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Archive für Februar 2012

Neuseeland ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012

Juergen BoosBereits seit Anfang Juni 2011 steht fest, dass Neuseeland, das Land der Kiwis und grünen Hügel, Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012 sein wird. Dabei wird sich Neuseeland unter dem Motto “He meomoēa he ohorere / While you were sleeping / Bevor es bei Euch hell wird” vom 10. bis zum 14. Oktober 2012 dem deutschen und internationalen Publikum vorstellen.

Juergen Boos (Bild), Direktor der Frankfurter Buchmesse und Lewis Holden, Staatssekretär im neuseeländischen Kulturministerium, unterschrieben am 2. Juni in Auckland einen entsprechenden Vertrag. “Neuseeland bietet kulturelles Erfahren von ungeheurer Intensität”, erklärt Juergen Boos. “Die multikulturelle Identität Neuseelands beruht auf mitreißenden Geschichten, seien sie mündlich erzählt, geschrieben, gesungen oder verfilmt”, so Buchmesse-Chef Boos. Zudem verwies er auf den großen Einfluss der Maori-Ureinwohner auf die neuseeländische Kultur.

Außenminister Guido Westerwelle, der der Unterzeichnung des Vertrags beiwohnte, sieht die Frankfurter Buchmesse als “einzigartige Chance” für Neuseeland, seine Kultur und Geschichte präsentieren zu können. Christopher Finlayson, Kulturminister Neuseelands, sagt Folgendes: “Als Gastland der Frankfurter Buchmesse wird Neuseeland seine kulturelle Reichweite nicht nur in Deutschland erheblich steigern, sondern auch – bei über 110 ausstellenden Ländern und Hunderttausenden von Messe-Besuchern – international.”

Boos sieht die Eigentümlichkeit der neuseeländischen Literatur in dem Nebeneinander zweier Sprachen, nämlich der indigenen Maori-Sprache und dem Englischen. Allerdings gibt es bislang sehr wenige Übersetzungen in die deutsche Sprache bzw. zahlreiche Titel sind bereits vergriffen. Aus diesem Grund stellt die Buchmesse auch eine große Chance für die Autoren dar. “Wir verbinden mit dem Ehrengastland ja auch immer ein Übersetzungsprogramm”, sagt Boos. Damit sei die Hoffnung verbunden, “einiges an Publikationen ermöglichen zu können.”

Programm zur Übersetzungsförderung

Im Rahmen des Ehrengastauftritts 2012 hat der neuseeländische Verlegerverband Publishers Association of New Zealand (PANZ) ein Programm zur Übersetzungsförderung ins Leben gerufen. Dadurch soll die Literatur des Landes einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Verlagen der ganzen Welt, die neuseeländische Autoren in ihre jeweilige Landessprache übersetzen wollen, wird somit finanzielle und organisatorische Unterstützung geboten. So werden für einzelne Titel bis zu 50 Prozent der Übersetzungskosten in einer Höhe von maximal 5.000 NZ$ (rund 3.000 Euro) übernommen. Bewerben können sich Verlage laufend, die Förderung gilt für Titel aller Genres. Weitere Informationen sowie die Bewerbungsunterlagen finden Sie hier.

Neuseeländische Autoren

In Deutschland bekannt sind die Autoren Alan Duff, Patricia Grace, Anthony McCarten und Ngaio Marsh. Zu den berühmtesten Schriftstellern gehören Booker-Preisträgerin Keri Hulme, Katherine Mansfield, Michael King und Janet Frame. Ihre Autobiografie Ein Engel an meiner Tafel wurde 1990 von Jane Campion verfilmt. Witi Ihimaera gilt als bekanntester lebender Maori-Autor, dessen Werk Whale Rider im Jahr 2002 verfilmt wurde.

Charakteristisch für Neuseeland sei die Vermischung von Medien. Gerade zwischen Buch und Film sei dies der Fall, erklärt Boos. Daher könne man sich auf eine multimediale Messe freuen. “Auch was bildende Kunst angeht, was Design angeht, was neue Medien angeht. Das ist sicher bei Neuseeland am bisher ausgeprägtesten. Deshalb passt es auch sehr schön zu der Entwicklung, die wir in den letzten Jahren auf der Buchmesse haben”, so Boos.

Nach Angaben der Frankfurter Buchmesse hat Neuseelands Autorenvereinigung des P.E.N. rund 1.300 Mitglieder und ist äußerst aktiv. Etwa 2.000 neue Titel kommen pro Jahr auf den Markt. In dem Verlegerverband PANZ sind rund 80 neuseeländische Verlage organisiert, die jährlich einen Umsatz von rund 550 Millionen Euro Umsatz erzielen. “Für ein Land mit vier Millionen Einwohnern ist das sehr gut”, sagt Boos. Im Jahr 2007 erwirtschaftete die gesamte neuseeländische Kulturindustrie einen Umsatz von ca. 7 Milliarden Euro.

