Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs uepo.de - Das Nachrichtenportal für Übersetzer für August, 2011.
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Jul | Sep » | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | 31 | ||||
- Ausbildung (67)
- Bibel/Koran (12)
- Bücher (75)
- Büroorganisation (13)
- Deutsche Sprache (94)
- Dolmetschen (95)
- Einwanderer (23)
- EU (40)
- Fremdsprachen (52)
- Gebärdensprachdolmetscher (9)
- Gebärdensprache (14)
- Gerichtsdolmetscher (81)
- Geschichte (30)
- Honorare/Gehälter (14)
- Interview (4)
- Literaturübersetzer (112)
- Lokalisierung (12)
- Markt (28)
- Maschinelle Übersetzung (12)
- medizinisch-soziales Dolmetschen (9)
- Missstände (47)
- Nachrichten (73)
- Nachrufe (8)
- Politik (59)
- Porträt (49)
- Qualitätssicherung (9)
- Recht (2)
- Simultandolmetscher (28)
- Sprache allgemein (61)
- Terminologie (24)
- Übersetzen (31)
- Übersetzungsfehler (31)
- Unternehmen (129)
- Veranstaltungen (163)
- Verbände (129)
- Videos (7)
- Werkzeuge (129)
- Wissenschaft (30)
- Wörterbücher (53)
- Zeitschriften (68)
- 22.5.2012: Universität Hildesheim: Master "Medientext und Medienübersetzung"
- 21.5.2012: Bram Stokers "Dracula" neu übersetzt
- 20.5.2012: Über die (Un-)Sitte der Filmsynchronisation in Deutschland
- 19.5.2012: Immer weniger luxemburgische Muttersprachler
- 18.5.2012: Focus: Wissenstest zur deutschen Sprache
- 17.5.2012: Anglizismen-INDEX Nr. 10 erhältlich
- 16.5.2012: Brandenburg: Kürzungen beim bilingualen Unterricht geplant
- 15.5.2012: Besonderheiten der schriftlichen Kommunikation im Internet
- 14.5.2012: Linguee startet Abonnement-Dienste "Premium" und "Professional"
- 13.5.2012: Kurzkrimi "Der Dolmetscher" von Marla B. Singer
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
Archive für August 2011
Studie: Immer mehr deutsche Masterstudierende an ausländischen Hochschulen
31.8.2011 von Jessica Antosik.
Seit seiner Gründung im Jahr 1925 hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mehr als 1,5 Millionen Akademiker im In- und Ausland unterstützt. Das Angebot reicht vom Auslandssemester für junge Studierende bis zum Promotionsstudium, vom Praktikum bis zur Gastdozentur, vom Informationsbesuch bis zum Aufbau von Hochschulen im Ausland.
Bereits zum elften Mal veröffentlicht der DAAD in Zusammenarbeit mit der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) die Studie “Wissenschaft weltoffen”. Dabei handelt es sich um einen Datenreport zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland.
Nachfolgend die wichtigsten Eckpunkte aus dem Report:
- Mit über 250 Programmen hat der DAAD allein im Jahr 2010 mehr als 73.000 Deutsche und Ausländer rund um den Globus gefördert.
- Die Zahl der ausländischen Studierenden ist an den deutschen Hochschulen im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um rund 5.600 auf 244.775 gestiegen.
- Die wichtigsten Gastländer für internationale Studierende sind die USA, Großbritannien, Australien, Deutschland und Frankreich. In Australien steigt deren Zahl stark an, sodass sich Australien jetzt auf Platz 3 der Rangfolge – noch vor Deutschland – einordnet.
- Im Jahr 2008 sind 102.800 deutsche Studierende an einer ausländischen Hochschule eingeschrieben. Das sind 14% mehr als im Vorjahr. Von 1.000 deutschen Studierenden studieren 58 im Ausland. Besonders hohes Interesse gilt dabei den westeuropäischen Hochschulen. In der Länderliste stehen Österreich, die Niederlande, Großbritannien, die Schweiz und die USA an der Spitze.
- 28.854 deutsche Studierende haben sich 2009/10 am ERASMUS-Programm beteiligt. Die Zahl an Auslandspraktika hat sich dabei um 8% und die der Studienaufenthalte um 3% erhöht. Besonders häufig haben sich die deutschen ERASMUS-Teilnehmer in Spanien, Frankreich und Großbritannien aufgehalten.
- Für das Jahr 2008 vermeldet die amtliche Hochschulstatistik 102.800 deutsche Studierende, die an ausländischen Hochschulen eingeschrieben sind.
- In Bezug auf die Staaten mit einer entsprechenden Statistik streben 56% der deutschen Studierenden im Ausland einen Bachelor- und 18% einen Masterabschluss an. 11% von ihnen wollen die Promotion erwerben und 15% einen anderen Abschluss, z. B. einen Abschluss als Mediziner.
- Der hohe Anteil an Bachelorabsolventen der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in einem ausländischen Masterstudium ergibt sich vor allem aus den starken Auslandsorientierungen in den Wirtschaftswissenschaften. Hier vor allem ist das Interesse an einem Masterstudium im Ausland außergewöhnlich hoch.
- Fast ein Viertel aller Studierenden strebt an Hochschulen in Großbritannien den Master an. Große Bedeutung in dieser Hinsicht haben auch Österreich, Frankreich, die Niederlande und die Schweiz. Insgesamt studieren 85% der deutschen Masterstudierenden im Ausland in diesen fünf Ländern.
- Die Entscheidung für ein Masterstudium im Ausland wird vor allem damit begründet, dass den Bachelorabsolventen an ihrer bisherigen Hochschule das gesuchte Masterangebot nicht zur Verfügung steht. Viele Studierende streben ein solches Auslandsstudium auch in der Erwartung hoher Studienqualität an.
Die Studie “Wissenschaft weltoffen 2011 – Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung” in Deutschland mit dem Schwerpunktthema “Zum Master ins Ausland” ist hier kostenlos als PDF-Datei abrufbar.
Zur Publikation
“Wissenschaft weltoffen 2011 – Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland”
Herausgeber: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Bielefeld 2011
100 Seiten
ISBN 978-3-7639-4874-1
Best.-Nr. 7004002h
29,90 Euro
[Textzusammenstellung: Jessica Antosik. Quelle: wissenschaft-weltoffen.de. Bild: wissenschaft-weltoffen.de.]
Geschrieben in Ausbildung | Drucken | Keine Kommentare »
Buchmesse 2011: Frankfurt wieder Mekka der Literaturübersetzer
30.8.2011 von Richard Schneider.
