im Rahmen der EN 15038 erfolgt, wird daher eher skeptisch wahrgenommen. Wir müssen aber lernen, Tools zur Fehlervermeidung viel mehr als bisher als Chance zu begreifen.“ Dies trifft umso mehr zu, als Übersetzer häufig unter enormem Zeitdruck arbeiten müssen, wie Mag. Kurt Scheibenpflug, Technische Dokumentation Franz Haas Waffel- und Keksanlagen-Industrie GmbH, bestätigt: „Ohne die notwendigen Dokumentationen können wir unsere Maschinen nicht exportieren. Wird die Übersetzung nicht rechtzeitig fertig, ist es für uns nicht leicht, Liefertermine einzuhalten.“

Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister – Berufsgruppe Sprachdienstleister
Die Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister ist die gesetzliche Interessenvertretung der rund 700 gewerblichen Übersetzer und Übersetzungsbüros in Wien. Ziel der Berufsgruppe Sprachdienstleister unter Vorsitz von Mag. Sabine Kern ist die Professionalisierung des Berufsstandes. Innerhalb Österreichs umfasst dies die Förderung des Qualitätsbewusstseins und des Nachwuchses, die Durchführung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Networking und die Etablierung von Kooperationstools sowie die Bewusstseinsbildung für die zunehmende Relevanz internationaler und interkulturellen Verständigung. Auf internationaler Ebene zählen die Förderung des Erfahrungsaustauschs mit Übersetzer- und Dolmetscherverbänden in anderen Ländern sowie  der internationalen Zusammenarbeit mit Ausbildungsstätten für Übersetzer und Dolmetscher zu den Zielen der Berufsgruppe. Details auf der Website der Wirtschaftskammer Wien.

[Text: Dr. Sabine Unterweger. Quelle: Presseaussendung Wirtschaftskammer Wien, 2011-01-28. Bild: Wirtschaftskammer Wien/Herbst.]

Schöffen müssen Deutsch beherrschen

Eine Gerichtsverhandlung mit Schöffen, die nicht des Deutschen mächtig sind, ist nichtig. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, nachdem eine russischsprachige Schöffin vor dem Landgericht Köln eine Dolmetscherin hinzugezogen hatte. In dem Prozess ging es um einen Überfall auf einen Supermarkt in Köln-Sürth. Im April 2009 bedrohten die Angeklagten dabei die Kassiererinnen mit einem Gasrevolver und erbeuteten rund 1.400 Euro.

Das Landgericht Köln hatte den Prozess unter Mitwirkung einer deutsch-russischen Schöffin durchgeführt, die in der Verhandlung und Beratung eine Dolmetscherin benötigte. Weil die Strafkammer des Landgerichts somit nicht “vorschriftsmäßig besetzt” war, hob der BGH das Urteil vom November 2009 gegen die Angeklagten auf.

Doch der Fall in Köln wurde im Jahr 2009 verhandelt, als die Sprachkenntnisse von Schöffen noch nicht geregelt waren und noch nicht festgelegt war, dass Schöffen, die die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, “nicht zu Schöffen berufen werden sollen”. Die Verteidiger hatten schon damals die Mitwirkung der Schöffin wegen ihrer Deutschdefizite beanstande, allerdings wurde ihr Antrag vom Landgericht Köln abgewiesen. Nun war die Revision aber war erfolgreich und der Fall muss erneut aufgerollt werden. Die Rechtsprechung macht damit aus der Soll-Vorschrift des Gesetzes von 2010 eine Muss-Vorschrift (AZ: 2 StR 338/10).

In einer Pressemitteilung des BGH heißt es:

Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat das Urteil auf die Revisionen der Angeklagten aufgehoben, da die Strafkammer mit einer der deutschen Sprache kaum mächtigen Schöffin nicht vorschriftsmäßig besetzt gewesen war (§ 338 Nr. 1 StPO). Die Heranziehung einer nicht sprachkundigen Schöffin verstößt gegen den Grundsatz, dass die Gerichtssprache deutsch ist (§ 184 S.1 GVG) und verletzt zudem den im Strafprozess geltenden Grundsatz der Unmittelbarkeit (§ 261 StPO). Eine sprachunkundige Schöffin ist – ebenso wie ein tauber oder blinder Richter – jedenfalls partiell unfähig, der Verhandlung selbst zu folgen. Das GVG hat die insoweit bisher bestehende Regelungslücke durch Einfügung des seit dem 30. Juli 2010 geltenden § 33 Nr. 5 GVG geschlossen. Danach sollen Personen ohne hinreichende Sprachkenntnis nicht zu Schöffen berufen werden und sind von der Schöffenliste zu streichen. Die Teilnahme einer für die Schöffin herangezogenen Dolmetscherin für die russische Sprache an allen Beratungen der Strafkammer begründet überdies einen Verstoß gegen das Beratungsgeheimnis des § 193 GVG.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.bundesgerichtshof.de, 26.01.2011; www.fr-online.de, 26.01.2011. Bild: www.wikipedia.de.]

