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Die Dolmetscher- und Übersetzerverse in der Bibel

Dieser Eintrag stammt von Nina Neumann Am 24.12.2011 @ 16:51 In Bibel/Koran | Kommentarfunktion deaktiviert

Gelegentlich liest man, das Dolmetschen und Übersetzen sei ein Phänomen der Neuzeit, eine Begleiterscheinung der Globalisierung. Eine Professionalisierung von Ausbildung und Berufsausübung habe erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Dabei gibt es Sprachmittler, seit die Völker verschiedenen Sprachen sprechen. Es gab sie schon lange vor Erfindung der Schrift, also seit mehr als 6.000 Jahren. Schon in der Bibel wird unsere Berufsgruppe namentlich erwähnt:

1. Buch Mose

Im 1. Buch Mose heißt es:

(1. Mose 42,23): Weil Josef sich mit ihnen durch einen Dolmetscher verständigte, ahnten sie nicht, dass er alles verstand.

Es geht hier nicht um den Josef aus der Weihnachtsgeschichte, sondern um die Hauptfigur der Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Der Josef, um den es hier geht, sollte ein bedeutender Mann am Hof des Pharaos werden und wurde stets von seinem Vater bevorzugt, wodurch ihm der Neid und Hass seiner Brüder zu Teil wurde. Um den ungeliebten Bruder loszuwerden, verkaften sie ihn an Händler, die auf dem Weg nach Ägypten waren. Dem Vater erzählten sie, dass sein Lieblingssohn umgekommen sei. In Ägypten angekommen, verkauften die Händer den unglücklichen Josef an Potifar, einen hohen Beamten des Pharaos. Dieser erkannte, dass in Josef durchaus Potenzial steckte und vertraute ihn mit der Verwaltung seines Besitzes und der Ausübung sämtlicher Amtsgeschäfte. Doch als er von Potifars Frau, nachdem er sich immer standhaft gegen ihre Annährungsversuche gewehrt hatte, der sexuellen Belästigung angeklagt wurde, fand Josef sich durch gefälschte Beweise im Gefängnis wieder.

Allerdings war dies nicht die Endstation für den findigen Mann. Er erlangte im Gefängnis den Ruf eines hervorragenden Traumdeuters. Dies hörte nun auch der Pharao, dessen Träume bisher auch nicht von den fähigsten Männern ihrer Zunft verstanden werden konnten. So ging er zu Josef, der sich tätsächlich als sehr große Hilfe erwies: Er erkannte, dass die Zeit der guten Ernte nicht länger andauern werde und nun Vorkehrungen für schlechte Zeiten getroffen werden müssten, indem man Vorräte anlegt.Die beeindruckte den Pharao zutiefst, hatte doch niemand zuvor die wahre Bedeutung seiner Träume so verstehen vermocht.

So kam es nun, dass die Ernte tatsächlich extrem mager ausfiel. Hiervon blieb auch Josefs Heimatdorf nicht verschont. Da man nur in Ägypten vorgesorgt hatte, wurden seine Brüder zum Getreidekauf dorthin geschickt. Da hier niemand wusste, dass Josef Brüder hat und diese ihn auch nicht erkannt hatten, sprach Josef durch einen Übersetzer mit ihnen, da er seine Identität vorerst noch nicht preisgeben wollte.

Buch Esther

Die Arbeit von Dolmetschern und Übersetzern spielt auch im Buch Esther eine Rolle.

Esther 1,22: Er [König Ahasveros] sandte Schreiben an alle königlichen Provinzen, an jede Provinz in ihrer eigenen Schrift und an jedes Volk in seiner Sprache, damit alle Männer Herr in ihrem Haus blieben.

Zu dieser Stelle kommt es durch die gekränkte Eitelkeit des Königs Ahasveros. Dieser hatte Waschti, eine wunderschöne Frau, zur Gemahlin und verlangte von ihr, sich mit ihrer Krone dem Volk zu präsentieren, damit es wegen ihrer Schönheit neidisch werden würde. Watschi hatte aber keine Lust, wie ein Stück Vieh behandelt zu werden, und widersetzte sich dem Befehl des Königs, worüber dieser natürlich  sehr verärgert war. Aus Angst davor, dass nun auch andere Frauen dem Beispiel Waschtis folgen könnten, ließ der König das oben erwähnte Schreiben verfassen in dem es darum geht, dass Waschti die königliche Ehre aberkannt wird und eine bessere Nachfolgerin für sie gefunden werden muss.

Esther 3,12: Am dreizehnten Tag des ersten Monats wurden die Schreiber des Königs gerufen. Man schrieb an die Satrapen des Königs, die Statthalter der einzelnen Provinzen und die Fürsten aller Völker der einzelnen Provinzen in ihrer eigenen Schrift und Sprache alles genau so, wie es Haman befohlen hatte.

Mittlerweile hat der König eine Nachfolgerin für Watschi, nämlich Esther, gefunden. Esther war Jüdin, hat dies aber auf Anraten von Mordechai, ihrem jüdischen Pflegevater, verschwiegen. Als diese durch Mordechai von einem Mordkomplott gegen den König erfuhr, erzählte sie Ahasveros natürlich, was ihr zu Ohren gekommen war. Nachdem man herausgefunden hatte, wer hinter dem hinterhältigen Plan steckte, wurden die Verantwortlichen hingerichtet. Da der König durch diese Geschichte äußerst verbittert war, war es nun ein Leichtes ihn zu reizen. So genügte es schon, dass Mordechai sich weigerte, sich vor Haman, einen vom König zuvor über die Positon eines Fürsten erhobenen Mannes, zu verbeugen, dass Ahasveros diesen im Zitat genannten Brief, der die Verfolgung aller Juden anordnete, aufsetzen ließ. Mordechai begründete die Befehlsverweigerung nämlich mit seiner Religion.

