Plagiatsaffäre: Ungarns Präsident hat für seine Doktorarbeit Wort für Wort übersetzt

Dem ungarischen Staatspräsidenten Pal Schmitt (Bild rechts) wurde sein Doktortitel von der Semmelweis-Universität aberkannt. Der Grund: Er hatte seine Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben. Zu diesem Ergebnis kam eine Prüfungskommission der Budapester Universität. „Die Arbeit beruht in ungewöhnlich großem Umfang auf textidentischen Übersetzungen“, stellt die Kommission fest.

Bei Spiegel Online war Ende März Folgendes zu lesen:

Schmitt hatte im Jahr 1992 seine Doktorarbeit „Analyse der Programme der berichtete neuzeitlichen olympischen Spiele“ an der Budapester Sport-Universität eingereicht. Die Wochenzeitung „HVG“ hatte im Januar erstmals Plagiatsvorwürfe erhoben: Schmitt habe auf 180 von 250 Seiten aus einem Werk des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolaj Georgijew abgeschrieben. Der Sportwissenschaftler schrieb seine Studie auf Französisch, Schmitt habe Wort für Wort übersetzt und übernommen. Gleiches gilt für ein Werk des Hamburger Soziologen Klaus Heinemann: Auf 17 Seiten lasse sich völlige Textgleichheit nachweisen, stellte die Kommission fest. Schmitt habe in seiner Arbeit keinerlei Zitate ausgewiesen und auch nicht mit Fußnoten auf die von ihm verwendeten Quellen verwiesen.

Nach dem Plagiatsskandal ist der rechts-konservative Politiker Schmitt mit folgender Begründung am 2. April 2012 zurückgetreten: „Das Staatsoberhaupt verkörpert die Einheit der Nation. In der gegenwärtigen Situation fühle ich mich deshalb verpflichtet, das Mandat des Präsidenten zurückzugeben.“

Bis zu den Wahlen übernimmt Parlamentspräsident Laszlo Köver kommissarisch das Amt.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: spiegel.de; 27.03.2012; focus.de, 02.04.2012. Bild: Flickr.com, Európa Pont.]

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