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Archive für Juli 2011
BDÜ bewirbt Mitgliederdatenbank in tekom-Zeitschrift - Fachliste als Beigabe
31.7.2011 von Richard Schneider.

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) hat nun schon zum zweiten Mal eine ganzseitige vierfarbige Anzeige in der Mitgliederzeitschrift der Gesellschaft für technische Kommunikation (tekom) geschaltet (Heft 3/2011), die in einer verbreiteten Auflage von rund 8.500 Exemplaren erscheint.
Darin wird auf die Mitgliederdatenbank des BDÜ hingewiesen. Die Ersteller technischer Dokumentation gehören zu den wichtigsten Auftraggebern von Übersetzern. Die ganzseite Anzeige (Kostenpunkt: rund 2.500 Euro) trägt die Überschrift „Sie suchen einen Dolmetscher oder Übersetzer? Nutzen Sie unsere kostenlose Online-Datenbank: www.bdue.de“ (siehe Bild oben).
Zusätzlich war dem Heft die kürzlich erschienene „Fachliste Technische Dokumentation“ (Format DIN A5, 124 Seiten) beigelegt, in der mehr als 400 Übersetzer für rund 30 Sprachen vorgestellt werden, die sich auf die Übersetzung technischer Dokumentation spezialisiert haben. Die Einträge sind nach Sprachen gegliedert. Zusätzlich ist ein Fachgebietsregister enthalten. Jeder Eintrag enthält die vollständigen Kontaktdaten des Übersetzers, dessen Sprachrichtungen und Fachgebiete sowie ggf. zusätzliche Angaben.
Die Zeitschrift technische kommunikation ist das offizielle Organ der tekom, dem Berufsverband der technischen Redakteure und Autoren. Sie erscheint sechsmal im Jahr und ist die bedeutendste deutschsprachige Fachzeitschrift der Branche.
Links zum Thema auf uepo.de
2011-07-12: BDÜ veröffentlicht Fachliste mit Technikübersetzern
[Text: Richard Schneider. Bild: BDÜ.]
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Im Oktober in Berlin: 10. Konferenz “Sprachen und Beruf”
30.7.2011 von Richard Schneider.
Auf der SPRACHEN & BERUF 2011 dreht sich im Oktober in Berlin alles um das Zusammenspiel von Fremdsprachen, interkultureller Kommunikation und erfolgreichem internationalem Handeln. Die Konferenz für Fremdsprachen und Business-Kommunikation in der internationalen Wirtschaft greift neueste Entwicklungen und wichtigste Trends rund um die Vermittlung von Fremdsprachen und interkulturellen Kompetenzen auf.
Eröffnung durch Russell Stannard und Kathryn Board
Die zehnte SPRACHEN & BERUF wird von Russell Stannard sowie Kathryn Board eröffnet. Der britische Universitäts-Professor Stannard ist bekannt für seine Online-Videos, mit denen er Lehrern und Trainern Web 2.0 Tools näher bringt. Dank ihrer langjährigen internationalen Berufserfahrung ist Kathryn Board bestens vertraut mit interkulturellen und mehrsprachigen Herausforderungen in der Zusammenarbeit im Wirtschaftsleben. In der Eröffnung geben beide Experten spannende Einblicke in das Fremdsprachentraining.

Demo-Session 2011: Die Vielfalt von Online-Sprachtools
Einen Überblick über die Vielfalt kostenloser Online-Sprachtools bietet die Demo-Session der diesjährigen SPRACHEN & BERUF. Eine Vielzahl von Sprachportalen, Online-Communities und Open Source Tools stellt das Netz zur Verfügung. Virtuelle Lernwelten, bei denen die Sprachlerner in eine 3-D-Welt eintreten und dort mit anderen Teilnehmern kommunizieren, stehen dabei genauso auf der SPRACHEN & BERUF -Agenda, wie Sprachportale oder die Nutzung sozialer Netzwerke zum Sprachenlernen. Die Demo-Session gibt einen kleinen Ausschnitt von dem, was derzeit im Netz präsent ist.
Welche Rolle spielt die Gewichtung Technik versus Inhalt? Wie lässt sich die häufig gewünschte Interaktivität, bei der User anderen Unsern helfen, in der Praxis einfach und unkompliziert umsetzen? Welche Aspekte des Sprachenlernens können Online-Tools fördern? Wie lässt sich die Integration von webbasierten Tools mit konventionellen Trainingsmethoden vereinbaren? Antworten auf diese und viele andere Fragen werden auf der SPRACHEN & BERUF diskutiert. Verschaffen Sie sich einen Einblick, probieren Sie die Tools aus und diskutieren mit den Experten vor Ort über Vor- und Nachteile der technischen Möglichkeiten.
Multikulturelle Teamarbeit, Web 2.0 und das World Café
Im Vorfeld der Konferenz finden am Montag, dem 26. Oktober, vier verschiedene Pre-Conference Workshops statt. Experten vermitteln den Teilnehmern in den halbtägigen Veranstaltungen praxisnahes Wissen und beziehen sie dabei aktiv in den Lernprozess mit ein. Es gibt die Wahl zwischen jeweils zwei Workshops am Vormittag sowie zwei Workshops am Nachmittag.
