„Gender Pay Gap“ auch in typischen Frauenbranchen wie dem Übersetzen

GeldAnlässlich des „Equal Pay Day“ am vergangenen Freitag teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) mit, dass der unbereinigte „Gender Pay Gap“ (das heißt, der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von angestellten Männern und Frauen) auch im Jahr 2010 bei 23 % liegt. Die Bruttostundenverdienste von Arbeitnehmerinnen waren also durchschnittlich 23 % niedriger als die der Arbeitnehmer.

Die wichtigsten messbaren Ursachen für den unbereinigten Gender Pay Gap ergeben sich aus den Unterschieden in der Berufs- und Branchenwahl sowie aus ungleich verteilten Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. So gehen Arbeitnehmerinnen im Vergleich zu Arbeitnehmern eher Tätigkeiten nach, die mit tendenziell geringeren Verdienstmöglichkeiten und Anforderungen verbunden sind. Schließlich trägt auch der höhere Anteil von Frauen in geringfügiger Beschäftigung zum unbereinigten Gender Pay Gap bei. Rund zwei Drittel des Unterschieds in den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten können durch die genannten sowie weitere in den Analysen berücksichtigte Faktoren, wie zum Beispiel Dienstalter und Beschäftigungsumfang, erklärt werden.

Das verbleibende Drittel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap. Er lag in Deutschland im Jahr 2006 bei etwa 8 %. Dies bedeutet, dass im Durchschnitt Arbeitnehmerinnen auch unter der Voraussetzung, dass Männer und Frauen eine vergleichbare Tätigkeit ausüben und über eine äquivalente Qualifikation verfügen, im Jahr 2006 pro Stunde 8 % weniger als Männer verdienten.

Gleiches Phänomen bei freiberuflichen Sprachmittlern

Unter dem Titel „Auskommen mit dem Einkommen?“ veröffentlichte der ADÜ Nord im Jahr 2005 die ausführliche Auswertung seiner Honorarstudie, an der sich 820 Freiberufler beteiligt hatten. Die Angaben zum Jahresgewinn vor Steuern wurden unter anderem nach Geschlechtern verglichen, und es zeigte sich auch hier das übliche Bild: Frauen erzielten ein um etwa ein Viertel geringeres Einkommen als Männer.

Die Autorinnen Dr. Thea Döhler und Helke Heino konstatierten, dass viele der bei Gehaltsempfängern angeführten Gründe für diesen Unterschied (bevorzugte Branchen, unterschiedliche Berufwahl, Führungspositionen, Frauenanteil etc.) bei dieser Befragung nicht relevant waren. Eigentlich müsste der Unterschied also eher dem bereinigten Gender Pay Gap von 8 % entsprechen als dem unbereinigten Wert von 23 %.

Stellt sich die Frage, ob Frauen durch Auszeiten wegen Schwangerschaft und Kindererziehung ins Hintertreffen geraten oder ob sie sich nicht selbst begrenzen, indem sie für ihre Dienstleistungen zu wenig Geld verlangen oder aufgrund ihres Kommunikatonsstils einfach nicht genügend durchsetzungsorientiert sind?

Diesen Fragen ging Dr. Thea Döhler in einer kleinen Artikelserie mit dem Titel „Gleicher Job, gleiche Chancen?“ in drei ADÜ-Nord-Infoblättern 2006 nach. Schauen Sie mal rein in die PDF-Dateien 2/2006, 3/2006 und 4/2006–. Die Bedingungen, Analysen und Tipps zur Behebung dieser Schieflage haben bis heute nichs von ihrer Aktualität verloren und können auch Männern zu interessanten Einsichten verhelfen.

[Text: Helke Heino. Quelle: Destatis. Bild: Anne Katrin Figge/Fotolia.de.]

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