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Archive für April 2011

Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011 – Sprachbarrieren bleiben

Am Tag der Arbeit öffnet sich nun nach sieben Jahren der deutsche Arbeitsmarkt auch für Bürger aus acht osteuropäischen Ländern. Die Arbeitskräfte aus denjenigen Staaten, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind (ausgenommen Malta und Zypern), dürfen ohne Arbeitserlaubnis nach Deutschland kommen. Deutschland braucht qualifizierte Zuwanderer. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Arbeitnehmerfreizügigkeit als “ganz große Chance”. “Ich bin überzeugt, dass die Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten unserer wirtschaftlichen Entwicklung helfen werden.”, so von der Leyen. Doch nun stellt sich die Frage, ob auch wirklich diejenigen aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn kommen werden, die hier gebraucht werden. Ist die Sorge vor Lohndumping berechtigt? Wird die Arbeitnehmerfreizügigkeit den Mangel an Hochqualifizierten lediglich lindern oder lösen? Deutschland hat darauf keinen Einfluss, da die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU für jede Arbeitskraft gilt. Die Bundesarbeitsministerin erwartet keinen großen Ansturm: “Wir rechnen mit rund 100.000 Personen. Die meisten, die kommen werden, sind jung und gut qualifiziert.” Wer die Absicht habe, schwarz arbeiten zu wollen, sei bereits in Deutschland.

Die Schranken am Arbeitsmarkt gehen hoch, die Sprachbarrieren indes bleiben bestehen. Štefan Duhán, Vize-Chef der tschechischen Arbeitsmarktverwaltung, äußert sich in diesem Zusammenhang wie folgt: “Die Arbeitsmarktöffnung hat mehr psychologische als praktische Wirkung und wird von der tschechischen Bevölkerung sehr positiv aufgenommen.” Duhán erklärt, dass die größten Hindernisse in fehlenden Sprachkenntnissen liegen. Außerdem habe sich das Lohnniveau z.B. in Ungarn und Slowenien stark dem österreichischen angenähert. Der slowakische AMS-Chef Ivan Juráš rechnet jedoch mit starken Auswirkungen auf die Grenzgebiete. “Die Bereitschaft von Bratislava nach Wien zu pendeln ist traditionell sehr groß.” Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise sagt: “In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden sich deutsche Arbeitnehmer auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen.” Zudem ist Weise folgender Ansicht: “Deutschland ist weniger attraktiv, als viele glauben. Junge, gut ausbildete Osteuropäer gehen oft lieber nach England, wo sie auch geringere Sprachprobleme haben.”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: kurier.at, 27.04.2011; faz.net, 30.04.2011; de.news.yahoo.com, 23.04.2011. Bild: wikipedia.de.]

Sprachlicher Wandel: Lokale Dialekte sterben aus

Die Hauptarbeitsfelder von Prof. Dr. Joachim Herrgen (Bild rechts) sind die “Sprache-und-Politik-Forschung” (insbesondere semantische Veränderungen im Deutschen durch die Französische Revolution) und die “Regionalsprachenforschung”. Der zweite Themenbereich beschäftigt sich mit der Dynamik der Regionalsprachen des Deutschen. Diese areallinguistischen Forschungen betreibt der Sprachwissenschaftler im institutionellen Rahmen des Forschungsinstituts “Deutscher Sprachatlas”.

Joachim Herrgen, 1954 in Speyer geboren, ist am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas an der Uni Marburg tätig und weiß, wo man für “Kleid” das Wort “Klaad” oder “Kload” sagt. Er interessiert sich für die Aussprache von Wörtern, ihren Bedeutungen und den Satzbau. Außerdem geht er dem sprachlichen Wandel auf die Spur und der Frage nach, wie sich Sprache verändert. Im Zentrum seiner Untersuchungen stehen die Dialekte, die sich nicht an die Regeln der Grammatik halten würden und aus diesem Grund “ein lebendiger Gegenstand [sind], an dem wir den Sprachwandel empirisch untersuchen können”.

Herrgen, stellvertretender Direktor des Zentrums sowie Dekan des Fachbereichs Germanistik und Kunstwissenschaften der Universität Marburg, ist das “Wir” äußerst wichtig, da die Projekte nur im Team realisierbar seien. Das Ziel der Forscher ist es, herauszufinden, wie es klingt, wenn die Deutschen sprechen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. “Was die Leute heutzutage reden, ist ja nicht mehr der Dialekt wie vor 100 Jahren, und doch hört man bei vielen noch einen gewissen regionalen Einschlag”, so Herrgen. “Sie können etwa hören, dass ich Pfälzer bin, aber trotzdem spreche ich keinen Pfälzer Bauerndialekt.” Bei dem Projekt “Regionalsprache.de” (REDE) werden die verschiedenen deutschen Mundarten untersucht und die Ergebnisse auf einer Internetplattform dokumentiert.

