Ein Paar, zwei Sprachen – Kann das gut gehen?

HerzEin Paar – zwei Sprachen. Kann das gut gehen? Bei jeder achten Heirat, die 2010 in Deutschland eingegangen wurde, handelt es sich um eine binationale Ehe. In der Welt ist ein längerer Artikel erschienen, der Freud und Leid des Zusammenlebens beleuchtet – geschrieben von der Journalistin Ischta Lehmann, die das Thema aus eigener Anschauung kennt.

Auf den ersten Blick hätten es binationale Paare schwerer, miteinander zu kommunizieren, schließlich prallten zwei völlig unterschiedliche sprachliche und kulturelle Welten aufeinander. Aber:

[…] anders als Vorurteile glauben lassen, sind Mix-Beziehungen – Promi-Ausnahmen bestätigen die Regel – nicht instabiler als „normale“Partnerschaften. Im Gegenteil: Binationale Paare weisen sogar eine leicht geringere Scheidungsrate auf als deutsch-deutsche […]

Die unterschiedlichen Sprachen haben erstaunlicherweise einen großen Anteil am Beziehungserfolg. Zum einen ist von Anfang an schon rein akustisch klar, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen, die es gilt, harmonisch zusammenzuführen. In einsprachigen Beziehungen fallen Unterschiede zumindest sprachlich nicht so sehr auf und werden daher auch weniger thematisiert. Wer sich der Andersartigkeit des anderen aber immer bewusst ist, geht nicht automatisch davon aus, dass der so tickt wie man selbst. Und man weiß, dass es meistens nicht die eine „richtige“ Sicht der Dinge gibt.

Sprache lernen als Liebesbeweis

„Besser und deutlicher zeigen, dass man sich für jemanden interessiert, als wenn man seine Sprache lernt, kann man eigentlich nicht“, so die Autorin. Perfekte Sprachkenntnisse und eine 1-a-Aussprache seien jedoch nicht nötig. Julia, die seit drei Jahren mit einem Italiener zusammen ist, erklärt: „Wenn einer von uns in der Sprache des anderen einen Fehler macht, korrigieren wir uns gegenseitig.“ In Fällen, in denen keiner die Sprache des anderen beherrsche, werde nicht selten zunächst in einer Drittsprache wie Englisch kommuniziert.

Natürlich bestünden Verständigungshürden. Sich selbst oder den Partner als fremdsprachlich inkompetent, um Worte ringend, an der Aussprache scheiternd zu erleben, könne frustrierend sein. Aber es bringe ein Paar auch voran – gerade weil man gezwungen sei, viel intensiver miteinander zu reden.

Sind Partnerschaften, die Sprachgrenzen durchbrechen, gar „die Beziehungsform von morgen“, wie die Autoren von Binational? Genial!: Der Ratgeber für binationale Paare mit Kindern schreiben? Wenn ja, dann sind Übersetzerinnen und Übersetzer ihrer Zeit weit voraus. Denn gerade unter ihnen ist diese private Form der Völkerverständigung weit überdurchschnittlich häufig zu finden. Kein Wunder – bietet sie doch handfeste berufliche Vorteile.

Den genannten Artikel können Sie auf der Website der Welt lesen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: welt.de, 27.09.2012. Bild: Jocky/Fotolia.de.]

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