Sprachenstreit im spanischen Senat

Es kommt vielen spanisch vor. Im spanischen Senat, der zweiten Kammer des Parlaments von Madrid, müssen sich die Abgeordneten nun Kopfhörer aufsetzen, um zu verstehen, was der Redner auf Katalanisch, Baskisch oder Galizisch
sagt – obwohl alle Anwesenden Spanisch sprechen können. Die Umsetzung war äußerst umstritten. Die Reaktionen vieler Personen war “Wie können es die Politiker wagen, Dolmetscher im Senat einzustellen, wenn doch alle Spanisch beherrschen?”. Die rechtsliberale Zeitung “El Mundo” schrieb “Damit gibt Spanien in Zeiten der Krise ein denkbar schlechtes Bild ab.” Die Sprachenvielfalt hat ihren Preis: 12.000 Euro kosten die sieben Dolmetscher – pro Sitzung. Ganz abgesehen von der Anschaffung unzähliger Kopfhörer sowie einiger Dolmetschkabinen. “So etwas gibt es in keinem normalen Land”, empört sich der PP-Parteichef und spanische Oppositionsführer Mariano Rajoy. Spanien mache sich damit in aller Welt lächerlich. Auf der anderen Seite betonte der sozialistische Justizminister Francisco Caamaño: “Die neue Regelung macht uns als Gesellschaft stärker.” Sie sei ein Zeichen des demokratischen Zusammenlebens.

Die Abgeordneten aller Parteien mit Ausnahme der PP hatten entschieden, dass in bestimmten Plenarsitzungen, in denen Anträge gestellt, nicht aber Gesetzesvorlagen entworfen werden, der Gebrauch der regionalen Amtssprachen zulässig sei. Somit dürfen die Abgeordneten in diesen Fällen auf Katalanisch, Baskisch oder Galizisch debattieren. Gedolmetscht wird nur aus den regionalen Amtssprachen ins Spanische. Bislang war das nur in einzelnen Ausschüssen möglich. Schriftliche Mitteilung dürfen bereits seit dem Jahr 1994 in den Regionalsprachen verfasst werden.

Allerdings muss man beachten, dass die Regionalsprachen “cooficial”, d.h. “co-offiziell” sind. Das bedeutet also, dass die Sprachen offiziell sind, aber auch, dass es weitere offizielle Sprachen gibt.
In der spanischen Verfassung Art. 3 heißt es:

(1) Kastilisch ist die offizielle Staatssprache. Alle Spanier haben die Pflicht, sie zu kennen, und das Recht, sie zu gebrauchen.
(2) Die anderen Sprachen Spaniens sind in den Autonomen Gemeinschaften und gemäß ihren jeweiligen Statuten ebenfalls Amtssprachen.
(3) Der Reichtum der unterschiedlichen sprachlichen Gegebenheiten Spaniens ist ein Kulturgut, das besonders zu achten und zu schützen ist.

Art.3 (1) ist sicherlich ein Grund, den hitzigen Sprachenstreit weiterzuführen, da alle Spanier die Pflicht haben, Spanisch zu kennen und somit auch zu sprechen. Demnach könnte man das Geld anderweitig investieren.
Dann kann man sich auch die Frage stellen, warum die Simultandolmetscher erst jetzt beschäftigt werden, wo doch die Verfassung des Königreiches Spanien seit dem 29. Dezember 1978 gilt.
Wenn man sich demgegenüber auf Art. 3 (3) stützt, kann man die Regionalsprachen im Senat damit begründen, dass sie Bestandteil kulturellen Erbes sind und unter besonderem Schutz stehen. Der Senat ist dafür wohl einer der geeignetsten Orte.

Einigen Quellen zufolge soll der eigentliche Grund dieser Maßnahme darin liegen, dass der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero für seine Minderheitsregierung insbesondere die Katalanen und Basken benötige. Das Zugeständnis für die Regionalsprachen sei neben direkten Geldzuteilungen sein bestes Überzeugungsargument.