Am Morgen beschäftigen sich Deborah Capras und Helen Strong von Business Spotlight mit der Frage “What could be stopping you from integrating mobile learning into your teaching of business English?” In diesem Workshop soll die Rolle neuer mobiler Technologien im Bereich des Trainings von Business Englisch diskutiert und dabei aufgezeigt werden, wie der Mix von traditionellen und neuen Medien Lernern beim Sprachenlernen motivieren kann. Parallel geben Dr. Sami Ibrahim von der Universität der Bundeswehr München sowie Silke Weigang von créono management skills einen Einblick in die Führung multikultureller Teams in internationalen Projekten. Die beiden Experten möchten mit den Teilnehmern erarbeiten, wie ein geographisch verteiltes Team erfolgreich in einem multikulturellen Kontext gemanagt werden kann.
Am Nachmittag gibt Tim Darling von digital publishing einen praktischen Einblick darin, wie kollaboratives Lernen effizient eingesetzt und gemanagt werden kann. Der Workshop möchte ein realistisches Bild zeichnen von der aktiven Rolle des Sprachtrainers in einer technologiebasierten Umwelt. Dabei wird auf die aktuellen Entwicklungen in dem Bereich eingegangen. Parallel dazu steht das mittlerweile erfolgreich etablierte “World Café” auf der Agenda. Timothy Phillips von SKYLIGHT GmbH sowie Kate Hedding, head at work.communication, möchten in einer informellen Atmosphäre die Teilnehmer zu einem strukturierten Dialog einladen. Die Themen, die an die Haupthemen der Konferenzen angelehnt sind, werden von den Teilnehmern frei gewählt.
Ist ein spannender Workshop für Sie dabei? Melden Sie sich jetzt schon an, denn um die Interaktion in den Veranstaltungen zu gewährleisten sind die Teilnehmerzahlen begrenzt.
Kostenlos zur EXPOLINGUA Berlin
Zeitnah zur Konferenz findet vom 28. bis 30. Oktober die EXPOLINGA in Berlin-Mitte statt, die führende Messe für Sprachen und Kulturen im deutschsprachigen Raum. Rund 200 Aussteller aus 30 Ländern präsentieren ihre Angebote zum Fremdsprachenlernen und -lehren. Die EXPOLINGUA Berlin bietet eine ideale Gelegenheit, sich über aktuelle Trends und Produkte rund um Fremdsprachenvermittlung zu informieren sowie neue Kontakte zu knüpfen. Für Teilnehmer der SPRACHEN & BERUF ist der Eintritt zur EXPOLINGUA frei.

Sprachen & Beruf
10. Konferenz für Fremdsprachen und Business-Kommunikation in der internationalen Wirtschaft
26.-28. Oktober 2011
Radisson Blu Hotel, Berlin
Anmeldegebühren: Teilnehmer 400 Euro, BusinessSpotlight-Abonnenten 330 Euro.
[Text: ICWE GmbH. Quelle: Pressemitteilung ICWE GmbH. Bild: Uwe Völkner, Fotoagentur FOX, für ICWE GmbH.]
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Alla Kusch über das Gerichtsdolmetschen
29.7.2011 von Jessica Antosik.
Dr. phil. Alla Kusch ist eine staatlich geprüfte, allgemein vereidigte Dolmetscherin und ermächtigte Übersetzerin der russischen Sprache. Ihr Germanistikstudium absolvierte sie an der Universität in Riga (Lettland), das Studium der deutschen Philologie an der Lomonossow-Universität in Moskau, wo sie auch promovierte. Seitdem sie die staatlichen Prüfungen zur Dolmetscherin und Übersetzerin in Hessen bestanden hat, arbeitet sie am Gericht. Seit 1993 ist sie als freiberufliche Dolmetscherin und Übersetzerin tätig, lehrt Deutsch als Fremdsprache und unterrichtet Russisch.
Nun hat die Gerichtsdolmetscherin aus Weiterstadt (Kreis Darmstadt) aus dem Nähkästchen geplaudert.
Zwei Jahre dauerte der längste Prozess, für den Kusch als Dolmetscherin bestellt war. Verhandelt wurde – unter hohen Sicherheitsvorkehrungen – über Drogenschmuggel. “Das ist spannend, als würde man einen Krimi live erleben”, sagt Alla Kusch.
Sowohl in Familien-, Zivil- als auch in Strafsachen dolmetscht Kusch für das Gericht. “Am Anfang war das nicht einfach, ich fühlte mich unter einem ähnlichen Druck wie die Angeklagten. Es hängen ja Schicksale davon ab, wie authentisch ich das Gesagte rüberbringe.” Schließlich sollen die Richter, Staats- und Rechtsanwälte nicht sie, sondern die Zeugen und den Angeklagten sprechen hören. Sie habe eine “unheimlich verantwortungsvolle” Arbeit zu verrichten, die schnelle Reaktionsfähigkeit erfordere. “[D]ie Menschen und Schicksale vor Gericht sind immer anders und immer neu”, weshalb sie nie auslerne.
Junge Menschen, die Dolmetschen studieren möchten, hätten zwar gute Chancen, die Rahmenbedingungen für Gerichtsdolmetscher seien jedoch verbesserungswürdig, erzählt Kusch. “Das Verständnis für diese Arbeit ist nicht sehr groß, […] [denn als] Dolmetscher kommt man in den Gerichtssaal ohne zu wissen, worum es überhaupt geht.” Ilse Freiburg, 2. Vorsitzende des Berufsverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) Landesverband Hessen, erklärt, dies solle für die Unvoreingenommenheit der Dolmetscher sorgen. “Wir wünschen uns aber, vorab zumindest grob über die Art des Falls informiert zu werden – immerhin sind wir vereidigt und unterliegen der Schweigepflicht.”
