„Bezahlung schlechter als 2004“: ADÜ Nord informiert an Uni Hamburg über Situation der Justizdolmetscher

Svenja Huckle, Jörg Schmidt

Die ADÜ Nord-Vorsitzende Svenja Huckle und Referent Jörg Schmidt erläuterten an der Uni Hamburg die Honorarsituation der Justizdolmetscher.

Qualität zu Dumpingpreisen: Das ist es, was sich die Hamburger Justiz offenbar von den für sie tätigen Dolmetschern wünscht – oder steht gar der Preis im Vordergrund, und auf die Qualität wird nicht geschaut? Dieser und anderen Fragen ist der ADÜ Nord am 05.04.2016 in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in der Arbeitsstelle für Wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) in der Universität Hamburg unter dem Titel „Arbeitsbedingungen und Vergütung von Justizdolmetschern – Situation und Entwicklungsperspektiven“ nachgegangen.

Bezahlung schlechter als 2004

Fakt ist: Durch verschiedene Tarifanpassungen in den vergangenen Jahren sowie die Einführung von Rahmenverträgen werden Hamburger Justizdolmetscher schlechter bezahlt als noch 2004, der Senat sieht hier „keinen Reformbedarf“. Und das, obwohl einer guten Verdolmetschung in Gerichtsverfahren eine wichtige Funktion im Rechtsstaat zukommt – denn nur so sind ein faires Verfahren und das rechtliche Gehör auch für Menschen mit einer anderen Muttersprache gewährleistet.

Dies hat der ADÜ Nord zum Anlass genommen, die CDU-Fraktion nach ihrer Großen Anfrage im Herbst 2015 zu unterstützen, indem ein geeigneter Antrag in die Hamburger Bürgerschaft eingebracht wird.

Unzureichende Vergütung, schlechte Arbeitsbedingungen, mangelnde Kommunikation

Vier Kernpunkte umfasst das Problem: Zum einen die unzureichende Vergütung der Dolmetschleistungen, die durch die Rahmenverträge noch verschlechtert wird, zweitens die schlechten Arbeitsbedingungen, was technische und sachliche Ausstattung angeht, drittens mangelnde Kommunikation und fehlende Dialogstruktur mit den Behörden sowie schließlich das Fehlen von Koordinationsstrukturen.

Justizdolmetscher erhalten in Deutschland keinen Zugang zu den Akten

Der Präsentation durch das Vorstandsmitglied Jörg Schmidt, selbst außer Übersetzer auch Jurist, folgte eine lebhafte, aber nicht kontroverse Diskussion. Dabei kamen diverse weitere Probleme zur Sprache: So erhalten Justizdolmetscher, anders als in mehreren anderen Ländern, in Deutschland keinen Zugang zu den Akten, um sich auf einen Einsatz vorzubereiten. „Die Gerichte haben kein Gefühl für die Situation von Dolmetschern“, so die einhellige Meinung des etwa 30-köpfigen Publikums.

Durch Niedrighonorare vermehrt schlecht qualifizierte Dolmetscher im Einsatz

Ein weiteres Problem ist, dass aufgrund der Niedrighonorare vermehrt schlecht qualifizierte Dolmetscher zum Einsatz kommen – so sind die Kosten für Polizeidolmetscher in den vergangenen Jahren in Hamburg gesunken, obwohl die Zahl der Aufträge gestiegen ist. Das Ergebnis sind möglicherweise schlechte Verdolmetschungen, die den Steuerzahler dann wieder an anderer Stelle durch Kosten für Prozesse tragen muss.

EULITA nimmt sich des Themas an

„Alle hier angesprochenen Themen werden EU-weit im Rahmen von Projekten wie LIT Search von EULITA, das eine europaweite Datenbank für Justizdolmetschern und -übersetzern zum Ziel hat, behandelt“, so Prof. Dr. Christiane Driesen von der gastgebenden Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) der Universität Hamburg. EULITA ist die 2009 gegründete European Legal Interpreters and Translators Association.

Sie wünschte den ADÜ-Nord-Aktiven viel Erfolg bei ihrem Einsatz. Diese hoffen jetzt auf eine Behandlung des CDU-Antrags im Justizausschuss der Hamburger Bürgerschaft und planen bereits weitere Maßnahmen.

Links zum Thema

www.adue-nord.de

www.eulita.eu

[Text: Heike Vosberg / ADÜ Nord. Quelle: Pressemitteilung ADÜ Nord, 2016-04-13. Bild: Jan Glebinski / ADÜ Nord.]

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