Esther 8,9: Da rief man die königlichen Schreiber; es war der dreiundzwanzigste Tag im dritten Monat, dem Monat Siwan. Und so, wie es Mordechai befahl, wurde zugunsten der Juden ein schriftlicher Erlass herausgegeben und an die Satrapen, Statthalter und Fürsten der hundertsiebenundzwanzig Provinzen von Indien bis Kusch geschickt, für jede einzelne Provinz in ihrer eigenen Schrift und für jedes einzelne Volk in seiner eigenen Sprache.

Esther, die ja selbst Jüdin war, konnte dies natürlich nicht zulassen. Als sie vom Erlass des Königs hörte, beschloss sie, obwohl der König sie nicht rufen lassen hatte, zu ihm zu geghen. Das war zu jener Zeit tatsächlich ein durchaus gefährliches Unterfangen, da man damit rechnen musste, wenn man nicht zuvor eingeladen worden war, sich durch sein Erscheinen den Unmut des auf sich zuziehen. Und dies konnte sogar bis zum eigenen Tod führen, wenn der König dies verlangen würde. Da Esther die Sache aber dermaßen am Herzen lag, ging sie dieses Risiko ein. Der König reagierte, wie die junge Frau es sich erhofft hatte und ließ sich von ihr zusammen mit  Haman zum Essen einladen. Das dies nur eine List war, erkannte weder Haman noch der König. Im Gegentei: Haman wertete ihre Einladung sogar als Bestätigung für seinen guten Ruf am Hof. Bei diesem Abendessen bat Esther, nachdem der König schon vom Wein benebelt worden war und ihr sagte, dass er Ihr jeden Wunsch erfülle, dass ihr Volk gedehmütigt und tyrannisiert werde und man dies stoppen müsse. Ahasveros wollte wissen, wer ihr Volk in eine derartige Bedrängnis gebracht habe. Natürlich antwortete sie mit “Haman”, der sich zu dieser Zeit mit den Beiden an einem Tisch befand. Und so kam es, dass Esther sich als Jüdin outete, Haman für seine Taten an den Galgen kam und die Juden wieder als freies Volk leben konnten, was ihnen durch dieses im Zitat genannte Schriftstück ermöglicht wurde.

Buch Esra

Esra 4,7: In der Zeit des Artaxerxes schrieb Bischlam zusammen mit Mitredat, Tabeel und seinen übrigen Amtsgenossen an den König Artaxerxes von Persien. Der Brief war ins Aramäische übersetzt und in aramäischer Schrift geschrieben.

Das Buch Esra befasst sich mit den Bau eines Tempels, den Kyrus, ein persischer König, in Juda [in der Nähe von Jerusalem] erbauen lassen wollte. Für dieses Unterfangen rekrutierte er einige gottesfürchtige Männer. Hierbei war er auch äußerst erfolgreich, wie man in Esra 2 nachlesen kann. Nun, da sich nun eine ganze Schar von Leuten, die nicht aus Juda stammten zur errichtung des Tempels erschienen waren, fürchtete diese nach einer Zeit, dass ihre Anwesenheit bei den Einwohnern unerwünscht sein könnte und bauten aus Angst einen Opferaltar, um Gott gurch die erbringung von Opfern gnädig zu stimmen. Wie berechtigt ihre Furcht tatsächlich war, soll sich erst später rausstellen. Als der erste Grundstein für den Tempel gelegt worden war, wollte eine Gruppe zuvor von Kyrus vertriebener Judäern unter der Leitung Serubabbels sich am Bau des Tempels beteiligen, was die von Kyrus beauftragten Männer nicht zulassen wollten. Das wollte sich das Volk der Judäer natürlich nicht gefallen lassen und ging gegen die ungebetenen Gäste vor und verhinderte bis zu Kyrus’ Tod den Bau des Tempels. Erst als Ahasveros König geworden war verfasste man die zitierte Anklageschrift.

Esra 4,17 und 18: Der König schickte folgende Erwiderung: An den Befehlshaber Rehum und den Schreiber Schimschai sowie ihre übrigen Genossen, die in Samaria und dem übrigen Gebiet jenseits des Stroms wohnen, meinen Gruß. Das Schriftstück, das ihr an uns gesandt habt, ist mir in Übersetzung vorgelesen worden.

Wie man sich denken kann, ist dieser Teil ein Stück aus der Antwort des judäischen Königs Artahsast, dem in der Anklageschrift mitgeteilt wurde, dass er nichts mehr besitzen würde, wenn die Stadt erst einmal wieder durch die Juden aufgebaut werden würde. Aber wir möchten nicht zu sehr ins Detail gehen. Im Verlaufe des Buches kommt es  jedenfalls dazu, dass der Tempel Dank Esra doch noch errichtet wird und das Volk sich auf die fünf Bücher Mose verpflichtet.

[Text: Nina Neumann, Richard Schneider. Quelle: Bibel, Diskussion im U-Forum. Bild: Museum Leiden.]


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