Startschuss in Leipzig

Auf der Leipziger Buchmesse fällt der offizielle Startschuss für das kulturelle Rahmenprogramm des Frankfurter Ehrengastes. “Neuseelands Besonderheit – und unser Geschenk an Deutschland – ist unser einzigartiges, kulturelles Konzept ‘Manaakitanga’: ein Ausdruck, der für Gastfreundschaft, Großzügigkeit und gegenseitigen Respekt steht. […] Wir freuen uns sehr darauf, auf der Leipziger Buchmesse einen kleinen Vorgeschmack auf die wunderbaren Dinge zu geben, die da kommen werden”, erklärt Tanea Heke, Projektleiterin des Organisationskomitees Ehrengast Neuseeland.

Noch nie kam ein Gastland von so weit her. Ferner ist der Ozeanien-Staat Neuseeland nach Indien und Irland das dritte englischsprachige Gastland der weltgrößten Bücherschau. Die Tradition des “Ehrengastes” gibt es bereits seit 1976.

Die Frankfurter Buchmesse ist mit über 7.500 Ausstellern aus mehr als 110 Ländern die größte Buch- und Medienmesse der Welt. Zudem organisiert sie die Beteiligung deutscher Verlage an rund 20 internationalen Buchmessen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: bildungsklick.de, 27.02.2012; hr-online.de, 02.06.2011; spiegel.de, 02.06.2011; focus.de, 02.06.2011; boersenblatt.net, 03.06.2011; de.book-fair.com. Bild: Richard Schneider.]

DVÜD: Webinar “Von der Theorie in die Praxis - oder: Erste Schritte nach dem Studium”

Am 7. März 2012 findet von 19.00 bis 20.30 Uhr das Webinar “Von der Theorie in die Praxis – oder: Erste Schritte nach dem Studium” statt. Interessenten erhalten darin Tipps, Tricks und sonstige hilfreiche Informationen von Profis. Das Webinar richtet sich insbesondere an Studierende, die sich in den letzten Semestern ihres translationswissenschaftlichen Studiums befinden, und an Berufsanfänger in diesem Bereich. Organisiert wird es vom Deutschen Verband für Dolmetscher und Übersetzer e. V. (DVÜD).

In dem kostenlosen Webinar hat man die Möglichkeit, sich unter anderem über die Selbstständigkeit beraten zu lassen. Zudem geben Profis aus dieser Branche hilfreiche Tipps zum Berufseinstieg, Denkanstöße sowie einen Einblick in den Alltag eines Übersetzers/Dolmetschers und plaudern ein bisschen aus dem Nähkästchen. Darüber hinaus beantworten sie folgende Fragen: Auf welcher Grundlage berechnet man seine Preise? Welche Versicherung sollte zu Beginn der Tätigkeit als Übersetzer/Dolmetscher abgeschlossen werden? Wie sieht es mit der Kundenakquisition aus?

Referenten
Tanya Quintieri ist die Präsidentin des DVÜD e.V. und u. a. für den Bereich Marketing und PR verantwortlich. Sie ist geprüfte Übersetzerin für Deutsch – Englisch (IHK), hat deutsch-amerikanische Wurzeln und ist seit 2003 als Übersetzerin selbständig. Zudem ist sie Inhaberin von T&O Services.
Andreas Rodemann ist stellvertretender Beiratsvorsitzender des DVÜD und ist seit 1994 Diplom-Übersetzer (Deutsch – Chinesisch). Rodemann ist Inhaber von AR-Übersetzungen.
Franziska Schäfer ist Beiratsvorsitzende des DVÜD und arbeitet seit 2008 als Diplom-Übersetzerin für Englisch und Spanisch.

Hier kann man sich zu dem Webinar anmelden.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: dvud.de. Bild: DVÜD.]

Schwarzenbach baut Museum für Comic-Übersetzerin Erika Fuchs

Entwurf Erika-Fuchs-Museum
Entwurf des siegreichen Architekturbüros für das Entrée des Dr.-Erika-Fuchs-Hauses. Dies ist die Schmalseite des Hauses. Das Gebäude und das anschließende Freigelände ziehen sich sehr weit in die Tiefe, wie der Grundriss zeigt.

Erika-Fuchs-Museum, GrundrissIm oberfränkischen Schwarzenbach an der Saale (10 km südlich von Hof) haben die Stadtoberen die Einrichtung eines Erika-Fuchs-Museums beschlossen.

Dr. Erika Fuchs war die erste Übersetzerin der Disney-Comics ins Deutsche und von 1951 bis 1988 gleichzeitig Chefredakteurin der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift Micky Maus. Die 2005 verstorbene promovierte Kunsthistorikerin wurde in Rostock geboren, lebte aber von 1932 bis 1984 in Schwarzenbach. Der Bayerische Rundfunk erklärt in einem Radiobeitrag, dass die Verbundenheit zur Region Oberfranken auch in den Übersetzungen zum Ausdruck kam:

Dabei hat sie aber nicht nur stur übersetzt, sondern die Comic-Geschichten auch in die Region verlegt. In ihren Texten tauchen beispielsweise die Luisenburg oder die weltbekannte Eisenbahnstrecke “Schiefe Ebene” auf. Und wenn Donald mit seiner geliebten Daisy spazieren geht, dann durchs Höllental im Frankenwald. Enten-Onkel Dagobert betreibt sogar einen Skilift am Ochsenkopf.