Treffpunkt für Übersetzer ist auf der Frankfurter Buchmesse 2011 wieder das Zentrum „Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ (Halle 5.0 D 963). Die Umbrüche in der arabischen Welt geben den Ausschlag für die Themensetzung: „Migration“ und „Social Media“. Unter dem Motto „Migration“ fragt eine Reihe von Veranstaltungen danach, was passiert, wenn Literatur und Literaten wandern. „Briefe an Europa“ (Sonntag, 16. Oktober 2011) lässt Künstler wie Riad Kheder (Irak/Frankfurt am Main), Chirikure Chirikure (Simbabwe) und Laura Cisneros (Offenbach) zu Wort kommen, die im Rahmen von „Shahrazad“, einem kulturellen Projekt sechs europäischer Städte, einen offenen Brief an „ihr“ Europa schreiben. Am Samstag, 15. Oktober 2011, sprechen Literaten der arabischen Welt um 10.30 Uhr über den „Arabischen Frühling“ und die damit verbundenen politischen und kulturellen Umbrüche in Nordafrika. Und um 15.00 Uhr wird in einer Podiumsdiskussion die Frage in den Raum gestellt, ob Social Media den Dialog der Kulturen verbessern können.
Zur Buchmesse sind insgesamt rund 3.200 Veranstaltungen geplant, davon richten sich rund 2.200 explizit an ein breites Publikum, etwa 1.100 weitere sind Fachveranstaltungen. Lesungen und Diskussionen finden an prominenten Orten statt, wie dem ARD-Forum mit einer eigenen ARD-Bühne (TV) und einem Gläsernen Studio (Hörfunk) oder dem „Blauen Sofa“, das als Kooperation zwischen Club Bertelsmann, ZDF und Deutschlandradio Kultur rund 80 Veranstaltungen hosten wird. Aber auch in der Stadt Frankfurt selbst finden rund 450 Literaturevents statt, darunter das Festival „Open Books“ und „Literatur im Römer“. Im Rahmen der Buchmesse werden so bedeutende literarische Auszeichnungen wie beispielsweise der Deutsche Buchpreis (Montag, 10. Oktober 2011), der Deutsche Jugendliteraturpreis (Freitag, 14. Oktober 2011) oder der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (Sonntag, 16. Oktober 2011) verliehen.
Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2011 ist Island. Rund 40 isländische Autoren werden auf der Messe erwartet.
Darüber hinaus geben sich internationale Autoren und Stars aus Film und Fernsehen ein Stelldichein, in diesem Jahr unter anderem Boualem Sansal, Jussi Adler-Olsen, Umberto Eco, Rafik Schami, Kai Meyer, Bastian Sick, Anthony McCarten, Michael Kumpfmüller, Sibylle Lewitscharoff, Ferdinand von Schirach, Roger Willemsen, Ranga Yogeshwar, Fatih Akin, Doris Dörrie, Feridun Zaimoglu, Anna Thalbach, Christiane Paul, Charlotte Roche oder Ilija Trojanow. „Der Hunger nach Geschichten und nach dem persönlichen Treffen mit den Autoren wächst in Zeiten der Digitalisierung“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. Auf dem weltweit größten Treffen der Publishing-Branche werden rund 7.500 Aussteller erwartet sowie rund 280.000 Besucher.
Über die Frankfurter Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.500 Ausstellern aus mehr als 110 Ländern die größte Buch- und Medienmesse der Welt. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
[Text: Frankfurter Buchmesse. Quelle: Pressemitteilung Frankfurter Buchmesse, 2011-09-15. Bild: Frankfurter Buchmesse.]
Geschrieben in Veranstaltungen, Literaturübersetzer | Drucken | Keine Kommentare »
Nicht immer, aber immer öfter, wird Deutsch missachtet
29.8.2011 von Jessica Antosik.
Slogans sollen in kompakter Form eine Aussage vermitteln und das Publikum beeinflussen. Erfolgreiche Slogans bleiben im Kopf. Teilweise gehen sie auch in die Sprache über. Viele Slogans wurden vor vielen Jahren eingeführt und haben einen Wiedererkennungswert. Die Änderung eines Slogans bedeutet ofetmals einen Einschnitt bzw. eine Neuausrichtung. Alte Assoziationen sollen aufgegeben werden. Die Slogans sollen zeitgemäß sein.
Ehemals deutschsprachige Werbeslogans werden zunehmend durch englischsprachige Sprüche ersetzt. Warum? Um Marken internationaler und vielschichtiger auszurichten und damit vor dem Hintergrund der Globalisierung konkurrenzfähiger zu sein. Außerdem sollen regionale Grenzen überwunden und die Marken auch in anderen Ländern positioniert werden. Neue Zielgruppen sollen also erreicht werden. Dies hat die Datenbank “Slogans.de” festgestellt. Wenn Unternehmen jedoch zum Teil nach 100 Jahren auf englische Sprüche umsteigen, hinterlässt dies einen besonders bitteren Nachgeschmack. Nachfolgend eine Tabelle mit früheren und jetzigen Slogans einiger bekannter Marken:
| Marke | Früherer Slogan |
Jetziger Slogan |
| Afri-Cola | “Schwarz. Schön. Starkt.” | “Are you Afri?” |
| Chio Chips | “Willkommen im Club.” | “Welcome to the club.” |
| DHL | “Einfach. Immer. Überall” | “Excellence. Simply delivered.” |
| Henkel | “Qualität und Verantwortung” | “Excellence is our passion” |
| Kärcher | “Sauberer wird’s nicht.” | “Makes a difference.” |
| Kinder Country | “Der Schoko-Genuss mit Cerealien-Plus.” | “I love my country.” |
| Odol | “Küss mit” | “Love Odol” |
| SAT.1 | “Augen auf! Sat.1 zeigt´s allen” | “Colour your life” |
| Schlecker | “Preisberühmt” | “For You. Vor Ort.” |
| Shell | “Das Maximum aus jedem Tropfen.” | “Let’s go” |
| VW Touareg | “Gebaut für die Extreme.” | “Rocking the hybrid.” |
| Zurich Versicherung | “Immer eine gute Verbindung” | “Because change happenz” |
Nach Angaben von “Slogans.de” ist der Anteil englischsprachiger Sprüche in den deutschen Medien drastisch angestiegen. 2009 belief sich die Zahl englischer Slogans auf 18,8 Prozent, 2010 auf 21,6 % und im ersten Halbjahr von 2011 lag sie bei 25,0 Prozent.
