Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission

Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen KommissionAuf 82 Seiten hat die EU-Kommission die Geschichte ihres Übersetzungsdienstes zusammengefasst. Karl-Johan (Juhani) Lönnroth, seit 2004 Generaldirektor der Generaldirektion Übersetzung, würdigt im Vorwort den Beitrag der Übersetzer beim Aufbau der Europäischen Union:

Die Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission ist vor allem die Geschichte von Frauen und Männern, die durch ihren persönlichen Einsatz zur Schaffung der Europäischen Union beigetragen haben. Ohne die Brücken der Übersetzung wäre eine Union zwischen den europäischen Völkern nicht vorstellbar gewesen. […]

 

Während die Mehrsprachigkeit der Gemeinschaft anfangs eher notgedrungen als pragmatische Lösung hingenommen wurde, ist sie heute ein Alleinstellungsmerkmal und ein Grundprinzip der Europäischen Union. Und natürlich spielt die Übersetzung bei der Wahrung der europäischen Identität eine zentrale Rolle.

 

Im Laufe dieser fünf Jahrzehnte hat es der Übersetzungsdienst stets verstanden, mit Flexibilität und Innovationsfähigkeit die ungezählten Herausforderungen zu meistern, so dass die EU heute mit ihren 27 Mitgliedstaaten noch ebenso gut funktioniert wie früher mit sechs. Er hat unter Beweis gestellt, dass er den verschiedensten Anforderungen gerecht werden kann, und mit eben dieser Kompetenz und Professionalität wird er sich auch künftigen Herausforderungen stellen. […]

 

Mit Hilfe der Übersetzer lässt sich das babylonische Sprachengewirr unter Kontrolle halten. Fleißig und unauffällig arbeiten sie für die europäische Idee. Sie beweisen Können und Kreativität, wenn sie neue Gemeinschaftskonzepte in alle europäischen Sprachen übertragen und so für eine weite Verbreitung der europäischen Botschaft sorgen.

Die Anfänge des heute größten Übersetzungsdienstes der Welt waren bescheiden:

Ein Dokument der Hohen Behörde aus dem Jahr 1953 erwähnt eine Gesamtzahl von 35 Übersetzern und Überprüfern (10 Überprüfer auf 25 Übersetzer), aufgeteilt nach Sprachen. Schon von Anfang an besteht neben den vier Sektionen für die Amtssprachen eine englische Sektion, da diese Sprache weltweit in der Schwerindustrie, in der wissenschaftlichen und technischen Literatur sowie im Kohle- und Stahlhandel, insbesondere bei den großen englischen und amerikanischen Handelspartnern, am häufigsten verwendet wird.

 

Die deutsche Sektion umfasst 12 Übersetzer, die französische 10, die italienische 5, die niederländische 6 und die englische 2. Die Übersetzer des Sprachendienstes der Hohen Behörde werden gelegentlich von externen Übersetzern unterstützt. […]

 

Den Übersetzern steht ein Pool von Stenograf(inn)en und von Schreibkräften zur Seite, die die Übersetzungen aufnehmen bzw. mit der Schreibmaschine zu Papier bringen. Ein Planungsbüro (Planning) erfasst die ein‑ und ausgehenden Dokumente und überwacht den Fortschritt der Übersetzungs- und Schreibarbeiten. Die Auswahl des Übersetzungspersonals überlässt man damals dem Dienstleiter.

Europäische Kommission (2009): Geschichte des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission. Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union.
79 Seiten, ISBN 978-92-79-08848-3.

Das Buch können Sie sich kostenlos als PDF-Datei im EU Bookshop herunterladen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Generaldirektion Übersetzung. Bild: Amt für Veröffentlichungen.]

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