Georg Wenkers “Sprachatlas des Deutschen Reichs” (Erhebungszeitraum 1876-1887) ist der umfangreichste Sprachatlas überhaupt. Der Bibliothekar Wenker nahm sich vor, alle Dialekte der deutschen Sprache kartographisch darzustellen. Dafür sammelte er verschiedene Dialektformen aus etwa 50 000 Orten. Es entstand ein Atlas mit 1611 von Hand gezeichneten Karten. Herrgen ist Projektleiter des aktuell laufenden Forschungsprojekts “Digitaler Wenkeratlas” (DiWA) – Karten und Tonaufnahmen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands sind online zugänglich. Ferner ist es möglich, die Mundarten von heute und von vor 100 Jahren zu vergleichen.

Doch wie entwickeln sich die Mundarten weiter? “Ich glaube nicht, dass der Dialekt komplett ausstirbt”, sagt Herrgen. “Aber was wohl verloren geht, sind die kleinen, lokalen Dialekte.” Grund dafür seien die Schulpflicht sowie das Radio und das Fernsehen, wo hauptsächlich Hochdeutsch gesprochen wird. Dies habe auf die Menschen und ihre Sprache großen Einfluss.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: uni-marburg.de; n-tv.de. Bilder: uni-marburg.de.]

Sechs Online-Übersetzungsbüros im Test

Das Vergleichportal www.Getestet.de bietet seit 2009 eine Orientierungshilfe im Dschungel der unzähligen Online-Angebote. Ein Team aus unabhängigen, erfahrenen Redakteure sorgt für einen hohen Qualitätsstandard der Tests. Grundsätzlich wird alles unter die Lupe genommen, wonach Nachfrage besteht – hierbei stehen der Verbraucher und seine Interessen stets im Mittelpunkt. Das Portal handelt nach dem Prinzip der Transparenz der Tests. Für jedes Kriterium werden zwischen 0 und 100 Punkte vergeben, die in drei Obergruppen zusammengefasst und in ein Schulnotensystem von 1 bis 5 übertragen werden. Aus den Ergebnissen dieser Hauptgruppen ergibt sich letztlich die Gesamtnote. Die Ergebnisse werden auf Getestet.de veröffentlicht und können von jeder Person kostenlos eingesehen werden. Das Portal finanziert sich durch Einnahmen aus der Vermarktung von Werbeflächen. Insgesamt wurden auf Getestet.de über 350 vergleichende Einzeltests durchgeführt. Betrieben wird Getestet.de durch die aha.de Internet GmbH mit Sitz in Hamburg.

Angesichts der Globalisierung und der globalen Kommunikation spielen Fremdsprachen in der heutigen Zeit eine außerordentliche Rolle. Wenn eine professionelle, korrekte Übersetzung benötigt wird, sind die Dienste eines Übersetzers gefragt. Oftmals wird zuerst auf kostenlose Übersetzungsprogramme im Internet zurückgegriffen. Diese übersetzen in zahlreiche Sprachen – ob sie schlüssige und qualitativ hochwertige sowie in grammatischer und stilistischer Hinsicht fehlerfreie Übersetzungen liefern, ist fraglich. Braucht man jedoch für berufliche oder private Zwecke eine einwandfreie Übersetzung, können Übersetzungsdienstleister mit der Übersetzung beauftragt werden. Da heutzutage Vieles über das Internet abgewickelt wird, werden häufig Online-Übersetzungsbüros damit beauftragt, die Übersetzung in die gewünschte/n Sprache/n anzufertigen. Doch nun stellt sich die Frage, welcher Anbieter der Beste ist. Getestet.de hat sie getestet.

Das Portal für branchenübergreifende Tests im Internet hat folgende sechs Online-Übersetzungsdienste hinsichtlich des Internetauftritts (20 Prozent Gewichtung), des Service (20 Prozent Gewichtung) sowie des Preis-Leistungs-Verhältnisses (60 Prozent Gewichtung) begutachtet: toptranslation.de, budgettranslations.com, 24translate.de, global-translate.de, tolingo.de und translia.com. Die Testkategorie Preis-Leistungs-Verhältnis, die mit 60 Prozent Gewichtung starken Einfluss auf das Ergebnis hat, umfasst u. a. die Angebotseinholung, die Kosten, buchbare Zusatzleistungen wie beispielsweise Lektorat/Korrektorat oder Dolmetschdienste.

Bei allen Online-Übersetzungsdiensten wurden die kurzfristige Übersetzung eines Bewerbungsschreibens aus dem Deutschen ins Englische sowie die längerfristige Übersetzung einer PowerPoint-Präsentation aus der deutschen in die englische und chinesische Sprache angefragt.