Die englischen Sprüche mögen zwar international klingen, bleiben letztlich jedoch oft oberflächlich oder unverständlich. Dies zeigen die folgenden Beispiele aus der Endmark Claim Studie 2009 von Bernd Samland (die hier in voller Länge als PDF-Datei abgerufen werden kann):
| Absender | Claim | Intendierte Übersetzung des Absenders | Die skurrilsten Übersetzungen durch Befragte (selektive Beispiele) |
| Mc Donald’s | “Every time a good time” | “Jedes Mal eine gutes Mal.”, “Jederzeit eine gute Zeit.” | “Jede Zeit ist eine gute Zeit.”, “Jederzeit ist Gottes Zeit.” |
| Loewe | “Stimulate your senses” | “Rege Deine Sinne an.” | “Die Sense stimulieren.”, “Befriedige Dich selbst.” |
| Mitsubishi | “Drive Alive” | “Lebendiges Fahren.” | “Fahre lebend.”, “Die Fahrt überleben.” |
| Ford | “Feel the difference” | “Erlebe den Unterschied.” | “Fühle das Differenzial.”, “Ziehe die Differenz ab.” |
| Zurich Versicherung | “Because change happenz” | “Veränderung” (das orthographisch falsche “z” am Ende, soll auf die Marke Zurich hinweisen) | “Weil Chancen glücklich machen.”, “Weil man etwas wechseln kann.” |
So überrascht es nicht, dass Adidas mit “impossible is nothing” nicht in aller Munde ist, wohingegen der Toyota-Spruch “Nichts ist unmöglich” überall bekannt ist. Weitere populäre Sprüche lauten wie folgt: “Quadratisch, praktisch, gut.” (Ritter Sport), “Nicht immer, aber immer öfter” (Clausthaler) sowie “Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.” (Milka). Ein nach wie vor vielzitierter Werbespruch stammt von Douglas: Unter “Come in and find out” verstanden viele Kunden “Komm rein und finde wieder raus”. Bald jedoch entschied sich die Parfümerie um und wirbt nun mit “Douglas macht das Leben schöner”.
Ferner verzeichnet das Bibliographische Institut bei deutschen Sprüchen immer mehr Verstöße gegen die Sprachnorm. Bewusst eingesetzte Schreibfehler sind modern. Rechtschreibfehler werden in der Werbung ganz bewusst begangen, um zu provozieren und die Aufmerksamkeit der Empfänger auf sich zu ziehen. Es fallen nämlich oft Sätze oder Sprüche auf, die fehlerhaft sind. Einige Beispiele zur Verdeutlichung: “Volksbank. Mit V wie Flügel” oder “www.ich-reservieHRS.de”. Die Brauerei Veltins wirbt mit “Da Vunkt’s”, “Natürlich Vrisch” und “Veiern ohne Ende”. Das Bibliographische Institut warnt: “Tatsächlich kann diese Aufweichung der Sprachregeln aber durchaus dazu beitragen, dass sich gerade wegen des hohen Aufmerksamkeitswertes der Werbung beim Schreiben immer mehr Fehler und Unsicherheit in unsere Schreibweise einschleichen, ohne das wir es merken.” Somit ist nicht zu unterschätzen, welchen Einfluss bewusst angewandte Rechtschreibfehler auf die deutsche Sprache haben. Die fehlerhaften und minderwertigen Sprüche verhaften sich aufgrund der ständigen Wiederholungen in unserem Unterbewusstsein.
Mehr zu diesem Thema auf uepo.de
“Da werden Sie geholfen”: Sprachveränderung durch Werbung
“Übersetzt du noch oder verstehst du schon?” – Stimuliert die Sense
[Text: Jessica Antosik. Quelle: slogans.de; mc-brandnews.de; Deutsche Sprachwelt, Ausgabe 44, Sommer 2011, S. 1.]
Geschrieben in Sprache allgemein, Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Forschungsprojekte für Gehörlose
28.8.2011 von Jessica Antosik.
Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist bisher wenig erforscht. Im Rahmen des DGS-Korpusprojekts werden gebärdete Erzählungen, Gespräche und Geschichten von ca. 300 Gehörlosen in verschiedenen Regionen Deutschlands gefilmt und in einem Korpus zusammengestellt. Dieses wird von einem Team aus gehörlosen und hörenden Mitarbeitern am Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) der Universität Hamburg erschlossen und ausgewertet. Die Texte enthalten interessante Aspekte aus dem Leben Gehörloser und haben daher auch einen hohen kulturellen Wert. Das Ziel ist die Dokumentation der Deutschen Gebärdensprache in ihrer ganzen Vielfalt sowie die Erstellung eines Wörterbuchs DGS-Deutsch auf Grundlage natürlicher Sprachdaten. Das DGS-Wörterbuch soll Gebärden so beschreiben, wie sie von der Gebärdensprachgemeinschaft verwendet werden.
Susanne König (Bild rechts) ist seit 1997 an der Erstellung von Fachgebärdenlexika beteiligt. Seit 2002 ist sie wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am IDGS der Universität Hamburg. Sie gehört seit dem Projektstart im Jahre 2009 zum Leitungsteam des DGS-Korpusprojektes.
Rund 250.000 Deutsche sind schwerhörig, etwa 80.000 komplett taub. Die Gehörlosen leben in ganz Deutschland verteilt und haben sich ihren eigenen Wortschatz zusammengestellt. “Das Improvisieren ist wichtiger Teil der Sprachpraxis”, so König. Sie ist mit einem Gehörlosen verheiratet und hat mit ihrem Mann eine Art Privatsprache entwickelt.
Sie diskutieren lebhaft, allerdings hört man kein Wort von Ihnen – den Gehörlosen. Eingeladen wurden sie von Susanne König. Während sie spricht, macht sie gleichzeitig die passenden Gebärden. Wenn sie sich vorstellt, tut sie so, wie wenn sie sich eine Krone aufsetze – das Zeichen für “König”, ihren Nachnamen. Da die Deutsche Gebärdensprache eine vollwertige Sprache ist, die Grammatik grundlegend von derjenigen der deutschen Lautsprache abweicht und sich der Satzbau auch vom gesprochenen Deutsch unterscheidet, ist lautbegleitendes Gebärden nicht leicht. Die Schwierigkeit liegt insbesondere in der fehlenden Schriftform; die DGS lässt sich nicht mit Stift und Papier oder Mikrofon festhalten.