Alla Kusch kritisiert die Vorgehensweise zahlreicher Bundesländer, in denen Dolmetscher vor der Berufung ans Gericht keinen Nachweis über ausreichende Kenntnisse der Rechtssprache sowie der Grundlagen des deutschen Rechts erbringen müssen. Auch in Hessen sei dies der Fall. “Wir müssen aber viel mehr können als nur die Sprache”, erklärt Kusch.
Da Verhandlungen sich über insgesamt acht Stunden am Tag hinziehen können, die Arbeitsbedingungen im Gericht, wie bereits erwähnt, oftmals verbesserungswürdig seien, die Dolmetscher zum Teil sogar in der kurzen Mittagspause für den Anwalt und Mandanten dolmetschen müssen, haben Gerichtsdolmetscher eine anstrengende Aufgabe zu bewältigen, so Dr. phil. Alla Kusch. In anderen Teilen Europas sei es üblich, dass sich zwei Dolmetscher im Halbstundentakt ablösen, merkt Ilse Freiburg an.
Ferner sagt Kusch, dass das Dolmetschen vor Gericht “leider unter dem Niveau der auf dem freien Markt üblichen Honorare bezahlt” werde. Dennoch sinke das Honorar stetig. Dies erwecke den Eindruck, die Behörden seien sich dessen nicht bewusst, dass Gerichtsdolmetscher, abgesehen von den Sprachkenntnissen, über juristische und kulturelle Kenntnisse verfügen müssen, um einen fairen und reibungslosen Prozess sicherzustellen. Trotz allem würde Kusch jedem den Beruf des Dolmetschers weiterempfehlen und begründet dies wie folgt: “Es kommt nie Langeweile auf. Und im Angesicht vieler Aussagen lernt man, sein eigenes Leben zu schätzen, und merkt, wie gut es einem selbst geht.”
[Text: Jessica Antosik. Quelle: main-netz.de, 27.07.2011; kusch-online.com. Bild: Alla Kusch.]
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ADÜ Nord: Christiane Sprinz neue Redakteurin des Infoblatts
28.7.2011 von Richard Schneider.
Christiane Sprinz (Bild) hat beim ADÜ Nord die Redaktion des Infoblatts übernommen. Sie löst Helke Heino ab, die zehn Jahre lang die Mitgliederzeitschrift des Übersetzerverbands betreut und das Infoblatt zu einer der wichtigsten Publikationen der Übersetzungsbranche in Deutschland gemacht hat. Heino wird sich weiterhin um den Druck und Vertrieb der Zeitschrift kümmern.
Christiane Sprinz ist freiberufliche Übersetzerin und Lebensmitteltechnologin. In den letzten 12 Jahren war sie unter anderem als verantwortliche Redakteurin und Übersetzerin für eine englischsprachige Fachzeitschrift aus der Lebensmittelbranche tätig.
Das Layout des Infoblatts übernimmt die Grafik-Designerin Esther Kühne.
ADÜ Nord
Der ADÜ Nord (Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e. V.) ist der etablierte Berufsverband für Dolmetscher und Übersetzer mit Schwerpunkt in Norddeutschland. In den Reihen der mehr als 350 hochqualifizierten Mitglieder sind über 50 Arbeitssprachen und zahlreiche fachliche Spezialisierungen vertreten.
Die Mitgliederzeitschrift Infoblatt steht allen Interessierten kostenlos auf der Website des Verbands im Menü “Publikationen”, “Infoblatt” zum Herunterladen zur Verfügung.
[Text: ADÜ Nord. Quelle: Pressemitteilung ADÜ Nord, 2011-07-26. Bild: Th. Kühne.]
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Die Muttersprache prägt das Denken
27.7.2011 von Jessica Antosik.
Wissenschaftler gehen nach vielen Jahren Forschung davon aus, dass die Eigenarten der Sprache, das bedeutet die Grammatik und der Wortschatz, unser Denken beeinflussen. In einem Versuch haben sie festgestellt, dass sich die Muttersprache auf die Erinnerungen der Probanden auswirkt und die Sprache somit Einfluss darauf hat, wie wir denken, etwas wahrnehmen und wie wir uns an etwas erinnern. Englische und deutsche Muttersprachler tendieren der Studie zufolge eher dazu, Geschehnisse mit einem handelnden Akteur zu beschreiben. Japanische und spanische Sprecher hingegen setzen einen anderen Schwerpunkt. So konnten sich die japanischen und spanischen Muttersprachler schlechter als beispielsweise die amerikanischen Teilnehmer an die Person erinnern, die einen Unfall verursacht hatte.
Ein weiterer Grund für die fehlenden Informationen vonseiten der Japaner und Spanier kann in kulturellen Unterschieden liegen. So ist es in diesen Kulturkreisen vielleicht üblich, nur bei 100%-iger Sicherheit Schuldzuweisungen auszusprechen.
Die Zuni, ein Indianerstamm aus Nordamerika, unterscheiden nicht zwischen Gelb und Orange. Sie gebrauchen für diese Farben nur ein Wort. In einem Versuch konnten sich die Zuni schlechter als US-Amerikaner daran erinnern, ob das zuvor gesehene Objekt gelb oder orange war.
Das Wahrnehmen, Denken und Urteilen von Menschen unterliegt subtilen Voreinstellungen, die linguistisch bedingt sind. Damit wird Noam Chomskys These verworfen, nach der alle Menschen – unabhängig von ihrer Muttersprache – durch die gleiche universelle Denkstruktur vereint seien.