Platz 1: Testsieger tolingo.de mit hervorragendem Angebot
Testsieger wurde das Online-Übersetzungsbüro Tolingo, das aufgrund eines klaren und übersichtlichen Seitenaufbaus, des besten Service und guter Preise mit der Gesamtnote 1,6 (gut) benotet wurde. Tolingo bietet die Übersetzungen in etwa 50 Sprachen an. Die Website ist in sechs Sprachen (de, en, fr, pl, it, nl) verfügbar. Sowohl Fachübersetzungen als auch Lektorate gehören zum Leistungsportfolio von Tolingo. Ferner besteht auf der Seite die Möglichkeit, sich kostenlos über Bewerbungen im Ausland zu informieren und ein Musteranschreiben oder Lebenslauf herunterzuladen. Des Weiteren gibt es auf tolingo.de unter anderem viele Tipps zum Verfassen englischsprachiger E-Mails und Briefe. Die Angebotsanfrage erfolgt einfach und praktisch über den Kostenkalkulator. Lediglich bei PowerPoint-Präsentationen muss eine E-Mail geschickt werden. Preislich gesehen bewegte sich Tolingo im Mittelfeld. Die Übersetzung des Anschreibens kostete 52 Euro, die der PowerPoint-Präsentation rund 280 Euro.

Platz 2: global-translate.de = Anbieter für anspruchsvolle Übersetzungen
Den zweiten Platz erreichte Global Translate mit einer 1,7. Hierbei waren der Internetauftritt und das breit gefächerte Sprachenangebot (60 Sprachen, u.a. Urdu, Kasachisch oder Farsi) ausschlaggebend. Global Translate ist im Business-to-Business-Bereich tätig (d.h. also Firmenkunden spezialisiert) und damit vor allem für anspruchsvolle Übersetzungen zu empfehlen. Aus diesem Grund ist es nicht überraschend, dass die einfache Übersetzung einer Bewerbung aus dem Deutschen ins Englische mit ca. 90 Euro berechnet wurde und somit mit Abstand das teuerste Angebot darstellte. Fachübersetzungen in unzähligen Branchen werden angeboten. Die Kosten für die Übersetzung der Business-PowerPoint-Präsentation beliefen sich auf 440 Euro – dies war ein äußerst attraktives Angebot, das sogar ein Lektorat beinhaltete. Preisunterschiede zwischen der englischen und chinesischen Übersetzung lagen nicht vor. Lediglich bei diesem Online-Übersetzungsdienstleister ist es möglich, Dolmetscher zu buchen.

Platz 3: 24translate.de überzeugt mit großer Nutzerfreundlichkeit
24Translate landete mit einer 1,8 auf Platz drei. Das Übersetzungsbüro aus Hamburg bietet etwa 40 Sprachen an und ist sowohl für Privatpersonen als auch Firmenkunden eine gute Anlaufstelle. 24translate bietet als einziger Übersetzungsdienstleister online eine Preistabelle. Nachdem man die Ausgangs- und Zielsprache ausgewählt und den Liefertermin sowie die Art des Textes bzw. Branche angegeben hat, wird nach dem Hochladen des Dokuments sofort der Preis angezeigt. Der Kunde kann die Übersetzung anschließend in Auftrag geben. Nur bei 24translate.de gehört das Sechs-Augen-Prinzip zum Standardangebot. Der Preis für die Bewebungsunterlagen lag bei circa 60 Euro. “Exotische” Sprachen sind teurer. Für die Übersetzung der PowerPoint-Präsentation forderte 24translate rund 550 Euro – dies war das teuerste Angebot. Hierbei ist aber zu beachten, dass ein Korrektorat des deutschen Textes im Preis enthalten war.

Platz 4: Guter Service bei toptranslation.de
Den vierten Rang mit einer 1,8 belegte Toptranslation. Dieses Online-Übersetzungsbüro bietet einen guten Service und liefert Übersetzungen von Texten aus rund 50 Sprachen. Die Internetseite ist in neun Sprachen verfügbar. Angeboten werden Fachübersetzungen z. B. in den Bereichen Medizin, Recht und Finanzen sowie Lektoratsdienste. Die Kosten können entweder über eine E-Mail oder über eine Maske erfragt werden. Während des Tests funktionierte die Maske allerdings nicht und bei der Nachfrage per E-Mail wurde vonseiten Toptranslation darauf hingewiesen, dass keine Anfrage angekommen sei, weshalb Punkte abgezogen wurden. Der Preis für die Übersetzung der Bewerbung aus dem Deutschen ins Englische lag bei rund 60 Euro. Mehrere Korrekturläufe gehören zum Leistungsspektrum von Toptranslation. Für die zweite Anfrage berechnete der Anbieter 250 Euro – dies war eins der günstigsten abgegeben Angebote. Preisunterschiede zwischen der englischen und chinesischen Übersetzung gibt es nicht.

