Großbritannien: Gravierender Mangel an Sprachkenntnissen im diplomatischen Dienst

In vielen diplomatischen Vertretungen Großbritanniens im Ausland gibt es  offensichtlich gravierende Defizite an Kenntnissen der lokalen Sprachen. Nur 38 % der Stellen können mit fremdsprachlich qualifiziertem Personal besetzt werden.

Zu diesem Ergebnis kommt ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss (Commons Foreign Affairs Committee), der die Leistungsfähigkeit und finanzielle Ausstattung des britischen Außenministeriums (Foreign & Commonwealth Office, FCO) untersuchen sollte.

Das festgestellte Sprachdefizit sei wesentlicher Bestandteil eines allgemeinen Verfalls an Kenntnissen und Verständnis für spezifische lokale Gegebenheiten. „Criticism of FCO expertise has commonly centred on an apparent decline in proficiency in foreign languages, something which we have drawn attention to repeatedly over the years“, heißt es in dem Bericht.

Nur 38 % der Posten mit sprachlich ausreichend qualifiziertem Personal besetzt

Lediglich 38 % der Posten, für die Kenntnisse der lokalen Sprache eigentlich als unabdingbar erachtet werden, seien mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzt.

Insbesondere Krisenregionen sind betroffen

Besonders alamierend sei, dass dieser Mangel vor allem aktuelle Krisenregionen betreffe. Im Nahen Osten und Nordafrika sowie Russland und Osteuropa liege dieser Wert sogar nur bei 28 %:

 It is alarming that the strongest criticisms that we have heard about the FCO’s capacity to gain local knowledge, and the most striking evidence of a shortfall in proficiency in foreign languages, relate to regions where there is particular instability and where there is the greatest need for FCO expertise in order to inform policy-making.

Fehlende Arabisch- und Russischkenntnisse

Betroffen sind besonders die Sprachen Arabisch und Russisch. Der Bericht zitiert den ehemaligen Botschafter in Russland (2004-2008), Sir Tony Brenton, der dieses Sprachdefizit für Fehler der britischen Außenpolitik im Ukraine-Konflikt verantwortlich macht:

British diplomacy towards Russia and elsewhere has suffered because of a loss of language skills, particularly in the Foreign Office. There was quite a lot of complaint in Whitehall after the annexation of Crimea that the Foreign Office had not been able to give the sort of advice that was needed at the time. I think that is regrettable and it marks a change from when I was there.

In diesem Zusammenhang warnte der Ausschuss vor weiteren Budget-Kürzungen für das FCO, dass seit 2010 starke finanzielle Einschnitte hinnehmen musste.

[Text: Bernhard Schneider. Quelle: bbc.com, 2015-02-27; parliament.uk, 2015-02-27. Bild: Foreign Office.]

WordPress theme: Kippis 1.15