Neben dem heimatgeschichtlichen Aspekt soll das Museum auch den großen Einfluss von Erika Fuchs auf die deutsche Sprache zeigen: Aussprüche wie “Dem Ingeniör ist nichts zu schwör” und andere berühmte Sätze aus Entenhausen stammen aus ihrer Feder.

Ein Architektenwettbewerb wurde bereits 2011 abgeschlossen und das am besten geeignete Konzept ausgewählt. In zentraler Lage am Maxplatz soll ein baufälliges Haus abgerissen und ein Museumsneubau errichtet werden.

Die Kosten belaufen sich auf 4,3 Mio. Euro - ein Betrag, den das 7.500-Seelen-Städtchen Schwarzenbach nicht aus eigener Kraft aufbringen kann. Deshalb wurde ein Finanzierungskonzept erarbeitet, bei dem sich 90 Prozent der Summe aus diversen Fördermitteln von Land, Bund und EU zusammensetzen. Darüber hinaus hat der Disney-Konzern bereits die Lizenzrechte für Exponate zugesagt. Der Egmont-Ehapa-Verlag, der die Disney-Comics im deutschsprachigen Raum vertreibt, will das Museum nach Kräften unterstützen und im Micky Maus Magazin (Auflage 175.000) auf Ausstellungen im Dr.-Erika-Fuchs-Haus hinweisen.

Ende 2013 soll das Museum seine Pforten öffnen und jährlich rund 15.000 Besucher nach Schwarzenbach ziehen.

Die Initiative für ein “Erika-Fuchs-Haus” ging 2006 von Gerhard Severin (55) aus, einem begeisterten D.O.N.A.L.D.-Mitglied (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus). Im wahren Leben ist Severin Richter am Amtsgericht Hof. Er gründete gemeinsam mit anderen Donaldisten die Erika-Fuchs-Stiftung und deren Förderkreis “Club der Milliardäre”. Im Schwarzenbacher Bürgermeister Alexander Eberl fand er einen gleichgesinnten Verbündeten.

Die Website zum Museumsprojekt: www.erika-fuchs.de

Mehr zum Thema im Übersetzerportal
2011-09-18: 60 Jahre Micky-Maus-Übersetzungen: Wie Erika Fuchs eine eigene Sprache für die Mäusewelt schuf
2010-10-14: Lokalisierung in der Literaturübersetzung: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte
2010-04-06: Applaus, Applaus! Museum für Disney-Übersetzerin Erika Fuchs kommt voran
2006-12-07: „Wortschatz der Dichter und Denker“ – Zum 100. Geburtstag von Disney-Übersetzerin Dr. Erika Fuchs

[Text: Richard Schneider. Quelle: Bayerischer Rundfunk, 2012-02-16; Frankenpost, 2011-07-04; Dokumentation Realisierungswettbewerb Dr.-Erika-Fuchs-Haus, herausgegeben von der Stadt Schwarzenbach an der Saale. Bild: Dokumentation Realisierungswettbewerb.]

“Unser Ziel ist es, die Übersetzungsbranche zu reformieren” - Zu Besuch bei Toptranslation

Houman GielekyEin Team des Buchhaltungs-Start-ups FastBill hat 2011 andere Start-ups mit der Videokamera besucht, darunter auch die Hamburger Toptranslation GmbH. Mitbegründer und CEO (Chief Executive Officer) Houman Gieleky (Bild oben) führt den Interviewer und den Kameramann durch die Räumlichkeiten.

Gezeigt werden die Mitarbeiterküche, der „Ess-und-Chill-Bereich“ sowie die Arbeitsräume der Projektmanager, des Sales-Teams und der fünf IT-Leute. Neben Gieleky kommen auch CTO (Chief Technical Officer) Matthias Bauer (Bild Mitte), der für die anspruchsvolle IT-Ausstattung verantwortlich ist, sowie COO (Chief Operating Officer) Alessa Anna Hartz (Bild unten) zu Wort.

Matthias BauerGieleky stellt Toptranslation als eine „Web-basierte Plattform für B2B-Fachübersetzungen“ vor. Das Unternehmen beschäftige inzwischen 31 Angestellte und kooperiere mit rund 3.000 freien Übersetzern in aller Welt. In den Räumen von Toptranslation werde nicht übersetzt. Die Angestellten arbeiteten ausschließlich im Projektmanagement, der Akquisition, der IT-Unterstützung oder Verwaltung. Unter den Projektmanagern, die in Länder-Teams aufgeteilt sind, befänden sich jedoch zahlreiche Muttersprachler der wichtigsten Fremdsprachen.

Ein Jahr nach der Gründung habe sich Toptranslation 2011 für die Wachstumsfinanzierung noch einmal frisches Risikokapital beschafft, das hauptsächlich in die Technik und den Vertrieb („Sales“) investiert worden sei. Nach Aussage von Gieleky wäre man auch ohne Fremdkapital klargekommen, hätte sich dann aber nur deutlich langsamer weiterentwickeln können.