Platz 5: translia.com = Günstige Preise, aber schlecht erreichbar
Platz fünf erreiche Translia mit einer 2,1. Dieses Online-Übersetzungsbüro hat als einziges seinen Sitz im Ausland – die Zentrale befindet sich in Hong Kong. Bei der Dienstleistung “Übersetzen” stellt diese Distanz jedoch kein Hindernis dar. Der Kunde kann seine Texte per E-Mail oder Angebotsformular übermitteln. E-Mails werden schnell und freundlich beantwortet. Telefonisch kann man sich allerdings nicht mit Translia in Verbindung setzen. translia.com bietet verschiedene Leistungspakete an: Gold-, Silber- oder Bronze-Übersetzungen. Je nach Korrekturschleifen und Zeit bzw. Dringlichkeit der Übersetzung wählt der Kunde ein Paket aus. Die Kategorie Silber stellte bei beiden Aufträgen das günstigste Angebot dar. Die Übersetzung der Bewerbung kostete etwa 39 Euro, die der PowerPoint-Präsentation ca. 200 Euro. Damit war translia.com unschlagbar günstig. Des Weiteren ist die breite Angebotspalette der Sprachen äußerst vorteilhaft: 130 Sprachen werden angeboten – so viele bietet kein anderer getesteter Online-Übersetzungsdienstleister an.

Platz 6: Budgettranslations.com nur für private Übersetzungen
Das Schlusslicht bildet Budgettranslations mit einer Gesamtnote 2,7 (befriedigend). Das kleine Leistungsangebot sorgte hier für deutliche Punktabzüge. Das Online-Übersetzungsbüro richtet sich explizit an Privatpersonen. Bei anspruchsvollen Texten (im B2B-Bereich) verweist es auf das Mutterunternehmen schnelluebersetzer.de. Aufgrund der günstigen Preise und der kundenfreundlichen Kommunikation ist Budgettranslations jedoch für private Übersetzungen zu empfehlen. Angeboten werden rund 40 Sprachen, die Seite Budgettranslations.com selbst ist in 20 Sprachen verfügbar. Über eine Maske oder per E-Mail kann eine Anfrage nach den Kosten erfolgen. Das Angebot wurde nur einige Stunden später geliefert. Die kurzfristige Übersetzung kostete ca. 40 Euro und war damit das günstige Angebot. Hierbei muss der Kunde jedoch in Kauf nehmen, dass es sich bei den Übersetzern um Berufsanfänger handelt und Zusatzleistungen wie Lektorate nicht im Leistungsspektrum enthalten sind. Zudem ist der günstige Preis nur bei einer Bezahlung per Vorkasse gewährleistet. Bei der zweiten Anfrage empfahl Budgettranslations sich an das Mutterunternehmen zu wenden. Die optische Gestaltung der Seite Budgettranslations.com ist im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern negativ aufgefallen: Die Aufmachung und das Layout sind nicht zeitgemäß und wirken wenig hochwertig.

Fazit
Letzten Endes erreichen die sechs getesteten Online-Übersetzungsbüros ähnliche Qualitätsstandards. Muttersprachler und das Vier-Augen-Prinzip garantieren, dass die Übersetzung korrekt und schlüssig ist. Sie arbeiten kundenfreundlich – eine vorherige Registrierung ist für die Angebotseinholung nicht nötig und Angebote werden innerhalb kürzester Zeit geliefert. Die größten Unterschiede liegen im Grunde genommen in den Preisen und zusätzlich buchbaren Services. Doch die Preisermittlung gestaltet sich problematisch, da 24translate als einziges Übersetzungsbüro online die Preise anzeigt. Bei den übrigen muss zunächst nachgeharkt werden. Wie sich herausstellte, ist dies nicht unbegründet. Denn die Preisschere ging für eine überall gleich angefragte Übersetzung weit auseinander. Translia lieferte für die Übersetzung der PowerPoint-Präsentation ins Englische und Chinesische das günstigste Angebot (etwa 200 Euro), 24translate hingegen das teuerste Angebot (rund 550 Euro).

[Text: Jessica Antosik. Quelle: getestet.de, 26.04.2011. Bilder: getestet.de; Budgettranslations.com; tolingo.de; toptranslation.de; 24translate.de; global-translate.de.]

Fremde Fracht – 8. Baden-Württembergische Übersetzertage

“Fremde Fracht”  lautet das Thema der 8. Baden-Württembergischen Übersetzertage, die vom 4. bis 8. Mai 2011 in Tübingen stattfinden und vom Projekt “Textabdrücke – literarisches Übersetzen” der Universität Tübingen und dem Fachbereich Kultur der Universitätsstadt Tübingen organisiert werden. Die Baden-Württembergischen Übersetzertage werden alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet und widmen sich der fremdsprachigen Literatur und ihrer Übersetzung.

Literarische Übersetzerinnen und Übersetzer empfangen und versenden fremde Fracht, sperrige Texte, die sie zerlegen und mühevoll wieder zusammensetzen, beflügelt von sprachlicher Schönheit, aber auch beeinflusst von politischen Konjunkturen und beengt durch finanzielle Zwänge. Fünf Tage lang treffen sich literarische Übersetzer, Autoren und Experten der Kulturvermittlung aus Baden-Württemberg und vielen Orten Europas in Tübingen, um dem literatur- und kulturinteressierten Publikum Übersetztes aus vielen Sprachen vorzustellen und sich mit der breiten Öffentlichkeit über Themen des Kulturtransfers auszutauschen.