Nun stellt sich die Frage, wie bilingual aufgewachsene Personen denken. Im Jahr 2010 untersuchte die Ben-Gurion University in Israel arabischstämmige Israelis. Es wurde getestet, ob sie implizite Vorurteile gegenüber jüdischen oder arabischen Namen hatten. Dies hing jedoch davon ab, in welcher Sprache die Tests durchgeführt wurden. Das Ergebnis war Folgendes: Auf Hebräisch waren negative Einstellungen gegenüber jüdischen Namen selten, wohingegen arabische Namen im Arabischen besser abschnitten.
Wer eine Fremdsprache erlernt, könnte sich laut einer Studie der Polytechnischen Universität Hongkong durch andere Persönlichkeitseigenschaften kennzeichnen. Bei einer Befragung sagten chinesische Muttersprachler, sie seien extrovertierter und durchsetzungsfähiger, wenn sie Englisch sprachen. Dies ist auf die kulturellen Normen zurückzuführen, die beim Lernen einer Sprache erworben und angewandt werden. “Wenn wir eine neue Sprache lernen, machen wir uns also tatsächlich auch eine neue Denkweise zu eigen.”, erklärt Lera Boroditsky von der Stanford University.
Viele Sprachen, wie auch das Deutsche, weisen unbelebten Objekten ein Geschlecht zu, auch wenn dies unsinnig ist. Denn warum sollte ein Fußball männlich und eine Regenrinne weiblich sein? Dies hat geschlechtsspezifische Assoziationen zur Folge. Je nachdem, ob ein Wort männlich oder weiblich ist, verbinden die jeweiligen Muttersprachler mit diesem eher Stärke oder Grazilität. Dies ist zum Beispiel bei dem Wort “Brücke” der Fall. Im Deutschen hat das Wort einen weiblichen Artikel: die Brücke. Im Spanischen dagegen sind Brücken maskulin: el puente. Deutsche assoziieren mit der Brücke Adjektive wie schlank, elegant, zierlich, friedlich und hübsch. Spanier jedoch beschreiben Brücken als stark, gefährlich und groß. Werden Franzosen gebeten, sich vorzustellen, eine Gabel habe eine Stimme und könne sprechen, dann beschreiben sie die Stimme als hoch. Das französische Wort für Gabel lautet la fourchette (weiblich). Die Spanier hingegen weisen der Gabel, el tenedor (männlich), eine tiefe Stimme zu.
Durch den grammatischen Artikel werden mit einem bestimmten Objekt tief verwurzelte Konzepte von Männlichkeit oder Weiblichkeit verbunden. Deutsche Maler stellen beispielsweise den Tod als Mann dar, für einen russischen Maler ist er jedoch oftmals eine Frau. “Wenn Amerikaner das grammatische Geschlecht eines Objekts in einer Fremdsprache erlernen, beeinflusst das anschließend ihre mentale Repräsentation dieses Gegenstands auf die gleiche Weise wie bei den Muttersprachlern”, so Boroditsky.
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass die Sprachen die Welt auf unterschiedlichste Art und Weise beschreiben. Wie Ludwig Wittgenstein erklärte: “Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.” Dennoch ist unser Gehirn flexibel und wir sind in der Lage, Begriffe und die Bedeutungsnuancen anderer Sprachen zu lernen, unseren Horizont zu erweitern und damit neue Sichtweisen kennen zu lernen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Gehirn&Geist, Nr.7-8/2011, S. 14–19. Bild: JaGa (Wikipedia).]
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Welche Domainnamen sollten Übersetzer und Dolmetscher wählen?
26.7.2011 von Richard Schneider.
Die Frage nach der Auswahl des passenden Domainnamens stellt sich insbesondere bei Existenzgründern unter den Übersetzern und Dolmetschern, da heutzutage die meisten selbständigen Sprachmittler bereits über einen Internetauftritt verfügen.
Da es sich nicht um verkammerte Berufe handelt, deren Berufsrecht der Überwachung durch die jewelige Kammer und Berufsgerichtsbarkeit unterliegt, ist die Domainwahl naturgemäß weniger reguliert und unterliegt vor allem dem allgemenen Namens-, Marken- und Wettbewerbsrecht. Auch freiwillige Mitgliedschaften - wie z. B. beim BDÜ – ändern daran wenig. So gibt es in der Berufs- und Ehrenordnung des BDÜ keinerlei Regelung, die sich konkret auf die Domainwahl bezieht.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Online-Marketings für Übersetzer und Dolmetscher ist heutzutage nicht hoch genug einzuschätzen, da es sich um eine webaffine Tätigkeit handelt, deren Anbieter insbesondere im Internet gesucht werden. Der Begriff “Übersetzer” (exakt) wird laut Google-Keyword-Tool immerhin 2.240.000 Mal im Monat gesucht. Für den “Dolmetscher” gibt es immerhin noch monatlich 12.100 (global) bzw. 9.900 (lokal) Suchanfragen (bei exakter Einstellung in Google Deutschland).
Insbesondere die lokalen Suchanfragen gewinnen über Google Places immer mehr an Bedeutung, seit die Suchergebnisse aus Google Places vor kurzem in die organischen Ergebnisse integriert wurden. Da die Google-Places-Registrierung und -Nutzung kostenfrei ist, ist es ohne großen Aufwand möglich, insbesondere in kleineren Städten auf der ersten Seite der Google-Ergebnisse (SERPS) zu ranken und sich damit viel anderweitige Marketingmaßnahmen zu ersparen.
