Alle „Lütten“ sollen Plattdeutsch lernen

Der Plattdeutsche Rat aus Schleswig-Holstein fordert, dass ab 2016 in allen Grundschulen Plattdeutsch-Unterricht erteilt wird. Klaus Nielsky (Bild rechts), Sprecher des Plattdeutschen Rats, verwies auf den Koalitionsvertrag der Regierungsparteien SPD, Grüne und SSW – und auf die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die am 1. Januar 1999 in Deutschland in Kraft getreten ist. „Das Land hat sich damit verpflichtet, das Niederdeutsche zu fördern“, so Nielsky.

Derzeit arbeitet die Landesregierung an dem „Handlungsplan Sprachenpolitik“, mit dem u. a. Dänisch, Friesisch und Niederdeutsch gefördert werden sollen. Klaus Nielsky bezeichnet die Forderung des Rats als „tatkräftige Hilfe“ für die Arbeit an dem Plan.

Der ehemalige Schleswiger Bürgermeister Nielsky geht davon aus, dass noch ca. zehn Prozent aller Schleswig-Holsteiner der niederdeutschen Sprache mächtig sind. Dies entspricht rund 280.000 Personen. Allerdings variiert die Sprecherzahler derjenigen, die Niederdeutsch beherrschen, in den einzelnen Landesteilen stark. Nach Angaben von Marianne Ehlers, Referentin für Niederdeutsch beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB), wird etwa an 30 bis 40 Grundschulen im Land Plattdeutsch-Unterricht angeboten. Die Teilnahme an dem Unterricht ist jedoch freiwillig. Ehlers hat den Wunsch, dass Niederdeutsch als Pflicht- oder zumindest als Wahlpflichtfach in den Lehrplan aufgenommen wird.

In der Hansestadt Hamburg wurde im Jahr 2010 bereits ein „Bildungsplan Niederdeutsch“ entwickelt. Acht Grundschulen, von denen die meisten eher im ländlichen Süden der Hansestadt liegen, arbeiten nach diesem Konzept. Das bedeutet, dort ist Plattdeutsch ein Wahlpflichtfach. „Der regionalsprachliche Unterricht bietet die Chance, Facetten der eigenen Kultur in ihrer spezifischen Sprachform kennenzulernen“, heißt es in dem Konzept der Hamburger Schulbehörde. Die moderne Spracherwerbsforschung befürworte die frühe Mehrsprachigkeit. „Dabei eignet sich das Niederdeutsche in besonderer Weise als Brückensprache zum Englischen, Niederländischen und zu den skandinavischen Sprachen.“ Im Jahre 2019 könnte es erstmalig Abiturienten in Hamburg geben, die sich im Fach Niederdeutsch prüfen lassen.

Die Situation sieht in Schleswig-Holstein jedoch, wie bereits erwähnt wurde, ganz anders aus. Es ist mehr als ungewiss, ob sich daran in der nächsten Zeit etwas ändert, da die Forderung des Plattdeutschen Rats mit hohen finanziellen Mitteln verbunden ist. Momentan gibt es dem Bildungsministerium zufolge ca. 96.000 Grundschüler in Schleswig-Holstein. Sollten alle Grundschüler zwei Stunden Plattdeutschunterricht pro Woche erhalten, wären dafür 313,5 zusätzliche Lehrerplanstellen erforderlich. Martin Habersaat, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, erklärt diesbezüglich: „Der Vorschlag des Plattdeutschen Rats ist eine gute erste Grundlage für die gemeinsame Diskussion über einen Handlungsplan.“ Doch sei „der nicht absehbare Bedarf an zusätzlichen Lehrerplanstellen mit der Haushaltslage und der notwendigen bildungspolitischen Prioritätensetzung nur schwer zu vereinbaren“.

Die Opposition spricht allerdings Lob aus. Die CDU-Landtagsabgeordnete und europapolitische Sprecherin Astrid Damerow sagt: ,,Ich unterstütze die Forderung des Heimatbundes und des Plattdeutschen Rats an die Landesregierung. Je mehr und je früher unsere Kinder das Plattdeutsche erlernen, desto lebendiger wird diese Sprache.“

[Text: Jessica Antosik. Quelle: abendblatt.de, 18.01.2013. Bild: heimatbund.de.]

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