Übersetzungsmarkt in China: 18 Prozent Wachstum, 600.000 Übersetzer

Bis 2015 werde Chinas Übersetzungsindustrie ein rasches Wachstum verzeichnen, wobei ein Fachkräftemangel diese Entwicklung jedoch erschweren werde. Zu diesem Ergebnis gelangt der chinesische Übersetzerverband (Englisch: Translators Association of China), der Anfang Dezember in Beijing sein 30-jähriges Bestehen beging, in seinem ersten Jahresbericht. Demzufolge nahm die Zahl der Übersetzungsunternehmen zwischen 2003 und 2011 um jährlich 18,4 Prozent zu. Für den Zeitraum von 2011 bis 2015 sei mit einer Wachstumsrate von 15 Prozent pro Jahr zu rechnen. Derzeit sind in China 640.000 Personen in der Übersetzungsindustrie beschäftigt.

„In den vergangenen 30 Jahren hat die Übersetzungsindustrie in den Bereichen Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft und Kultur historische Erfolge verzeichnet“, erklärte Guo Xiaoyong, stellvertretender Generalsekretär der China International Publishing Group. „In der Vergangenheit gehörten die meisten Übersetzungsinstitutionen zu Ministerien oder staatlichen Unternehmen, aber inmitten der boomenden Branche entstanden immer mehr Übersetzungsfirmen“, sagte er.

Guo fügte hinzu, dass Chinas Handelsdefizit bei Urheberrechten für Bücher immer mehr sinke. Im Jahr 1999 betrug das Import-Export-Verhältnis von Publikationen 15 zu 1, während die Quote im Jahr 2011 auf 2,1 zu 1 sank. Von 1980 bis 2009 haben Chinas Übersetzer rund 10.000 Bücher in verschiedene Sprachen übertragen. Neben den traditionellen Übersetzungs- und Dolmetscherdiensten hat die Branche ihre Leistungen auf das Filmuntertiteln, das Gebärdendolmetschen sowie auf die maschinelle Übersetzung ausgeweitet.

Preiskampf unter chinesischen Übersetzungsbüros

Die chinesische Übersetzungsbranche habe aber „noch einen weiten Weg zu gehen“, um der Nachfrage des Marktes gerecht zu werden, so Guo Xiaoyong. Da die Übersetzungsfirmen ihren Angestellten relativ niedrige Gehälter zahlen und geringe Einstellungsanforderungen haben, gebe es zwischen den Übersetzungsunternehmen einen fatalen Preiswettbewerb.

„Zum Beispiel benötigt man für die Erstellung wichtiger Ausschreibungsunterlagen sechs bis zwölf Monate, aber Übersetzer haben nur wenige Tage, um das Dokument in eine andere Sprache zu übersetzen, sodass die Qualität in der Regel darunter leidet“, berichtete der stellvertretende Generalsekretär der China International Publishing Group.

Die Autoren des Jahresberichts der Übersetzungsindustrie Chinas schätzen, dass die Jahresleistung von Chinas Sprachendiensten bis zum Jahr 2015 260 Milliarden Yuan (ca. 31,9 Milliarden Euro) erreichen werde. Außerdem werde die Branche dann über zwei Millionen Arbeitsplätze verfügen. Ende 2010 gab es im ganzen Land allerdings nur 27.000 zertifizierte Übersetzer.

„Zählt man die Übersetzer in den staatlichen Institutionen hinzu, so kommt man auf lediglich 560.000 qualifizierte Übersetzer in ganz China, weniger als zehn Prozent der Gesamtzahl von Übersetzern, die derzeit in China arbeiten“, erklärte Yang Yingzi, amtierender Direktor des National Translation and Appraisal Center der China International Publishing Group.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: german.china.org.cn, 10.12.2012. Bild: TUBS, Lizenz CC-BY.]

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