Gefahr, Warnung, Vorsicht – Zur Problematik der Signalwörter für Gefahrenhinweise

ExplosionsgefährlichSignalwörter wie “Gefahr”, “Warnung” oder “Vorsicht” leiten Gefahrenhinweise ein, also Sicherheitshinweise, die Personen bei der Bedienung von Maschinen betreffen. Lange Zeit herrschte ein ziemliches Durcheinander im Hinblick auf diese Wörter. Signalwörter wurden von vielen Redakteuren nach Gefühl eingesetzt. Unterschiedliche Normen und Leitfäden enthielten widersprüchliche Definitionen. So ging die alte Norm VDI-4500-1 (1995) von den drei Signalwörtern “Gefahr”, “Achtung” und “Hinweis” aus. Einige Jahre später, im Jahr 2005, empfahl die tekom-Richtlinie die Wörter “Gefahr”, “Warnung” und “Vorsicht” in Anlehnung an die amerikanische Norm ANSI Z535.

Mit der Globalisierung der Märkte, mit dem zunehmenden Einsatz von Maschinen und Geräten auf verschiedenen Kontinenten wurden Anpassungen und Vereinheitlichungen vorgenommen. Aber das Durcheinander macht sich bis heute bemerkbar: In den Dokumenten, aber auch in den verschiedenen Normen und Richtlinien, die nicht alle zeitgleich harmonisiert wurden. So kann es durchaus sein, dass branchenspezifische Empfehlungen nur teilweise mit allgemeingültigen Normen übereinstimmen. Die heute wichtigsten relevanten Normen mit Bezug auf Sicherheitshinweise sind die Folgenden:

  • SignalwörterEG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (Inkrafttreten am 29. Juni 2006)
  • Produktsicherheitsgesetz – ProdSG, letzte Fassung vom 8. November 2011
  • DIN EN ISO 12100 – Sicherheit von Maschinen von März 2011
  • DIN EN ISO 13849-1:2008-12: Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen, letzte Fassung von Dezember 2008
  • DIN EN/IEC 82079-1: Erstellen von Gebrauchsanleitungen – Gliederung, Inhalt und Darstellung von Juni 2013
  • DIN ISO 3864-3:2012-11: Grafische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen von November 2012
  • ANSI Z535.6:2011 Product Safety Information in Product Manuals, Instructions, and Other Collateral Materials von September 2011

Harmonisierung der Signalwörter

Sehr giftigDie Harmonisierung der Signalwörter brachte mehrere Probleme mit sich, die immer noch in vielen Betrieben schlummern und aufgrund der modularen Produkt- und Dokumentationsprozesse für Fehler sorgen. Viele Betriebe arbeiten mit abweichenden inhaltlichen Zuordnungen der Signalwörter: GEFAHR, WARNUNG, VORSICHT, HINWEIS.

Wörter wie ACHTUNG werden in der Praxis immer noch sowohl für Personen- als auch für Sachschäden verwendet, denn es gibt dafür keine eindeutige allgemein akzeptierte Vorgabe. Der Redakteur müsste sie eigentlich entsprechend der Schwere der Gefährdung neu zuordnen. Im Einzelfall bedeutet es, dass in einem Warnhinweis ACHTUNG durch GEFAHR oder WARNUNG und im nächsten durch HINWEIS ersetzt werden müsste. Kleines Praxisbeispiel:

  • Achtung! Schrauben und U-Seal-Dichtungen verwenden.
  • Achtung! Verletzungs- und Infektionsgefahr.

In einem Großteil der Unternehmen sind Redaktionssysteme im Einsatz, die Informationsmodule verwalten und für die Anfertigung neuer Dokumentationen neu zusammenstellen. Gerade bei notwendigen Änderungen wie der Überarbeitung der Sicherheitshinweise erweist sich dieses Konzept als sehr vorteilhaft. Es ist nicht mehr notwendig, viele einzelne Dokumente zu bearbeiten. Es reicht, einzelne Informationsmodule zu ändern, die Sicherheitshinweise enthalten. Danach lassen sich aktualisierte Versionen von Dokumentationen mit korrekten Sicherheitshinweisen erstellen.

Signalwörter müssen der Gefahrensituation angepasst sein

HochentzündlichDie Überarbeitung der Sicherheitshinweise wird allerdings dadurch erschwert, dass es nicht genügt, ein Signalwort durch ein anderes zu ersetzen. Inhaltlich müssen die Signalwörter der Gefahrensituation angepasst sein. Bei größeren Mengen an Informationsmodulen ist eine gesamte Überarbeitung des Bestands aufgrund der verfügbaren Ressourcen nicht immer leicht umzusetzen. Hier kann man beispielsweise mit Verwendungsattributen arbeiten, mit denen der Autor erkennen kann, ob die Sicherheitshinweise bereits validiert wurden oder noch nicht.

Problematischer wird es in den Fremdsprachen

Problematischer wird es in den Fremdsprachen. Fremdsprachige Versionen werden in den Normen ANSI Z535 und DIN ISO 3864-2 festgelegt, die sich im Einzelfall sogar widersprechen. So konkurrieren beispielsweise in Italienisch für WARNUNG “AVVERTIMENTO” (DIN ISO 3864-2) und “ATTENZIONE” (ANSI Z535). Bei der Aktualisierung der Normen hat man in vielen Fällen die Fremdsprachen vergessen oder später angepasst.

Das hat für den Übersetzungsprozess schwerwiegende Folgen. Segmente, die auf der Basis eines früheren Stands übersetzt wurden, werden unverändert in neue Dokumente übernommen. Sie gelten oft als korrekte Treffer, die nicht mehr inhaltlich geprüft werden müssen.

Manche Unternehmen zahlen Übersetzern für 100%-Matches aus dem Translation Memory nichts, sodass diese unbesehen automatisch in die Übersetzung einfließen. Wenn aber aus “ACHTUNG” künftig “WARNUNG” werden soll, ist dies problematisch. Weil Translation Memories im Grunde nur einzelne Sätze speichern, kommen auch Einzelsituationen vor, in denen ein kurzes Segment wie “GEFAHR” (alleinstehend) kontextabhängig mal mit WARNING, mal mit DANGER übersetzt werden müsste. Dies spricht dafür, dass auch solche Treffer aus dem Translation Memory inhaltlich geprüft werden sollten.

Translation Memories regelmäßig pflegen

Umweltgefährlich

Es ist daher zu empfehlen, Translation Memories in regelmäßigen Abständen zu pflegen und auch die Überprüfung der Matches aus dem Translation Memory während des Übersetzungsprozesses zu vereinbaren. Bei der Memory-Pflege könnte man ältere Segmente mit Signalwörtern einem bestimmten Bearbeitungsstatus zuweisen, bis sie in einem Projekt verwendet und bestätigt werden.

Aufgrund der zunehmenden Regulierung der Dokumentation und der Bedeutung der Sicherheitshinweise für eine sichere Bedienung von Maschinen, Geräten oder Anlagen ist die Vereinheitlichung und inhaltliche Anpassung der Signalwörter in mehreren Sprachen eine wichtige Aufgabe.

[Text: D.O.G. GmbH. Quelle: D.O.G. news 03/2013, Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion. Bild: D.O.G. (Tabelle), die übrigen Gefahrensymbole sind gemeinfrei.]

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