GfdS: „-gate“ kein Anglizismus des Jahres, sondern ein alter Hut

GfdSDie Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) widmet sich der Pflege und Erforschung der deutschen Sprache. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie Anglizismen grundsätzlich ablehnt. Auch sie sind Teil der deutschen Sprachwirklichkeit und werden kreativ eingesetzt. Insofern spricht aus der Sicht der GfdS auch nichts dagegen, den Anglizismen eine eigene „Wort des Jahres“-Aktion zu widmen, wie das der Berliner Anglistikprofessor Anatol Stefanowitsch seit einigen Jahren tut.

Herausgekommen ist in diesem Jahr mit dem Suffixoid -gate allerdings ein Wort (besser gesagt: Wortbestandteil), das es im Deutschen bereits seit 1972 gibt, entlehnt im Zusammenhang mit dem Watergate-Skandal.

Im Anglizismenwörterbuch von Broder Carstensen aus dem Jahr 1993 wird -gate mit der allgemeinen Bedeutung „Skandal“ auch bereits als im Deutschen produktiv und reihenbildend beschrieben. Dass -gate in den letzten Jahren immer häufiger verwendet wurde und immer mehr Bildungen hinzukamen, hat die GfdS in der Rubrik „Zeit-Wörter“ in ihrer Mitgliederzeitschrift Der Sprachdienst (2/2013) auch schon einmal aufgegriffen.

Unklar an der Wahl von -gate zum Anglizismus des Jahres bleibt jedoch, warum die zunehmende Verwendung ausgerechnet für das Jahr 2013 so besonders charakteristisch sein soll. Eine Fülle von Anglizismen bürgert sich im Deutschen immer mehr ein und wird für neue Bildungen herangezogen – man denke etwa an Service.

-gate ist im deutschen Sprachgebrauch wohl spätestens mit der Verwendung im CDU-Spendenskandal im Jahr 2000 angekommen und insofern eben kein aktuelles Beispiel für einen neu ins Deutsche integrierten Anglizismus, sondern ein alter Hut.

Links zum Thema

2014-01-27: Anglizismus des Jahres 2013: die Nachsilbe -gate

www.gfds.de

[Text: GfdS. Quelle: Pressemitteilung GfdS, 2014-01-28. Bild: GfdS.]

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