Gehörlose Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet

Das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) bietet seit einiger Zeit in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) der Universität Hamburg ein neues und deutschlandweit einzigartiges weiterbildendes Studium zur Qualifizierung tauber Gebärdensprachdolmetscher an. Mitte April wurden die ersten 16 Absolventen verabschiedet, die mit deutscher, russischer und türkischer Gebärdensprache als Muttersprache zwischen der deutschen und einer weiteren Gebärdensprache sowie zwischen der deutschen Schriftsprache und der deutschen Gebärdensprache professionell dolmetschen.

Das weiterbildende Studium ist berufsbegleitend und modular aufgebaut. Nach Bestehen der sechs Module, wobei zwei Wochenendseminare pro Modul stattfinden, können die Teilnehmer die staatliche Prüfung zum Gebärdensprachdolmetscher in Darmstadt ablegen. Die Kosten pro Modul belaufen sich auf 300 Euro. Das Studium beinhaltet Folgendes:

  • Gedächtnistraining
  • Translationswissenschaft
  • Ethik
  • Linguistik für Gebärdensprachdolmetscher/innen
  • Vom-Blatt-Übersetzen
  • Simultandolmetschen
  • International Sign
  • Dolmetschen vom Teleprompter

Der zweite Durchgang des Studiums ist für das Sommersemester 2012 geplant.

Fast nur gehörlose Menschen sind in der Lage, zwischen zwei Gebärdensprachen zu dolmetschen. Das Programm wurde von Prof. Dr. Christian Rathmann (Bild rechts), Deutschlands einzigem gehörlosen Professor, vom Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) herausgearbeitet. Prof. Dr. Rathmann äußerte sich hinsichtlich des Studium wie folgt: „Der neue weiterbildende Studiengang Gebärdendolmetschen bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung Inklusion und Gleichstellung tauber Menschen im öffentlichen Leben.“ Absolvent Rafael-Evitan Grombelka, der die Internationale, Litauische, Polnische und Russische Gebärdensprache beherrscht, sagt: „Ich habe sehr viel dazu gelernt, z. B. im Modul Ethik über mein Verhalten als Dolmetscher und über den Umgang mit hörenden Dolmetscherkollegen und gehörlosen Kunden.“ Er wünscht sich, „dass es mehr taube Gebärdensprachdolmetscher gibt und dies auch in der Gehörlosengemeinschaft und bei den Hörenden bekannter wird.“

[Text: Jessica Antosik. Quelle: aww.uni-hamburg.de; myhandicap.de, 15.04.2011. Bilder: sign-lang.uni-hamburg.de; aww.uni-hamburg.de.]

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