Mit einem mobilen Videostudio, Gestencomputern, Scheinwerfern und fünf 3-D-Kameras untersuchen die Hamburger Forscher die deutsche Gebärdensprache. Eine Art Schriftkultur des Gebärdens scheint nun möglich. Die Gebärdensprache ist technisch reproduzierbar. Die Linguisten müssen nach der Aufnahme der Videos jeden Fingerzeig am Rechner ins “Hamburger Notationssystem” übertragen. Pro Minute Videomitschnitt fallen über 300 Minuten Auswertungszeit an. Das Team um König zielt auf rund 6.000 Einträge ab. Im Vergleich zu den etwa 135.000 Duden-Einträgen ist die Zahl gering, dennoch stehen die Forscher vor einer großen Herausforderung. Die Gebärdensprache ist nicht schriftlich fixiert und verändert sich schnell. Auf der ganzen Welt sind über 130 Gebärdensprachen registriert. Nach Angaben von Susanne König existieren sogar in Kleinstädten Dialekte. So gebe es für das Wort “Garten” mindestens 20 Gebärden. Bayern machen andere Gebärden als Berliner: Im Osten harke man ein Beet, in Bayern lege man Samen in eine Furche, in Berlin streife ein Finger einige Male die Nasenspitze. Auch für den Namen der Bundeskanzlerin gibt es mehrere Gebärden: Beim Fernsehsender Phoenix wird mit zwei Fingern an der Stirn, der Geste für “merken”, gebärdet. Im Alltag jedoch ist der mit der Hand heruntergezogene Mundwinkel für Frau Flunsch üblich.
Das auf 15 Jahre angelegte DGS-Korpusprojekt soll 2023 fertig gestellt werden. “15 Jahre für ein Wörterbuch, das ist eigentlich nicht viel. Das Projekt der Gebrüder Grimm hat über hundert Jahre gebraucht”, erklärt König. 500.000 Gigabyte an Rohdaten hat das IDGS bereits gesammelt. “Ein Meilenstein, der in die deutsche Gehörlosengeschichte eingeht”, sagt Jürgen Stachlewitz, Moderator der Sendung “Sehen statt Hören”.
Allerdings sind nicht alle so sehr begeistert wie Stachlewitz und König, denn es gibt bereits den “Kestner”, ein digitales Nachschlagewerk. Kritiker sehen in dem vor zwei Jahren erschienenen videobasierten DGS-Wörterbuch das Problem darin, dass der Verlag Karin Kestner die Region um Kassel als Sitz des Gebärdensprach-Hochdeutsch ansieht.
Ein Mitarbeiter des Hamburger Instituts, Thomas Hanke, sagt in Bezug auf die Gebärdensprache Folgendes: “Was die Akzeptanz der Gebärdensprache angeht, hinken wir 20 Jahre hinter den USA her. Hier können es sich die Fluggesellschaften noch leisten, die Sicherheitseinweisung vor dem Start ohne Gebärdenübersetzung zu machen. Und am Bahnhof heißt es: ‘Achten Sie auf die Lautsprecherdurchsage.’” Seiner Ansicht nach habe das Internet viele Vorteile, insbesondere Videokonferenzdienste wie Skype ebnen Gehörlosen den Weg in eine neue Welt. Trotz allem müssen sie, wenn sie etwas nachlesen möchten, auf ihre erste Fremdsprache, d.h. Deutsch, zurückgreifen. Dies möchte Hanke aber ändern und greift dabei auf die Spielkonsolensteuerung “Kinect” von Microsoft zurück. Bei Kinect handelt es sich um einen Raumsensor, der die Steuerung von Computern mit Körperbewegung möglich macht. Die Nutzer gebärden in eine Webcam, indem sie einen Gebärde-für-Gebärde-Diktierstil verwenden. Der Computer registriert die gebärdeten Phrasen und konvertiert sie in eine interne Repräsentation, die ein Avatar anschließend in Gebärdensprache wiedergibt. Mit Hilfe der gebärdenden, anonymen Avatare können so Inhalte für das Web erstellt und verbreitet werden. Darüber hinaus ermöglicht die interne Repräsentation auch, einen Übersetzungsdienst von Gebärdensprache zu Gebärdensprache zu entwickeln. Der einheitliche Gebärdenstil garantiert, dass Beiträge leicht und durch verschiedene Nutzer verändert und erweitert werden können. Erarbeitet wird das System, das im Rahmen des Projekts “Dicta-Sign” von der Europäischen Union mit einer Summe von fast vier Millionen Euro gefördert wird, von Hankes Team und Kollegen an der britischen University of East Anglia. Das Ziel von Dicta-Sign ist es, die notwendigen Technologien zu entwickeln, die eine gebärdensprachliche Interaktion in Web 2.0-Anwendungen ermöglichen.
Weitere Informationen zu den Projekten finden Sie auf www.dgs-korpus.de und www.dictasign.eu.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: Der Spiegel, Nr. 34, 22.08.2011; sign-lang.uni-hamburg.de; dictasign.eu. Bild: sign-lang.uni-hamburg.de.]
Geschrieben in Gebärdensprache | Drucken | Keine Kommentare »
EU-Übersetzungswettbewerb “Juvenes Translatores” zum fünften Mal
27.8.2011 von Jessica Antosik.
Die fünfte Ausgabe des jährlich stattfindenden Übersetzungswettbewerb “Juvenes Translatores” für 17-jährige Schüler findet am 24. November 2011 in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gleichzeitig statt. Die Jugendlichen haben zwei Stunden Zeit, einen etwa einseitigen Text aus einer EU-Amtssprache ihrer Wahl in eine der 22 anderen zu übertragen. Bewertet werden die Übersetzungen von der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission. Eine Jury wählt anschließend für jedes Mitgliedsland die beste Übersetzung aus. Der Preis ist eine dreitägige Reise nach Brüssel für alle Gewinner mit je einer erwachsenen Begleitperson. Die Sieger werden dort auch die Gelegenheit haben, Kommissionsübersetzer an ihrem Arbeitsplatz zu besuchen. Die Bekanntgabe der Sieger und die Preisverleihung finden in der ersten Jahreshälfte 2012 statt.
Vom 1. September bis zum 20. Oktober 2011 können sich weiterführende Schulen auf der Website der Europäischen Kommission für den Wettbewerb anmelden.
Im Jahre 2007 hat die Europäische Kommission diesen Wettbewerb zum ersten Mal veranstaltet, um für das Sprachenlernen und den Übersetzerberuf zu werben. 2010 nahmen an dem Wettbewerb “Juvenes Translatores” (Lateinisch: “Junge Übersetzer”) 3.000 Sekundarschüler teil. Dies ist ein neuer Rekord. Die Zahl der Teilnehmer lag um ein Viertel über der des vorherigen Jahres. Zudem hatten sich mehr Schulen als je zuvor beworben, nämlich mehr als 1.600 gegenüber 1.430 beim letzten Mal.
Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, äußerte sich in Bezug auf diese Entwicklung folgendermaßen: “Ich freue mich sehr, dass der Wettbewerb für junge Übersetzer immer größeren Anklang findet. Wie die Rekordzahlen zeigen, ist das Sprachenlernen ein verbreitetes Anliegen in Europa, und ich hoffe, dass sich künftig weitere Schulen angesprochen fühlen. Sprachenlernen öffnet Türen, trägt zur Entwicklung junger Menschen bei und macht es ihnen leichter, einen Arbeitsplatz zu finden.” Einen Teil des Erfolges führt die Kommissarin auf die sozialen Netzwerken zurück, in denen für “Juvenes Translatores” geworben wurde. “Zweifellos ist der Wettbewerb dadurch bei den jungen Leuten besser bekannt geworden, dass Teilnehmer ihre Ansichten und Erfahrungen intensiv auf Facebook und Twitter austauschten”, so Vassiliou.
Mehr zu diesem Thema auf uepo.de
Juvenes-Translatores-Sieger 2010
Juvenes Translatores 2008: Die Gewinner stehen fest
EU-Wettbewerb “Juvenes Translatores 2008″ gestartet
[Text: Jessica Antosik. Quelle: ec.europa.eu. Bild: EU.]
Geschrieben in EU, Veranstaltungen | Drucken | Keine Kommentare »
Kein hauptberuflicher Spanier: Javier Marías
26.8.2011 von Jessica Antosik.
Javier Marías ist ein spanischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer. Am 20. September 1951 wurde er in Madrid geboren. Zeitweise verbrachte er seine Kindheit in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Alter von elf Jahren begann er zu schreiben. Von 1968 bis 1973 studierte an der Universidad Complutense de Madrid Literaturwissenschaft und Philosophie. Sein erstes Geld verdiente er mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen. Ab 1974 lebte er in Barcelona und arbeitete für das Verlagshaus Alfaguara. Der Roman Corazón tan blanco (dt. Mein Herz so weiß) aus dem Jahre 1992 wurde in zahlreiche Sprachen übertragen und zu einem Welterfolg. Zu seinen bekanntesten Romanen gehören des Weiteren Mañana en la batalla piensa en mí (dt. Morgen in der Schlacht denk an mich) und die Trilogie Tu rostro mañana (dt. Dein Gesicht morgen). Am 30. Juli 2011 wurde Marías mit dem Österreichen Staatspreis für Europäische Literatur in Salzburg ausgezeichnet. Die Jury lobte “ein erzählerisches Werk von wahrhaft europäischer Dimension”.
In einem Interview mit der österreichen Zeitung Der Standard antwortete Javier Marías auf die Frage, ob das Übersetzen sein Schreiben beeinflusst hat, wie folgt:
Ja, ich denke, Übersetzen ist eine gute Schule für jemanden, der schreibt. Natürlich hängt es davon ab, was man übersetzt – Schund wird nicht sehr hilfreich sein. Übersetzungen sind ja eigentlich ein Mysterium: Das Original des Buches ist unveränderbar, auch wenn es auf viele Weisen übersetzt werden kann. Wie in der Musik: Die Partitur bleibt gleich. Und doch ist es ein Unterschied, ob Glenn Gould oder Vladimir Horowitz das Musikstück interpretieren. In der Übersetzung verliert man jedes Wort des Originals. Dafür gewinnt man etwas, das etwas völlig anderes und doch dasselbe ist. Wenn ich die Möglichkeit hätte, Dickens meine Übersetzung seines Romans zu geben, würde er seinen eigenen Text bis auf einige Namen nicht wiedererkennen. Es wären Worte, die er nicht verstünde. Und doch wäre es das, was er geschrieben hat.
In Bezug auf Sprache äußerte er sich folgendermaßen:
Sie ist Vehikel. Ein Tool. Wichtig für einen Schriftsteller, aber nicht das Wichtigste. Es ist ja eher Zufall, in welcher Sprache man schreibt. Wirklich wichtig ist, was man zu sagen hat, egal in welcher Sprache.
Auf die letzte Frage “Verstehen Sie sich als spanischer oder europäischer Schriftsteller?” gab Marías folgende Antwort:
Ich schreibe auf Spanisch und lebe die meiste Zeit in Spanien. Zugleich fühle ich mich als europäischer Schriftsteller. Jedenfalls bin ich kein hauptberuflicher Spanier.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: derstandard.at, 31.07.2011; diepresse.com, 09.03.2011. Bild: Miguel A. Monjas (Wikipedia).]
Geschrieben in Porträt, Literaturübersetzer | Drucken | Keine Kommentare »
Saarbrücken: Mehrsprachige Karten in der Gastronomie sind die Ausnahme
25.8.2011 von Jessica Antosik.
Wer kennt es nicht: Man ist im Urlaub, geht ins Restaurant, um etwas Leckeres zu essen, versteht aber nicht, was in der Speisekarte geschrieben steht. Dann muss man im Wörterbuch blättern oder auf einen versierten Kellner hoffen. Nur Wenige sind entweder weit gereist, kulinarisch bewandert oder mehrsprachig, um die Gerichte sofort zu verstehen.
Wie sieht die Situation in Saarbrücken aus? Im Jahr 2010 gab es im Regionalverband Saarbrücken 529.592 Übernachtungen von 269.971 Gästen. Nach Angaben Statistischen Landesamts entfallen 76.649 dieser Übernachtungen auf ausländische Besucher. Dazu kommen 1,7 Millionen Tagestouristen, wovon viele Franzosen und Luxemburger sind. Wenn die Besucher Hunger bekommen, müssen sie aus den auf Deutsch verfassten Speisekarten schlau werden. Zwar sind manche Restaurants mit mehrsprachigen Karten gewappnet. Doch der Standard ist dies nicht, denn in den meisten Restaurants sind die Karten auf Deutsch. An Einsicht vonseiten der Gastronomie fehlt es allerdings nicht.
Die 30-jährige Lena Schäfer, Chefin des Gasthauses “Gemmel”, hat viele fremdsprachige Gäste. “Manche sind schon ein wenig verärgert, wenn wir ihnen unsere deutsche Karte vorlegen.” Da die Karte aber alle acht Wochen wechsle, sei eine professionelle Übersetzung zu kostspielig. Schäfer spart sich das Geld und sagt: “Außerdem sprechen wir Englisch und ein wenig Französisch. Den Rest bügeln wir mit Charme aus.” Trotz allem sei eine mehrsprachige Speisekarte geplant. “Es wäre toll, wenn wir unseren Gästen auch über die Karte das Gefühl geben, willkommen zu sein.”
