Fluchen in Europa: „Ich fühl mich hodig“

Jede Kultur hat ihre eigene Sprache bzw. individuelle, kulturelle Spracheigenheiten. Das ist auch beim Fluchen der Fall. In einem Interview mit Spiegel Online erklärt der Sprachforscher Hans-Martin Gauger, welche Nationalitäten wie beleidigen und schimpfen.

Wenn die Sprecher der Länder um Deutschland herum fluchen – von den Portugiesen im Westen bis zu den Russen und Türken im Osten – wird es sexuell. Selbst die Holländer, die uns sprachlich relativ nah sind, sagen nicht „Es geht mir beschissen“, sondern „Ik voel me klote“, also tatsächlich „Ich fühl mich hodig“. „Dies tun die Deutschen so gut wie gar nicht. Wir schimpfen, beleidigen oder fluchen exkrementell. Statt exkrementell kann man auch fäkalisch oder, mit Sigmund Freud, anal sagen“, so Gauger.

„Die Vulgärsprache gibt immer die männliche Sicht wieder. Überhaupt sind unsere Sprachen männerbestimmt. Frauen holen nur insofern auf, als sie jetzt vielfach diese Männerausdrücke übernehmen – als Einbruch in etwas ihnen Vorenthaltenes und Zeichen von Emanzipation,“ berichtet der Sprachwissenschaftler.

In seinem Buch Das Feuchte und das Schmutzige. Kleine Linguistik der vulgären Sprache schreibt der Linguistik Hans-Martin Gauger zudem, warum Verbalattacken eine Männerdomäne sind und was das mit Latein zu tun hat.

Über das Buch
Autor: Hans-Martin Gauger
Titel: Das Feuchte und das Schmutzige. Kleine Linguistik der vulgären Sprache
Verlag: C.H. Beck
ISBN-Nr.: 978-3-406-62989-1
Auflage: 1. (14. September 2012)
Umfang: 282 Seiten
Preis: 16,95 Euro

[Text: Jessica Antosik. Quelle: spiegel.de, 26.09.2012. Bild: chbeck.de.]

WordPress theme: Kippis 1.15