[Text: Jessica Antosik. Quelle. www.elpais.com; www.verfassungen.eu; www.saz-aktuell.com. Bild: www.wikipedia.de.]

Kein sorbischer Ortsname ohne deutsche Übersetzung

Die Lausitz ist eine Region in Deutschland und Polen. Sie erstreckt sich über den Süden Brandenburgs, den Osten des Sachsen sowie über Teile der polnischen Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus. Die Lausitz gliedert sich von Nord nach Süd in Niederlausitz, Oberlausitz und Lausitzer Gebirge.

Die während der Völkerwanderung in die Lausitz eingewanderten germanischen Hermunduren vermischten sich mit den neu hinzukommenden Sorben, die die freiwerdenden Gebiete besiedelten. Durch Rodungen um 1100 vergrößerten die sorbischen Bauern die Anbaufläche. Oftmals vermischte sich die Bevölkerung, was das jetzige Siedlungsbild prägt. Es wurden Orte wie Hoyerswerda, Spremberg und Weißwasser gegründet, die heute zum Teil offiziell zweisprachig sind.

In der Region gibt es zahlreiche sorbische Kultureinrichtungen sowie Schulen.
Auch die sorbischen Sprachen sind noch heute in der Lausitz präsent. Bei den westslawischen Sprachen unterscheidet man zwischen Obersorbisch (in der Oberlausitz) und Niedersorbisch (in der Niederlausitz). Insgesamt leben in Deutschland heute schätzungsweise etwa 60.000 Sorben, davon rund 40.000 in Sachsen und 20.000 in Brandenburg. Damit stellen die sorbischen Sprachen nach dem Dänischen und vor dem Friesischen die zweitgrößte Minderheitensprache Deutschlands dar. Die Zahl der aktiven Sprecher ist vermutlich viel geringer. Das Niedersorbische gilt als vom Aussterben bedroht. Hochrechnungen zufolge sprechen etwa 7.000 Menschen aktiv Niedersorbisch. Beim Obersorbischen beläuft sich die Zahl auf fast das Doppelte.

Es gibt sehr viele zweisprachige Straßen- und Ortsschilder. Nach der geplanten Fusion der beiden Orte Panschwitz-Kuckau und Crostwitz am 1. Juli dieses Jahres sollte die neue Gemeinde “Serbski kraj” heißen. Übersetzt bedeutet dies “Sorbisches Land”. Die deutsche Übersetzung sollte jedoch nicht offiziell Namensbestandteil werden. Anfang der Woche wurde dieser Vorschlag von einer Arbeitsgruppe aus Gemeinderäten der beiden Orte allerdings abgelehnt, so Alfons Rycer vom Verwaltungsverband “Am Klosterwasser”. Somit wird man in Sachsen keinen sorbischen Ortsnamen ohne deutsche Übersetzung finden. Dies war bisher auch üblich. “Serbski kraj” sei weder der sorbischen noch der deutschen Bevölkerung zu vermitteln. Die Gemeinderäte müssen dementsprechend einen neuen Namen für die vereinigte Gemeinde suchen, der anschließend von der Namenskommission des Sächsischen Hauptstaatsarchivs bestätigt werden muss. Ein Doppelname sollte jedoch vermieden werden sowie Namen mit mehr als 16 Buchstaben. Ältere Gemeinden wie beispielsweise Morgenröthe-Rautenkranz bleiben davon jedoch unberührt.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.mdr.de, 27.01.2011; www.wikipedia.de. Bilder: www.wikipedia.de.]

Schweiz – Mundarten bremsen Konkurrenz

Der Übersetzungsmarkt in der Schweiz boomt trotz Wirtschaftsflaute in den vergangenen Jahren. Im Durchschnitt stiegen die Umsätze der Übersetzerbüros um etwa 30 Prozent an. Der Schweizer Markt erwirtschaftet mehr als 150 Millionen Franken im Jahr.

Ausländische Konkurrenten wollen daran teilhaben, um ihre Margen zu verbessern. Aufgrund der geringeren Lohnkosten von Übersetzern im Ausland können die in der Schweiz ansässigen Übersetzer nicht Schritt halten. Dies gestaltet sich insbesondere angesichts der sich stetig verbessernden und entwickelnden Kommunikationsmöglichkeiten schwierig. Auf der anderen Seite gibt es jedoch durchaus Schweizer Unternehmen, die das Internet nutzen, um Aufträge auszulagern.

