Deutsche Studierende schwächeln bei der Sprache

Einer aktuellen Studie des Bayreuther Philologieprofessor Gerhard Wolf zufolge haben insbesondere Studienanfänger in Deutschland enorme Schwierigkeiten in der Rechtschreibung und Grammatik. Wolf berichtet im Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur, es gebe „eine mangelnde Fähigkeit bei der Lesekompetenz“ sowie Schwächen beim Formulieren und Schreiben zusammenhängender Texte.

Auch die Lesekompetenz lasse zu wünschen übrig. Viele Studienanfänger könnten nicht den roten Faden eines Textes erkennen oder sinnvolle Mitschriften aus Vorlesungen anfertigen. Zahlreiche Studierende seien zudem nicht in der Lage, den Hauptgedanken in Worte zu fassen. „Mit der argumentativen Logik haben es die Studenten immer weniger. Diese Fähigkeiten gehen langsam verloren“, so der Germanist. Hier spiegele sich der schwindende Wortschatz wider. „Dagegen nimmt die Jargonhaftigkeit zu: Die jungen Studenten verwenden in ihren Arbeiten immer häufiger Begriffe, die sie mal gehört haben, ohne aber zu wissen, was sie eigentlich bedeuten.“

Darüber hinaus falle es den Studierenden heutzutage oftmals schwer, einer 90-minütigen Vorlesung zu folgen. Viele gingen anscheinend mit der Haltung in die Vorlesung, „die Fakten stehen doch eh alle im Internet. Ich muss deshalb in der Vorlesung nicht alles verstehen.“

Nach Angaben von Gerhard Wolf sind die Ergebnisse der nicht nicht-repräsentative Umfrage unter ein paar Dutzend philosophischen Fakultäten an deutschen Universitäten  „bestürzend“. Er ist der Ansicht, dass nicht nur die Schulen mehr Wert auf die Sprachkompetenz der Schüler Wert legen sollten, sondern auch die Universitäten. Er rät ihnen, dass die Universitäten die Überlegung anstellen sollten, für Studienanfänger künftig sogenannte Vorschaltkurse anzubieten und auf diese Weise das für das Studium nötige Basiswissen zu vermitteln.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: dw.de, 23.07.2012.]

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