„Eigentlich war es der reine Zufall“ – Wie Gudrun Penndorf Asterix-Übersetzerin wurde

Asterix, Obelix, IdefixGudrun Penndorf ist studierte Übersetzerin für Französisch und Italienisch mit den Fachgebieten Wirtschaft und Recht (Uni Heidelberg). Ab 1968 hat sie die ersten 29 Bände der Asterix-Reihe aus dem Französischen ins Deutsche übertragen. Wie sie an den Auftrag kam, wie das Honorar abgerechnet wurde (pro Seite) und welchen Spaß die Übersetzung der Eigennamen bereitete, hat sie in einem Interview erzählt, das am 13.05.2012 vom Westdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde.

Ohne Übersetzerstudium hätte Penndorf als freie Mitarbeiterin des Ehapa-Verlags den Job übrigens nicht bekommen. Die Franzosen wollten jemand haben, der sich damit auskennt, weil sie schlechte Erfahrungen mit den Laienübersetzern des Kauka-Verlags gemacht hatten. So übersetzte Penndorf dann das bekannte „Ils sont fous, ces Romains“ griffig mit „Die spinnen, die Römer“ ins Deutsche. Zuvor war es noch mit „Ui, sind die Römer doof“ wiedergegeben worden.

Von Dr. Erika Fuchs, der anderen großen alten Dame der deutschen Comic-Übersetzung ist folgender Spruch überliefert: „Man kann gar nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen.“ Getreu diesem Motto setzte Penndorf sich im Alter von 40 Jahren mitten in ihrer Asterix-Phase erneut in Hörsäle, studierte „mit großem Vergnügen“ in München allgemeine und romanische Sprachwissenschaften und konnte danach ein „M.A.“ hinter ihren Namen setzen.

Übrigens war Penndorf 1968 von Fuchs, der damaligen Chefredakteurin der Zeitschrift Micky Maus, als freie Übersetzerin zum Ehapa-Verlag geholt worden, wo sie jahrelang Disneys Lustige Taschenbücher aus dem Italienischen (weil der Mondadori-Verlag die Europa-Lizenz besaß) ins Deutsche übersetzte.

Als die Asterix-Lizenz dem Kauka-Verlag entzogen und an Ehapa vergeben wurde, schickte man Penndorf nach Paris, um sich dort René Goscinny vorzustellen.

Später übersetzte Gudrun Penndorf auch die ebenfalls vom Asterix-Texter René Goscinny entwickelten Geschichten von Lucky Luke und Isnogud und wirkte einige Jahre als Dozentin am SDI München. Noch heute, mit 73 Jahren, gibt sie als Lehrbeauftragte Kurse für Wirtschaftsfranzösisch an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.Das Rundfunk-Interview können Sie sich in voller Länge (23 Minuten) auf der WDR5-Website anhören und von dort auch als MP3-Datei speichern (10 MB).

Die Asterix-Übersetzungen aus dem Kauka-Verlag – Ein dunkles Kapitel der Comic-Übersetzung

Rolf Kauka, Erfinder von Fix & Foxi, hatte sich als Erster die Lizenz zur Verbreitung der Asterix-Bände im deutschsprachigen Raum gesichert. Bei ihm wurden die Gallier Asterix und Obelix zu den Germanen Siggi und Babarras umdefiniert und die Geschichten völlig umgeschrieben. In den ab 1965 in der Comic-Zeitschrift „Lupo modern“ als Fortsetzungsgeschichten erschienenen Abenteuern wurde die Handlung nach Germanien verlegt und unter anderem die innerdeutschen Konflikte thematisiert. So wurden bei Asterix und die Goten die Goten zu Ostgoten, die mit sächsischem Akzent sprachen und sich gegenseitig mit „Genosse“ anredeten. Den Römern als Besatzungsmacht wurde ein amerikanischer Akzent in den Mund gelegt; deren Soldaten redeten sich gegenseitig mit „Boys“ an.

Der Asterix-Autor René Goscinny berichtet, dass ihm „der Himmel auf den Kopf gefallen“ sei, als er auf Umwegen davon erfuhr. Seitdem herrscht in Paris großes Misstrauen gegenüber allen Übersetzern. Bis zum heutigen Tag werden in Paris alle Asterix-Übersetzungen – und nicht nur die deutschen – sorgfältig geprüft, bevor die Druckerlaubnis erteilt wird.

Kauka wurde damals umgehend die Lizenz entzogen. Den Zuschlag erhielt dann der Ehapa-Verlag, der auch bereit war, mehr dafür zu zahlen. Offenbar hatte man in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart das wahre Potenzial der Asterix-Geschichten erkannt.

[Text: Richard Schneider. Quelle: WDR 5, 2012-05-13. Bild: Pressestelle Ehapa.]

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