“Übersetzer, die vorwiegend für die französische und italienische Schweiz arbeiten, lässt die Konkurrenz aus dem Ausland weitgehend kalt”, so Stefan Winter von der Übersetzungsfirma Euroscript. Ursache dafür sei, dass lediglich Schweizer das Idiom der Romands, der französischsprachigen Schweizer, in eine andere Sprache übersetzen können. Ebenso sehe die Situation mit dem Italienischen oder Deutschen aus. Die Besonderheiten der Landessprachen bzw. die Mundarten schützen das Land vor der Konkurrenz.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.20min.ch, 27.01.2011. Bild: Archiv.]

MultiLing gibt Rekordgewinn für 2010 bekannt

MultiLingDie Zentrale des international tätigen Übersetzungsdienstleisters MultiLing in Provo, Utah, hat soeben eine Steigerung des Unternehmens-Umsatzes um mehr als 35 Prozent im Jahr 2010 bekannt gegeben. Zwei amerikanische Neukunden aus dem Fortune-100-Index, der den Umsatz der größten US-Unternehmen ausweist, haben MultiLing als Hauptdienstleister für ihre Übersetzungsaufträge ausgewählt. Entsprechend umfangreiche Übersetzungs- und Lokalisierungsprojekte wurden im vergangenen Jahr an MultiLing ausgelagert.

Michael Sneddon, CEO von MultiLing und Geschäftsführer der deutschen MultiLing-Niederlassung in Starnberg bei München, erklärt, dass in allen Industriebranchen und Geschäftsbereichen ein deutlich steigendes Übersetzungsaufkommen zu beobachten war. Überdurchschnittlich stark legten nach seinen Angaben die Bereiche Patent- und IT-Übersetzungen zu.

Obwohl zu den Kunden von MultiLing überwiegend Großunternehmen und Konzerne zählen, spielten im vergangenen Jahr auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine wichtige Rolle, da in diesem Segment eine starke Expansion in internationale, globalisierte Märkte festzustellen war. Insgesamt ist 2010 das erfolgreichste Geschäftsjahr für MultiLing seit seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren.

Sneddon betonte außerdem, dass die neueste Version der Translation-Memory-Software FORTIS Revolution erheblich zum erfreulichen Unternehmensergebnis beigetragen hat. Das System basiert auf einer Eigenentwicklung von MultiLing und unterstützt Übersetzer bei der Erstellung qualitativ herausragender Texte im täglichen Einsatz. „FORTIS Revolution hat sich seit seiner Einführung zu Beginn des vergangenen Jahres als stabiles, leistungsstarkes und komfortabel zu bedienendes Nachfolge-System des erfolgreichen Programms FORTIS erwiesen. Speziell für asiatische Sprachen ist es das beste zurzeit am Markt erhältliche System. Mehr als 1.000 Übersetzer unseres weltweiten Netzwerks arbeiten regelmäßig mit FORTIS Revolution“, so Sneddon.

Über MultiLing
MultiLing ist ein international tätiges Übersetzungsunternehmen mit Stammsitz in Provo, Utah, USA. 1988 gegründet, betreibt MultiLing inzwischen Repräsentanzen in 21 Ländern. Die im weltweiten MultiLing-Netzwerk tätigen Übersetzer sind durchwegs ausgewiesene Experten auf dem zu bearbeitenden Fachgebiet und übersetzen stets nur in ihre Muttersprache.
Unterstützt werden sie durch das von MultiLing selbst entwickelte Translation-Memory-Tool FORTIS REVOLUTION und das Terminologie-Management-System SEMANTIS. Kunden haben darüber hinaus die Möglichkeit, mit dem innovativen Prozess-Management-Tool GoldenEye jederzeit den Bearbeitungsstatus und den Kostenrahmen ihrer umfangreichen Übersetzungsprojekte über das Internet abzufragen. Die Services werden ergänzt durch eine eigene DTP-Abteilung, die auf Wunsch Broschüren, Websites und andere gestaltete Dokumente nach der Übersetzung/Lokalisierung in das vorgegebene Layout bringt.
MultiLing ist unter anderem spezialisiert auf die Branchen Patentwesen, IT, chemische Verfahren, Medizintechnik, Biotechnologie und Automotive. Zu den Kunden gehören internationale Konzerne wie Procter & Gamble, Dell, IBM, AMD, Siemens, GE Healthcare, Loewe, Münchner Rück, Renault-Samsung.

www.multiling.de

[Text: Achim von Michel. Quelle: Pressemitteilung MultiLing, 2011-01-24. Bild: MultiLing.]