Der Sternekoch Jens Jakob (38) verfügt in seinem Restaurant “Le Noir” ebenfalls lediglich über die deutsche Karte. Der Grund dafür liege in der alle vier bis sechs Wochen wechselnden Speisekarte und somit teuren Übersetzung sowie am Zeitmangel.
Eva Bender (27), Kellnerin im Bistro “Tante Maja”, erklärt, dass sie einen Tisch, an dem Franzosen sitzen, häufig nicht bedient. “Ich schicke einen meiner Kollegen, der Französisch spricht. Mir ist es unangenehm, wenn ich vor den Gästen stehe und kein Wort verstehe.” Mehrsprachige Speisekarten würden ihr die Arbeit wesentlich erleichtern, gibt sie zu. Catalina da Palma (37), Geschäftsführerin von “Tante Maja” und gebürtige Rumänin, will in den nächsten Wochen “endlich eine mehrsprachige Karte einführen. Wir haben immer mehr ausländische Gäste, die uns nicht verstehen.” Probleme gebe es dennoch nicht – die meisten Kellner würden für die Gäste dolmetschen. Eine mehrsprachige Speisekarte wäre jedoch einfacher, da es äußerst zeitraubend sei, erst einmal die Namen der Gerichte übersetzen zu müssen.
Im Restaurant “Bruch’s No. 1″ und in der Kneipe “Klim-Bim” wird den Gästen eine dreisprachige Karte gereicht. “Eingeführt wurde sie 2006 zur WM. Da war abzusehen, dass mehr ausländische Gäste kommen. Seitdem haben wir die Gerichte auch in Französisch und Englisch auf der Karte”, sagt Thomas Caldwell (49), der beide Restaurants seit dem Jahr 2003 leitet. “Es kommt gut an. Wenn Franzosen ihre Sprache sehen, fühlen sie sich willkommen und bleiben dann sitzen.” Rund 20 Prozent der Gäste stammen aus Frankreich, aber auch Japaner und Menschen aus vielen anderen Nationen besuchen das Lokal. “Die können dann meist Englisch”, berichtet Caldwell.
In dem Gasthaus “Zum Stiefel” gehören Karten in deutscher, englischer und französischer Sprache längst zur Tagesordnung. “Wir sind ein historisches Haus mit vielen ausländischen Gästen. Besonders Franzosen, aber auch viele von der Uni kommen mit ihren ausländischen Kollegen hier essen. Sie sollen sich wohlfühlen. Die Karte ist das erste Zeichen für Gastfreundschaft”, sagt die 55-jährige Britta Bruch.
Die Meinung teilt auch Alexa Weiß von der Tourismusförderung im Regionalverband Saarbrücken. Sie spricht folgende Empfehlung aus: “Vielleicht muss nicht gleich die ganze Karte übersetzt sein, aber eine Seite, ein paar Gerichte. Als ein Zeichen, wie eine ausgestreckte Hand. Es ist einen Versuch wert und eine einladende Geste für unsere Touristen.”
Das “Gästehaus Erfort”, das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist, bietet die Karte auf Deutsch und Französisch. Eine englische Karte sei bereits lange geplant, erklärt Drei-Sterne-Koch Klaus Erfort (38). “Dass wir die nicht haben, liegt einfach am Zeitmangel.”
[Text: Jessica Antosik. Quelle: saarbruecker-zeitung.de, 24.08.2011. Bild: Deenee (Wikipedia).]
Geschrieben in Sprache allgemein, Fremdsprachen | Drucken | Keine Kommentare »
Deutschkenntnisse verschaffen Tschechen einen Karrierevorteil
24.8.2011 von Jessica Antosik.
In der bayerisch-böhmischen Grenzregion spielen Kenntnisse in der Sprache des jeweiligen Nachbarlandes für viele Arbeitnehmer eine wichtige Rolle. 95 Prozent von über 200 in der Tschechische Republik ansässigen Unternehmen mit deutscher Beteiligung in einer aktuellen Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) sagen: “Deutschkenntnisse sind wichtig für unsere Mitarbeiter.” 75 Prozent der Firmen sehen Deutschkenntnisse für tschechische Arbeitnehmer als “sehr wichtige” Qualifikation an. Somit werden Deutschkenntnisse wichtiger eingestuft als Englischkenntnisse – nur etwa die Hälfte der Befragten hält Englischkenntnisse als unabdingbar.
“Deutsch ist wichtig für den Beruf.” Dieser Ansicht sind 77 Prozent der Tschechen in einer repräsentativen Umfrage des Goethe-Instituts in Prag sowie des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Momentan lernen rund ein Drittel der tschechischen Schüler Deutsch als zweite Fremdsprache. Die Zahl könnte allerdings viel höher sein, denn nach der Umfrage des Goethe-Instituts wird Deutsch an vielen tschechischen Schulen nicht oder erst ab der siebten Klasse gelehrt. Nun zielt das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und der DTIHK mit der Initiative “Deutsch für die Karriere” auf eine Annäherung von Betrieben und Schulen für Kooperationen in der Sprachförderung ab. “Wir wollen Schülern zeigen, dass in der Nähe ihrer Heimatorte Unternehmen sind, bei denen sie mit guten Deutschkenntnissen leichter Karriere machen können”, erklärt Dr. Heike Uhlig, stellvertretende Leiterin des Goethe-Instituts in Prag. Bereits 15 Unternehmen und 28 Berufsschulen und Gymnasien nehmen an dem Projekt “Deutsch für die Karriere” teil. Ab September 2011, das bedeutet also mit Beginn des neuen Schuljahres, werden zahlreiche Besuche von Schulen und Firmen mit dem Ziel von Kooperationen in der Sprachförderung stattfinden.
Auch in Bayern ist die tschechische Sprache für Deutsche ein echtes Karriere-Plus. In der Oberpfalz, einem Regierungsbezirk bzw. Bezirk im Nordosten Bayerns, haben die Schüler an über 50 Schulen die Möglichkeit, Tschechisch als freiwilliges Wahlfach zu belegen. Viele Initiativen in diesem Raum sollen dabei helfen, die Sprachkenntnisse auf beiden Seiten zu fördern und zu verbessern. Bereits seit drei Jahren werden beispielsweise bei dem Unternehmen BHS Corrugated, dem Weltmarktführer für Wellpappanlagen, Auszubildende aus der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik gemeinsam ausgebildet und unterricht. “Ein Teil des Ausbildungsprogramms wird in Tschechien, ein Teil in Bayern absolviert”, sagt Stefanie Luber, eine der Verantwortlichen des BHS Ausbildungsverbunds. Mittlerweile haben acht deutsche und acht tschechische Azubis in Zusammenarbeit mit der Europa-Berufsschule in Weiden die Prüfung als Maschinen- und Anlagenführer erfolgreich abgelegt. Ferner haben sie Kenntnisse der Sprache des Nachbarlandes erworben. Dies bietet ihnen gute berufliche Perspektiven.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: wochenblatt.de, 14.08.2011. Bild: Zebra848 (Wikipedia).]