Alessa Anna HartzToptranslation wurde erst 2010 gegründet. In einem Artikel des Hamburger Abendblatts hieß es im März 2011: „Das Geschäftsmodell ist einfach: Die Firmen zahlen rund 50 Euro pro übersetzte Seite, die professionellen Übersetzer in aller Welt bekommen davon 60 bis 80 Prozent. Das Hamburger Team sorgt an der Schnittstelle für die Qualitätskontrolle.“

Toptranslation hat sich in kürzester Zeit von einem Start-up zu einem etablierten Sprachdienstleister entwickelt. Das Wachstum ist nach wie vor rasant und man verfolgt ehrgeizige Ziele. Auf der Website heißt es: „Unser Ziel ist es, die Übersetzungsbranche zu reformieren.“

Video-Interview auf YouTube: www.youtube.com/watch?v=ESombdcsAI8
Werbevideo von Toptranslation: www.youtube.com/watch?v=xQn1KVZxWgU
Website von Toptranslation: www.toptranslation.com

[Text: Richard Schneider. Quelle: YouTube; Hamburger Abendblatt, 2011-03-22. Bild: Toptranslation.]

Bundesweit einmalig: Fernstudium zum “staatlich geprüften Übersetzer”

AKADWer Fremdsprachen liebt und das Übersetzen zu seinem Beruf machen will, kann bei AKAD nebenberuflich attraktive und anerkannten Abschlüsse erreichen: Vom kompakten Fernkurs bis zum kompletten Hochschulstudiengang bieten AKAD-Hochschulen und -Kollegs in den Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch die unterschiedlichsten Weiterbildungsmöglichkeiten. Bundesweit einmalig sind die AKAD-Lehrgänge, die im Fernstudium in 24 Monaten auf das Examen zum staatlich geprüften Übersetzer vorbereiten.

Volle Auftragsbücher im Übersetzungsbüro

Der Berliner Christian Bartel hat die Prüfung zum „staatlich geprüften Übersetzer in Englisch“ abgelegt und danach den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gewagt − erfolgreich: „Meine Auftragsbücher sind so voll wie nie zuvor. Für mich hat sich diese Weiterbildung überaus bezahlt gemacht“, sagt Bartel. „Der AKAD-Lehrgang hat mir die Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die man benötigt, um die staatliche Übersetzerprüfung gut zu bestehen.“

Wer die Mittlere Reife besitzt, kann sich bei AKAD für den Fernlehrgang zum Staatlich geprüften Übersetzer anmelden. Eine andere Möglichkeit für Interessenten mit Abitur sind die Fernstudiengänge zum Diplom-Wirtschaftsübersetzer oder Bachelor of Arts in International Business Communication, die an den AKAD-Hochschulen angeboten werden.

Erfolgreiche Verbindung: Sprachkenntnisse plus BWL

Cornelia Graf-ChmielCornelia Graf-Chmiel (Bild), die das Fernstudium zur Diplom-Wirtschaftsübersetzerin Französisch absolviert hat, schätzt besonders die Verbindung aus vertieften Sprachkenntnissen und betriebswirtschaftlichem Know-How. „In meinem Job kann ich sowohl meine Qualifikation als Übersetzerin als auch spezielle BWL-Kenntnisse aus dem AKAD-Studium anwenden“, sagt die Wahl-Berlinerin, die seit ihrem Studienabschluss bei dem Medizingerätehersteller MAICO Diagnostics arbeitet. Zum Einsatz kommen ihre Kompetenzen zum Beispiel bei der Organisation von Messen im In- und Ausland und der Gestaltung des mehrsprachigen Internetauftritts ihres Arbeitgebers. Graf-Chmiel bewertet die Studienform – Fernstudium mit Präsenzanteilen − im Rückblick positiv: „Sehr gefallen hat mir bei den Seminaren der praxisorientierte Unterricht.“

Denn sowohl im Fernstudium Wirtschaftsübersetzen als auch im Lehrgang zum staatlich geprüften Übersetzer werden die schriftlichen Lektionen von Audio-Medien und mehreren intensiven Blockseminaren begleitet. Diese Lernform lässt sich vom Teilnehmer flexibel handhaben und ist speziell auf die Bedürfnisse Berufstätiger zugeschnitten. Die Lehrgangsinhalte betreffen alle Facetten der jeweiligen Sprache, von der Landeskunde über das Verhandlungsdolmetschen und Stegreifübersetzen bis hin zu Fachkenntnissen in Wirtschaft und Wirtschaftssprache.

Im Job mit gutem Englisch punkten

Neben den kompletten Lehr- und Studiengängen bietet AKAD-Kolleg ein breites Spektrum an Fernkursen in Englisch, Französisch und Spanisch an: Auch wer Sprachen nicht zum Hauptberuf macht, kann im Job von besseren Sprachkenntnissen profitieren − so wie Gabriele Altmann, Assistentin bei der Messe Hannover: „Wir haben viel mit ausländischen Kollegen und Ausstellern zu tun und unsere Einheitssprache ist Englisch“, sagt sie, „da muss man sich einfach sinnvoll auf Englisch unterhalten können ohne herumzustottern und nach Worten zu suchen.“

Kostenlose Beratungshotline: 0800 22 55 888
beratung@akad.de
www.akad.de

[Text: Heike Wienholz. Quelle: Pressemitteilung AKAD, 2012-02-20. Bild: AKAD.]