Naturgemäß bieten sich insbesondere für einzelne freiberufliche Übersetzer gerade die lokal gefärbten Domains wie “Übersetzer-München” oder “Übersetzer-Berlin” - in allen möglichen Schreibvarianten und gängigen Domainendungen - an, da sie zumindest in Großstädten noch ein werbewirksames Suchvolmen aufweisen.
Doch verzeichnen laut Google-Keyword-Tool Domainnamen aus Keyword-Kombinationen, welche die Sprache einschließen wie z.B. “Übersetzungen spanisch” weitaus mehr Suchanfragen als die Kombination mit der Ortsbezeichnung. Während es “Übersetzer München” gerade einmal auf 1.000 Suchanfragen pro Monat bringt, glänzt “Übersetzer spanisch” immerhin mit 3.600 monatlichen Suchanfragen.
Generell sind generische Domains aus Berufsbezeichnung und/oder Ort bzw. Sprache Domainnamen aus Fantasiebezeichnungen vorzuziehen, da sie sich mit weniger Aufwand für die Suchmaschinen optimieren lassen und außerdem weniger Abmahngefahr beinhalten, da generische Begriffe in der Regel nicht als Marke registrierbar sind. Insbesondere Fantasiebezeichnungen, die Bestandteile wie “lingua”, “translations” etc. enthalten, sind eher abmahngefährdet, da dazu international viele Marken und Bildmarken registriert sind.
Der Autor dieses Beitrags, Reinhold Kuffer (Bild), ist Wirtschaftsprüfer/Steuerberater und staatlich anerkannter Übersetzer (IHK) für die kroatische (serbische/bosnische) Sprache in München. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählt die Existenzgründungsberatung mit Schwerpunkt Online-Marketing.
www.steuerberater-muenchen.com
[Text: Reinhold Kuffer. Bild: Reinhold Kuffer.]
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Stotterc(h)amp: Raus mit der Sprache
25.7.2011 von Jessica Antosik.
Rund 800.000 Menschen in Deutschland stottern. Das macht etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik aus. Stottern ist eine Störung des Redeflusses. Sie kennzeichnet sich durch
- häufige Unterbrechungen des Sprechablaufs
- Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern
- Dehnungen von Sprachelementen
- stumme oder hörbare Blockaden oder
- wiederholte zwischengeschobene Laute.
Der Stotternde weiß in diesem Augenblick genau, was er mitteilen möchte, kann es allerdings nicht barrierefrei tun. Dies zählt zu den äußeren, primären Symptomen. Die sekundären Symptome werden durch ein Vermeidungsverhalten deutlich, um dem Stottern und damit auch dem gesellschaftlichen Leben auszuweichen, oder durch ein Fluchtverhalten, mit dem die primären Symptome überwunden werden sollen. Einige Stotternde wenden hierfür eine Technik des Verschleierns an. Oftmals wird das Stottern von auffälligen Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur oder zusätzlichen Körperbewegungen beim Sprechen begleitet.
Die inneren Symptome zeigen sich in negativen Gefühlen, Gedanken sowie Einstellungen, die als Reaktion auf das Stottern entstehen, d.h. also beispielsweise Angst, Scham und Minderwertigkeitsgefühle.
Chronisches Stottern basiert zum einen auf einer motorischen Fehlfunktion. Zum anderen liegen die Ursachen in einer hirnorganischen Disposition. Somit handelt es sich beim Stottern um eine Sprech- und Sprachstörung und letztlich um ein komplexes System, das aus einem Zusammenspiel von Sprachverarbeitung und den Stimmorganen entsteht. Zumeist fangen Kinder mit dem Stottern an, wenn ihre physiologischen, kognitiven und emotionalen Kapazitäten beim Sprechen nicht den Anforderungen des Umfeldes gewachsen sind. Dies ist der Grund dafür, warum die Kinder letztlich aus dem Gleichgewicht geraten und sich überfordert fühlen.
Etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen sind vom Stottern betroffen. Bei vielen verschwindet das chronisches Stottern jedoch durch eine Therapie oder spontan. Das Verhältnis bei Männern und Frauen beträgt 5:1. Experten gehen davon aus, dass die Verteilung daran liegt, dass die Hirnreifungsprozesse bei Mädchen schneller ablaufen und sie sprachtalentierter sind.
Auch beim “Stotterchamp” in Tägerwilen (Schweiz) vom 17. bis 22. Juli waren mehr Jungs als Mädchen. Der Titel weist einerseits auf den Campcharakter hin. Die Schreibweise des Wortes Camp mit “ch” ist kein Druckfehler, sondern impliziert eine beabsichtigte Vieldeutigkeit auf die Schweiz, den Veranstaltungsort, die Champions, also die Jugendlichen, die nach der Woche nicht als Verlierer nach Hause gehen sollten, und natürlich auf die Probleme des Stotterns.
Tagsüber hatten die 11- bis 18-Jährigen aus Deutschland und der Schweiz die Möglichkeit, neben sprachtherapeutischen Angeboten an Aktivitäten wie Segeln, Klettern, Tauchen, Schwimmen, Paddeln und Kochen am offenen Feuer teilzunehmen. Das Camp baut auf zehn Jahren Erfahrung in der Stotterintensivtherapie “Sommer Segeln Stottern” auf. Unterstützt werden die Teilnehmer durch Dozenten der Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) und der Freiburger Medizinischen Akademie/Schule für Logopädie. Ziel des Stottercamps war es, gemeinsam Neues auszuprobieren, mit dem Stottern auf eine andere Art und Weise umzugehen, sich behaupten und selbstbewusst auf Menschen zugehen zu können.