Geschrieben in Fremdsprachen, Deutsche Sprache | Drucken | Keine Kommentare »
Grundschrift statt Schreibschrift
23.8.2011 von Jessica Antosik.
Wer schreibt im digitalen Zeitalter, d.h. in Zeiten von Tastaturen, Handys und Touchscreens, noch mit der Hand? Die Handschrift stirbt regelrecht aus, was das Ende der Sauklaue bedeutet und ein großer Verlust ist. Schließlich verrät die Handschrift Vieles über die Arbeitsweise und Persönlichkeit ihres Schreibers.

Schulheft von 1929 mit Schreibübungen in deutscher Sütterlinschrift
Nun soll in einigen Bundesländern ab dem kommenden Schuljahr die Schreibschrift nicht mehr verpflichtend gelehrt werden. An ihre Stelle soll die sogenannte Grundschrift treten. Dies schlägt der Grundschulverband vor. Die Kinder bräuchten zu lange, um die Schönschrift zu lernen. Hintergrund seien zudem Klagen über zunehmend unleserliche Handschriften der Kinder. Laut Grundschullehrerverband kommen rund ein Drittel der Jungs und etwa zehn Prozent der Mädchen nach vier Jahren Grundschule ohne wirklich fundierte Kenntnisse im Lesen und Schreiben heraus. Da sie des Weiteren im Alltag fast ausschließlich Druckbuchstaben sehen, sollten die Kinder eine Grundschrift erlernen. “Grundschrift – damit Kinder besser schreiben lernen” lautet die Devise.
Ulrich Hecker, Fachreferent für Öffentlichkeitsarbeit im Grundschulverband, sagt:
Die Kinder lernen bereits in der 1. Klasse Druckschrift, müssen dann in der 2. Klasse eine neue Schrift lernen, obwohl sie schon längst in Druckbuchstaben schreiben können. Die Schriftentwicklung wird unterbrochen. Durch die Grundschrift können die Kinder schneller und vor allem lesbarer schreiben.
In einer Pressemitteilung erklärt der Grundschulverband Folgendes:
Zurzeit gibt es an deutschen Grundschulen drei normierte verbundene Ausgangsschriften:
die Lateinische (LA), die Vereinfachte (VA) und die Schul-Ausgangsschrift (SAS). Davor gab es bis 1953 die Deutsche Normalschrift, bis 1941 die Sütterlin-Frakturschrift. Bei dieser Vielfalt der Schriftformen kann von dem einen “Kulturgut” ernsthaft keine Rede sein. Das zu bewahrende Kulturgut ist die überlieferte Lateinschrift: die großen und kleinen Druckbuchstaben, die “Gemischt-Antiqua” genannt wird.Mit der Grundschrift werden alle Buchstaben so geübt, dass sie “mit Schwung”, locker und flüssig geschrieben werden. Das geht mit einer kleinen, aber bedeutsamen und hilfreichen Wendung: Bei Kleinbuchstaben, die mit einem Abstrich enden (z.B. a, d, g, m), wird der Abstrich unten mit einem Wendebogen versehen. Das bringt Bewegung in die Schrift: Die Schreibweise wird dynamisch und Verbindungen zum folgenden Buchstaben im Wort werden gut möglich.
Einige Schriftbeispiele des Grundschulverbands können Sie hier als PDF-Datei abrufen.
Die Meinungen zur möglichen Abschaffung der Schreibschrift gehen jedoch weit auseinander. Die Verfügbarkeit über eine flüssige, gute, schnelle Schreibschrift sei unentbehrlich, eine kulturelle Basiskompetenz, auf die man einfach nicht verzichten könne. So denken die Grundschrift-Gegner. Auch Dr. Hans Kaufmann, Pädagoge und Regionalleiter des Vereins Deutsche Sprache in Hamburg, ist der Grundschrift gegenüber skeptisch eingestellt:
Schreiben ist eine Kulturtechnik, um Gedanken schnell niederzulegen. Die Schreibschrift schult die Feinmotorik, schafft Ästhetik. Mit dem scheinbar vereinfachten Schreiben vereinfacht sich auch das Denken. Ich würde es bedauern, wenn ein Stück unserer Schriftkultur verloren geht.
Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ist folgender Meinung:
Die Lesbarkeit wird sich nicht verbessern, sondern deutlich verschlechtern, weil jeder Schüler die Buchstaben so verbindet, wie es ihm Spaß macht. Auch das Schreibtempo wird sich deutlich verlangsamen. Dazu strengt Druckschrift die Kinder viel mehr an, weil sie für jeden Buchstaben den Stift kurz anheben müssen. Pädagogisch ist das eine Bankrotterklärung, ein Irrweg.
Kritiker warnen ferner davor, die Leistungsanforderungen immer stärker zu senken, weil dadurch das Bildungsniveau nur noch mehr abfalle. Michael Gomolzig, Rektor der Geradstettener Grund- und Hauptschule, äußert sich dazu wie folgt:
Wir sollten die Schüler optimal fördern und nicht die Hürden so senken, dass das Ziel an den Schwächeren ausgerichtet wird. Wir sollten den Schwächelnden über die Hürden helfen. […] In der dritten Klasse schreiben Mädchen so gerne schön, dass sie auf jedes i ein Herzchen statt eines Punktes malen.
Hamburgs Schulsenator, Ties Rabe (SPD), weist die Kritik an der Abschaffung des verpflichtenden Lernens der Schreibschrift zurück:
Wenn ich mir angucke, wie andere Menschen jetzt schreiben als Erwachsene, dann haben wir völlig andere Handschriften als die ursprünglich in der Schule gelehrte Schrift. Und ich kann nicht feststellen, dass dadurch jetzt die Kultur verloren gegangen ist. Dieses Argument trifft wirklich nicht zu.