Neuer Rekord bei Uepo.de: 2010 durchschnittlich 3.070 Besucher pro Tag

Neue Rekordzahlen vermeldet Uepo.de, das Nachrichtenportal der deutschsprachigen Übersetzungsbranche, für das Jahr 2010:

  • Besucher: plus 54,8 Prozent
    Offenbar wird die „Tagesschau der Branche“ immer beliebter. Die Zahl der Besucher pro Tag stieg um 54,8 Prozent von 1.983 im Jahr 2009 auf 3.070 im Jahr 2010 (Tagesdurchschnitt). Dies ist die Gesamtzahl aller Besucher, die an einem Tag mindestens einen der seit 2001 veröffentlichten Artikel des Übersetzerportals aufrufen. Die meisten Besucher landen durch eine Google-Suche nach übersetzungsrelevanten Begriffen auf uepo.de. Den RSS-Feed haben zurzeit 1.703 Personen abonniert. Die täglich aktualisierte Startseite mit den neuesten zehn Beiträgen wird pro Tag von rund 500 Interessenten aufgerufen.
  • Seitenaufrufe: plus 134,8 Prozent
    Die Zahl der Seitenaufrufe hat sich mehr als verdoppelt. Sie stieg um 134,8 Prozent von 3.479 pro Tag im Jahr 2009 auf 8.168 im Jahr 2010.
  • Artikel: minus 2 Prozent
    Die Zahl der im Jahresverlauf erschienenen Artikel blieb annähernd konstant. 2010 waren es 289, im Vorjahr 296. In den Jahren 2001 bis 2010 wurden insgesamt 2.219 Artikel veröffentlicht, das sind im Durchschnitt 222 pro Jahr.

Betreiber Richard Schneider zeigt sich zufrieden: „Eine erfreuliche Entwicklung, die hoffentlich so weitergehen wird. Vielleicht gelingt es uns 2011, im Jahresverlauf erstmals insgesamt 365 Artikel hochzuladen – jeden Tag einen. Mein besonderer Dank gilt Jessica Antosik, die im vergangenen Jahr fast 90 Artikel beigesteuert hat, darunter die viel beachtete Zusammenstellung der ,Top 100 Sprachdienstleister‘. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre es nicht selten zu tage- oder wochenlangen Lücken in der Berichterstattung gekommen.“

Autorenunterstützung: Congree integriert Regelset “Regelbasiertes Schreiben”

CongreeAls einer der ersten Anbieter im Bereich Autorenunterstützung hat die Congree Language Technologies GmbH das neue Regelset „Regelbasiertes Schreiben – Deutsch für die Technische Kommunikation“ in ihre Produkte integriert. Dieses ist von einer eigens ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe des deutschen Fachverbandes für Technische Kommunikation und Informationsentwicklung (tekom) entwickelt worden. Ziel des Regelsets ist, bewährte Schreibregeln für die technische Kommunikation zusammenzufassen und damit eine praxisorientierte Argumentations- und Entscheidungshilfe zur Standardisierung der Ausgangstexte zur Verfügung zu stellen. Mit der Integration dieses Regelsets in die Congree-Produkte erhalten Autoren eine konkrete Anleitung, anhand der sie Texte verständlicher schreiben und diese besser wiederverwendet bzw. übersetzt werden können.

Congree liefert integrierte Lösungen zur Formulierung konsistenter Texte unter Berücksichtigung definierter Stilregeln sowie eines einheitlichen Wordings. Die beiden Produkte crossAuthor Linguistic und das Congree Controlled Language Authoring Tool (Congree CLAT) unterstützen Autoren, unternehmensweit konsistente und sprachlich hochwertige Dokumente zu erstellen. Congree CLAT prüft regelbasiert die Qualität von Texten, beispielsweise im Hinblick auf die Einhaltung grammatikalischer Regeln oder firmenspezifischer Schreibrichtlinien und Sprachkonventionen. crossAuthor Linguistic als integrierte Lösung vergleicht den Quelltext zum einen mit dem Translation Memory und dem Terminologiesystem, zum anderen mit den im Congree CLAT hinterlegten Grammatik- und Stilregeln.

