Als Charles de Gaulle die deutschen Worte fehlten

Der ehemalige französische Präsident Charles de Gaulle hielt seine Reden in Deutschland zumeist auf Deutsch – wenn auch mit einem unüberhörbaren französischen Akzent. De Gaulles Dolmetscher Hermann Kusterer erinnert sich nun daran, als dem Staatsobherhaupt bei seinem historischen Deutschland-Besuch vor 50 Jahren kurz die deutschen Worte fehlten. „Er hat seine Reden verinnerlicht wie ein Schauspieler seine Rolle“, so Kusterer.

Am 9. September 1962 allerdings kam de Gaulle in seiner berühmten Ansprache in Ludwigsburg ins Schlingern – am Ende eines langen Satzes. Ich habe gedacht: Oh, oh, er hat den Faden verloren“, erklärt der heute 85-jährige Dolmetscher. De Gaulle habe sich jedoch schnell gefangen und einfach andere Wörter verwendet – was verdeutliche, dass er nicht lediglich auswendig Gelerntes vorgetragen wollte, sondern genau gewusst habe, was er sagen wollte. Frankreichs Präsident war trotz allem unzufrieden mit sich: „Ich habe mein Ziel verfehlt“, sagte er seinem Dolmetscher danach, der de Gaulle jedoch beruhigte: „Es ist gar nicht aufgefallen.“

Charles de Gaulle erlernte die deutsche Sprache während des Ersten Weltkrieges. Die Reden bei seinem historischen Deutschland-Besuch im September 1962 hielt er überwiegend auf Deutsch, den Dolmetscher nutzte er jedoch bei seinen Gesprächen mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: focus.de, 04.09.2012.]

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