“Stottern ist o.k.” lautete das Motto eines Tages. “Ich kann auch anders” war der Leitgedanke eines anderen Tages, an dem die Teilnehmer wahrnehmen sollten, wo sich ihr Körper verkrampft, wenn sie raus mit der Sprache wollen und lernen sollten, langsam zu sprechen oder die Wörter zu dehnen. Eine zwölfjährige Regensburgerin bringt die Idee, die dahinter steht, auf den Punkt: “Ich wünsche mir, hier Freunde zu finden, die das gleiche Problem haben wie ich.”
Bettina Gartner hat im Februar 2009 den Artikel “Hier piept’s nicht richtig” verfasst. Dieser handelt über Singvögel. Nachfolgend ein Auszug:
Auf den ersten Blick ist Erich ein attraktiver Kerl. Er hat einen korallenroten Schnabel, rostbraune Bäckchen, eine schwarze Brust und weiß getupfte braune Flanken – ganz so, wie es sich für einen feschen Zebrafinken gehört. Doch sobald er den Schnabel aufmacht, wird klar, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Bei jedem Lied verheddert er sich bei der letzten Silbe. Statt eines klaren Finales wiederholt er den abschließenden Laut immer wieder: qui, qui, qui. Es hat keinen Sinn. Und klingt irgendwie unbeholfen. Man ahnt Verstörendes: Erich stottert.
Den Artikel können Sie hier in vollständiger Länge lesen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: badische-zeitung.de, 23.07.2011; bvss.de; wikipedia.de.]
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Uni Gießen untersucht, was im Kopf von Übersetzern und Dolmetschern vorgeht
24.7.2011 von Richard Schneider.
Was geht im Kopf von Übersetzern und Dolmetschern vor sich, während sie Texte in eine andere Sprache übertragen? Wie kann man Zugang zu ihren Denkprozessen erhalten? – Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des zweiten internationalen Forschungsworkshops zu Methoden der Translationsprozessforschung vom 27. bis 29. Juli 2011 auf Schloss Rauischholzhausen, zu dem Wissenschaftler aus elf Nationen erwartet werden. Den englischsprachigen Workshop veranstaltet Prof. Dr. Susanne Göpferich (Bild), Professorin für Angewandte Linguistik und Translationswissenschaftlerin am Institut für Anglistik, Direktorin des Zentrums für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen, der Justus-Liebig-Universität Gießen, im Rahmen des von ihr geleiteten Forschungsprojekts „TransComp – Die Entwicklung translatorischer Kompetenz“.
Die Translationsprozessforschung ist ein noch junger Zweig der Übersetzungswissenschaft, der sich ab Anfang der 1980er Jahre zu etablieren begann. In den letzten fünf Jahren hat er dank neuer Methoden zu vertieften Einsichten geführt. Eine besondere Rolle spielen hier die Aufzeichnung von Blickbewegungen, das sogenannte Eye-Tracking, sowie die Registrierung der Tastenanschläge und Mausklicks am PC, das sogenannte Tastatur-Logging. „Eye-Tracking- und Tastatur-Logging-Daten erlauben uns Rückschlüsse darauf, wie Übersetzer ihre kognitiven Ressourcen beim Übersetzen aufteilen“, so Göpferich.
Diese und weitere Methoden, ihre Kombination und Optimierung sind Gegenstand des Workshops. „Der Kompetenzgrad eines Übersetzers lässt sich viel differenzierter bestimmen, wenn man dazu nicht nur die fertigen Übersetzungen unter die Lupe nimmt, sondern auch die kognitiven Prozesse, die zu ihnen führten“, sagt Göpferich. Auf dem Programm stehen außerdem die Rolle der emotionalen Intelligenz beim Übersetzen, übersetzerische Kreativität, das Posteditieren von maschinellen Übersetzungen, der Einsatz von Spracherkennungssoftware und die Bedeutung der Verbendstellung im Deutschen beim Simultandolmetschen.
Genutzt werden können die Erkenntnisse einerseits zur Optimierung der Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern. Andererseits benötigt man sie in der beruflichen Praxis, wenn man beurteilen möchte, wie aufwändig eine bestimmte Übersetzung ist und wie hoch sie daher zu entlohnen ist.
Mittwoch, 27. Juli 2011, 15.30 Uhr, bis Freitag, 29. Juli 2011, 13 Uhr
Ort: Schloss Rauischholzhausen, Ferdinand-von-Stumm-Straße,
35085 Ebsdorfergrund-Rauischholzhausen
[Text: Lisa Dittrich. Quelle: Pressemitteilung Justus-Liebig-Universität Gießen, 2011-07-20. Bild: Göpferich.]
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Filmsynchronisation und Untertitelung für ein hispanoamerikanisches Publikum
23.7.2011 von Jessica Antosik.
Am 7. Juli 2011 hielt Dr. Maribel Cedeño von der Universität Siegen einen Gastvortrag am Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK Germersheim) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zum Thema “Filmsynchronisation und Untertitelung für ein hispanoamerikanisches Publikum. Venezuela als exemplarischer Fall”.