Die Hamburger Grundschulen, an denen Schulsenator Rabe die Grundschrift einführen wollte, haben sich allerdings für die klassische “Schwungschrift” ausgesprochen, berichtet die Bild Hamburg unter Berufung auf die Schulbehörde. In Baden-Württemberg hingegen hätten 16 Grundschulen erklärt, ab dem kommenden Schuljahr an dem Versuch teilzunehmen und die einfachere Schreibschrift zu erproben.
Natürlich ist diese Diskussion letztlich ein deutsches Luxus-Problem, da es nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist, dass Kinder Schreiben und Lesen (lernen) können. In Indien müssen die Kinder außerdem sowohl die englische Grundschrift als auch Hindi lernen.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: grundschulverband.de, 18.07.2011; dradio.de, 03.08.2011; wissen.dradio.de, 10.05.2011/12.08.2011; bild.de, 28.06./20.08.2011; stuttgarter-zeitung.de, 23.08.2011; Bild: Andreas Praefcke (Wikipedia).]
Geschrieben in Nachrichten | Drucken | Keine Kommentare »
Deutschlands einziger gehörloser Professor spricht mit leichtem Akzent Englisch
22.8.2011 von Jessica Antosik.
Etwa 250.000 Deutsche sind schwerhörig, rund 80.000 komplett taub. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Christian Rathmann (Bild rechts). Er ist Deutschlands erster und bislang einziger gehörloser Professor für Gebärdensprachlinguistik und Gebärdensprachdolmetschen und geschäftsführender Direktor des Instituts für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (IDGS) in Hamburg. Und spricht sogar mit einem leichten Akzent Englisch.
Einerseits wird alles, was Rathmann vorträgt, von zwei Gebärdensprachdolmetschern abwechselnd in die deutsche Lautsprache übertragen, da nicht alle Teilnehmer über ausreichende Kenntnisse der Gebärdensprache verfügen. Andererseits werden auch die Fragen bzw. Antworten der Studenten für den gehörlosen Professor verdolmetscht.
Das Thema einer seiner Vorlesung lautete “Baby Signing”. Dabei bringen hörende Eltern ihrem gehörlosen Kleinkind erste Gebärden bei. “Das ist eine regelrechte Mode geworden”, so der 40-Jährige. Hörende Kinder würden zumeist im Alter von zehn Monaten mit dem Sprechen beginnen. Bei gehörlosen Kleinkindern würden die ersten Gebärden bereits einen Monaten früher gelingen. Merkwürdig daran sei, dass das Erlernen der Deutschen Gebärdensprache (DGS) für gehörlose Kinder immer noch nicht selbstverständlich sei. “Wenn festgestellt wird, dass ein Kind eine Hörschädigung hat, dann geht es erstmal in die Audiotherapie, Logopädie oder es wird mit Hörgeräten oder Hör-Implanaten versorgt, aber die Deutsche Gebärdensprache kommt in der Erstberatung so gut wie nicht vor”, erklärt Christian Rathmann.
Nach wie vor gestalte es sich schwierig, der Gesellschaft zu zeigen, dass die Deutsche Gebärdensprache als vollwertige Sprache eine große Bereicherung für die Sprachentwicklung sowie sprachliche Vielfalt darstellt. Gehörlose stoßen stets auf viele Barrieren, sei es beim Zugang zu Bildung, Medien oder im Arbeitsleben.
Christian Rathmann wurde gehörlos geboren und besuchte in Erfurt eine Gehörlosenschule. Seine Eltern hätten ihn nicht ungewöhnlich gefördert, jedoch mit viel Liebe erzogen, sagt er. Wichtig seien auch seine Geschwister gewesen. Rathmann hat die Gebärdensprache nicht von seinen Eltern oder Lehrern gelernt, sondern von Freunden im Kindergarten. Sie lernten Lippen zu lesen und erfanden Worte, wenn ihnen eins fehlte. Wenn Rathmann sich vorstellt, wogt seine Hand am Kopf entlang wie eine Lockenfrisur. Sein Gebärdenname lautet “Haartolle”. Mit dem Titel “Deutschlands einziger gehörloser Professor” könne er sich nicht wirklich identifizieren und begründet dies wie folgt: “Es gibt inzwischen gehörlose Juristen, Betriebswirtschaftler, Psychologen und vielerlei mehr.”
Anfang der 90er-Jahre war Rathmann an der Universität Hamburg. Anschließend ging er zum Studieren und Unterrichten in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort entdeckte er eine neue Welt. In Amerika gibt es nämlich die einzige Gehörlosen-Universität weltweit: Die Gallaudet University, die im Jahr 1856 in der Nähe von Washington gegründet wurde. Insbesondere sein Aufenthalt in den USA habe den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn gelegt. Innerhalb von zehn Jahren eignete er sich dort die Amerikanische Gebärdensprache (American Sign Language, ASL) an und beherrscht sie nun nahezu perfekt. Wie gesprochenes amerikanisches Englisch ist ASL eine eigene Sprache. “Das Lustige war, dass mir die amerikanischen Gehörlosen immer gesagt haben, ‘Du hast aber auch einen deutschen Akzent’”, berichtet Rathmann. Wie die Lautsprache habe jede Gebärdensprache ihre eigene Grammatik, Intonation und Satzmelodie.
Seit April 2008 leitet Prof. Dr. Christian Rathmann das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser. Mit rund 30 Mitarbeitern und pro Studienjahr über 30 Bachelor-Studenten sowie einigen Master-Studenten handelt es sich dabei um die größte Forschungseinrichtung für Gebärdensprachen in Deutschland und das einzige eigenständige Institut.
Das momentan größte Vorhaben ist das auf 15 Jahre angelegte DGS-Korpusprojekt. Das Ziel ist die Entstehung eines elektronischen Wörterbuchs, bei dem Wörter in der Deutschen Gebärdensprache konsultiert werden können und umgekehrt. Hierbei sollen die einzelnen Gebärden im Kontext eines natürlichen Gesprächs aufgezeichnet werden. Grundlage dafür sind ca. 600 bis 800 Stunden Videomaterial von Dialogen von 320 Informanten aus dem ganzen Land.
Rathmann ist Forscher mit Leidenschaft. “Aber was mein Leben jetzt angeht, nur weil ich nicht hören kann: Ich lebe eigentlich nicht besonders anders als eine hörende Person. Ich bin ein Augenmensch, mir fallen visuell Dinge schneller ins Auge”.
Mehr zum Thema auf uepo.de
Gehörlose Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet
[Text: Jessica Antosik. Quelle: welt.de, 05.08.2011; Der Spiegel, Nr. 34, 22.08.2011. Bild: sign-lang.uni-hamburg.de.]
Geschrieben in Porträt, Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher, Ausbildung | Drucken | Keine Kommentare »