Septuaginta: Tagung zur Bibel-Übersetzung in Wuppertal

Die Septuaginta – die Übersetzung des auf Hebräisch (und zum Teil auf Aramäisch) verfassten Alten Testaments ins Altgriechische war lange die Ausgabe des Alten Testaments, auf der die christliche Kirche Westeuropas fußte. Da sich die Humanisten seit Beginn der Neuzeit wieder am hebräischen Text orientierten, verlor sie in den letzten 500 Jahren für das westeuropäische Christentum an Bedeutung. Seit 1999 befassen sich Professor Wolfgang Kraus von der Saar-Uni und Professor Martin Karrer aus Wuppertal mit der Übersetzung der Septuaginta ins Deutsche. Um sich über den aktuellen Forschungsstand auszutauschen, kommen vom 19. Juli bis 22. Juli Septuaginta-Experten in Wuppertal zusammen.

„Die Septuaginta ist die bedeutendste Übersetzung der Antike überhaupt und steht am Beginn der europäischen Kultur“, erklärt Wolfgang Kraus, Professor für Evangelische Theologie an der Universität des Saarlandes. „Ohne sie ist das, was wir heute jüdisch-christliche Grundlagen nennen, nicht zu denken.“ So spielt die Septuaginta eine entscheidende Rolle für das Verständnis des antiken Judentums und des Neuen Testaments. Sie unterscheidet sich in Umfang und Abfolge der biblischen Bücher von der heute gebräuchlichen hebräischen Bibel. Auch einzelne Bibelstellen werden im Griechischen anders als im Hebräischen interpretiert. „Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich die Passage in Jesaja 7,14 in der im griechischen Text von einer Jungfrau die Rede ist. Im Hebräischen heißt es jedoch junge Frau“, weiß Kraus.

Unter dem Motto „Die Septuaginta – Text, Rezeption, Wirkung“ kommen Mitte Juli in Wuppertal um die 60 Wissenschaftler aus aller Welt zusammen, um über ihre Forschungsergebnisse zu diskutieren. Wolfgang Kraus organisiert diesen Kongress, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird.

Mit einem Team von circa 80 Projektmitarbeitern haben Wolfgang Kraus und Martin Karrer 2009 und 2011 bereits einen Übersetzungs- und Kommentarband veröffentlicht. Derzeit arbeiten Forscher aus Deutschland, Frankreich und Belgien an einem mehrbändigen Handbuch zur Septuaginta, dessen erster Band im kommenden Frühjahr erscheinen soll.

www.septuagintaforschung.de

[Text: Melanie Löw. Quelle: Pressemitteilung Universität des Saarlandes, 2012-07-11.]

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