Durch die Integration des Regelsets „Regelbasiertes Schreiben – Deutsch für die Technische Kommunikation“ erhält der Autor während des Schreibens konkrete Handlungsanweisungen. Dies trägt dazu bei, dass er seine Dokumentation verständlich verfasst und die Inhalte leichter wiederverwendbar bzw. zu übersetzen sind. Das Regelset umfasst etwa 100 Schreib- und Formulierungsrichtlinien, die auf Text-, Satz- und Wortebene konkrete Hinweise bei der Dokumentationserstellung bieten. Damit stellt es eine sinnvolle Ergänzung der in den Congree-Produkten bereits vorhandenen Funktionen zur Autorenunterstützung dar.

Das Regelset wurde von einer Arbeitsgruppe der tekom entwickelt, bestehend aus namhaften Unternehmen, Dienstleister im Bereich der technischen Dokumentation, Universitäten sowie Softwarehersteller, und steht als PDF oder gedruckte Broschüre zur Verfügung.

Über Congree
Die Congree Language Technologies GmbH wurde im September 2010 als Joint Venture gegründet. Gesellschafter sind die Across Systems GmbH und das Institut der Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Informationsforschung e. V. an der Universität des Saarlandes (IAI).
Als Lösungsanbieter bündelt Congree die Aktivitäten und Kompetenzen der Gesellschafter im Bereich Autorenunterstützung. Congree führt Authoring Memory, Terminologie sowie regelbasierte Qualitäts- und Stilkontrolle (CLAT-Technologie des IAI) in integrierten Produkten zusammen. Diese zeichnen sich aus durch herausragende Linguistik, die Unterstützung aller gängigen Editoren sowie optionale Echtzeit-Verwendung direkt bei der Texterstellung.
Congree liefert führende Technologien zur Formulierung konsistenter Inhalte, unter Berücksichtigung von definierten Stilregeln und einem einheitlichen Wording. Congree schafft die Voraussetzungen für eine so genannte Controlled Language und versetzt professionelle Autoren in die Lage, schneller und kostengünstiger qualitativ hochwertige, regelkonforme und leicht übersetzbare Texte zu erstellen.
www.congree.com

[Text: Nicole Körber. Quelle: Pressemitteilung Congree, 2011-01-20. Bild: Congree.]

End-to-End-Lokalisierung: SDL kooperiert mit LOTS OF DOTS

SDL / Lots of DotsSDL erweitert sein Technologiepartner-Netzwerk um die LOTS OF DOTS MediaGroup AG aus Mainz, den Spezialisten für die Optimierung internationaler Medienproduktion.

LOTS OF DOTS zielt auf die Prozesse der internationalen Marketing- und Produktkommunikation ab, d. h. auf die gesamte Leistungsstrecke von der deutschen Ausgangsfassung bis zu den druckfertigen Sprachversionen. Auf Seiten der Sprachdienstleister können die Übersetzungsprozesse durch den Einsatz von Technologien zum Management multilingualer Inhalte schon heute effizient organisiert werden. SDL bietet diesbezüglich ein breites Leistungsportfolio, das mehr als nur Translation Memory-Lösungen, Terminologiemanagement-Tools etc bietet.

Schwieriger wird es dagegen bei den internen Abläufen der meisten international ausgerichteten Unternehmen. Hier sind oftmals langwierige, aufwendige, intransparente und fehleranfällige Prozesse zu beobachten, die sich aus dem hohen Abstimmungsbedarf bei der Prüfung der einzelnen Sprachversionen ergeben.

Swen Wittig„Wir haben frühzeitig erkannt, dass es eine Lücke gibt zwischen den Prozessen multilinguale Inhalte zu managen und dem fertigen Kommunikationsmittel und dass diese Lücke viel Zeit für unproduktive Abstimmungsrunden verbraucht“, sagt Swen Wittig (Bild), Vorstand Vertrieb bei LOTS OF DOTS. „Umso mehr freuen wir uns über die hervorragende Zusammenarbeit mit SDL, die konsequenterweise zu einer Technologiepartnerschaft ausgebaut wurde.“

Der eigentliche Aufwand für internationale Kommunikationsmittel entsteht in der Abstimmung mit den Ländern. Hier setzt das Konzept von LOTS OF DOTS an: Die fertig gestalteten Dokumente werden allen Prozessbeteiligten über eine Weboberfläche zur Verfügung gestellt, in Echtzeit und mit druckverbindlicher Layout-Vorschau. Übersetzungen und Korrekturen werden direkt über eine einfach aufgebaute Webmaske eingegeben, Freigaben werden per Mausklick erteilt.