Den Auftakt zu den Übersetzertagen bildet am 4. Mai die Eröffnung mit der Podiumsdiskussion “Wie politisch ist das Übersetzen?” Der Herta-Müller-Übersetzer Alexandru Şahighian,  die Arabisch-Übersetzerin Angela Tschorsnig, Maja Ueberle-Pfaff, Übersetzerin der iranischen Autorin Asar Nafisi, sowie der Tübinger Literaturwissenschaftler und Autor Prof. Dr. Jürgen Wertheimer  diskutieren über den Einfluss politischer Bewegungen und westlicher Denkmuster auf übersetzte Literatur. Die Auseinandersetzung mit politischen Themen steht auch im Mittelpunkt der szenischen Lesung aus Afghanistan des jungen britischen Dramatikers DC Moore in der Übersetzung von Michael Raab am 6. Mai im Landestheater Tübingen und der Lesung aus dem Roman “Zone” mit dem französischen Autor Mathias Énard und seinen Übersetzern Holger Fock und Sabine Müller im Deutsch-Französischen Kulturinstitut.

Das derzeit europaweit größte literarische Übersetzerprojekt ist die Neuübersetzung der altisländischen Sagas ins Deutsche und in die anderen skandinavischen Sprachen. Die in Prosa verfassten Sagas haben den Mythos vom Norden mit begründet. Im Vorgriff auf den Schwerpunkt “Sagenhaftes Island” auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2011 präsentieren die Übersetzer Wolfgang Butt und Karl-Ludwig Wetzig am 5. Mai im Zimmertheater Tübingen Ausschnitte aus ihren Neuübersetzungen.

Große Übersetzerpersönlichkeiten faszinieren durch ihre Hingabe an die Literatur und ihren einzigartigen Umgang mit schwierigen, scheinbar unübersetzbaren Texten. Der Film “Die Frau mit den 5 Elefanten” am 5. Mai im Studio Museum zeigt ein Porträt der kürzlich verstorbenen Freiburger Dostojewski-Übersetzerin Swetlana Geier. Am 8. Mai lesen Ulrich Blumenbach, Übersetzer von David Foster Wallace und Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2010,  und die Faulkner-Übersetzerin Susanne Höbel im Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen.

In einem Lesecafé am 7. Mai und in einer Matinée am 8. Mai öffnen Übersetzerinnen und Übersetzer ihre Textkoffer und geben Kostproben aus der italienischen, schwedischen, englischen, kroatischen, polnischen und französischen Literatur. Die gläsernen Übersetzer Violetta Topalova und Wolfram  Ströle laden am 6. Mai zu einem Übersetzerworkshop Englisch-Deutsch für interessierte Laien ein.

Das literarische Übersetzen ist ein Betätigungsfeld, auf dem sich viele Frauen bewegen. Wie Übersetzerinnen sich Texte aneignen und übertragen und welche Unterschiede sich dabei in west-, ost- und außereuropäischen Räumen beobachten lassen, erfragt die Veranstaltung  “Dazwischen. Frauen übersetzen Kulturen” mit Beate Thill (Freiburg), Claudia Schlicht (Perugia) und Chrystyna Nazarkewytsch (Lemberg) am 7. Mai auf Schloss Hohentübingen.

Ob man literarisches Übersetzen lernen kann, ist seit langem umstritten. In mehrtägigen Workshops führen namhafte Übersetzerinnen und Übersetzer im Rahmenprogramm zu den Übersetzertagen Studierende der Universität Tübingen in die Grundlagen des literarischen Übersetzens ein.

Die 8. Baden-Württembergischen Übersetzertage werden gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Eberhard Karls Universität Tübingen und dem Fachbereich Kultur der Universitätsstadt Tübingen sowie der Robert Bosch Stiftung, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, der Stiftung Landesbank Baden-Württemberg und dem Institut Culturel Franco-Allemand Tübingen.

[Text: Universität Tübingen. Quelle: Pressemitteilung Universität Tübingen, 27.04.2011. Bilder: Universität Tübingen.]

“Ähm” hilft beim Spracherwerb

Hört man einen Vortrag, in dem der Redner nach jedem Satz oder gar nach jedem zweiten Wort “ähm” sagt, kann man sich manchmal nicht auf den Inhalt des Vortrags konzentrieren, sondern wird von den “Ähms” abgelenkt. Manch einer legt aus Spaß vielleicht sogar eine Liste an und macht bei jedem “Ähm” einen Strich. Die Nachahmung eines solchen Sprechverhaltens dient häufig als ein beliebtes Mittel der Parodie von Politikern und anderen Prominenten (z. B. Edmund Stoiber, Boris Becker).

