Gefiedertes in deutschen Redewendungen

Jeder kennt und benutzt Redewendungen, auch Phraseologismen oder idiomatische Wendungen genannt. Dabei handelt es sich um eine feste Verbindung mehrerer Wörter, die eine Einheit bilden. Das bedeutet also, dass wir beim Sprechen nicht nur einzelne Wörter zu Sätzen und Texten verknüpfen, sondern dann und wann bestimmte Wortgruppen in stets derselben Weise verwenden – Beispiel: nur Bahnhof verstehen. Die Bestandteile können nur in seltenen Fällen verändert oder gar ausgetauscht werden. Die Bedeutung lässt sich nicht unmittelbar aus der Bedeutung der Einzelelemente erschließen, sondern aus dem Kontext. Beispielsweise ist ein „goldener Handschlag“ nicht wörtlich zu verstehen. Vielmehr geht es dabei um eine „großzügige Abfindung“. Redewendungen werden häufig metaphorisch benutzt. Dies verdeutlicht das nächste Beispiel „in trockenen Tüchern sein“. Bildhafte Redewendungen sind typisch für die Umgangssprache und bereichern sie sehr.  Allerdings bedient man sich auch in der gehobeneren Standardsprache fester Wendungen, die meist auf dem Lateinischen oder auf anderen Fremdsprachen basieren.

In diesem Artikel liegt der Fokus auf Gefiedertem in deutschen Redewendungen. Die Beispiele, die in diesem Zusammenhang angeführt werden, wurden hieraus entnommen:

  • Duden Band 11 (2002): Redewendungen: Wörterbuch der deutschen Idiomatik. Mehr als 10 000 feste Wendungen, Redensarten und Sprichwörter. Mannheim: Bibliographisches Institut.
  • Hans Schemann (1993): Deutsche Idiomatik. Die deutschen Redewendungen im Kontext. Stuttgart: Klett Verlag für Wissen und Bildung (PONS).

Ein Vögelchen hat mir gesungen, dass der Vogel ausgeflogen ist. Das bedeutet also, dass man dort aufs leere Nest kommt. Einige sind jedoch der Meinung, dass die anderen einen Vogel haben und haben ihnen deshalb einen Vogel gezeigt. Seit langer Zeit fechten die beiden Parteien einen Strauß miteinander aus. Mein lieber Schwan! Da lachen ja die Hühner! Danach kräht bald kein Huhn und kein Hahn mehr!

Wer sich ins gemachte Nest setzt, hat den Vogel abgeschossen. Derjenige, der das eigene Netz beschmutzt, ist sicherlich ein schräger Vogel und nicht mit dem Hahn im Korb zu vergleichen. Da sträubt sich vielen das Gefieder und da läuft vielen eine Gänsehaut über den Rücken. Vor allem, wenn das Huhn, das goldene Eier legt, geschlachtet wird. Aber: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Man darf nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken, wenn man von den Federn aufs Stroh kommt. Doch es gibt immer welche, an denen dies sogar wie das Wasser am Entenflügel abläuft.

Wer nicht mit den Hühnern aufsteht, lange in den Federn liegt und nicht viel Federlesens macht, ist eine lahme Ente, hat keinen Grund dafür, stolz wie ein Pfau zu sein und muss eventuell Federn lassen. Auch wenn er sich mit fremden Federn schmückt, muss er befürchten, dass mit ihm noch ein Hühnchen gerupft wird. Ihm darf man nicht Flügel verleihen, sondern unbedingt die Flügel stutzen. Auch wenn das ein harter Strauß werden kann, sollte man nicht bloß wie ein Huhn hin- und herlaufen und keine Angst haben, jemandem auf die Hühneraugen zu treten. Man darf nie die Flügel hängen lassen! Wenn man von dem Problem jedoch so viel versteht wie der Hahn vom Eierlegen, sollte man nicht wieder klüger sein wollen als die Henne.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Duden Redewendungen; Schemann: Deutsche Idiomatik. Bild: Jansenj (Wikipedia).]

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