„Dadurch entfallen aufwendige Korrekturzyklen und Fehler durch Medienbrüche“, sagt Klaus Meßlinger, Vorstand Consulting bei LOTS OF DOTS. „Die lokalisierten Dokumente sind schneller und kostengünstiger veröffentlicht, der Prozess bleibt durch einen Echtzeit-Status stets transparent.“

Das von LOTS OF DOTS entwickelte Language Guide System (LGS) nutzt den InDesign-Layout-Server des Marktführers Adobe, der maximale Flexibilität und druckfertige Ergebnisse im professionellen Betrieb garantiert. Dadurch können die Layout-Dokumente der Kundenagenturen direkt im System genutzt werden. Praktisch für den Kunden: Das System wird als nutzungsabhängige Dienstleistung zur Verfügung gestellt (SaaS), somit ist es in kürzester Zeit verfügbar und benötigt keinerlei Installationsaufwand auf Kundenseite.

Aus der jahrelangen Erfahrung systemgestützter Medienproduktion bietet LOTS OF DOTS außerdem Analyse- und Beratungsleistungen zur Optimierung der Produktionsprozesse und -strukturen, sowie zur technischen Umsetzung. Das hauseigene Team von Lokalisierungsexperten gewährleistet eine durchgängig hohe Produktionsqualität: Es bereitet die Dokumente für die systemgestützte Verarbeitung auf und sorgt in der Endkontrolle für optimale Druckergebnisse.

Der entscheidende Vorteil der Zusammenarbeit mit SDL liegt aber in der direkten Anbindung an deren Technologieplattform. „Es gibt für jeden Beteiligten am Produktionsprozess das richtige Werkzeug“, sagt Klaus Meßlinger. „Übersetzer brauchen eine intuitive und effiziente Lösung wie SDL Trados, mit vielen spezialisierten Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten. Die Ländervertreter dagegen wollen möglichst komfortabel Texte redigieren, und müssen das meist unter Zeitdruck tun, deshalb kommen ihnen die anwenderfreundliche Oberfläche des LGS und die Vorschaufunktion entgegen.“

Damit beide Gruppen nahtlos kooperieren können, gibt es eine standardisierte Schnittstelle zwischen der SDL Trados-Plattform und LGS, die den Austausch der Übersetzungen per Knopfdruck ermöglicht. Der besondere Vorteil dabei: Die Layoutinformationen bleiben im gesamten Prozess erhalten, so dass die Auswirkungen von Textänderungen auf das Druckdokument jederzeit unmittelbar überprüft werden können.

„Wir freuen uns, dem Markt mit diesem Technologiepartner eine vertikale Integration bieten zu können, die echte End-to-End-Lokalisierung der Marketing- und Produktkommunikation ermöglicht“, so Petra Dutz, Partner Manager bei der Language Division von SDL.

Über SDL
SDL ist das weltweit führende Unternehmen im Bereich Global Information Management. SDL bietet Lösungen, die die Reaktionsfähigkeit von Unternehmen erhöhen. So können globale Märkte schneller mit hochwertigen mehrsprachigen Informationen versorgt werden.  Durch den Einsatz von integrierten Web-Content-Management-Lösungen, E-Commerce, Technologien zur Strukturierung von Inhalten sowie Sprachtechnologien und -dienstleistungen von SDL können bei der Erstellung, Verwaltung, Übersetzung und Veröffentlichung von Inhalten Kosteneinsparungen erzielt werden. Mit der Unterstützung von SDL kann der Umsatz erhöht und die Kundenzufriedenheit verbessert werden. Dies ist möglich, indem globale Zielgruppen über verschiedene Kommunikationskanäle erreicht werden.
Marktführer wie ABN-Amro, Bosch, Canon, CNH, FICO, Hewlett-Packard, KLM, Microsoft, NetApp, Philips, SAP und Sony vertrauen auf SDL. SDL betreut über 1500 Unternehmenskunden und bietet 10 Millionen Kunden pro Monat Zugriff auf On-Demand-Übersetzungsportale. Weltweit sind mehr als 170.000 Softwarelizenzen im Einsatz. Die globale Infrastruktur des Unternehmens umfasst über 60 Niederlassungen in 35 Ländern.
www.sdl.com