Kurz einige Informationen zu Dr. Maribel Cedeño Rojas: Sie ist in Caracas (Venezuela) geboren, studierte Übersetzen und Dolmetschen an der Universidad Central de Venezuela (UCV) und ist seit dem Jahr 2000 als Übersetzerin audiovisueller Medien tätig. Sie unterrichtete Fachübersetzen und Jugendsprache in Deutschland an der UCV und ist Lektorin für Spanisch an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, an der ihre Dissertation entstand.
Die Mischung des Spanischen und Englischen in Filmen stieß weltweit auf Kritik. Die Kubaner waren die Ersten, die sich gegen Filme in englischer Sprache aussprachen. In Italien, Mexiko und Ungarn wurden fremdsprachige Filme sogar per Gesetz verboten. In der Tschechoslowakei allerdings wurden im Jahre 1930 in den Kinos sogar deutsche Filme gezeigt. In den 30er-Jahren entstanden in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, erste Tonfilme mit Dialogen in spanischer Sprache und damit wurde ein hispanoamerikanischer Filmmarkt geschaffen. Ende der 30er-Jahre gab es dort mehr Sprech- als Stummfilme.
Da die USA viele Kinos in Venezuela gekauft haben, werden US-amerikanische Filme meist synchronisiert. Nicht erfolgreiche Film dagegen werden häufig nur untertitelt. Originalfilme mit Untertiteln sowie die synchronisierte Version und die reinen Originalfilme werden zu verschiedenen Uhrzeiten in Venezuela vorgeführt.
Nun zum technischen Aspekt der Filmsynchronisation. Der Übersetzer bekommt den Film und muss diesen in eine andere Sprache übertragen, der wiederum von Synchronschauspielern besprochen wird. Der Übersetzer muss auf die Aussprache ausländischer Namen, auf Pausen und vor allem bei Großaufnahmen auf die Lippensynchronität achten. Somit hat der Übersetzer die Aufgabe, einerseits den Sinn des Ausgangstextes wiederzugeben und andererseits die Lippenbewegungen im Hinterkopf behalten. Den Darstellern soll der Text nämlich “auf die Lippen geschrieben” werden. Im Anschluss an die Aufnahme wird eine Qualitätsprobe durchgeführt, in der ein Publikum “probeschaut” und ggf. Korrekturen vorgenommen werden.
Die Vorgehensweise bei der Untertitelung unterscheidet sich von der der Filmsynchronisation. Eine Gemeinsamkeit liegt in der Überwindung hörbarer Sprachbarrieren und im kulturellen Transfer. Der Übersetzer erhält das Videomaterial auf DVD oder CD und die Texte werden ihm zusätzlich per E-Mail zugeschickt. Früher wurden ihm die ausgedruckten Texte ausgehändigt. Mit einem bestimmten Programm arbeitet der Übersetzer an dem Zieltext. Hierbei muss er die Ein- und Ausblendezeit der Untertitel sowie die Textmenge beachten, damit der Zuschauer den Untertiteln mühelos folgen kann. Die Sätze sollten klar strukturiert, leicht verständlich sein und nebeneinander gereiht werden. Das Layout, d.h. die Größe oder beispielsweise die Farbe der Untertitel, spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Ferner muss die Platzierung der Untertitel berücksichtigt werden. Diese sollten nicht mitten auf dem Gesicht des Schauspielers zu lesen sein. Ist der Übersetzer damit fertig, simuliert er das Endprodukt und schaut, ob die Untertitel zu lang oder kurz sind oder ob der Inhalt des Zieltextes mit dem des Ausgangstextes übereinstimmt. Des Weiteren darf es nicht zu Überschneidungen der Untertitel kommen. Die Untertitelung ist, im Gegensatz zur Synchronisation, kostengünstig, schnell realisierbar und wird aus diesen Gründen oft angewandt. Die Nachteile in Untertiteln liegen darin, dass sie teilweise als störend empfunden werden und von der Handlung des Films ablenken.
Spanisch ist Amtssprache in über 20 Ländern. Somit existieren viele Varietäten des Spanischen. Es gibt unzählige Akzente und Regionalismen. Das Spanisch, das in Spanien gesprochen wird, weicht in der Intonation, Morphologie, Lexik etc. vom hispanoamerikanischen Spanisch ab. Untertitel und synchronisierte Filme sollten aber weder Regionalismen aus Spanien noch aus Hispanoamerika enthalten. Die Filme sollen nämlich einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden können.
Es gestaltet sich schwierig, einen Film ins Spanische zu untertiteln oder zu synchronisieren, da sich die Frage stellt, welche Varietät des Spanisch gewählt werden soll. Aus diesem Grund wurde ein Kompromiss zur überregionalen Verständigung gefunden. Man bedient sich eines sog. “español neutro”, ein Standardspanisch, das das Ergebnis eines Neutralisierungsprozesses sowie plurivalent ist. Alle Personen, ob gebildet oder ungebildet, arm oder reich, sollten dieses Spanisch problemlos verstehen können, da es keine regionalen Elemente enthält. Der argentinische “yeísmo” beispielsweise wird gemieden.
Dennoch gibt es ein Problem, und zwar hört sich das “español neutro” künstlich an, weil es von niemandem gesprochen wird. Die Übersetzer sollen sich an eine Liste mit Tabuwörtern halten, um so auf regional markierte Begriffe zu verzichten. Wörter, die in anderen spanischsprachigen Ländern bestimmte Konnotationen haben, sollen nicht benutzt werden. Dies ist zum Beispiel bei dem Wort “coger” der Fall, das in einigen Ländern Südamerikas sexuelle Konnotationen hat, in Spanien allerdings “greifen” oder “nehmen” bedeutet. Stattdessen wird im Film und Fernsehen die Verwendung der Verben “tomar” oder “agarrar” bevorzugt.