Plunet verzeichnet 2011 Umsatzwachstum von 50 Prozent

PlunetAuch im Jahr 2011 konnte die Plunet-Gruppe, bestehend aus der deutschen Plunet GmbH und der US-amerikanischen Plunet Inc., ihr Unternehmenswachstum zum wiederholten Mal steigern. Die sehr positive Entwicklung des Neukundengeschäfts führte unternehmensübergreifend zu einem deutlichen Anstieg der Umsätze um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zu dem beeindruckenden Ergebnis haben darüber hinaus auch viele Plunet-Bestandskunden durch ihr eigenes überdurchschnittliches Wachstum und die damit verbundenen Nachkäufe beigetragen.

Plunet entwickelt und vertreibt das Business- und Translation-Management-System Plunet BusinessManager, die führende Managementlösung für Übersetzungsunternehmen und Sprachendienste.

Plunet-Gründer und -Geschäftsführer Stefan Dümig ist über die Unternehmensentwicklung hocherfreut, unterstreicht jedoch gleichzeitig, worauf es ihm bei allen positiven Zahlen eigentlich ankommt: „Plunet befindet sich seit der Gründung im Jahr 2003 in einem stetigen Wachstumsprozess. Wir sind heute der führende Anbieter für Business- und Translation-Workflow-Management-Software. Das wären wir jedoch nicht, wenn wir nicht kontinuierlich in unsere eigenen Strukturen investieren würden. Die hohe Qualität unseres gesamten Leistungsangebots, von der Software über die Beratung und Implementierung bis hin zum Kundensupport ist unser Erfolgsrezept. Natürlich freue ich mich über jeden neuen Kunden. Noch viel wichtiger ist mir aber, wenn ein Kunde auch noch nach 8 Jahren zu mir kommt und mir sagt, dass er sich heute wie damals wieder für Plunet entscheiden würde und mit unserer Arbeit sehr zufrieden ist.“

www.plunet.com

[Text: Daniel Rejtö. Quelle: Pressemitteilung Plunet, 2012-02-14. Bild: Plunet.]

“Shitstorm” ist Anglizismus des Jahres 2011

Shitstorm ist der „Anglizismus des Jahres“ 2011. Eine unabhängige Juri um den Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch wählte das Wort aus rund sechzig Vorschlägen. „Das Wort füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat. Es hat sich im Laufe des letzten Jahres von der Netzgemeinde aus auf den allgemeinen Sprachgebrauch ausgebreitet und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Mit der Wahl zum „Anglizismus des Jahres“ wird der positive Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes gewürdigt. „Öffentliche Diskussionen über Sprache sind in Deutschland von der Idee beherrscht, dass Lehnwörter – vor allem, wenn sie aus dem Englischen stammen – eine Gefahr für den Fortbestand der deutschen Sprache darstellen“, sagt Stefanowitsch. „Dabei war und ist die Entlehnung von Wörtern ein natürlicher Prozess, mit dem Menschen zu jeder Zeit und in allen bekannten Sprachräumen den Wortschatz ihrer Sprache erweitert haben.“ Dass das Englische derzeit eine intensiv genutzte Quelle für Lehnwörter sei, so Stefanowitsch weiter, liege an seiner herausragenden Rolle als internationale Verkehrssprache.

Um Anglizismus des Jahres zu werden, muss ein englisches Lehnwort eine Lücke im Wortschatz füllen, über eine breite Akzeptanz im Sprachgebrauch verfügen und gut in die lautliche und grammatische Struktur des Deutschen integriert sein. Das diesjährige Siegerwort Shitstorm überzeugte in allen drei Kategorien. Es bezeichnet eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle der Entrüstung über das Verhalten öffentlicher Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt und häufig auch in die traditionellen Medien hinüber schwappt. „Diese neue Art des Protests unterscheidet sich in Art und Ausmaß deutlich von allem, was man in früheren Zeiten als Reaktion auf eine Äußerung oder Handlung erwarten konnte“, sagt Jurymitglied Michael Mann und seine Kollegin Susanne Flach ergänzt: „Das Wort Shitstorm ermöglicht eine klare Bedeutungsdifferenzierung gegenüber Wörtern wie Kritik, Protest, Sturm der Entrüstung.“

Als vulgär muss das Wort nicht gelten. „Natürlich handelt es sich um einen gewollt derben Ausdruck, dem man seine Herkunft aus dem amerikanischen Slang ansieht“, sagt Stefanowitsch. „Aber gerade der klare Lehnwortcharakter des Wortes federt diese Derbheit soweit ab, dass das Wort auch im öffentlichen Sprachgebrauch akzeptiert ist.“

Auf den zweiten Platz setzte die Jury das Wort Stresstest, das im Dezember schon zum „Wort des Jahres“ gewählt wurde. „Das Wort ist interessant, weil es auf den ersten Blick gar nicht so fremd aussieht“, sagt Jurymitglied Kristin Kopf. „Sowohl Stress als auch Test sind längst bestens integriert.“ Trotzdem hätte sich das Kompositum Stresstest nicht ohne Weiteres aus den bereits entlehnten Einzelteilen bilden lassen, da das Wort Stress in der deutschen Alltagssprache auf psychische Belastungen beschränkt sei.