Über LOTS OF DOTS
Die LOTS OF DOTS MediaGroup. AG ist ein Spezialist für die ganzheitliche Steuerung internationaler Marketing- und Produktkommunikation: Das Mainzer Unternehmen optimiert, integriert und managt Medienproduktionsprozesse mit Schwerpunkt auf Mehrsprachigkeit und Internationalisierung.
LOTS OF DOTS wurde 1993 als Druckvorstufen-Spezialist gegründet und hat sich seither zum beratungsorientierten Lösungsanbieter und Prozessdienstleister entwickelt. Die Tätigkeitsbereiche umfassen daher Consulting, Systementwicklung und Lokalisierungsdienstleistungen. Die ca. 20 Mitarbeiter des Mainzer Unternehmens betreuen vorwiegend exportstarke Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand und Konzernumfeld, wie Dekra, Leica, Trumpf, Festool oder Stada.
www.lots-of-dots.de

[Text: Ilona Arnold. Quelle: Pressemitteilung SDL, 2011-01-19.]

Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission

Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen KommissionAuf 82 Seiten hat die EU-Kommission die Geschichte ihres Übersetzungsdienstes zusammengefasst. Karl-Johan (Juhani) Lönnroth, seit 2004 Generaldirektor der Generaldirektion Übersetzung, würdigt im Vorwort den Beitrag der Übersetzer beim Aufbau der Europäischen Union:

Die Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission ist vor allem die Geschichte von Frauen und Männern, die durch ihren persönlichen Einsatz zur Schaffung der Europäischen Union beigetragen haben. Ohne die Brücken der Übersetzung wäre eine Union zwischen den europäischen Völkern nicht vorstellbar gewesen. […]

Während die Mehrsprachigkeit der Gemeinschaft anfangs eher notgedrungen als pragmatische Lösung hingenommen wurde, ist sie heute ein Alleinstellungsmerkmal und ein Grundprinzip der Europäischen Union. Und natürlich spielt die Übersetzung bei der Wahrung der europäischen Identität eine zentrale Rolle.

Im Laufe dieser fünf Jahrzehnte hat es der Übersetzungsdienst stets verstanden, mit Flexibilität und Innovationsfähigkeit die ungezählten Herausforderungen zu meistern, so dass die EU heute mit ihren 27 Mitgliedstaaten noch ebenso gut funktioniert wie früher mit sechs. Er hat unter Beweis gestellt, dass er den verschiedensten Anforderungen gerecht werden kann, und mit eben dieser Kompetenz und Professionalität wird er sich auch künftigen Herausforderungen stellen. […]

Mit Hilfe der Übersetzer lässt sich das babylonische Sprachengewirr unter Kontrolle halten. Fleißig und unauffällig arbeiten sie für die europäische Idee. Sie beweisen Können und Kreativität, wenn sie neue Gemeinschaftskonzepte in alle europäischen Sprachen übertragen und so für eine weite Verbreitung der europäischen Botschaft sorgen.

Die Anfänge des heute größten Übersetzungsdienstes der Welt waren bescheiden:

Ein Dokument der Hohen Behörde aus dem Jahr 1953 erwähnt eine Gesamtzahl von 35 Übersetzern und Überprüfern (10 Überprüfer auf 25 Übersetzer), aufgeteilt nach Sprachen. Schon von Anfang an besteht neben den vier Sektionen für die Amtssprachen eine englische Sektion, da diese Sprache weltweit in der Schwerindustrie, in der wissenschaftlichen und technischen Literatur sowie im Kohle- und Stahlhandel, insbesondere bei den großen englischen und amerikanischen Handelspartnern, am häufigsten verwendet wird.

Die deutsche Sektion umfasst 12 Übersetzer, die französische 10, die italienische 5, die niederländische 6 und die englische 2. Die Übersetzer des Sprachendienstes der Hohen Behörde werden gelegentlich von externen Übersetzern unterstützt. […]

Den Übersetzern steht ein Pool von Stenograf(inn)en und von Schreibkräften zur Seite, die die Übersetzungen aufnehmen bzw. mit der Schreibmaschine zu Papier bringen. Ein Planungsbüro (Planning) erfasst die ein‑ und ausgehenden Dokumente und überwacht den Fortschritt der Übersetzungs- und Schreibarbeiten. Die Auswahl des Übersetzungspersonals überlässt man damals dem Dienstleiter.

Europäische Kommission (2009): Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission. Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union.
79 Seiten, ISBN 978-92-79-08848-3.

Das Buch können Sie sich kostenlos als PDF-Datei im EU Bookshop herunterladen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Generaldirektion Übersetzung. Bild: Amt für Veröffentlichungen.]