In der gesprochenen Sprache werden die Verzögerungslaute meist zur Überbrückung einer Sprechpause zwischen zwei Wörtern oder Sprecheinheiten eingesetzt und verschaffen dem Redner eine kleine Denkpause. Manche Menschen allerdings haben es sich schlicht und einfach angewöhnt, “ähm” zu sagen und merken dies nicht, bis Dritte sie darauf ansprechen. Oftmals zeugen die Füllwörter von sprachlicher Unsicherheit, mangelnder Vorbereitung oder fehlendem Wissen. Der unbewusste Gebrauch von Fülllauten kann jedoch auch auf mangelnde Konzentration oder sogar auf das Vorliegen von Sprachstörungen hinweisen.

Forscher der US-amerikanischen Universität von Rochester haben nun herausgefunden, dass Fülllaute wie “ähm” oder “hm” für Kleinkinder ein Signal für neue Begriffe sind. Die Wissenschaftler zeigten 16 Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren Bildpaare, auf denen eine bekannte und eine unbekannte Figur abgebildet war. Wurden die Kinder mit einem Fülllaut aufgefordert, den unbekannten Teil des Bildpaares zu betrachten (”Schau auf das, ähm, Nilpferd”), blickten sie sofort darauf. Als der Pausenlaut indes ausgelassen wurde und die kleinen Zuschauer direkt und ohne Fülllaute (”Schau auf das Nilpferd”) auf das Bildpaar gucken sollten, reagierten die Kleinkinder nicht spontan oder blickten kürzer auf das unbekannte Objekt. Aus diesem Grund gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Kinder durch die Verzögerungslaute wie “ähm” und “hm” auf auftretende Unregelmäßigkeiten bzw. auf neue Dinge aufmerksam gemacht werden.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: dnews.de, 26.04.2011; Wikipedia. Bild: Wikipedia.]

„Übersetzt du noch oder verstehst du schon?“ – Stimuliert die Sense

Der 51-jährige Bernd M. Samland, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Markenagentur Endmark GmbH in Köln, ist Lehrbeauftragter der Universität zu Köln. Seit 1993 ist er als Markenberater und -entwickler tätig. Des Weiteren wirkt er als Fachbuchautor. In seinem im März erschienenen Buch Übersetzt du noch oder verstehst du schon? hat man die Möglichkeit, in die Wunderwelt der Werbesprache einzutauchen. Der Experte für Werbeslogans bietet einen ultimativen Streifzug durch das Gestrüpp falsch verstandener englischer Werbung – vom “Euro-Schüttelflug” (Air Berlins “Fly Euro Shuttle”) bis zur “Bienen-Inspektion” (”Be inspired” von Siemens Mobile) ist alles dabei. Der Spruch der bekannten Automarke FORD “Feel the Difference” wurde zum Teil mit “Fühle das Differenzial” anstatt mit “Erlebe den Unterschied” übersetzt. Lost in Translation – das Buch führt durch den Dschungel des Werbe-Englisch, amüsiert, liefert aber auch viel Hintergrundwissen. “Komm rein und finde wieder raus” (”Come in and find out” – Douglas). “Sein Buch schafft, was Loewe verspricht: ‘Stimulate your senses’, es stimuliert die Sense.” (Buchszene )

Hier besteht die Möglichkeit, in das Buch reinzublättern.

Zum Buch
Bernd M. Samland: Übersetzt du noch oder verstehst du schon? – Werbe-Englisch für Anfänger. 160 Seiten. ISBN: 978-3-451-30417-0. Verlag Herder, Freiburg, März 2011. 12,00 Euro.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: herder.de; endmark.de. Bild: herder.de.]

Gehörlose Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet

Das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) bietet seit einiger Zeit in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) der Universität Hamburg ein neues und deutschlandweit einzigartiges weiterbildendes Studium zur Qualifizierung tauber Gebärdensprachdolmetscher an. Mitte April wurden die ersten 16 Absolventen verabschiedet, die mit deutscher, russischer und türkischer Gebärdensprache als Muttersprache zwischen der deutschen und einer weiteren Gebärdensprache sowie zwischen der deutschen Schriftsprache und der deutschen Gebärdensprache professionell dolmetschen.

Das weiterbildende Studium ist berufsbegleitend und modular aufgebaut. Nach Bestehen der sechs Module, wobei zwei Wochenendseminare pro Modul stattfinden, können die Teilnehmer die staatliche Prüfung zum Gebärdensprachdolmetscher in Darmstadt ablegen. Die Kosten pro Modul belaufen sich auf 300 Euro. Das Studium beinhaltet Folgendes:

  • Gedächtnistraining
  • Translationswissenschaft
  • Ethik
  • Linguistik für Gebärdensprachdolmetscher/innen
  • Vom-Blatt-Übersetzen
  • Simultandolmetschen
  • International Sign
  • Dolmetschen vom Teleprompter

Der zweite Durchgang des Studiums ist für das Sommersemester 2012 geplant.

