BR zeigte erstmals Radio-Dokumentation in Gebärdensprache

Der Bayerische Rundfunk zeigte Ende Januar 2013 erstmals ein Radio-Feature, das komplett für Gehörlose verfügbar war. Das Thema der Sendung „IQ – Wissenschaft und Forschung“ lautete „Wenn Gehörlose Kinder kriegen – Sprachbarrieren und Wege der Verständigung“. Es wurde nicht nur wie gewohnt im Radio ausgestrahlt, sondern auch online in einem Video eins zu eins in Gebärdensprache gedolmetscht. So wurde Hörenden ein Einblick in die gehörlose Welt gewährt.

Um Gehörlosen einen barrierefreien Zugang zur Sendung zu ermöglichen, hat Stephanie Reinke zusammen mit Redakteurin Susanne Poelchau und Hörfunkdirektor Johannes Grotzky an dem gebärdensprachlichen Video gearbeitet. Ziel war es, alle Inhalte eins zu eins beizubehalten, das heißt keinen eigenen Film zu drehen. Eine Gebärdensprachdolmetscherin übertrug den Text und die O-Töne aus der Radiofassung in die Deutsche Gebärdensprache. Die Wechsel zwischen Sprecherin und Protagonisten wurden visuell markiert. Die Position der Dolmetscherin im Bild sowie die Fotos der jeweilig sprechenden Person verdeutlichten, wer gerade sprach. Für den Hintergrund wurde ein Design angefertigt, das Tiefe und eine leichte Bewegung hatte. Auf diese Weise sollte das Auge nicht nach kurzer Zeit gelangweilt werden. Gleichzeitig überforderte der Hintergrund nicht. Auch Einblendungen waren damit möglich. Eines der wichtigsten akustischen Bestandteile der Radio-Dokumentation war der Ton, vor allem bei Kapitelübergängen. Für die gebärdensprachliche Version wurde ein visuelles Pendant entwickelt. Bei der in die Gebärdensprache übertragenen Radio-Dokumentation handelt es sich damit um ein vollkommen neues Format. Nach Kenntnis der wissenschaftlichen Referentin vom Deutschen Gehörlosen-Bund, Bettina Herrmann, wurde bislang nämlich kein längerer Radiobeitrag oder Feature in die Gebärdensprache gedolmetscht.

Das rund 30-minütige Video kann auf der Website des Bayerischen Rundfunks angeschaut werden.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: infosat.de, 22.01.2013. Bild: Bayerischer Rundfunk.]

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