Gerichtsdolmetschertag: Faire Verfahren brauchen qualifizierte Dolmetscher und Übersetzer

Pressegespräch Gerichtsdolmetschertag 2011

Pressegespräch zum Auftakt des Gerichtsdolmetschertags 2011 in Hannover: Bernd Busemann (Justizminister Niedersachsen), Johann J. Amkreutz (BDÜ-Präsident), André Lindemann (BDÜ-Ressortleiter Gerichtsdolmetscher).

„Von der Qualität der Arbeit eines Gerichtsdolmetschers können ein Freispruch oder eine Verurteilung abhängen“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), Johann J. Amkreutz, am 25.03.2011 in Hannover. Der Niedersächsische Justizminister Bernd Busemann und der BDÜ betonten in einem gemeinsamen Pressegespräch die Bedeutung der Qualitätssicherung von Sprachdienstleistungen in der deutschen Justiz.

Aktueller Anlass ist der 5. Deutsche Gerichtsdolmetschertag des Verbandes am 25. und 26. März 2011 im Hannover Congress Centrum. Der Gerichtsdolmetschertag ist eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Sprachexperten, Richtern und Anwälten aus Deutschland und dem europäischen Ausland.

Justizminister Busemann hob die Bedeutung des anerkannten Fachkongresses hervor. „Die Bedeutung der Übersetzung für das Gerichtsverfahren kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betonte Busemann. Es gehe für die Beteiligten um nicht weniger als tragende grundrechtliche Garantien, wie der des Angeklagten auf ein faires Verfahren. Deshalb sei es gut, dass Niedersachsen mit den zum 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Regelungen nun auch gesetzliche Qualitätsstandards gesetzt hat. Gute Arbeit müsse natürlich auch angemessen bezahlt werden. Eine Anpassung der Dolmetschervergütung werde in nächster Zeit im Rahmen eines Gesamtpakets Gegenstand intensiver Erörterungen zwischen Bund und Ländern sein. Minister Busemann: „Ich werde mich dabei für eine Lösung einsetzen, die einerseits den berechtigten Interessen der Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie der Übersetzerinnen und Übersetzer Rechnung trägt, andererseits aber auch den begrenzten finanziellen Handlungsspielraum der Länder berücksichtigt.“

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer betrachtet mit Sorge, dass aus Kostengründen auch Laien als Dolmetscher oder Übersetzer bei der Justiz und in der Strafverfolgung eingesetzt würden. Amkreutz: „Darin liegt eine Gefahr für die Sicherheit und Gerechtigkeit im Staat.“

„Diese Besorgnis teilen wir in Niedersachsen so nicht“, machte dagegen Busemann deutlich. Durch das seit dem 1. Januar 2011 geltende Niedersächsische Dolmetschergesetz sei eine auch qualitative Grundlage für die allgemeine Beeidigung von Dolmetschern und Übersetzern geschaffen worden. Das schließe aber nicht gänzlich aus, dass die entscheidungsbefugten Richter auch solche Dolmetscher beauftragten, die nicht allgemein beeidigt sind. Dabei handele es sich aber im Allgemeinen um Fälle, bei denen – etwa wegen einer ‚exotischen‘ Sprache – keine beeidigten Dolmetscher zur Verfügung stünden.

Der Verband setzt sich für die Qualitätssicherung ein und schlägt konkrete Maßnahmen vor. „Der BDÜ fordert die Festschreibung von bundesweit einheitlichen Mindestanforderungen für juristische Dolmetscher und Übersetzer“, so André Lindemann, BDÜ-Vizepräsident und Ressortleiter für das Thema Gerichtsdolmetscher im Verband. Lindemann betonte, dass nicht nur die Anforderungen an die Qualifikation hoch seien – die Arbeit sei auch psychisch belastend. Aus Sicht des Verbandes mangele es an der Anerkennung für den Beruf sowie einer adäquaten Vergütung. Lindemann unterstrich die Bedeutung der baldigen Novellierung des Justizvergütungs- und  entschädigungsgesetzes (JVEG), auf dessen Grundlage die juristischen Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland honoriert werden.

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer
Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) mit Sitz in Berlin vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern repräsentiert der BDÜ über 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer. Er ist damit der größte
Berufsverband für Sprachmittler in Deutschland.
www.bdue.de

[Text: Birgit Golms, Georg Weßling. Quelle: Pressemitteilung von BDÜ und niedersächsischem Justizministerium, 2011-03-25. Bild: Thorsten Weddig.]

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