Die empfohlenen Wörter sind zum Teil erfunden. Dies verdeutlicht das nachfolgende Beispiel: Statt “sándwich” soll das Wort “emparedado” für ein “Sandwich” benutzt werden, obwohl “sándwich” überall verbreitet ist und verstanden wird. Um Anglizismen allerdings aus dem spanischen Wortschatz zu verbannen, werden künstliche Begriffe geschaffen, die nur in Untertiteln vorkommen und in der Alltagssprache sonst von niemandem benutzt werden.
Es wird also zwangsweise eine überregionale Lösung gesucht. Weil Mexiko das größte hispanophone Land mit 100 Millionen Sprechern ist, gefolgt von den USA, Spanien, Kolumbien und Argentinien, kennzeichnet sich das neutrale Spanisch insbesondere durch das mexikanische Spanisch.
Da es sich bei der Sprache des Ausgangstextes oft nicht um eine Standardsprache, sondern um einen Dialekt handelt, kann in diesem Fall keine Äquivalenz geschaffen werden. Denn wenn Dialekte der Ausgangssprache mit dem “español neutro” übersetzt werden, in dem es keine Mundarten gibt, geht oftmals der Witz verloren. Die Bedeutung des Gesagten wird verändert und somit erhalten letztlich auch die Figuren im Film einen anderen Charakter. Werden Schimpfwörter, die eine sonst eher zurückhaltende, nette Person benutzt, abgeflacht, werden dem Zuschauer bestimmte, wichtige Aspekte vorenthalten, weshalb man auch durchaus von einer Zensur sprechen kann.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Vortrag am FTSK Germersheim, 07.07.2011; amazon.de. Bild: ktsdesign/Fotolia.]
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Krissu geiles Heft for free – Thema: Sprache
22.7.2011 von Jessica Antosik.
Die neueste Ausgabe des fluter-Heftes, dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), thematisiert unter dem Titel “Krissu geiles Heft for free” die Sprache.
In jedem Moment sprechen auf der Erde Millionen Menschen miteinander, es wird immer gelesen und geschrieben. Die Allgegenwart von Sprache ist ebenso faszinierend wie ihre Vielfalt. Das Universum der Sprachen ist immer in Bewegung, auch heute und in unserer westlichen Gesellschaft. […] Und wird Europa ohne eine Leitsprache mit seiner Vielfalt an Sprachen und Kulturen politisch zusammenwachsen können? Ist das überhaupt eine produktive Idee? Der Streit darüber wird zumindest in Brüssel und Straßburg in alle beteiligten Sprachen übersetzt.
Inhaltsverzeichnis des fluter-Heftes:
- “Eine Sprache muss sich ständig ändern” – Ein Sprachforscher steht Rede und Antwort
- The Awful German Language! – Wie Mark Twain am Deutschen verzweifelte
- Da fehlen einem die Worte – Unterwegs mit einigen der vielen Menschen, die weder richtig schreiben noch lesen können
- “Der Sachse is hochgradisch gommunigativ” – Interview mit einer Sächsin über ihren Dialekt
- Lost In Translation – Zu Besuch bei den Dolmetschern im Europäischen Parlament, wo es 23 Amtssprachen gibt
- Weltweit Goethe – Heimatliche Klänge im Ausland
- Wiederbelebt – Wie die keltische Sprache der Isle of Man beinahe ausstarb
- Der Überwachungsstaat – Kein Land schützt seine Sprache so wie Frankreich
- “Giff müi müine Sproke truijje!” – Manche Menschen reden sogar noch plattdeutsch. Wie unser Gesprächspartner
- Das kommt davon – Das fluter-Schaubild zeigt, woher unser Wortschatz stammt
- Weissu – is krasse Sprache! – Jugendliche Migranten mischen das Hochdeutsch auf
- Reklame selbstgemacht – Wie man mit dem Verhunzen der Sprache Geld verdient
- Zukunft ist für alle da – Was Politiker so reden und was sie eigentlich sagen wollen
- Wir sind keine Radios – Im Integrationskurs soll man fit für Deutschland werden. Ein Selbstversuch
- Gehör verschaffen – Das Weißrussische wurde jahrhundertelang unterdrückt – nun wird es von den Jungen wiederentdeckt
- Kampf um Wörter – Wie man sich mit Begriffen streiten kann
- Versprochen ist versprochen – Eine Auswahl der schönsten Versprecher von Prominenten
- Words Don’t Come Easy – Wie es ist, wenn man stottert
- Wort und Totschlag – Im Dritten Reich trug die Sprache dazu bei, die Menschen abzustumpfen
- Was denkt ihr euch bloß – Wie Denken und Reden zusammenhängen
- “Bog ma zamm und hoif ma uns!” – Die meisten Menschen mögen Bayrisch. Wohl zu Recht
- Sprache, die es nicht ins Heft geschafft hat – Große Umarmung, Kolonialdeutsch, C++
- Hoi Polloi zum Thema – Hoi Polloi, Vorschau und Impressum
Das gesamte Heft kann auf der Website fluter.de als PDF-Datei heruntergeladen werden.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: fluter.de. Bild: fluter.de.]
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