Auf den dritten Platz wählte die Jury mit dem Verb circeln („jemanden im sozialen Netzwerk Google+ zu einer Kontaktliste hinzufügen“) ein klassisches Lehnwort, das gemeinsam mit einer neuen Kulturtechnik in die Sprache übernommen wurde. Allerdings bleibt abzuwarten, ob es sich tatsächlich durchsetzen kann, da es mit dem deutschen einkreisen konkurriert. Flach sieht aber Potenzial, da circeln die neutralere Alternative sei: „Will man seine Freunde wirklich einkreisen?“

Außerdem haben es von den knapp sechzig Vorschlägen bis in die Endrunde geschafft: Cyberkrieg/Cyberwar, Tablet, Cloud, Occupy, Masterand und das Affix -gate. In einer parallel durchgeführten Publikumsabstimmung setzte sich ebenfalls das Wort Shitstorm durch, dichtgefolgt von Occupy und Cloud.

„Auch in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass der Einfluss der englischen Sprache auf unseren Wortschatz zwar wichtig ist, aber nicht so groß, wie oft angenommen“, sagt Stefanowitsch. „Von den knapp 60 Vorschlägen waren nur siebzehn neu genug und ausreichend weit verbreitet, um als aktuelles Lehnwort zu gelten – und selbst unter denen waren noch Grenzfälle.“

Der Wettbewerb
Der Wettbewerb „Anglizismus des Jahres“ fand erstmals 2010/11 statt. Damals gewann das Wort leaken als Bezeichnung für das gezielte anonyme Veröffentlichen geheimer Informationen zum Wohle der Öffentlichkeit.

Die Jury
Anatol Stefanowitsch ist Professor für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg und Autor des populärwissenschaftlichen „Sprachlog“. Mitglieder der Jury waren die Anglistin Susanne Flach (Freie Universität Berlin, Autorin des Blogs „Decaf – Coffee and Linguistics“), die Germanisten Kristin Kopf (Universität Mainz, Autorin des Blogs „Schplock“) und Michael Mann (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Autor des „lexikographieblog“), und der allgemeine Sprachwissenschaftler Jan Wohlgemuth (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig).

www.anglizismusdesjahres.de

[Text: Wettbewerb Anglizismus des Jahres, 13.02.2012. Quelle: Pressemitteilung Anglizismus des Jahres. Bild: Anglizismus des Jahres.]

Deutsche Sprachwelt: “Hochdeutsch stärken, gebrochenes Deutsch bekämpfen”

Zum gestrigen Internationalen Tag der Muttersprache erinnerte die Deutsche Sprachwelt an die Bedeutung des Standarddeutschen. „Hochdeutsch hält als einigendes Band unsere Sprachgemeinschaft zusammen“, erklärte der Chefredakteur der Sprachzeitung, Thomas Paulwitz. Es sei notwendig, Hochdeutsch als allgemein anerkannte und übergeordnete Sprachnorm zu stärken. Gleichzeitig wendet sich die Deutsche Sprachwelt gegen Bestrebungen, gebrochenes Deutsch unter dem Namen „Kiezdeutsch“ zu einem eigenständigen deutschen Dialekt aufzuwerten. Dies verharmlose eine bedenkliche Sprachentwicklung. Stattdessen müsse die wachsende Zahl von Sprachverlierern die Politik wachrütteln. Ein zunehmender Teil der Bevölkerung sei nicht in der Lage, die Ausdruckskraft der deutschen Sprache auszuschöpfen. Dies erschwere den Zugang zur Bildung.

„Das so genannte ‚Kiezdeutsch‘ ist nichts anderes als eine Pidginsprache“, sagte Paulwitz. „Es führt in die Irre, dieses in Wortschatz und Grammatik verarmte Deutsch als Dialekt schönzureden.“ Es sei „unverschämt und anmaßend“, dieses Stammeldeutsch auf eine Stufe mit so ausdrucksreichen und farbigen Mundarten wie Bairisch, Sächsisch und Schwäbisch zu stellen. Wer beispielsweise „Mein Schwester geht Kino“ sage, der spreche keinen Dialekt, sondern habe schlicht Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache.

Das systematische Weglassen von Geschlechtswörtern (Artikeln), Verhältniswörtern (Präpositionen) und Beugungen (Flexionen) sei keine Weiterentwicklung, sondern eine Rückbildung der deutschen Sprache: „Fehler bleiben Fehler, auch wenn sie systematisch gemacht werden. Wer Stammeldeutsch zum eigenständigen Dialekt erhebt, leistet der Auffassung Vorschub, man müsse in Deutschland die Landessprache nicht beherrschen. Bequemlichkeit, Nachlässigkeit oder Unfähigkeit im Sprachgebrauch verdienen keine Belobigung durch die Sprachwissenschaft.“

Die Deutsche Sprachwelt ist mit rund 80.000 Lesern die größte deutsche Zeitschrift für Sprachpflege und Sprachpolitik. Sie ist Sprachrohr und Plattform einer ständig wachsenden Bürgerbewegung, die sich um die deutsche Sprache sorgt. Die Deutsche Sprachwelt tritt für die Erhaltung einer lebendigen deutschen Sprache und für ein neues Sprachbewusstsein ein. Die Druckausgabe erscheint vierteljährlich.

www.deutschesprachwelt.de

[Text: Deutsche Sprachwelt. Quelle: Pressemitteilung Deutsche Sprachwelt, 20.02.2012. Bild: UNESCO.]