Fast nur gehörlose Menschen sind in der Lage, zwischen zwei Gebärdensprachen zu dolmetschen. Das Programm wurde von Prof. Dr. Christian Rathmann (Bild rechts), Deutschlands einzigem gehörlosen Professor, vom Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) herausgearbeitet. Prof. Dr. Rathmann äußerte sich hinsichtlich des Studium wie folgt: “Der neue weiterbildende Studiengang Gebärdendolmetschen bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Inklusion und Gleichstellung tauber Menschen im öffentlichen Leben.” Absolvent Rafael-Evitan Grombelka, der die Internationale, Litauische, Polnische und Russische Gebärdensprache beherrscht, sagt: “Ich habe sehr viel dazu gelernt, z. B. im Modul Ethik über mein Verhalten als Dolmetscher und über den Umgang mit hörenden Dolmetscherkollegen und gehörlosen Kunden.” Er wünscht sich, “dass es mehr taube Gebärdensprachdolmetscher gibt und dies auch in der Gehörlosengemeinschaft und bei den Hörenden bekannter wird.”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: aww.uni-hamburg.de; myhandicap.de, 15.04.2011. Bilder: sign-lang.uni-hamburg.de; aww.uni-hamburg.de.]

US-Militär arbeitet an C3PO-Nachbau

Das US-Militär hat die Entwicklung eines Übersetzungsroboters begonnen. Dieser ähnelt dem Protokolldroiden C-3PO (Class 3, Protocol Droid) aus der Star-Wars-Saga sehr. Der sog. BOLT (Broad Operational Language Translation) soll nicht nur in der Lage sein, Sprachen zu übersetzen, sondern auch Handlungen verstehen bzw. deuten und 250 verschiedene Gegenstände erkennen können. Der Roboter soll zudem mit visuellen und taktilen Sensoren ausgestattet sein und somit sehen, fühlen und verstehen können. Der Kongress der Vereinigten Staaten unterstützt dieses Projekt des für die Forschung zuständigen Amtes des Verteidigungsministeriums mit 15 Millionen US-Dollar.

Schon jetzt setzen die USA vor allem in arabischsprachigen Ländern eine Übersetzungssoftware ein. Diese ist allerdings verbesserungsbedürftig, da sie bei Dialekten und komplexen Aussagen nicht weiterhilft. Mit BOLT sollen nicht nur zwischenmenschliche Übersetzungen (wobei der Schwerpunkt auf der Übersetzung zwischen englischer und arabischer Sprache, inklusive der Dialekte, liegt) ermöglicht werden, sondern auch solche zwischen Mensch und Maschine möglich sein, d.h. also der Roboter soll beispielsweise mit E-Mails oder Microsoft Excel umgehen können. Hierbei soll keine Rolle spielen, ob es sich um einen geschriebenen oder gesprochenen Text handelt – BOLT soll imstande sein, genreunabhängig zu arbeiten.

Über C-3PO
Der Charakter aus dem Star-Wars-Universum ist ein Android speziell für die Interaktion mit Lebensformen. Der Protokolldroid sorgt für einen reibungslosen Ablauf bei Treffen zwischen verschiedenen Kulturen. Nach eigenen Angaben beherrscht er über sechs Millionen Kommunikationsformen. Seine Stimme und seine Verhaltensweisen sind bemerkenswert menschenähnlich – dies soll eine Zusammenarbeit mit humanoiden Besitzern erleichtern. Im Gegensatz zu dem mutigen, 0,96 m großen R2-D2, einem Astromech-Droiden, der sich auf Rädern fortbewegt, wie ein Mechaniker Raumschiffe repariert, nur Pfeiftöne von sich gibt und dessen Sprache oft von seinem unzertrennlichen Freund C-3PO übersetzt wird, ist der 1,67 m große C-3PO ein Antiheld.

C-3PO redet viel und nervt seine Besitzer und Begleiter schnell mit seiner aufdringlichen Geschwätzigkeit, obwohl er stets äußerst höflich und vorsichtig handelt. Die Kooperation wird zudem dadurch erschwert, dass er sich über alles beschwert und zumeist R2-D2 daran schuld sein soll. Seine eingebaute Kreativität steigt von Stufe Null auf Stufe Drei. Aus diesem Grund übertreibt C-3PO häufig. Seinen Besitzer Luke hingegen stört dies nicht, weshalb er ihn nicht umprogrammiert. Luke ist nämlich der Ansicht, dass dies den Roboter noch menschlicher macht. C-3PO irrt sich oft und begeht Fehler, die er allerdings nicht einsehen will. Diese Eigenschaften und seine tollpatschige Art machen C-3PO noch menschlicher. Der Schöpfer von Star Wars George Lucas äußerte sich in Bezug auf C-3PO, R2-D2, Obi-Wan Kenobi und Anakin wie folgt: “Sie sind die eigentlichen Helden der Saga.” Gespielt wurde der C-3PO in den sechs Star-Wars-Filmen von Anthony Daniels (Bild unten).

