Schrift und Sprache der Mayakultur entschlüsseln – Langzeitforschungsprojekt über 15 Jahre

Maya-Schrift

Relief mit Maya-Schrift in einem Tempel in Palenque im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, Kalkstein mit Resten der ursprünglich farbigen Bemalung.

Die Schrift und Sprache der klassischen Mayakultur sind der Gegenstand eines neuen Langzeitforschungsprojekts der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste mit Beteiligung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB).

Die Wissenschaftler wollen in den kommenden 15 Jahren zunächst sämtliche Texte der Hieroglyphenschrift der Maya zwischen 500 vor Christus und 1500 nach Christus erschließen.

Anschließend wollen sie auf dieser Grundlage ein umfassendes Wörterbuch der klassischen Mayasprache erstellen. Die Leitung des Projekts „Textdatenbank und Wörterbuch des klassischen Maya“ hat Prof. Dr. Nicolai Grube von der Universität Bonn inne. Weiterer Kooperationspartner ist neben der SUB die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn. Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste finanziert das Vorhaben mit rund 5,4 Millionen Euro.

Rund 10.000 Schriftträger sind aus der Zeit der vorspanischen Mayakultur bekannt, die sich über das Gebiet der heutigen Staaten Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras erstreckte. Diese sollen zunächst inschriftenkundlich und sprachwissenschaftlich analysiert und in einer Datenbank gesammelt werden. Das darauf aufbauende Wörterbuch soll zusätzlich auch in gedruckter Form erscheinen und den gesamten Wortschatz des Klassischen Maya abbilden.

„Erstmals wird es so möglich, alle Vorkommen der Maya-Hieroglyphen mit Angaben der originalen Hieroglyphenschreibung, Umschrift und Übersetzung sowie unter der Abgabe von vielfältigen Rahmeninformationen in einer digitalen maschinenlesbaren Textdatenbank zu integrieren“, so Prof. Grube.

Die SUB ist als Kooperationspartner für die informationswissenschaftliche Konzeption und Umsetzung des Projektes zuständig. „Sowohl die Datenbank als auch das digitale Wörterbuch werden durch die Virtuelle Forschungsumgebung TextGrid unterstützt“, erläutert Dr. Heike Neuroth, Leiterin der SUB-Abteilung Forschung und Entwicklung.

Der von der SUB koordinierte Forschungsverbund TextGrid baut mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine internetbasierte Forschungsumgebung auf, die Geisteswissenschaftlern Werkzeuge und Dienste für die Auswertung und Erstellung von textbasierten Daten in unterschiedlichen digitalen Archiven bietet.

„Sämtliche Forschungsdaten werden im TextGrid Repository, einem digitalen Langzeitarchiv für geisteswissenschaftliche Forschungsdaten, öffentlich zugänglich gemacht und dank komplexer Suchabfragemöglichkeiten in verschiedenen Kontexten nachnutzbar sein“, so Dr. Neuroth. Ebenfalls an der SUB angesiedelt ist unter anderem die Entwicklung eines fachspezifischen Metadatenschemas, das die Forschungsdaten beschreibt und so nutzbar macht.

Link zum Thema

Wikipedia-Artikel „Maya-Schrift“

[Text: Universität Göttingen. Quelle: Pressemitteilung Informationsdienst Wissenschaft, 2014-03-10. Bild: Wagner / Universität Göttingen.]

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