UNESCO: Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache

Die UNESCO erinnert am 21. Februar, dem Internationalen Tag der Muttersprache, an die sprachliche Vielfalt. Von den rund 6.000 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, sind nach Einschätzung der UNESCO die Hälfte vom Verschwinden bedroht, alle zwei Wochen geht eine Sprache verloren. Um Muttersprachen zu fördern, investieren UNESCO-Mitgliedstaaten in Programme und Maßnahmen. In Spanien konnte so das Katalanische und in Frankreich das Bretonische erhalten werden.

In Deutschland sind derzeit 13 Regional- und Minderheitensprachen bedroht. Zu den am stärksten gefährdeten Sprachen zählen Nord- und Saterfriesisch. Aber auch Bairisch, Alemannisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Moselfränkisch, Niedersächsisch, Limburgisch-Ripuarisch, Sorbisch und Jiddisch werden von immer weniger Menschen gesprochen. Ebenfalls gefährdet sind das in Deutschland und Dänemark gesprochene Jütländisch und das von den Sinti und Roma gesprochene Romani.

Die Gründe für die weltweite Gefährdung von Sprachen sind vielfältig: Kriege, Vertreibungen und Stigmatisierungen gehören ebenso dazu wie Migration und Vermischung von Sprachen. Die neuen Informationsmedien begünstigen den weltweiten Einfluss einzelner “großer” Sprachgruppen – insbesondere des Englischen. Verschwindet eine Sprache, geht auch das damit verbundene kulturelle Erbe von Gedichten über Legenden bis zu Sprichwörtern und Scherzen verloren.

In der 2010 aktualisierten Ausgabe des “Atlas der Bedrohten Sprachen” listet die UNESCO rund 2.500 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region – darunter sind auch 230 Sprachen, die seit 1950 verschwunden sind. Der Atlas zeigt, dass 572 Sprachen vor allem in Nord- und Südamerika, Südostasien, Ozeanien und Afrika akut bedroht sind. Die UNESCO macht vor allem auf die Sprachen aufmerksam, die von nur noch weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden.

Der Internationale Tag der Muttersprache ist seit 2000 ein UNESCO-Gedenktag zur “Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit”. Thema der zentralen UNESCO-Veranstaltung ist in diesem Jahr am 21. Februar in Paris “Schutz der Sprachenvielfalt durch Kommunikationsmedien”. Die UNESCO versteht Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch als kulturelles Erbe und Ausdruck kultureller Identität. Neben dem Weltatlas der Bedrohten Sprachen gibt die UNESCO auch eine Weltbibliografie der Buchübersetzungen heraus.

Internationaler Tag der Muttersprache 2012 erstmals im Saarland

2012 beteiligt man sich erstmals auch im Saarland an den weltumspannenden Veranstaltungen zum „Internationalen Tag der Muttersprache“. So findet auf Initiative von Patrik H. Feltes und Klaus Friedrich am 21. Februar in Saarbrücken eine ungewöhnliche, grenzüberschreitende Dialogveranstaltung statt, die unter dem Titel „Muddaschpròòch!“ ganz unterschiedliche Aspekte der regionalen Sprachkultur und Traditionen aufgreift. „Mit diesem Aktionstag“, so Patrik H. Feltes und Klaus Friedrich, „soll unsere regionale ‚Muddaschpròòch‘ als Teil eines weltweiten Sprachkulturerbes und in all ihren Facetten und Möglichkeiten vermittelt werden“. Großer Wert wird hierbei auf das verbindende Element eben jener „Muddaschpròòch“ im kulturellen Spannungsverhältnis zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg gelegt. So werden im Saarland, Lothringen, Luxemburg und Rheinland-Pfalz nicht nur Deutsch und Französisch gesprochen, sondern auch die beiden Mundarten Moselfränkisch („Francique mosellan“) und Rheinfränkisch („Francique rhénan“). Das lebendige Bewahren dieser uralten Sprachen bedeutet somit das lebendige Bewahren jener einzigartigen regionalen Identität, die in einer Zeit, in der die Globalisierung und die Massenmedien unmittelbar in den persönlichen Alltag eingreifen, immer wichtiger wird.

Die Dialogveranstaltung „Muddaschpròòch!“ findet als gemeinsame deutsch-französische Aktion zum „Internationalen Tag der Muttersprache“ am Dienstag, 21. Februar 2012, statt, im Traditionsgasthaus „Stiefel Bräu“, Ecke Fröschengasse/Am Stiefel, St. Johanner Markt, Saarbrücken, statt. Beginn: 19 Uhr. Der Eintritt ist frei!

Weitere Informationen:

Weltatlas der Bedrohten Sprachen: www.unesco.org

[Text :Pressemitteilung Deutsche UNESCO-Kommission e.V., 17.02.2012. Quelle: UNESCO. Bild: UNESCO.]

