H2D: Erster privater Flüchtlingssender startet auf Deutsch, Arabisch und Englisch

H2D-LogoAm 6. September 2016 hat der erste private Fernsehsender für Flüchtlinge unter dem Namen H2D (Handshake2Deutschland) seinen Betrieb aufgenommen. Das frei empfangbare, mehrsprachige Programm wird im Kabelnetz von Unitymedia und über Satellit ausgestrahlt. Es erreicht damit rund 20 Mio. Haushalte. Außerdem ist es über den Internet-TV-Anbieter ZATTOO zu sehen.

Das Programm wird auf Deutsch, Arabisch und Englisch produziert. Partner wie France 24, Euronews und Spiegel TV liefern Inhalte zu.

Privat finanziertes Projekt der Fernsehmacher Frank Apfel und Alexander Trauttmansdorff

Initiatoren und Betreiber sind die erfahrenen TV-Unternehmer Frank Apfel und Alexander Trauttmansdorff. Apfel ist Inhaber einer Service- und Beratungsfirma für Spartenkanäle und Kabelbetreiber. Trauttmansdorffs Firma High View produziert unter anderem den Musiksender „Deluxe“ und den Dokumentationskanal „Planet“.

In einem Gespräch mit dem Mediendienst DWDL erklärt Frank Apfel: „Wir sind Medienunternehmer und wir möchten etwas zur Integration von Flüchtlingen beitragen. Wir glauben, dass sich das Fernsehen sehr gut dazu eignet, die Integration von Flüchtlingen zu unterstützen. Für uns geht es vorrangig um die Sache und nicht um den Kommerz. Wir sehen uns als Serviceportal für Flüchtlinge.“

Auf die Frage, wie das Projekt finanziert wird, antwortet Apfel: „Bisher alleine durch Eigenmittel. Mein Partner Alexander Trauttmansdorff und ich investieren bereits seit einem Jahr Geld und Zeit in das Projekt […]. Glücklicherweise haben wir viel Unterstützung von Partnern bekommen. Dazu zählt z. B. die Münchener Agentur ‚Me Happy‘, die unser TV Design gemacht hat, unsere Distributionspartner Unitymedia und Astra und Contentlieferanten wie France 24 und Euronews. […] Wir erfahren in der Medienbranche eine enorme Unterstützung. Alleine wären wir gar nicht in der Lage, so ein Projekt anzuschieben.“ Gerne würde Apfel auch Werbung schalten. Bislang ist das jedoch noch nicht der Fall.

Als Betreibergesellschaft haben Apfel und Trauttmansdorff die H2D GbR (H2D gemeinnützige GmbH i.Gr.) gegründet, deren Geschäftsführer sie sind. Firmensitze sind Neustadt an der Weinstraße und Landshut.

Studio H2D

Zentrales Programmelement ist die eigenproduzierte Sendung „Studio H2D“, in der Moderatorin Emily Whigham (links) mit Flüchtlingen (Mitte) und Helfern spricht.

Auf der Website wird das Konzept wie folgt beschrieben:

Der Sender startet zunächst mit einer Programmschleife, die täglich aktualisiert wird. Zum Sendebeginn umfasst das Programm Erklärfilme, die Flüchtlingen Erstunterstützung geben sollen und Aspekte des Lebens in Deutschland erläutern.

 

In der eigenproduzierte Sendung „Studio H2D“ werden Gäste interviewt sowie Medien-, Informations- und Sprachangebote für Flüchtlinge, insbesondere Webseiten und Mobile-Apps, vorgestellt und bewertet. Darüber hinaus erhalten Flüchtlinge die Möglichkeit, sich Arbeitgebern für einen Job zu präsentieren.

 

Die France 24-Sendung „The Observers“ zeigt kurze Features aus aller Welt, die von Amateuren produziert und über die Redaktion von France 24 verifiziert und aufbereitet werden. Das Technikmagazin #Tech24 stellt neue Technologien vor. Kurze Clips auf Arabisch (MaroWeltShow) geben zudem einfachen Deutschunterricht. Das Programm soll nach und nach ausgebaut werden.


Deutschland kennenlernen, Zusammenleben gestalten

Wie lebt man in Deutschland? Wie gehen die Menschen hier miteinander um? Welche Verkehrsregeln gibt es? Wie ist die Gesundheitsversorgung organisiert? Welche Feiertage haben die Deutschen und wie werden sie begangen? Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich Flüchtlinge stellen, die neu nach Deutschland kommen.

 

H2D will sie beantworten und Einblick in die deutsche Lebenskultur geben. Dabei stehen praktische Lebenshilfe, die Orientierung im Alltag und der Spracherwerb im Vordergrund. Aber auch die vielen Helfer will H2D dabei unterstützen, die Neuankömmlinge besser kennenzulernen. Nur, wer etwas über den anderen weiß, kann Vorurteile abbauen und das gesellschaftliche Zusammenleben gestalten.

 

In diesem Sinne ist H2D ist ein multimediales Integrationsprojekt. Neben einem klassischen Fernsehsender und einem TV-Angebot in Flüchtlingsheimen stehen die Inhalte von H2D auch online zur Verfügung. Nachrichten, zahlreiche Infos und praktische Tipps, Erklärvideos, Hinweise auf Sprachkurse, aber auch Kultur und Musik – H2D bietet ein breites Spektrum an Themen, das Flüchtlinge und ihre Helfer interessiert.

H2D geht direkt in die Flüchtlingsheime

H2D geht direkt dorthin, wo sich Schutzsuchende aufhalten – in die Flüchtlingsheime. Dort stellen die Betreiber Fernseher auf, die sich per LAN, WLAN oder Mobilfunk aktualisieren lassen. Das Flüchtlingsheim-TV ist vor allem in Gemeinschafts- und Aufenthaltsräumen, in Eingangsbereichen oder Kantinen zu empfangen. Die Ankommenden können die Wartezeit nutzen, um sich durch H2D mit wichtigen Informationen vertraut zu machen – über Asyl in Deutschland, Termine für Gesundheitsvorsorge, Informationen über die Region und vieles mehr.

Pilotprojekt lief in Kurpfalz-Kaserne in Speyer

H2D ist als Pilotprojekt in der Kurpfalz-Kaserne Speyer – eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Trier – gestartet. Ein spezielles System ermöglicht die individuelle Information der Ankommenden. In verschiedenen Bereichen, so im Ankunftsbereich, dem Wartebereich der Gesundheitsstation und der Kantine, sind Screens angebracht, die mit per WLAN zu steuernden Boxen verbunden sind.

 

Neben einem H2D-Rahmenprogramm mit Erklärfilmen, Wetterinformationen und Landschaftsaufnahmen der Marke Deluxe Lounge ist ein individualisiertes Angebot des Flüchtlingsheimes zu sehen – so Informationstafeln zu verschiedenen Themen, unter anderem zu Gesundheitsuntersuchungen, Öffnungszeiten, Kinderbetreuung, Freizeitangeboten, aber auch Informationen über die Region.

www.h-2-d.de

[Text: Richard Schneider. Quelle: H2D; DWDL, 2016-09-06. Bild: H2D.]

WordPress theme: Kippis 1.15