BDÜ Bayern interviewt „Fräulein mit der roten Jacke“ im Memorium Nürnberger Prozesse

Fräulein in roter JackeWer hätte gedacht, dass das Foto vom „Fräulein mit der roten Jacke“ mehr als 60 Jahre später das Thema eines Zeitzeugengesprächs im Memorium Nürnberger Prozesse sein würde? Am wenigsten das abgebildete Fräulein selbst: Elly Dierckx, damals noch Elly Kupfer, arbeitete 1945 bis 1946 als Sekretärin beim Internationalen Militärtribunal in Nürnberg.

Im Rahmen der Reihe „Zeitzeugengespräche“ des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) unterhielt sich die gebürtige Nürnbergerin am 19. Januar 2014 mit dem BDÜ-Referenten Dr. Theodoros Radisoglou – über das berühmt gewordene Foto, ihre Arbeit und wie sie dort ihren späteren Mann, den Gerichtsdolmetscher Louis Dierckx, kennenlernte. Die Veranstaltung war eine Kooperation des BDÜ-Landesverbandes Bayern mit dem Oberlandesgericht Nürnberg und dem Memorium Nürnberger Prozesse.

Die Entstehungsgeschichte des Bildes aus dem Jahre 1946 war eines der spannenden Themen, über die Elly Dierckx im Schwurgerichtssaal 600 berichtete. Es zeigt die gebürtige Nürnbergerin in eben jenem Saal bei der Demonstration der neu entwickelten Simultananlage für Gerichtsdolmetscher.

Aufgenommen hat es der amerikanische Militärfotograf Ray D’Addario, der die attraktive junge Dame darum gebeten hatte, für den Fototermin mit der Presse in einer roten Jacke zu kommen. Die Mutter von Elly Dierckx war zum Glück Schneiderin und so konnte sie dieser Bitte nachkommen.

Das Bild blieb dem Fotografen so im Gedächtnis, dass er Elly Dierckx in den 70er-Jahren bei einem Besuch in Nürnberg per Zeitungsannonce mit Foto suchte. Mithilfe eines ehemaligen Schulkameraden der Nürnbergerin fand er sie in Belgien, wo sie damals mit ihrem Mann lebte.

Das Bild „Das Fräulein mit der roten Jacke“ zählt zu den schönsten Exponaten der Fotoausstellung „Dolmetscher und Übersetzer beim Nürnberger Prozess 1945/46“ des BDÜ Bayern. Die Ausstellung umfasst mehr als 60 Bilder von Ray D’Addario mit Bildern vom Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Die Ausstellung wird nach einem Zwischenstopp im Goethe-Institut in Prag ab Mai im Amtsgericht in Fürth zu sehen sein.

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ Bayern, 2014-01-20. Foto: Ray D’Addario / Stadtarchiv Nürnberg.]

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