Zu viele Sprachen in der EU?

EU-FlaggeWeltweit gibt es heute etwa 7000 Sprachen. Doch wie leicht wäre das Leben, wenn alle Menschen eine Sprache sprächen? Seit Jahren beschäftigen sich die beiden Wirtschaftswissenschaftler Shlomo Weber (Southern Methodist University, Dallas) und Victor Ginsburgh (Freie Universität, Brüssel) mit den ökonomischen Folgen von Spracheinheit und -vielfalt und schlagen der EU-Verwaltung vor, die Sprachenvielfalt in der EU drastisch zu verringern. Aus ökonomischen Gründen und um die Sprachverwirrung zu überwinden soll die EU auf 17 der aktuell 23 Amtssprachen verzichten. Ihrer Ansicht nach käme Brüssel mit den folgenden sechs Arbeitssprachen bestens klar: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Polnisch. Auf diese Weise würde viel Geld für die Übersetzungen gespart, Verwaltungsvorgänge würden beschleunigt sowie grobe Missverständnisse verhindert und das Verständnis würde verbessert. Das wiederum würde das wirtschaftliche Wachstum ankurbeln.

Doch die EU erklärt, die Sprachen und Sprachenvielfalt zu achten und zu respektieren. Daher gestaltet sich eine Reduzierung der Sprachenvielfalt schwierig. Denn wie sollen sich die Menschen eines Landes als Teil einer Gemeinschaft fühlen, wenn ihre Sprache und somit auch Kultur und Geschichte ihrer Nation nicht geachtet wird? Sprache generiert ferner Wohlstand und macht die Identität des Menschen aus. Setzt man diese aufs Spiel, riskiert man damit auch einen wirtschaftlichen Abschwung.

Der Westen schreibt in einem Artikel über die Sprachenvielfalt und die Wirtschaftswissenschaftler Folgendes:

Sie zitieren Studien, nach denen Unternehmen mehr Gewinn erzielen, wenn sie Mitarbeiter mit unterschiedlichen Sprachen beschäftigen. Eine Untersuchung von zwölf amerikanischen Großstädten zeige, dass Vielsprachigkeit höhere Löhne und größeren Wohlstand bringt. Sie ist offenbar dann besonders fruchtbar, wenn die verschiedensprachigen Mitglieder einer Gruppe ein gemeinsames Ziel verfolgen. Sprachvielfalt hat demnach Vor- und Nachteile.

Laut Weber und Ginsburgh sind die vielen Sprachen in der EU jedoch teuer: Über eine Milliarde Euro benötigt die EU-Verwaltung jährlich für die Anfertigung von Übersetzungen. Wer ein EU-Patent anmelden möchte, muss die Anmeldung in alle Sprachen übersetzen – das allein kostet im Schnitt 13 600 Euro, so viel wie die Anmeldung eines Patents in den Vereinigten Staaten von Amerika für 20 Jahre. Die Ökonomen kommen jedoch auch zu dem Ergebnis, dass etwa zwei Drittel der 500 Millionen EU-Bürger benachteiligt wären, wenn Englisch die Hauptsprache der EU würde. Dies bedeute nämlich für die Mehrheit der Bürger unverständliche Gesetze, Regeln und Debatten. So könnten sie keinen Einfluss mehr auf das politische Geschehen ausüben. Die Sprachbarriere behindere des Weiteren den direkten Zugang zu juristischen und wirtschaftlichen Prozessen. “Sprache ist die Voraussetzung für Engagement”, sagt Weber.

Die EU hat den größten Dolmetscherdienst weltweit. Der Westen schreibt dazu Folgendes:

Für den Dienst der Europäische Kommission arbeiten rund 530 Dolmetscher, außerdem können bei Bedarf 2700 Freiberufler herangezogen werden. Jeden Tag sind rund 700 Dolmetscher bei rund 60 Veranstaltungen im Einsatz. Das Europäische Parlament und der Europäische Gerichtshof unterhalten jeweils ihre eigenen Dienste. Für Dolmetscher und Übersetzungen wird ein Prozent des Budgets aller EU Institutionen ausgegeben – mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr, rund 2,50 Euro pro Bürger.

Die Nato hat zwei Amtssprachen, die UNO beschränkt sich mit den 193 Staaten auf sechs Sprachen. In Afrika nimmt die sprachliche Vielfalt enorme Ausmaße an. Allein Nigeria muss 527 Sprachen unter einen Hut kriegen, Kamerun 279, Tansania 129.

Die Ergebnisse des Forscherduos wurden in dem Buch How Many Languages Do We Need? veröffentlicht.

Zum Buch
Victor Ginsburgh, Shlomo Weber: How Many Languages Do We Need?
Verlag: Princeton University Press (4. April 2011)
Sprache: Englisch
Seiten: 232
ISBN-10: 0691136890
ISBN-13: 978-0691136899
Preis: ca. 25–35 Euro

[Text: Jessica Antosik. Quelle: derwesten.de, 10.02.2012; presseportal.de, 10.02.2012; vds-ev.de, 16.02.2012; faz.net, 17.08.2011. Bild: Archiv.]