Europäisches Sprachensiegel 2011

Anfang des Jahres 2011 hat der Pädagogische Austauschdienst (PAD) den diesjährigen Wettbewerb für Projekte zum innovativen Sprachenlernen ausgeschrieben. Das Motto des Jahres 2011 lautete: „Sprachenlernen in der Gemeinschaft – Ressourcen nutzen und Kompetenzen ausbauen“.

„Gemeinschaft“ erklärt der PAD folgendermaßen:

Der Begriff „Gemeinschaft“ wird bei dem Wettbewerb weit gefasst. Er kann sich auf eine Schul- oder Hochschulgemeinschaft oder auch auf eine dörfliche Gemeinde oder städtische Kommune beziehen. Projekte, an die sich der Wettbewerb richtet, können verschiedenen Bereichen zugeordnet werden:

  • Projekte, bei denen sprachliche Ressourcen von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Lehrkräften oder Arbeitnehmern mit anderer Erstsprache als Deutsch eingesetzt und gefördert werden
  • Projekte, die den Aufbau einer Didaktik der Mehrsprachigkeit fördern und zeigen, auf welche Art und Weise Erzieherinnen, Lehrkräfte oder Dozenten die vorhandene sprachliche Vielfalt im Unterricht berücksichtigen können
  • Projekte, bei denen mehrsprachiges Personal gezielt qualifiziert wird
  • Projekte, die zeigen, wie Personen mit anderer Muttersprache als Deutsch am gesellschaftlichen Leben teilhaben können

Ferner äußert sich der Pädagogische Austauschdienst wie folgt zum Thema des diesjährigen Wettbewerbs:

Die Mobilität innerhalb von und nach Europa hat in den vergangenen Jahren auf den verschiedenen Ebenen zugenommen: Grenzüberschreitender Schüleraustausch findet zwischen allen europäischen Staaten statt, manchmal bereits ab der Grundschule. Schüler in der Sekundarstufe II und Auszubildende nutzen die Gelegenheit, in Betrieben im Ausland in mehrwöchigen Praktika Betriebsabläufe kennen zu lernen und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Das ERASMUS-Programm unterstützt Studierende dabei, ein oder zwei Semester an einer ausländischen Hochschule zu studieren. Auch viele Menschen im erwerbstätigen Alter wagen den Schritt, aufgrund der wirtschaftlichen oder politischen Situation in ihrem eigenen Land, zusammen mit ihrer Familie nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten.

Grenzüberschreitende Mobilität – sei es kurz- oder langfristiger Art – kann nur gelingen, wenn entsprechende sprachliche Kompetenzen vorhanden sind und ausgebaut werden können. Hierzu bedarf es gezielter Angebote, eine neue Sprache zu erlernen oder die Kommunikationsfähigkeit weiter zu verbessern. Die Erstsprachen der Zugewanderten können dabei als Ressource genutzt werden, um die Kommunikation zwischen Gemeinschaften und Gruppen zu fördern.

Bewerbungsschluss war der 9. Mai 2011. Die Auswahl der Preisträger nahm eine Expertenjury vor.

Vertreter von sieben Projekten aus Österreich, zwei aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und neun Projekten aus Deutschland wurden am 7. Oktober im Rahmen der trinationalen Fachtagung „Mit Sprache/n an Beruf und Gesellschaft aktiv teilnehmen“  in Wien mit dem Europäischen Sprachensiegel 2011 ausgezeichnet.

Nachfolgend die deutschen Preisträger des Europäischen Sprachensiegels 2011:

  1. Grundschule Burgdamm
    Europa bewegt sich – Europe in Motion
  2. Dietrich-Heise-Schule
    GUT* im Tandem (*gemeinsamer Unterrichtstag)
  3. Albrecht-Dürer-Schule
    How to Become a Chef in Europe
  4. Universität Regensburg
    Theatergruppe Babylon: Nasrin oder Die Kunst zu träumen von Herbert Asmodi
  5. Stiftung Universität Hildesheim
    Internationale Schreibpartnerschaften – ISP
  6. Bergische Universität Wuppertal
    LiBRe – Little Bookworm Reading Club – Leseförderung für mehrsprachige Grundschulkinder
  7. Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung
    Deutsch-Französischer Online-Markt – Anwendungsbezogenes Sprachenlernen
  8. Volkshochschule im Landkreis Cham e.V.
    YELL – Young Europeans Love Languages.
  9. Kontaktstelle für Interkulturelles Lernen und Menschenrechtserziehung
    Mulingula – Multilinguale Leseaktivitäten

„Die Preise gehen an Leuchtturm-Projekte sehr unterschiedlicher Art, die eines gemeinsam haben: Sie sind mit kompetenten Partnern bestens vernetzt, sie sind ausgesprochen einfallsreich und sie haben ihre Alltagstauglichkeit bereits unter Beweis gestellt“, erklärte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Dr. Bernd Althusmann, anlässlich der Verleihung. „Von diesen Projekten und Ideen können wir in unseren Ländern noch sehr viel mehr gebrauchen, wenn wir die Mehrsprachigkeit in Europa wirksam fördern wollen“, so Althusmann weiter.

Genauere Informationen zu allen Preisträgern aus Österreich, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Deutschland finden Sie hier.

Die ausgezeichneten Projekte erhalten das von Androulla Vassiliou, der EU-Kommissarin für Mehrsprachigkeit, unterzeichnete Zertifikat „Europäisches Sprachensiegel 2011“ und das Recht, mit dem Logo des Siegels auf Briefköpfen, in Publikationen etc. zu werben. Zudem werden alle Preisträger mit einem Preisgeld von 500 Euro prämiert. Darüber hinaus werden die ausgewählten Projekte durch die EU-Kommission europaweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Das Europäische Sprachensiegel wird auf Initiative der Europäischen Kommission europaweit vergeben. 1997 wurde es erstmalig an besonders herausragende und innovative Projekte aus dem Bereich des Lehrens und Lernens von Sprachen vergeben. Ziel ist es, im zusammenwachsenden Europa die Vielfalt der Sprachen zu erhalten und den Fremdsprachenerwerb der Bürger zu fördern.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: kmk-pad.org, 10.01.2011/07.10.2011. Bild: kmk-pad.org.]

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