[Text: Jessica Antosik. Quelle: krone.at, 06.04.2011; starwarss.de; starwars-union.de; jedipedia.de; wikipedia.de. Bilder: wikipedia.de; jedipedia.de.]

“Woche der Deutschen Sprache” in Qingdao eröffnet

Am 23. April wurde die erste “Woche der Deutschen Sprache” eröffnet. Bis zum 29.04.2011 veranstaltet das Goethe-Institut China gemeinsam mit der Universität Qingdao, der Mittelschule der Qingdao-Universität, der Stadtbibliothek Qingdao und der 9. Mittelschule Qingdao die Woche. Organisiert wird die 6-tägige Veranstaltung von der Deutschen, Schweizerischen und Österreichischen Botschaft in China, dem Buchinformationszentrum Peking sowie von den Verlagen Foreign Language Teaching and Research Press, Shanghai Foreign Language Education Press und Higher Education Press Beijing, die großzügig Bücher gespendet haben.

Die deutsche Kinderbuchausstellung vom 23.04.–03.05.2011 umfasst 110 preisgekrönte Kinder- und Jugendbücher. Am 23.04., dem Internationalen Tag des Lesens, hat die Deutsche Bücherausstellung begonnen, die bis zum 07.05.2011 andauert. Zudem besteht während der „Woche der Deutschen Sprache“ die Möglichkeit, an Quizveranstaltungen teilzunehmen und Filmvorführungen deutschsprachiger Filme mit chinesischen Untertiteln zu besuchen. Außerdem wird über die Ausbildung von Lehrkräften informiert. Die Fortbildung beschäftigt sich mit der Didaktik und Methodik von Literaturvermittlung im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht.

Seit nunmehr über 20 Jahren fördert das Goethe-Institut China zahlreiche kulturelle Veranstaltungen zur Vorstellung der deutschen Kultur in China sowie zur Unterstützung des interkulturellen Austauschs zwischen beiden Ländern.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: goethe.de. Bild: Wikipedia.]

Ruth Levy-Berlowitz, die Gerichtsdolmetscherin von Adolf Eichmann

Die Wochenzeitung Die Zeit porträtiert die in Dresden geborene und aufgewachsene Ruth Levy-Berlowitz (85), die im Jerusalemer Eichmann-Prozess als Gerichtsdolmetscherin tätig war. Adolf Eichmann war in der Nazizeit Leiter des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt. Ab 1961 stand er in Israel als einer der Verantwortlichen für die Judenverfolgung vor Gericht, wurde dort zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Levy-Berlowitz hatte 1952 in Genf die Dolmetscherschule abgeschlossen und war 35, als der Prozess begann. Sie übersetzte aus dem Hebräischen, Englischen und Französischen ins Deutsche. Im Artikel heißt es:

Es gab mehrere Übersetzerteams im Gerichtssaal. Zunächst jenes, das Zeugenaussagen, Statements des Richters sowie Einlassungen Eichmanns und seines Verteidigers ins Hebräische übertrug, in die Prozesssprache. Zudem wurde ins Englische und ins Französische übersetzt. Sowie ins Deutsche, das war die Aufgabe von Ruth Levy-Berlowitz, die sie sich mit einem aus Wien stammenden Kollegen teilte. […]

Die Stimme versagte ausgerechnet am 11.April 1961, dem Morgen des ersten Prozesstages. »Ich bekam hohes Fieber und eine Mandelentzündung. Meine Stimme war weg«, sagt die Übersetzerin. »So etwas ist mir vorher noch nie und nachher nie wieder passiert. Ich bin sicher, dass es psychosomatische Ursachen hatte.« Nach einer Woche konnte sie ihren Platz in der Kabine einnehmen.

Es sei angesichts der emotionalen Belastung nicht leicht gewesen, so Levy-Berlowitz, in diesem Verfahren zu dolmetschen. Das Simultandolmetschen helfe aber dabei, dass sich das Gehörte nicht im Gedächtnis festhaken könne. Man sei darauf konzentriert, die richtigen Worte zu finden und das Tempo einzuhalten. Sie habe sich auf die Tonlage der Zeugen eingestellt, aber auch versucht, deren Emotionalität ein wenig abzuschwächen. Es wäre aber unangebracht gewesen, vollkommen seelenlos und sachlich zu sprechen.

Abends, nach Prozessende, suchten die Dolmetscher gemeinsam eine andere Form der Entlastung, etwas Normales. »Ich war noch nie in meinem Leben so oft in Bars wie in dieser Zeit«, sagt die Frau heute. Sie beschloss, nie wieder solch eine Aufgabe zu übernehmen.

Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website der Zeit lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Zeit, 2011-04-21.]